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History Slam – LiLa Herderberg „Austrian Agenda 2020“

Der vorletzte Beitrag zum History Slam ist online! Die Künstlerin LiLa Herderberg verknüpft den lieben Augustin, die Wiener Pestepidemie von 1679 und die Coronapandemie von jetzt. Der Text wurde nach dem Aufruf der Kleinen Zeitung geschrieben, es wurde um positive vibes gebeten. Und Augustin behielt seinen Optimismus. Trotz Sperren zog er also von Lokal zu Lokal bis er in einem Massengrab landete – aber lebend.

Für manche war er eine Mahnung, für andere ein Held.

Für mehr von LiLa hier!

Laut Studien ist Coronavirus dreimal tödlicher als die Grippe. Natürlich muss man immer positiv bleiben, bei jeder Krankheit. Und natürlich ist es eine Frechheit, dass Politiker:innen machen können, was sie wollen.

Aber ich will auf keinen Fall Krankheiten, an denen tausende Menschen sterben, verharmlosen. Ich glaube, dass der erste Lockdown gescheit war. Aber die Belastung für Ärztinnen und anderes Gesundheitspersonal ist furchtbar und wäre zu vermeiden oder zumindest zu verbessern, wenn Menschen rücksichtsvoll wären. Diese Ignoranz und Respektlosigkeit ist nicht zu überbieten.

Auch dass Krebsoperationen und -nachsorgeuntersuchungen verschoben wurden, ist einfach nicht verantwortbar.

Ich kenne übrigens zwei Menschen, die gestorben sind. Und ihr?

Eine Frage der Maske

300.000 Artikel pro Tag beschäftigen sich damit, wie sehr Leute es hassen, Masken zu tragen.

Die Maskenpflicht ist von den Medien so groß gemacht worden…. ich weiß nicht, warum, und es geht mir auch wahnsinnig auf die Nerven, dass Leute sich aufregen, sie zu tragen!

Ärtz*innen tragen sie doch auch die ganze Zeit, warum könnt ihr sie nicht fünf Minuten tragen ohne zu jammern? Es ist wie bei Kondomen. du musst erstmal herausfinden, auf was du stehst und dann gehts doch!

Ich habe mich mit diesen Einwegmasken nicht anfreunden können, weil sie sich nicht gut mit meiner Brille vertragen. Jetzt hab ich eine Stoffmaske, die ich sooft auswaschen kann, wie ich will und sie passt über meine Nase, mein Kinn, unter meine Brille und alles ist gut.

Mir ist aufgefallen, dass es ein österreichisch-deutsches Phänomen ist, jetzt wo ich praktisch an der Quelle sitze. Zu mir kommen Leute aus Polen, Tschechien, Kroatien und so weiter und nur die Gäste aus Österreich und Deutschland haben selbstverständlich keine Maske auf.

Alle anderen haben sie erstmal auf, und dann, wenn sie wissen, wo alles ist und viele Leute ihnen begegnen, nehmen sie sie auch wieder ab.

Mir geht dieses Argumentieren tierisch auf den Wecker.

„Wenn ich Grippe habe, trage ich sie auch nicht!“ – Solltest du aber! Glaubst du ich will von dir angehustet und angeniest werden?!? Es wäre einfach höflich, wenn du es machst.

„Wenn ich sie trage, kann ich nicht atmen!“ – Dann lerns halt! Leute, die generell Probleme mit Atmen haben, sind davon natürlich ausgenommen. Aber Menschen sind Gewohnheitstiere. Macht mal. Gewöhnt euch um.

Meine Vorteile

Wenn ich Betten überziehe, trage ich die Maske immer. Nicht, weil ich besonders vorsichtig bin, sondern weil ich weniger Staub in die Nase bekomme, oder Federn oder was dann halt so durchs Zimmer fliegt.

Wenn ich grade wieder mal grausliche Haut habe, brauche ich mich nicht schmerzhaft schminken. Ich setze einfach Maske auf, und gut ist!!

Wenn Leute frisch ankommen, trage ich die Maske immer. Weil sich die Leute sicherer fühlen. Echt! Außer eben die Österreicher*innen! Die fragen dann ganz entsetzt: „A müssma auch..?“

Der Punkt ist doch der: Wenn die Maske nichts bringt, und du hast sie getragen, warst du einfach nur rücksichtsvoll. Auch wenn es nichts bewirkt hat. Du wolltest Rücksicht nehmen. Fühlt sich gut an.

Wenn die Maske was bringt, und du sie nicht trägst, warst du eben ein Arschloch! So einfach.

Corona-Quarantäne-Logbuch

Vor zwei Wochen habe ich mich selbst nach Hause begeben und gehe nur noch zum Einkaufen hinaus. Dass das in meiner kleinen Wohnung und mutterseelenallein manchmal kein Vergnügen ist, ist klar. Hier ist mein Output der letzten Wochen.

Am Samstag, 28. März 2020 wurde von Slam If You Can eine Online Session gestartet. Dieses Video war Teil davon, hier habt ihr es nochmal- mit Untertiteln.

Home Office – in Zeiten von Corona

Zuhause bleiben. Das ist für mich eigentlich keine schwere Aufgabe. Ich bin es gewöhnt, viel zu Hause zu bleiben, ich mache das freiwillig. Aber im Moment kommt halt der Zwang dazu. Nur noch zum Einkaufen das Haus zu verlassen, engt extrem ein. Besonders wenn man so eine kleine Wohnung hat wie ich, ohne Balkon oder sonstige Luftholmöglichkeit.

Spazieren gehen ist die Lösung.

Ich arbeite seit Jahren meist von zu Hause aus. Wenn man selbstständig ist, verschwimmt alles – alles wird Arbeit. Ich zähle Uni, Schreiben und Slam zu meiner Arbeit. Das heißt für den Blog recherchieren und arbeiten, auch Social Media oder Lesen kann Arbeit sein. Freizeit und Arbeit vermischt sich manchmal, man kann keine klaren Grenzen ziehen, meiner Meinung nach.

Routine

Für mich war es total wichtig, eine Routine zu finden, die für mich passt. Zuerst mal muss man sich klar werden:

Wie viel kann ich arbeiten und wie viel Freizeit brauche ich?

Ich habe lange hin und her gesucht. Ich habe dann das Blocksystem entdeckt. Das wird hier genauer erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=2BKuSlstIBM .

Es geht darum, dass du eine bestimmte Zeit hast, um bestimmte Dinge zu tun. Du schaffst dir einen Stundenplan, aber keinen täglichen Stundenplan, sondern einen Allgemeinen. Ich habe zum ersten Mal mitbekommen, wie viel Zeit ich eigentlich hätte. Ich sage immer wieder: „Ach, da fang ich jetzt gar nicht mehr an, ich hab ja nur noch eine halbe Stunde!“ Und dieses Aufschieben bewirkt, das ich täglich viel Zeit verschwende, weil ich sie nicht richtig verwende.

Mit dem Blocksystem überlegt man sich einen Rhythmus. Dinge, die man jeden Tag tun muss, oder auch nur manchmal und man teilt seinen Tag in Blöcke. Man teilt die Dinge, die man macht auf unterschiedliche Blöcke auf. Zum Beispiel startet, wahrscheinlich jede*r mit einem „Morgen-Block“ – Dinge, die du nach dem Aufstehen machst. Bei mir ist das Duschen. Früher habe ich jeden Tag ein kleines Workout in der Früh gemacht, aber das passt mir jetzt nicht mehr. Anziehen, Frühstück, das wars schon. Bei mir kommt nicht mehr in der Früh dazu. Der Wecker wird gestellt- um 10h beginnt mein Arbeitstag. Bis 12.30h habe ich Zeit für diesen ersten Arbeitsblock. Meist checke ich dann meine E-Mails, schreibe meine To-Do-Listen, starte in den Tag. Um 12.30h läutet wieder der Wecker – dann weiß ich: Ich muss Küche aufräumen und Essen kochen. Und so geht es weiter. Sehr oft passiert es, dass ich den ersten Arbeitsblock verlängere, weil ich um halb eins einfach noch keinen Hunger habe und weiß, dass ich nur schnell ein Brot esse, dann muss meine Mittagspause auch nicht so lange werden.

Ihr versteht, was ich meine: Das Blocksystem sieht vor, das was man sich vornimmt und in der Zeit nicht schafft, verschiebt sich auf den nächsten Tag. Du darfst dich nicht stressen und es im nächsten Block machen. Das ist das System. Aber ich hab das halt für mich angepasst. Mit dem Blocksystem hab ich gelernt, was ich will. Und wann ich es machen will.

Dazu musste ich erst überlegen, was mir wichtig ist – Wie ich meinen Arbeitstag gestalten will:

  1. Ich habe für mich beschlossen, dass ich kein Wochenende brauch. Das bringt mich eher raus aus meinem Rhythmus, als dass es mir was bringt.
  2. Ich will mindestens 6 Stunden pro Tag voll arbeiten. 6×7 ist 42 das heißt ich habe eine normale 40 stunden-Arbeitswoche. Rein theoretisch.
  3. Ganz wichtig ist mir meine Mittagspause. Wegen meiner Augen bekomme ich oft Kopfschmerzen und um dem Vorzubeugen, leg ich mich mittags für eine halbe Stunde hin. Manchmal höre ich auch nur Hörbücher und bin wach- aber meine Augen sind zu und ruhen sich aus!
Stundenplan

Jedes Semester muss ich mein Blocksystem ein bisschen an meinen Unistundenplan anpassen- aber das ist im Moment ja wurscht! Auch bei Teamsitzungen oder anderen Besprechungen muss ich nicht körperlich anwesend sein, aber das wären Terminen, die den normalen Arbeitstag durcheinanderbringen würden. Dank dem Blocksystem kann das aber angepasst werden. Wenn ich einen Block auf den nächsten Tag verschieben muss, heißt das nicht, dass ich alle anderen Blöcke auch verschieben muss. Und wenn ich um 13h nachhause komme, weiß ich, dass ich noch die Mittagspause habe, um anzukommen, und dann um 15h wird wieder brav weitergearbeitet.

Tracking – Was mache ich tatsächlich?

Mein größtes Problem war, meine Tätigkeiten zu tracken. Wie viel mache ich wirklich- oder warum mache ich manchmal sowenig, warum ist der Tag schon wieder um- was hab ich in der Zeit eigentlich gemacht?

Ich habe lange versucht, das händisch aufzuschreiben, und bin nicht zufrieden gewesen. Weil viele Sachen die ich mache, kann man nicht nachweisen – es gibt kein eindeutiges Ergebnis. Wenn man drei Kapitel schreibt und dann zwei davon wieder löscht, heißt das ja nicht, dass man nur ein Kapitel geschrieben hat.

Die Lösung war die ganze Zeit vor meiner Nase. Ich nehme dazu jetzt den stinknormalen Kalender, der auf meinem Mac installiert war. Ich verwende meine Bullet Journal als Kalender, und hab einige Termine noch zusätzlich im Handy. Den Kalender am Computer hab ich bis jetzt gar nicht verwendet. Dabei ist er die Lösung! Ich kann in verschiedenen Farben planen und dann verschieben, was ich tatsächlich gemacht habe. Rot und blau ist Arbeit, grün und gelb ist Freizeit. Ich kann es mir einzeln anzeigen lassen, für einen Tag oder die ganze Woche. Wie ich will. Ich kann nachträglich Dinge streichen und hinzufügen oder eben zeitlich verschieben. Und kann alles so genau reinschreiben wie ich will.

Ich habe mein Blocksystem im Wesentlichen seit einem Jahr, ändere es aber alle paar Monate ab, wenn ich das Gefühl habe, irgendwas passt nicht mehr. Wenn du wissen willst, wie genau das aussieht, dann schau das dazupassende Video an.

Finde deinen eigenen Rhythmus!

Und es muss dein eigener Rhythmus sein. Es bringt nichts, sich zu Sachen zu zwingen, die nicht funktionieren. Natürlich muss man sich an Abläufe gewöhnen. Das heißt, wenn ihr was Neues ausprobiert: nicht nach einem Tag aufgeben. Einfach noch mal drüber nachdenken: Was genau passt für mich daran jetzt gar nicht und wie kann ich es verändern?

Wenn wir den Plan und die tatsächlich passierte Arbeit vergleichen, dann schaut das alles sehr anders aus. Aber das ist okay.

Der Plan ist ja nur ein Plan!!

Ich kann mich daran orientieren, bis ich was finde, was besser passt. Das man weiß, da ist eine Struktur, falls ich sie brauche. Wenn ich selbst gut zurecht komm, umso besser.

Und mit dem Tracken muss man ehrlich sein. Ehrlich mit sich selbst!! Und wenn dann da steht, dass ich den ganzen Tag im Bett herumgelegen bin, dann war da keine Motivation, und wenn ich das im Kalender seh, dann krieg ich ein schlechtes Gewissen- aber nicht zu sehr. Weil ich ganz genau weiß, dass da morgen wieder ein Tag beginnt, an dem ich ganz viel machen kann. Ich habe keinen Stress, ich hab einen Plan.

Viel Spaß bei eurem Stay at home office, was auch immer ihr macht!

Wochenrückblick – KW 11 – 09. bis 15. März 2020

Oh mein Gott, was für eine Woche! So schön hat es begonnen und dann: alles wurde abgesagt! Am Montag haben wir noch unbekümmert Karten verkauft und am Dienstag drückt uns die Pressekonferenz die Luft ab. Dementsprechend motiviert war meine Woche dann auch- Ich hatte keine Lust mehr auf irgendwas.

Nachdem am Dienstag auch alle Uni-Veranstaltungen abgesagt wurden, hatte ich am Mittwoch aber Zeit nach Bruck an der Mur zu fahren und bei dem Slam dort mitzumachen. Es wurde überlegt, ob der auch abgesagt wird, aber am Dienstag waren alle noch so: „Hey, wenn weniger als hundert Leute kommen, geht das Virus nicht hin!“

Donnerstag waren wir abends noch in einem Lokal und Freitag war die Stimmung dann so ziemlich weg. Gearbeitet habe ich fast gar nichts, weil ich diese Woche für die Veranstaltungen freigehalten habe. Ein bisschen Unizeug, aber das war es dann auch schon.

Am Samstag hatten wir dann aber doch unseren Stream-Slam. Wenn schon Comedyslam und Sezession abgesagt werden, dann kommen wir eben übers Internet- haben wir uns zumindest gedacht. Von fünf Leuten blieben dann aber drei zu Hause, aus Vorsicht, aus Krankheit- was solls. Ich war auf jeden Fall da und wir haben ausprobiert, wie ein Streamslam so funktioniert und was man alles braucht.

Das Video dazu findet ihr hier:

Sonntag habe ich dann endlich wieder arbeiten können. Das war anscheinend so ein blöder Schalter, der sich in meinem Kopf umgedreht hat, und dann habe ich den ganzen Sonntag Videos aufgenommen und geschnitten und geplant. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich ein besseres Mikrofon brauche.

Ich plane, „überbrücken“ aufzunehmen, so als Hörbuch, würde euch das gefallen? – Es ist ja nur mal ein Plan, aber auf der Liste der Dinge, die ich kaufen muss, stehen jetzt schon Computer, Drucker und Mikrofon und langsam wünsche ich mir echt, dass mein Geburtstag bald daherkommt…..sind ja nur noch vier Monate…. oy.

Aber insgesamt hätte die Woche schlimmer sein können, stimmungstechnisch war Freitag das Tief, aber ich bin am Sonntag wieder voller Action gewesen. Yeah.

von Kunst leben

Im letzten Jahr ist es für mich immer logischer geworden, von Slamauftritten und Slamorganisation zu leben. Ich habe also nicht mehr als Kindermädchen gearbeitet, sondern eigentlich nur noch für Slam.

Die letzten Monate, eigentlich das ganze letzte Jahr, hat es immer besser funktioniert – und jetzt sind alle Veranstaltungen abgesagt. Workshops finden nicht mehr statt, Veranstaltungen, für die ich Auftragstexte schreiben durfte, finden nicht mehr statt. Veranstaltungen, für die die Vereine Geld bekommen hätten, finden nicht mehr statt. Das Problem: Wir alle (also vermutlich nicht alle, aber viele!) arbeiten auf Honorarbasis. Wir bekommen kein 13. oder 14. Gehalt. Wir werden bezahlt – oft sehr wenig – wenn wir auf der Bühne stehen und sichtbar abliefern. Im Hintergrund schreiben wir an längeren Projekten- arbeiten also erstmal ein, zwei Jahre ohne bezahlt zu werden. Wie überleben wir also bis zur nächsten Bezahlung?

Vermehrt versuchen Künstler*innen über Patreon usw, mit Hilfe von Crowdfunding, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Mit Hilfe von Leuten, die ihre Arbeit lieben und das Geld haben, sie zu unterstützen. Mäzenatentum revival, sozusagen.

Natürlich könnt ihr mich auch so unterstützen. Ich habe vor einiger Zeit diese Seite eingerichtet: https://ko-fi.com/trisharadda. Da könnt ihr mich auf einen Kaffee einladen – oder zwei oder drei. Dazu wird PayPal verwendet, das heißt, ihr braucht keine Kreditkarte, sondern nur ein Bankkonto.

Ich hoffe nur, dass das alles bald wieder vorbei ist, also bleibt gesund und haltet zusammen.