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Monatsrückblick: März 2022

„529“ von Christine Teichmann – History Slam Online

Es ist immer schade, wenn eine Veranstaltung, in die man schon viel Zeit und Organisation investiert hat, nicht stattfinden kann. Das ist jetzt schon der zweite Grazer History Slam, den wir ca zwei Wochen vorher absagen müssen.

Ich bin froh, dass, wie auch letztes Mal, der dazugehörige Workshop noch abgehalten werden konnte.

Diesmal haben wir die Veranstaltung ins Internet verlegt und nicht komplett absagen müssen. Die Interviews und die Performances werden von Florian Supé und Christine Teichmann aufgenommen und von mir zusammengeschnitten, zu einem lieben, kleinen Video, das ihr euch bequem von zu Hause aus anschauen könnt.

Überall sagen die Leute, Kunst und Theater triffts am härtesten, und alles wird verboten, auch wenn es keine Cluster gibt, weil sich alle an die Hygienekonzepte halten. Aber ich verstehe auch, dass man eben lieben in Sicherheit bleibt, mit den Menschen, die man sowieso schon angesteckt hat, als rauszugehen und noch mehr Viren zu verbreiten. Das ist klar, dass Kunst und Kultur da als erstes wegfallen, weil man vieles eben auch von Zuhause aus genießen kann. Wenn man kann.

Mir fällt es immer schwerer, Inhalte zur Verfügung zu stellen, weil der kreative Input fehlt. Am meisten werde ich noch immer durch andere Texte und Menschen inspiriert. Und wenn ich zu Hause hocke und lese, dann werde ich eher an meinen großen Buchprojekten weiterschreiben, als kurze Minitexte zum sofort Veröffentlichen.

Dazu kommt, das die normalen Geldeinnahmequellen versiegen. Drei Workshops hätte ich im November gehabt, die wahrscheinlich eh nach irgendwann verschoben werden, aber man spürts. Ich hab während der letzten dreißig Jahre gelernt mit Geld zu jonglieren, ich bin es gewöhnt, aber irgendwie hab ich heute keine Lust auf „Kein Geld, kein Geld, kein Geld!“ Wenn ihr mir helfen wollt, klickt rechts oben: Ko-fi. Danke!

Equal Pay Day

Das ist mein Leben. Das ist mein Körper. Das ist mein Gesicht. Das ist mein Wille. Das ist meine Stärke. Das ist mein Wissen. Aber das siehst du nicht.

Das ist mein Weg. Ich gehe, wohin ich will.
Ich suche. Ich verirre mich. Ich fall hin.
Und ich stehe wieder auf.
Und ich gehe weiter und ich lege mir eine Rüstung an.

Eine Rüstung gegen alle, die nur meinen Körper kennen wollen.
Eine Rüstung gegen alle, die mich zu Boden werfen wollen.
Eine Rüstung gegen alle, die mich kleiner machen wollen, um selbst größer zu erscheinen.
Eine Rüstung gegen alle, die Dinge sagen, die ich nicht hören will.
Eine Rüstung gegen alle, die Dinge tun, die ich nicht spüren will.
Und mit dieser Rüstung gehe ich weiter. Jeden Tag.

Und mit jedem Experience Point kommt ein neues Item dazu, mit jedem Aufstieg in ein neues Level wird meine Welt weiter und größer und manchmal stockts und dann spinnt die Graphik ein bissl und das lenkt mich ab. Und dann kommen einzelne Pfeile durch meine Rüstung und klauen mir Leben. Mein Leben, das ich mir so sorgsam aufgebaut hab. Dann hör ich Dinge, die niemand sagen sollte. Niemand hätte sie jemals denken sollen. Das war in meiner Welt nicht vorgesehen und ich höre Dinge, die ich niemals hören wollte. Wie zum Beispiel:

„Ja, aber du bist Künstlerin, du kannst ja machen, was du willst! Du entscheidest dich ja gegen das Geld!“ oder

„Ja, aber Kinderbetreuerinnen sind schon immer unterbezahlt! Ihr regts euch aber auch nie auf!“

oder: „Dei Stimme mog i ned, aba die Gfriss gfallt ma!“

oder: „Aber du als Feministin kannst ja wohl nicht bei deinen Kindern Zuhause bleiben wollen!“

Dann erklär mir mal, Arschloch, was so schlimm daran wär, wenn Kinderbetreuung fair bezahlt werden würde? Fehlt dann das Geld für die Autobahnen? Oder die Ganztagsschulen? Oder für deine sechste Limosine? Und wenn wir schon mal bei deinem Lifestyle sind, hab ich eine Frage für dich: Darf man Menschen, die weniger als zwei Stunden pro Tag mit ihren Kindern verbringen, überhaupt noch Eltern nennen? Und hast du „Elternteil“ daran gedacht, dass bei all deinen Terminen und Hetzen und Ignorieren und Weglaufen vor deinen eigenen Kindern du aus deinen Kindern auch Arschlochmenschen machst? Aber keine Angst!

Denn dann greifen wir ja ein. Die Legionen von Gutmenschen, die sich scheren, um die Dinge, die du verbockst. Wir sind ja da. Wir fangen auf, wir bessern aus, wir trösten, wir erlösen, wir trocknen Tränen, wir stillen Sehnsüchte. Wir lieben die, die ihr vergessen habt zu lieben. Auch wenns manchmal schwerfällt, denn – deine vernachlässigten Fratzen sind echt nicht liebenswert. Die brauchen extra viele Kuscheleinheiten zum Ausgleich. Sie gieren nach Aufmerksamkeit und du ignorierst, dass es sie überhaupt gibt.

Und jetzt findest du als Experte also, dass Mütter nicht zuhause bleiben sollen, wegen der Statistik. Du findest im Ernst, dass ich als Feministin meine Kinder weggeben soll zu unterbezahlten, unterqualifizierten Menschen, die ihrerseits wieder ihre Kinder weggeben mussten zu unterbezahlten, unterqualifizierten Menschen, damit sie Zeit genug für meine Kinder haben. Das ist deine Logik. Das ist dein toller Wirtschaftsplan?

Es geht nicht darum, dass Frauen schneller wieder in ihren Job einsteigen. Es geht darum, dass sich 2 Erwachsene mit 3 Kindern das Leben nur mit 4 Jobs leisten können. Das ist dein Denkfehler.

Ja, ich will fair dafür bezahlt werden, dass ich mich um Kinder kümmere. Sogar, wenn es nicht meine eigenen sind. Selber machst du das ja nicht.

Aber es muss meine Entscheidung sein. Denn das ist mein Leben. Das ist mein Körper. Das ist mein Gesicht. Das ist mein Wille. Das ist meine Stärke. Das ist mein Wissen. Aber das siehst du nicht.

Und da gibt’s besondere Menschen. Die dürfen mich kleiner machen als ich bin. Die dürfen mich so klein machen, dass sie sich auf mich stützen können. Und die unterstütz ich gern. Dafür bin ich da. Da fühl ich mich nicht eingeschränkt, da fühl ich mich nicht ausgenutzt, da fühl ich mich dafür verwendet, wozu ich geboren wurde.

Denn das ist mein Weg. Ich gehe, wohin ich will. Ich suche. Ich verirre mich. Ich fall hin.

Und ich stehe wieder auf.

Zahlen, bitte.

Geschrieben im Juli 2009. Ich kann also nicht hellsehen.

Bedient euch aus meinem Sparschwein,

denn nur dort ist noch etwas Winziges versteckt.

Ich lebe nicht mehr im Glauben es sei mein,

denn ich arbeite nur für euch, das habt ihr längst entdeckt.

Ihr zahlt Millionen für Rauchverbot und Flugzeuge

jetzt wollt ihr, dass ich mich beuge

Ich war zu jung, durfte nicht wählen,

Will ichs wirklich wissen, soll ichs zählen

Wohin wie viel Geld verschwindet?

Wo man mein Geld dann wiederfindet

Vielleicht wäre es interessant

Andererseits ist es irrelevant

Weil ichs ja nicht wiederseh

Wie finanziert ihr Werbung für die Wahlen?

Von meinem Geld täte es mir weh

Der Schilderwald bereitet nur Qualen

Wenns nach mir ginge, machts wie die Briten

Die sind aufs Internet umgestiegen

Eure Ignoranz, eure traditonellen Riten

Kann man nur noch mit Abfall aufwiegen

Ihr passt auf mein Kärnten auf

So gut, dass ichs nicht mehr brauch

Und wenn ich mir was Neues kauf

Verpufft ihr dann im Rauch

Und ich merk mir dann,

dass es so sein wird, egal wo ich bin,

was der Politiker alles kann,

macht selten einen Sinn.