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Autumn Blood (Film)

Ich muss dauernd an Stieg Larssons „Verblendung“ denken: Wenn du ein Mädchen vergewaltigst, musst du es töten. Als logische Konsequenz, sonst landest du im Knast oder Schlimmeres.

Ich könnte die gesamte Handlung des Filmes hier beschreiben und ihr müsstet euch den Film trotzdem noch ansehen. Aber damit es für alle spannend bleibt, werde ich das Ende verschweigen.

Und darum geht es.  Der Bürgermeister kann die Mutter nicht in Ruhe lassen. Der Vater will ihn vertreiben, also erschießt der Bürgermeister den Vater. Jahre später hat der Bub noch immer nicht wieder angefangen zu sprechen. Die Mutter vegetiert vor sich hin. Das Mädchen und der Bub versorgen sich selbst und helfen der Mutter. Eines Morgens wacht die Mutter nicht mehr auf. Es ist der Tag, an dem das Mädchen von dem Jäger beim Baden entdeckt und vergewaltigt wird. Die Kinder beerdigen die Mutter. Das Mädchen fälscht die Schrift der Mutter und geht ins Dorf, das Sozialgeld abholen. Der Bürgermeister wird darauf aufmerksam gemacht, dass sie geschlagen wurde. Und der Bürgermeister stellt seinen Sohn zur Rede. Weil sie auch mal drankommen wollen, fahren der Metzger und ein Freund zusammen mit dem Jäger (der ja auch der Sohn des Bürgermeisters ist) hinauf auf die Almhütte und bedrohen den Bub bis das Mädchen das Gewehr hergibt und auch der Metzger seinen Spaß hatte. Danach ist das Mädchen apathisch und wird von dem kleinen Buben versorgt.

Die Sozialarbeiterin kommt ins Dorf und stellt Nachforschungen an. Sie stößt auf Schweigen. Die Kinder verstecken sich vor ihr.

Der Jäger, der Metzger und der Freund fahren noch einmal zur Hütte. Die Kinder laufen in den Wald. Die Männer verfolgen die Kinder. Denn sie können niemanden laufen lassen, den sie so zugerichtet haben.

Und hier breche ich ab. Happy End kann es nach all der Gewalt ja sowieso nicht mehr geben. Jedenfalls nicht für alle.

Nein, ich habe nicht Schreiben verlernt, ich habe nur versucht, die Stimmung einzufangen. Die Handlung ist wahnsinnig klar und einfach. Sie braucht keine Worte, nur Bilder. Es gibt keine Dialoge, nur ein paar gemurmelte Sätze. Handeln, nicht reden. Lustig, das aus meinen Tasten zu lesen, nehme ich an. Ich werde immer Worte brauchen. Naja, hier nicht.

Die Bilder sind toll, natürlich. Berge. Schön, kalt und traurig und hart. Und nass, aber das liegt wohl am Wasserfall.

Die Musik treibt, spannend, aber manchmal auch störend. Vielleicht war mir die Musik im Kino einfach zu laut, kann auch sein, aber manchmal hätte eine sanftere Musik gereicht.

Wunderbare junge Darsteller, was wieder beweist: wenn Kinder Dialoge aufsagen, wird das nichts. Du musst sie spielen lassen. Ohne Worte. Dann wird alles gut. Sehr beeindruckend gelungen. Wäre auch blöd, wenn die in den Tiroler Bergen Standarddeutsch sprechen würden.

Die Vergewaltigungsszene, falls ihr euch davor fürchtet, ist übrigens schön unscharf gehalten. Ihn sieht man, sie nicht und das macht das ganze leichter erträglich.

Der Film wird als Alpenwestern bezeichnet, eine seltsame Schublade in die vermutlich kein einziger Film hineinpasst und schon gar nicht dieser.

Als der kleine sich mit dem Gewehr vors Haus gesetzt hat, hat es mir nicht nur das Herz zusammengekrampft, nein, ich musste auch an Straw Dogs denken.

Obwohl die Erzählweise eher langsam und ruhig ist, was vermutlich daran liegt, dass ohne Worte erzählt wird, habe ich mich während der eineinhalb Stunden kein einziges Mal gelangweilt und dass, obwohl das UCI Graz beschlossen hat, den Film erst um 22.45h beginnen zu lassen; eine Zeit also, in der einem manchmal die Augen zufallen könnten. Ist aber nicht passiert. Nicht mal meiner Schwester und das unter der Woche.

Ich empfehle ja nie (selten) was weiter, aber das ist eine Empfehlung 😉

Regie: Markus Blunder

Schauspieler:

Sophie Lowe als das Mädchen (zB auch bekannt als Alice in Once Upon A Time In Wonderland)

Peter Stormare als der Bürgermeister (zB auch in 1000000 (oft kleinen) Rollen: Chocolat, Bad Boys, Minority Report, Leverage, Arrow, Hawaii Five-0, CSI, usw.usw.)

Maximilian Harnisch als der Bub

Annica McCrudden als die Sozialarbeiterin

Gustaf Skarsgård als der Metzger (zB Kon-Tiki, Vikings, Patrik 1.5, The Way Back)

Samuel Vauramo als der Jäger

Tim Morten Uhlenbrock als der Freund

George Lenz als der Angestellte

Nelly Gschwandtner als die Frau des Jägers

Jacqueline Le Saunier als die Mutter

Zum Schluss auch noch der Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=_u8oW8qrwCM

Drama, Thriller, 100 min., Englisch, 2013

Patrik 1,5 (Film)

Kurzinhalt: Ein schwules Pärchen will ein Kind adoptieren, doch statt dem erwarteten Kleinkind, kommt ein 15jähriger krimineller Homophober.

„Das ist Sven, mein Mann!“

Wundervolle Kleinstadtidylle. Freundliche, fröhliche Nachbarn. Schöne „Oh,Gott-Gesichter“, als Göran Sven als seinen Mann vorstellt.        Kurz friert das Lächeln ein und dann wird brav die Fassade aufrecht erhalten. Göran will Familie, Sven will, dass Göran glücklich ist. Aber Sven passt nicht in die Idylle und er wirkt auch ziemlich erleichtert, als das Jugendamt meint, dass kein Amt Schwulen ein Kind geben wird.

„Fass mich nicht an, Scheißschwuchtel!“

Eines Tages kommt ein Brief ins Haus, der 1,5-jährige Patrik sucht eine Familie. Göran bereitet sich vor, steckt Sven mit seiner Vorfreude aber nicht wirklich an. Dann steht der 15jährige Patrik vor der Tür. Zuerst glauben alle an eine Verwechslung.

Göran will dazugehören. All die täglichen Kleinigkeiten, von „Schwuchtel“ schreienden Kindern bis zu Patienten, die von ihrem neuen Arzt nicht berührt werden wollen, verletzen ihn. Er will akzeptiert werden, so wie er auch alle akzeptiert. Svens Exfrau kommt recht gut mit der neuen Situation zurecht, besser als die Teenietochter.

Sven will Patrik so schnell wie möglich wieder los werden. Doch als Patrik sagt, er will nicht zurück ins Heim, will Göran ihn aufnehmen bis sich eine andere Familie findet und Sven geht.

„Der Hund wurde eingeschläfert. Den wollte keiner. Mich auch nicht.“

Patrik öffnet sich ein bisschen und ist kooperativer. Er erzählt über sich und freundet sich mit Svens Tochter an. Seine Fähigkeiten als Gärtner machen ihn bald zum Teil der ganzen Gemeinschaft. Göran beschließt, einen Antrag zu stellen, um Patrik allein adoptieren zu können, falls sich keine Familie findet.

Aber natürlich: Jetzt, wo sie sich aneinander gewöhnt haben, wird doch noch eine Familie gefunden. Patrik versucht, bevor er geht, Göran und Svens Ehe zu retten. Hier ist der Trailer:

So ein süßer Film. Aber nicht kitschig. Kinder verändern das Leben. Alle weiteren Familienmitglieder müssen dafür sein. Einer meiner immer wieder anschauen Lieblingsfilme.

Info:

Comedy, Drama, Schwedisch mit deutschen Untertiteln, 2008, 103 min.

Regie: Ella Lemhagen

Schauspieler:

Gustaf Skarsgård (Vikings, Kon-Tiki, The Way Back) als Göran

Torkel Petersson als Sven

Tom Ljungman als Patrik

Amanda Davin als Isabell

Annika Hallin (Verblendung, Vergebung, Verdammnis, Arn) als Eva

The Way Back – Der lange Weg

Der Film beginnt mit der Zeile, dass drei Männer die indische Grenze überqueren; die Filmbeschreibung beginnt mit der Zeile, dass sieben Gefangene aus einem sowjetischen Arbeitslager entkommen.

Man kann sich also schon mal auf Tod gefasst machen.

Es fliehen mehr oder weniger gefährliche Männer. Wegen der Scheißkälte und dem Schnee sind sie vermummt – man kann sie kaum von einander unterscheiden. Erst im Laufe der 6.000 km langen Flucht wird man sie besser kennen lernen – genau wie sie sich gegenseitig auch erst nach und nach kennen lernen.

Bereits anfangs wird klar gemacht, dass es den Sowjets eigentlich egal war, ob Gefangene entkommen. Im Dauerwinter dort oben erfriert oder verhungert man sowieso relativ schnell.

Nach dem Schnee, der Wüste, den Sandstürmen, den Bergen, dem Wald, der endlosen Weite als freier Mann zu sterben ist aber nicht das echte Ziel.

Und da fragt man sich als Zuseher schon: Welches Ziel könnte so unglaublich sehnsüchtig erwartet werden, dass man so viel Kraft und Durchhaltevermögen sammelt, dass man so eine „Reise“ tatsächlich schafft? Okay, zur Frau zurückkehren ist natürlich löblich, aber alle anderen haben keine Ziele und da weiß ich nicht, warum sie überhaupt weitergehen. Wieso haben es gerade diese drei Kerle geschafft? Was hat sie angetrieben?

Drauf bekommt man keine Antwort, auch wenn die letzten paar Männer sich wohl aus Freundschaft entschließen, noch bis nach Indien weiterzugehen. Großartige Bilder, besondere Natur, gute Geschichte.

Unbedingt anschauen, wenn man die DVD hat, sollte man sich das Making of, weil Peter Weir einfach lustig ist.

Regisseur: Peter Weir (meine Lieblingsfilme von ihm: Club der toten Dichter und Truman Show)

Schauspieler:

(in Klammer wieder meine Lieblingsfilme, hat nichts damit zu tun, ob es die Besten sind 😉 )

Jim Sturgess (Cloud Atlas, Die Schwester der Königin)

Colin Farrell (Brügge sehen … und sterben, Ein Zuhause am Ende der Welt, Nicht auflegen!, Ondine, 7Psychos und und und)

Ed Harris (Die Firma, Truman Show, Apollo 13)

Saoirse Ronan (In meinem Himmel, Abbitte, Hanna, Grand Budapest Hotel)

Gustaf Skarsgård (Vikings, Kon-Tiki, Patrik 1,5 usw.)

und viele andere, mit denen ich noch keine Filme gesehen habe.

133 min, 2010, Drama, Geschichte, Abenteuer, Englisch, Russisch, Polnisch