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Der 9923445. Jahresrückblick und du liest ihn auch noch

Wie war dein 2021? Dieser Blogpost ist zwar über mein 2021, aber das heißt ja nicht, dass ich nicht auch dich fragen kann, wie dein Jahr war.

Alles in allem war das Gefühl des Jahres eher im negativen Bereich. Ganz viele Sachen haben nicht funktioniert wie geplant. Einige Sachen sind auf mich draufgefallen, ohne dass ich ausweichen konnte.

WG

Ich bin in eine WG gezogen. Ja. Ich. Ich, die es liebt, alleine zu sein, und Lieblingstage hat, an denen sie kein einziges Wort spricht. Ich bin in eine WG gezogen. Natürlich war es nicht immer schlecht oder nicht immer gut. Aber ich wohne am liebsten alleine. Das hat sich auch nicht geändert.

Grundsätzlich war ich von meinen Mitbewohnern aber positiv überrascht; die Leute, bei denen ich am meisten befürchtet habe, mit ihnen zusammenzucrashen, mit denen habe ich mich am besten verstanden, die waren meine größte Stütze in diesem Jahr. Es waren einige sehr anstrengende Mitbewohnerinnen und einige sehr angenehme Mitbewohner dabei.

Fazit: Ich mag es nicht mit anderen zusammenzuwohnen. Ich mag es nicht am Land zu wohnen. Ich mag es nicht, in der Früh aufstehen zu müssen, weil irgendwelche Tiere oder Menschen so laut schreien, dass ich davon aufwache. Aushaltbar. Na klar. Sollte sich aber ändern.

Hostel

Mein Sommer war wieder sehr stark an einen Ort gebunden. Durch die Tiere und Pflanzen konnte ich nicht weg, und habe ich mal jemand anderen gebeten, für ein-zwei Tage einzuspringen, ging bei denen immer alles schief. Ja, die Gäste waren manchmal lustig und manchmal blöd. Highlight war wahrscheinlich eine Junggesellenparty, wo ein Typ nach einer Stunde saufen im Garten den ganzen Gang und das Badezimmer vollgekotzt hat.

Schreiburlaub

Aber um seit Jahren mal wieder außerhalb von Österreich zu sein, bin ich dann nach Kroatien gefahren, nach Rijeka. Und obwohl es schon November war hatte ich ein paar warme Tage am Meer und habe in der Zeit mehr geschrieben, als ich es Zuhause kann. Und ich war zwei Wochen nur für mich in einer eigenen Wohnung (mit zwei Tagen Ausnahme) und das war superschön. Und das Meer! Ich liebe das Meer. Ich muss unbedingt öfter ans Meer.

Ö-Slam

Die Österreichischen Meisterschaften im Poetry Slam fanden dieses Jahr in Linz statt. Ich liebe die Linzer Veranstalter:innen. Aber dieses Mal war so viel Nebenzeug, das mein Hirn beschäftigt hat. Natürlich ist das meine eigene Schuld, ich muss ja nicht zuhören, wenn jemand Lügen erzählt und Shitstorms provoziert und Vergewaltiger auftreten dürfen und Nichtvergewaltigern die Bühne verboten wird. Es könnte mir ja auch einfach egal sein. Aber es ist mir halt nicht egal. Und ich habe begonnen, die Slamszene ein bisschen zu hassen. Wir sind Elite, wir sind arrogant und wir sind supernervig und manchmal bedeutet „wertvoll und speziell“ einfach nur „saudeppert und privilegiert“.

Aber: ich habe zum ersten Mal bei einer Meisterschaft etwas geschafft, was ich noch nie zuvor geschafft habe: Ich war mit meinem Auftritt zufrieden. Das ist doch gut, oder. Ja.

Familienzuwachs

Weitaus wichtiger als Zufriedenheit in Wohnung und Beruf ist doch die Familie. Und es gab im Juni ein neues Baby, meine Schwester hat Neffen 2 zur Welt gebracht und es war einfach so schön. Und es ist noch immer so schön ihn zu haben und zu beobachten, wie er wächst und lacht und schreit und mich vollkotzt. Ja. Hashtag Taufpatin.

Den ganzen Dezember habe ich bei meinen Eltern verbracht, weil meine Mutter auf Kur war und ich dann jeden zweiten Tag meine Neffen bei mir hatte (oder zumindest einen). Das ist schön, aber natürlich auch anstrengend.

Und bevor ich euch mit Operationen und Schmerzen und Trauer und Tod nerve, höre ich auf. Was dem ganzen Jahr doch einen sehr positiven Rückblick beschert. Seltsam.

von Panik und Attacken

Einige von euch haben nachgefragt, warum es diesen Sommer keine „Trisha im Hostel“ – Reihe gibt, obwohl Trisha doch eindeutig wieder im Hostel ist und es dauernd seltsame oder lustige Begebenheiten gibt, über die man schreiben könnte.

Ich habe schon länger nicht mehr hier geschrieben. Zum einen weil ich wegen Umzug und extra Arbeitsaufträgen viel zu tun hatte. Zum anderen weil ich immer, wenn besonders viel zusammenkommt, Panikattacken habe. Die dazu führen, dass ich viel Weinen muss und wenig Atmen kann.

Irgendwann hört das dann auf, und dann beschränke ich mich auf das Notwendigste. Und Bloggen ist nicht auf der Prioritätenliste gelandet. Im Moment hat sich mein Zeitmanagement aber nicht verbessert und Probleme haben sich nicht von alleine gelöst. Das ist zum einen eine Frechheit, zum anderen leider logisch.

Mal schauen, wie es in nächster Zeit weitergeht. Ich plane einige Sachen, wer weiß, wie weit ich komme.

[Hostel] Rückblick

Ich habe von 3. Juli bis 7. September ein Hostel in der Südoststeiermark geleitet. Es war ganz viel Arbeit und auch ganz schön. Hier kommt ein bisschen Statistik für euch.

  • Ich habe über 200x Betten abgezogen.
  • Ich habe über 200x Betten frisch bezogen.
  • Ich habe viele, viele Maschinen Wäsche gewaschen und gebügelt.
  • Ich mag Bügeln nicht, besonders nicht Bettwäsche.
  • Ich habe über 185 Gäste willkommen geheißen und verabschiedet.
  • Ich habe unglaublich viel geputzt.
  • Sobald ich etwas geputzt hatte, war es auch schon wieder dreckig.
  • Menschen sind anstrengend.
  • Ich mag Badezimmerputzen nicht.
  • Besonders Kloputzen ist eklig.
  • Besonders wenn man weiß, wer das Klo verschmutzt hat.
  • Dafür gibt es Handschuhe.
  • Die Mund-Nasen-Schutzmaske ist voll praktisch, wenn man putzt.
  • Ich werde nie wieder vergessen, Klopapier zu kaufen. Wenn du vergisst Klopapier zu kaufen, musst du noch einmal zwanzig Minuten den Berg hinunter- und dann noch einmal zwanzig Minuten den Berg hinaufgehen! Das willst du nicht!
  • Wir hatten sechsmal Stromausfall wegen Gewitter.
  • Gäste werden unruhig, wenn sie kein WLAN haben.
  • Das mögen sie nicht.
  • Das mag ich nicht.
  • Von der Terrasse kann man überall hinsehen.
  • Das mag ich.
  • Ich kann über 10.000 Schritte am Tag machen, ohne das Haus nur einmal zu verlassen.
  • Das mag ich.
  • Das Haus hat ungefähr 100000000 Stufen. Jeden Tag ca 20 mehr. Das mag ich nicht.
  • Wenn man Hörbücher hört, vergeht die Zeit viel schneller. Oder halt lustiger. Man denkt gar nicht daran, dass man den ganzen Tag putzt.
  • Für eine Person ist das zu viel Arbeit.
  • Ich bin in einigen Wochen zu nichts anderem gekommen. Das mag ich nicht.
  • Ich dachte, ich hätte ein bisschen Zeit zum Schreiben und zum in der Sonne sitzen. Dafür sollte immer Zeit da sein.

[hostel] Bitte schaut was ihr bucht!

Viele Leute, die zu mir kommen, sind überrascht. Was? Kein Einzelzimmer? Was? Kein Doppelbett? Was, kein eigenes Badezimmer? Leute! Ihr habt ein Hostel gebucht, kein Hotel. Wieso überrascht euch das?

Gut, manche sind auch überrascht, dass Bettwäsche und Handtücher, Kaffee und Tee im Preis inkludiert sind. Aber die meisten Leute erwarten mehr. Und das bringt mich zu einer Frage: Ihr bucht über Booking.com – Wie könnt ihr nicht auf die Fotos und Zimmerbeschreibungen achten? Wieso bucht ihr ein Zimmer, ohne zu schauen, wie es ausgestattet ist?

Ja, es ist das einzige Haus unter 100 Euro pro Nacht in der Umgebung, aber trotzdem! Schaut, was ihr bucht anstatt euch aufzuregen.

Was ist ein Hostel?

Ein Hostel ist eine Unterkunft, meist genutzt von Backpackern oder Kleingruppen, die nicht viel Geld ausgeben wollen. Das heißt: Mehrbettzimmer, geteiltes Badezimmer, geteilte Küche und Aufenthaltsräume. Es heißt MITEINANDER, nicht gegeneinander, okay? Okay.

Was sollte ich beachten, wenn ich in privat geführten Hostels absteige?

  • Die Check-in-Zeiten! Ich mache alle Zimmer alleine fertig. Wenn ich am Vortag weiß, dass ihr drei Stunden zu früh vor der Tür stehen werdet, dann arbeite ich eben bis 22h! Ist ja kein Problem, aber wenn ihr mir das nicht sagt, dann mach ich um 20h Feierabend und dann sind die Zimmer noch nicht fertig, wenn ihr aufkreuzt. Nicht mein Problem! Trotzdem ungut! Und natürlich verstehen die Gäste das. Aber mir macht das einfach nur Stress, wenn ihr im Weg herumsteht, während ich versuche, eure Zimmer im Schnelldurchgang zu putzen. Bitte tut mir das doch nicht an! Warnt mich wenigstens vor!
  • Das gleiche gilt auch für die Abreise. Ihr könnt die Aufenthaltsräume nutzen, solange ihr wollt, aber räumt das Zimmer leer, damit ich mich über die Bettwäsche hermachen kann. Waschen, Trocknen, Bügeln- ihr kennt den Drill- braucht ewig und muss früh begonnen werden!
  • Nehmt Rücksicht aufeinander! Ihr teilt euch Bad und Küche, breitet euch nicht aus, lasst auch noch Platz für die anderen. Ja, für diese eine Nacht seid ihr nicht der Mittelpunkt des Universums. Ist schwer zu checken. Stimmt. Die anderen Gäste wollen nicht eure halbvollen Bierflaschen wegräumen, bevor sie zur Kaffeemaschine kommen. Sie wollen auch nicht die Badewanne auslassen, bevor sie duschen können. Und nein: Natürlich kontrolliere ich nicht nach jedem Gast das Badezimmer. Wie auch? PS: Krach machen bis vier Uhr morgens, wenn Hunde und Kleinkinder im Nebenzimmer sind, ist dumm. Lasst das doch einfach.

Wow, 34 Euro pro Person ist aber billig! Wahrscheinlich ein 5-Sterne-Hotel!

Jetzt ist es passiert, dass ein Paar gebucht hat, gekommen ist, sich alle Dreibettzimmer (weniger als Dreibett habe ich nicht) zeigen hat lassen und dann wieder storniert hat. Wenn du in einem nagelneuen Sportwagen daherkommst, dann willst du nicht hier übernachten. Okay. Verstehe ich. Aber warum buchst du dann ein Zimmer für 60,- statt für 300,-? Du kannst es dir leisten. Also gönn dir! Und meckere nicht, sondern schau vorher, was du da buchst!

Ihr könnt telefonisch buchen. Aber die meisten Leute buchen über booking.com. Und da sind Fotos von allen Zimmern. Natürlich können Fotos lügen. Aber wir halten sie aktuell. Da sind keine Fotos von anderen Hotels, nur welche von diesem Hostel. Da steht auch überall, dass es geteilte Badezimmer gibt. Was ist das Problem? Klickt ihr überall drauf, ohne zu lesen, was abgeht? Das ist gefährlich, okay. Macht das doch nicht.

Ich beschwere mich schon wieder. Dabei habe ich echt liebe Gäste. Die meisten sind sehr freundlich und mit allem zufrieden. Oder haben zumindest geschaut, was sie buchen. Es sind nur einzelne Leute, die 30 Euro zahlen und 300 Euro Wert wollen.

Ich vergesse viel zu oft, die normalen Leute wertzuschätzen, und die Arschlöcher einfach zu vergessen. Ich glaube nicht, dass ich die einzige bin, die das Problem hat.

[Hostel] Wie darf ich mich vor Arschlochgästen verteidigen?

Der Titel ist nicht Clickbait oder so, ich meine die Frage ernst. Ich kann ja nicht gleich die Polizei rufen, das wäre doch übertrieben. So bin ich doch nicht. Aber dann bin ich irgendwie schon so. Ich bin eine (relativ kleine) Frau, ich bin ganz alleine hier oben und die richtig unangenehmen Gäste sind Gruppen – Sauftrupps – von fünf bis zwölf Personen. Sie sind rücksichtslose Arschlöcher, die die ganze Nacht durchfeiern, anderen Gästen das Essen wegessen und einen Ton drauf haben, dass ich sie – wenn ich körperlich dazu in der Lage wäre – eigentlich sofort den Balkon runterschubsen müsste. In einer gerechteren Welt könnte ich das auch tun.

So bin ich zu klein und schwach und – das macht man doch nicht. Sie sind ja nur ein paar Freunde, die sich ein schönes Wochenende machen wollen. Sie denken nicht an andere. Das Lauteste ist ihr Lachen. Gut, das Lauteste ist eigentlich dieses dämliche Vuvuzela-Dings, mit der sie ab und zu – nicht mal oft – herumtröten. Letzte Nacht war so ein „was du schläfst gerade ein?“ -Tröööt – Kampf zwischen meinem müden Körper und ihnen. Ich schätze, sie machen das fünf- bis sechsmal pro Stunde. Vielleicht jeder einmal?

Wie auch immer. Es ist nervig. Und da wünschte ich, ich hätte Autorität, die man ernst nimmt. Oder ich wäre so eine hilflose kleine Lady, der man sowieso niemals widerspricht, weil sie dann einfach in Ohnmacht fallen würde. Das weckt den Beschützerinstinkt. Manchmal löse sogar ich das aus. Letztens hatte ich eine Gruppe Alphamänner da und die haben dann ihre Betten selbst abgezogen ohne dass ich ein Wort gesagt habe. Traummänner halt: Gibts nicht in echt, oder werden bei genauem Hinschauen alpträumerisch.

Aber zurück zu meiner Frage: Ich bin, als sie mich mehrmals aus dem Halbschlaf gerissen hatten, hinunter gegangen und habe ihnen gesagt, dass sie nicht die einzigen sind, die heute hier übernachten, dass eine Familie mit Kindern da ist, dass sie Rücksicht nehmen sollen. Bitte!

Sie haben die Musik für eine halbe Minute ausgeschalten und dann weitergemacht. Was ist dann der nächste Schritt??

Da bin ich dann ja hilflos. Ich habe überlegt, ob ich das WLAN abdrehen soll- das hilft im Normalfall, aber wer weiß? Oder ob ich einfach den Strom auf ihrem Stockwerk abschalten soll? Darf ich das? Ich denke, es ist besser, als die Polizei zu rufen, aber vielleicht ja auch nicht. Vielleicht möchten sie ja lieber mit der Polizei darüber reden. UND: Kommt die Polizei überhaupt bei Lärmbelästigung? Vielleicht haben sie was kaputt gemacht, aber davon weiß ich noch nichts. UND: So ein lächerlicher Grund, die Polizei zu rufen, Oida, will ich nicht!

Aber mit ihnen anlegen kann ich mich halt auch nicht. Dafür bin ich zu klein und zu schwach und vielleicht falle ich in Ohnmacht, wenn mich wer schubst. Und dann stehe ich ungünstig, krache über das Balkongeländer und falle in den seit Wochen ungemähten Rasen und dann findet mich bestimmt niemand mehr! Schöne Scheiße.

Also: Was tun?

[Hostel] Poltergeist vs. Räucherstäbchen

Okay. Jeden Tag eine neue Katastrophe. Bis jetzt wusste ich nicht, was es ist. Ein Fluch? Auf mir? Auf dem Haus? Auf den Gästen? Aber nach heute ist es mir endlich klar geworden.

Es muss ein Poltergeist sein!

Heute ist in einem Badezimmer ein Bild hinuntergefallen. Die Fenster waren geschlossen. Die Tür auch. Kein Luftzug. Und BAAAM! Das Bild fällt hinunter, tausende große und kleine Splitter, überall im Bad verteilt! Oh, wie ich es hasse. Glas ist furchtbar zum Aufräumen. Man kann sich schneiden. Es pickt überall: in den Fugen, auf den Schuhen, in der Badewanne. Glasstaub draußen am Teppich, einfach so weit weg von der Stelle, wo es tatsächlich passiert ist.

Ich habe eine Stunde gebraucht, um es wieder aufzuräumen. Und gerade als ich den Staubsauger wieder wegstellen wollte, blitzt mich ein weiteres Stück Glas an. AAARRRR!

Dieses Zeug ist einfach überall. Und es versteckt sich, um länger unbeachtet dahinzuvegetieren. Schlitzohriges kleines Scheißerchen.

So: Lieber Poltergeist, bitte fahr in den Urlaub! Ich will nicht dauernd von dir erschreckt werden! Es reicht mit den Katastrophen, ich habe keine Kraft mehr dafür! Bitte! Bitte, fahr in den Urlaub, irgendwohin, wo die Leute dich lustig finden.

Wie vertreibt man einen Poltergeist? Soll ich irgendwas anzünden? Hat wer von euch Räucherstäbchen? Oder sonst was? Weihrauchpflanzen hätte ich. Hilft das was? Hallo? Ist da jemand?

Oh mein Gott…..

Ist es seltsam, dass genau jetzt das WLAN ausfällt?

wenn tagelang alles gut geht, …

… dann muss ja bald mal was schief gehen.

Schon passiert.

Dieses Wochenende waren alle Zimmer belegt. Und zwar auch doppelt- also eine Familie schlief von Donnerstag auf Freitag hier und Freitag bis Sonntag ist das Zimmer schon wieder belegt. Eigentlich zu viel Arbeit für so ein kleines Mäuschen wie mich. Aber ich habe die Kraft (haha) um zum Arbeitstier zu mutieren und dann schaff ich auch sowas Abnormales wie 8 Betten überziehen und Zimmer und Bad putzen in unter zwei Stunden. Pfffff.

(Das war die Luft, die gerade aus mir raus ist- jetzt bin ich platt)

Aber das war ja noch gar nicht das Schlimme. Ein Mensch hat im Vierbettzimmer das Sicherungsgeländer vom Hochbett gerissen. Ich weiß nicht, wie- es tut ihm sehr leid und tausendmal Entschuldigung und die Rechnung bitte an ihn. Und alles gut, weil ich bin froh, dass ich mich nicht mit wem streiten muss, der nicht Schuld zugibt oder zahlen will.

Jetzt zum Problem. Das Zimmer ist heute Nacht wieder vergeben! Ich kann ja nicht Leute in einem Hochbett ohne Gitter schlafen lassen – die fallen doch runter!

Lösungsansatz

Naja. Grundsätzlich habe ich zwei Vierbettzimmer. Sie kosten unterschiedlich viel, sind unterschiedlich groß und eines hat ein Privatbad und das andere nicht. Aber das Wichtigste ist doch, dass alle Leute, die ein Bett bei mir wollten auch ein Bett im Hostel haben. Oder?

[Hostel] Hilfe! Ich werde aufgefressen!

Mir ist schon klar, dass ich hier am Land bin. Und das die Natur gleich da draußen ist.

Aber ich mag Spinnen am liebsten draußen und nicht im Haus. Und Gelsen mag ich auch am liebsten … nicht. Ich mag keine Gelsen. Aber Gelsen lieben mich. Macht mich fertig. Ich habe auf den Füßen (Füßen! Nicht Beine!) allein zehn Gelsenstiche. Da sind die Beine echt noch nicht mitgezählt. Füße ist der Bereich, den man mit Socken und Schuhen bedecken sollte, wenn man im Sommer draußen sitzt. Aber ich war halt zu faul und es war halt warm genug. Meh. Und jetzt leide ich. Alles juckt und ist aufgekratzt, weil ich in der Nacht anscheinend mit einem Fuß den anderen kratze. So ein Blödsinn! Aber ihr kennt Gelsen.

Zurück zu meinem Spinnenproblem.

Ich hatte in meiner Kindheit Panik vor Spinnen, weil ich im Reptilienzoo Happ einen Dokumentarfilm über eine Spinne gesehen habe. Irgendeine Giftspinne in den USA, die es bei uns gar nicht gibt – aber das hat mich als Kind so gar nicht beruhigt.

Mittlerweile hab ich keine Angst mehr vor Spinnen. Gar keine! Wenn meine Schwester eine Spinne sieht, ruft sie mich! So gar keine Angst. Meine Höchstleistung war, dass ich mit bloßen Händen – mit bloßen Händen!!!! – eine Spinne aus dem Kinderwagen gezupft hatte. Das war eklig. Und ich konnte die Spinne dann an meinem Arm krabbeln spüren, weil ich nicht gesehen hab, wo das Biest hinflog, als ich sie wieder losgelassen habe. Aber sie war weg.

In meine kleine Wohnung in Graz verirren sich vielleicht drei- vier Spinnen pro Jahr. Hier im Haus sind hunderte Spinnen. Jedes Mal, wenn ich Zimmer putze, zerstöre ich einen Quadratkilometer an Spinnennetzen. Und die Spinnen sind darüber anscheinend nicht erfreut. Denn für jedes zerstörte Netz, bauen sie drei neue. Da muss ich an Blackfire denken (For everyone you lock up, there’ll be a thousand more). Oy.

Also wenn ich irgendwann mal nicht mehr schreibe, dann sind mir entweder die Ideen ausgegangen – oder aber ich mache einen auf Frodo in Teil drei. Oder Piper in Episode 6.18 (ja natürlich musste ich nachschauen, welche Folge das war, ich bin doch kein Charmedjunkie).

Jedenfalls brauch ich dann Hilfe, okay?!

[Hostel] Putzen

So. Jetzt habe ich also begonnen. Check-in, Check-out, Zimmer herrichten und Blumen gießen. Das hat Tatjana gesagt. So als Jobbeschreibung. Hilfsarbeiten, hat sie gesagt, für die ich eigentlich überqualifiziert bin, aber sie macht sie ja auch. Solche Arbeiten sind sehr meditativ, aber wirklich nicht entspannend. Hauptsächlich besteht meine Arbeit bis jetzt aus Bügeln und Stiegen rauf- und runterlaufen.

Tatjana sagt immer, das Haus ist ihr Fitnessstudio. Und das stimmt auch. Meine Arme und meine Beine tun weh und ich hab Muskelkater an Stellen, an denen ich doch eigentlich gar keine Muskeln habe?!

Das Haus hat fünf Ebenen und ich kann gar nicht zählen wie oft ich an einem Tag rauf- und runterrenne, weil ich irgendetwas vergessen habe! Wenn ich das Großfamilienzimmer putze, wasche ich vier Ladungen Wäsche direkt hintereinander. Gewaschen wird im 1. Stock, aufgehängt im dritten! Ich habe den Wäschekorb übrigens noch nicht gefunden, was aber völlig egal ist, weil es eh nur Bettzeug ist, das gewaschen wird, keine Kleinteile.

Ich begann um 7.30h und ich habe um 21.30h aufgegeben

Mein erster Arbeitstag begann um 7.30h und ich habe um 21.30h aufgegeben und das restliche Bügeln und Bettenüberziehen auf den nächsten Tag verschoben. Auch gut! Ich kann mir mehr Zeit lassen, das ist okay. Und die Spinnweben auf der Stufe und in meinem Zimmer kann ich auch morgen wegsaugen – oder übermorgen. Das geht.

Ich habe übrigens auch Handtücher und Putzlappen gewaschen. Und dann habe ich die Putztücher am Wäscheständer vergessen und dann kam ein Gewitter. Hehe. Was zur Folge hatte, dass ich am nächsten Tag beim Kompost ausleeren, fünf oder sechs bunte Flecken im Gras fand. Und aufsammeln durfte. Und Putztücher putzen muss! WTF?

Der Drucker hasst mich. Jedes Mal muss ich ihn eine halbe Stunde bitten, das zu tun, was ich will. Mein Handy hat im oberen Stockwerk kein WLAN, weil der Router es nicht mag.

Ich beruhige mich damit, dass am ersten Tag alles schief gehen darf. Der Staubsauger will noch nicht ganz so wie ich will. Ich laufe deshalb sooft rauf und runter, weil ich immer noch vergesse, was sich in welchem Stock befindet. Das wird mit der Zeit besser werden. Badezimmerputzen ist eklig und wird immer eklig bleiben, aber dafür gibt es schließlich Handschuhe. Hotelzimmerputzen ist vor allem deshalb seltsam, weil man Dinge putzt, die eigentlich sowieso schon sauber aussehen. Und man putzt sie noch genauer, als man Zuhause jemals putzen würde!

Hinweise

An alle: Wenn ihr Windeln oder Binden verwendet, bitte BITTE! klebt sie zusammen wie von den Herstellerfirmen vorgesehen! Wäh. Vielen Dank, eure Putzfrau. (Ihr habt Glück, dass ich zehn Jahre lang Kindermädchen war, heast.)

Und falls ihr eine Putzfrau habt: Macht einen Tag lang ihren Job, dann erhöht ihr ihr Gehalt um 50%! und dann seid gefälligst dankbar!

[Hostel] Endlich allein!

Selbstisolation für Introvertierte

Viele Medien haben die (Selbst)isolation als Last beschrieben; etwas, das uns einschränkt und unser Leben auf „Pause“ stellt. Es gibt viele Artikel da draußen über Einsamkeit und den Einfluss auf die mentale Gesundheit. Letzteres ist ein riesiges Problem, und die Auswirkungen können wir noch nicht mal im Ansatz sehen – wie immer bei mentalen Ereignissen.

Was viele Medien aber nicht beschreiben, ist die riesige Erleichterung, die einige Leute – darunter auch ich – gespürt haben. Plötzlich mussten wir nicht mehr mit Menschen reden, mit denen wir nicht reden wollten. So viele unangenehme Dinge sind weggefallen. Hände schütteln, Küsschen-Küsschen, Smalltalk, alles war sehr eingeschränkt. Die Leute schauten sich nicht mehr ins Gesicht. Das heißt für mich, ich musste mich nicht mehr bemühen.

Ich bin ein Mensch, der es anderen Menschen meist leichter machen will. Unter Menschen zu sein ist für mich also immer wahnsinnig anstrengend. Ich versuche, die Menschen um mich herum zufrieden zu stellen und das ist eine undankbare, energiezehrende Riesenaufgabe, die niemals gelingen kann – aber trotzdem muss ich es versuchen. Solange, bis ich nicht mehr kann und mein Hass auf alle Idioten ungehindert an die Oberfläche kommt.

Ich versuche, die Menschen zu lesen, bevor sie überhaupt einen Wunsch äußern. Manchmal gelingt mir das gut, manchmal nicht. Darauf kommt es auch nicht an, Menschen sind für mich anstrengend.

Und jetzt gab es diese zwei, drei Monate, in der ich nicht Veranstalten durfte und auch nicht auf Veranstaltungen gehen durfte. Finanziell war das natürlich furchtbar. Aber für mich als Mensch war es unglaublich erleichternd. Ich durfte zuhause bleiben, ohne die Verantwortung mit anderen Menschen sprechen zu müssen. Ich durfte zuhause bleiben, und vor mich hin arbeiten, so wie ich gerade wollte! ES WAR UNGLAUBLICH SCHÖN!

Natürlich war ich an manchen Tagen schlecht drauf und manchmal war ich auch einsam. Menschen, die alleine leben, uns passiert das ab und zu. Aber ich war so dankbar und glücklich über all die Dinge, die unangenehm und jetzt nicht erlaubt waren. Ich freute mich, wenn ich das Haus verlassen musste! Das ist mir noch nie zuvor passiert. Natürlich freute ich mich manchmal auf bestimmte Veranstaltungen. Oder manche Leute zu sehen, das schon. Aber so richtig: Yeah, ich gehe jetzt raus! Das habe ich noch nie gespürt.

Mein natürlicher Zustand ist Zuhause sein.

Wenn du mich glücklich machen willst, dann lass mich zuhause bleiben!

Als die ersten Lockerungen begannen, war ich unsicher. Ich hatte Angst, dass jetzt wieder alles so anstrengend wird wie zuvor. Die Straßen waren wieder voller Leute, die Straßen stanken wieder nach Autos. Das Rausgehen war nicht mehr so schön wie vorher.

Und da beginnt auch schon mein Problem. Als ich jung war, war ich zu schüchtern, um zu grüßen, wenn ich einen Raum betrat. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass die Leute mich wahrnahmen. Ich habe so hart daran gearbeitet, einen halbwegs normalen Umgang mit Menschen zu haben. Tausend Babyschritte und ich war ganz gut im Rennen. Und jetzt? Muss ich wieder von vorne anfangen? Mit dem Unterschied, dass ich eigentlich gar nicht „normal“ sein will. Ich weiß, dass mir mein Leben insgesamt vermutlich leichter fallen würde, wenn ich mich anpasse. Aber das Anpassen ist soo unglaublich anstrengend und wer garantiert mir, dass es funktioniert?

Also wieder: Babysteps.

Als alle um mich herum, sich auf die ersten Auftritte freuten, war ich zurückhaltend. Ja, natürlich ist es schön, wenn man wieder auftreten kann. Aber brauch ich das jetzt? Nein. Brauch ich viele Menschen auf einem Haufen, die auf mich zustürmen und irgendwas von mir wissen wollen? Nein. Das Bewusstsein, dass ich es könnte – mich zusammenreißen – ist da. Ja, natürlich könnte ich es durchstehen. Ja, natürlich könnte ich mein Lächeln aufsetzen und alle Erwartungen erfüllen. Aber ich will nicht. Ich will gerade gar nicht.

Als ich angeboten bekam, irgendwo am Land auf ein Hostel aufzupassen, habe ich sofort ja gesagt. Es klang nach dem, was ich brauchte. Alleine. Viel Platz. Arbeit. Zeit. Manchmal Gäste, auf die man sich schon freuen kann, wenn man dazwischen ein paar Tage nur mit sich selbst geredet hat. Großartig. Genau das, was ich jetzt brauche. Es ist ein angenehmes Zwischenstadium.

Foto: Valerie Maltseva

Und jetzt die 1-Millionen-Euro-Frage: Bin ich einfach nur selbstsüchtig?

Bin ich nur den bequemen Weg gegangen und sollte mich einfach zusammenreißen? Müssen doch alle anderen auch?