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„Arme Frau“ von Patricia Radda

Arme Frau

Die Burg, in der Ihre Majestät jetzt wohnt, ist ein Rattenloch. Nicht schön, dafür kalt; wie ein Gefängnis. Ich stehe in einer kleinen, engen Gasse in der Nähe eines hinteren Einganges. Eine kleine Frau kommt auf mich zu. Mit Furcht in den Augen begrüßt sie mich. Sie nickt mir zu, also soll ich ihr wohl folgen. Die Dienerin ist nett anzusehen. Ihr Haar ist unter einer Haube ordentlich versteckt und ihr Kleid ist sehr fein. Als ich klein war, wollte ich immer solche Kleider tragen, der weite Rock schwingt bei jedem Schritt.

Dunkel ist es. Die Königin ist ungepflegt. Kleidung und Haar sehen aus, als hätte sie tagelang nicht darauf geachtet. „Juana la loca[1]“ nennt man die Herrin jetzt. Überall auf den Straßen wird es geflüstert. Einsam ist sie. Und traurig. Das spüre ich sofort. Das Volk hat recht, verrückt sieht sie schon aus. Als sie mich ansieht, da denke ich nur „arme Frau“, nicht „verrückte Frau“.

Sie stiert mich mit ihren leeren Augen an. Sieht sie mich tatsächlich? „Kannst du es?“, flüstert sie plötzlich.

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