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Winter- Waldspaziergänge

Ich bin eigentlich ein Sommermensch. Was ich am Winter liebe, ist Schnee. Nur frischgefallener Schnee, natürlich. Und wir haben seit Wochen Schnee (also bei meinen Eltern), weil die dichte Nebeldecke sich einfach nicht auslöst. Und wenn es überall Plusgrade in Rest-Österreich hat, hat es bei uns noch immer ein, zwei Grad minus. Alles friert, dann taut es vielleicht mal ein, zwei Stunden, und dann friert alles erneut ein.

Jeden Tag gehen wir mindestens eine Stunde in der Kälte herum. Langsam gehen uns die Wege aus, aber wir wollen auch nirgendwo hinfahren. Also stapfen wir durch den Wald und folgen irgendwelchen Reh- und Hasenspuren. Bis jetzt haben wir immer noch nach Hause gefunden.

[Poetry Slam] Kaspar (nach Peter Handke)

Heute gibts mal ein Video.

Für die „Lange Handke Nacht“ am 18. Dezember 2017 durfte ich Peter Handkes Werk „Kaspar“ neu interpretieren.

Kaspar

K steht da. Verwundert. Verwirrt.

Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(beharrlich) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Frage) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(freudig)Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(erleichtert) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Roboter) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Wut) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Ungeduld) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Angst) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Gruß) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Antwort auf Frage) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Befehl) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Bitte) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Singen) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(poetry-rap-rythm-whatever) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

Du hast einen Satz. Du hast einen Satz, mit dem du dir alles sagen kannst. Du kannst dir alles sagen, was du den anderen nicht sagen kannst. Die anderen wollen dich durch Sprechen zum Sprechen bringen. Doch du hast einen Satz. Einen Satz voller Leben. Voller Gefühl. Dein Satz kann alles .Die anderen spielen Sprechen. Doch sie haben kein Leben. Sie haben keine Gefühle. 

Dein Satz ist nützlich. Du kannst ihn zu Ende sprechen. Du kannst Pausen machen. Ein Wort gegen das andere ausspielen. Eine Geschichte erzählen. Du kannst mit dem Satz Verrücktwerden, Verrücktsein und Verrücktbleiben. Du kannst dir nichts mehr vorstellen ohne deinen Satz. Du besitzt diesen Satz und du bist so glücklich. Du hörst dich. Du bist aufmerksam. Du kannst dich hinter dem Satz verstecken. Der Satz tut dir nicht weg. Die Stimmen tun dir weh. Die Stimmen tun dir weh. Die Stimmen hörne nicht auf.

Die Stimmen wollen, dass du lernst. Du hast einen Satz.

Die Stimmen wollen, dass du sprichst. Du hast einen Satz.

Die Stimmen wollen dich. Du bist ein Satz.

Du hast einen Satz. Du kannst dich nicht wehren gegen noch mehr Sätze. Sie prasseln auf dich ein. Die Stimmen nehmen dir den Satz weg.

(verwundert)

Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

Ich möchte. Werden wie einmal. Ein anderer. Ein solcher andrer. Einer. Gewesen ich. Wie ich werden. ist ich.

Dein Satz ist weg. 

Dein Satz ist weg!

Du hörst zu.

Du bist verwirrt. Du gewöhnst dich schon an andere Sätze. Gleich haben wir dich! Worte bleiben. Leere Worte? Brauchst du noch was? Du hast jetzt Sprache. du hast jetzt alles. Du hast Kopfweh. Wörter. Überall. Qual. Überall. Du lernst, zu ordnen. Du beginnst zu ordnen. Du beginnst, zu vergleichen. Jeder ist für seinen Fortschritt verantwortlich.

(Hände auf Kopf)

Merken! Nicht vergessen!

Merken! Nicht vergessen!

Merken! Nicht vergessen!

Merken! Nicht vergessen!

Merken! Nicht vergessen!

Hör gut zu. Du hast Worte.

Manche Sätze sind Luxus. Manche Sätze sind so – perfekt. Manche Sätze sind Zuhause. Jeder zweite Satz ist unvollständig. Störend. Unschön. Du kämpfst um Ordnung.

(Luft schnappen)

Alle Wörter an ihre Plätze! Alles, was am richtigen Platz ist, ist friedlich, ist freundlich, ist schön. Was schön ist, tut gut. Ich bin am richtigen Platz. Ich bin da. Ich beruhige mich. Ich erkenne mich. Ich bin … (Mundbewegungen)

Poetry Slam-Landesmeisterschaften Stmk-Ktn

Nur kurz: Seit 2015 mache ich Poetry Slam. Und jetzt wurde ich für die Landesmeisterschaften Steiermark und Kärnten nominiert. Yeah!

Wenn ihr zuschauen wollt, kommt in die Brücke. Die Vorrunden finden am 29.09.17 statt, das Finale ist am 30.09.17. Alle weiteren Infos findet ihr hier: https://www.facebook.com/events/237614830094595/?ti=as

Der Anti-Crash-Kurs

Schon einmal eine enge Straße mit vielen Kurven bergauf gefahren? Angeblich machen das manche Leute freiwillig, die nennen das dann Motorradtour und es macht ihnen Spaß. Mein Vater macht das auch jede Woche, allerdings nicht zum Spaß, sondern zum Geld verdienen. Und natürlich nicht mit dem Motorrad, sondern mit dem Auto. Schließlich muss er ziemlich viele Zeitungen in die abgelegensten Orte unseres Landes transportieren – unter der Woche macht das die Post, am Samstag macht das er. Es ist ein netter Job, man ist viel an der frischen Luft, da man dauernd aussteigen muss und lernt das Land kennen, denn schließlich wäre es zu viel verlangt, neben dem Haus Nummer 34 eine ähnliche Nummer zu vergeben …

Und jetzt kommen wir zum Projekt.

Ich bin seit rund drei Jahren nicht mehr mit dem Auto gefahren. Warum auch, ich wohne in Graz. Wer mit dem Auto fährt, braucht geschätzte eineinhalb Mal länger als mit dem Bus, ist also ein umweltzerstörender Trottel. Das Problem ist nur, dass wir, seit ich Auto fahren gelernt habe, natürlich ganz andere Autos in unsere Familie aufgenommen haben (die alten sind auseinandergefallen, durchgerostet oder nach Ungarn verschleppt worden). Und wenn ich, so wie jetzt, im Sommer bei meinen Eltern bin, kann es passieren, dass ich manchmal einkaufen fahren muss (ja, das muss man bei uns mit dem Auto machen). Das wäre ja auch nicht schlimm. Aber als ich das erste Mal, als ich in unserem neuen Auto die Kurve nach Poggersdorf hinaufgefahren, eine kleine Panikattacke hatte und seitdem nicht mehr ins Auto gestiegen bin, beschloss ich, das Autofahren einfach bleiben zu lassen. Es war einfach nicht notwendig. (Wer braucht schon Klopapier, wenn es noch Taschentücher gibt?)

Aber ich hasse FEIG SEIN. Ich bin es, aber ich mag es nicht. Also verordnete ich mir den Crashkurs. Ich dachte, es hilft bestimmt. (Und es hat auch geholfen.)

Die Idee war Folgende: Mein Vater fährt jeden Samstag die Zeitungsrunde für die Post. Dabei kommt er zu so lustigen Orten wie Berg, Sand, Lind, Saager, Kohldorf, Linsendorf, Zapfendorf, Froschendorf, Obermieger und -könnt ihr es erraten?- Untermieger, Dullach und -genau- Dullach II und so weiter. Auch Wölfnitz gibt es, aber nicht der Teil, der zu Klagenfurt gehört – nein, es gibt in Kärtnen noch ein Wölfnitz! Auch Pörtschach gibt es doppelt, aber ohne See.

Wenn ihr dieses Gebiet in Google Maps per Satellit begutachtet, sehr ihr die meisten Straßen, auf denen er unterwegs ist gar nicht ^^, weil sie so klein sind und nur Schotterstraßen, unter dem Wald versteckt usw. auf Google Maps sieht man auch nichts von den Bergen, die man da hinauf- und logischerweise auch wieder hinunterfahren muss. Es gibt kilometerlange Hofzufahrten, die man rückwärts wieder hinunterfahren muss, weil es oben keine Möglichkeit gibt zu wenden (Natürlich könnte man 1000x revancieren, aber mein Vater doch nicht). Netter Dialog:

Ich: Ja, aber wie soll i hintrisch obefohrn, wenn i den Weg ned sig?!

Papa: Jo, siehst ja eh de Böschung. Wennst im Grünen bist, bist z´weit.

Dann natürlich noch die engen Kurven, die man mit dem ersten Gang nehmen muss; die Autos, die einem entgegenkommen, kommentiert mein Vater so: „Der weicht in Wald aus, du weichst ned aus, sonst lieg ma da unten. Boah, da gehts obe!“

Von der Bundesstraße muss man zwischen zwei Maisfeldern auf einen Schotterweg abbiegen – und dann natürlich auch wieder hinaus. Kommt links ein Auto? – Keine Ahnung, nur Mais. Kommt rechts ein Auto? – Keine Ahnung, nur Mais. *einen Zentimeter vor* Wuuuusch! Ein Auto von links! Es ist Samstag – Gott sei Dank, da fahren nicht ganz so viele Autos wie sonst.

Alles in allem hundertundzehn Kilometer in dreieinhalb Stunden. Und ich schwitze, als hätte es im Auto vierzig Grad, dabei war das ein Wochenende, an dem es nur geregnet hat. Im Winter mach ich das nicht. Vergesst es. Aber muss ich ja auch gar nicht. Ich kann ja jetzt Autofahren.

Zum Abschluss noch ein nettes – wenn auch übertriebenes – Bild von einer kurvigen Straße:

viele viele enge kurven
viele viele enge kurven

Sprachprobleme.

Geschrieben am 15.Mai 2009.

Mein Opa ist ein kluger Mann,
den man alles fragen kann.
Von Anfang an brachte er mir bei,
das Sprache nicht gleich Sprache sei.
Ich solle lernen schön zu reden,
dann zöge ich bald alle Fäden.
Deutsch heißt das, was wir in Österreich sprechen,
doch hier richtig Deutsch zu reden, wäre ein Verbrechen.
Die österreichische Sprache böte viele Wörter dar,
Verwenden!, wenn auch noch so sonderbar.

Für manche ist dies ein Stuhl, doch wir sagen Sessel hier,
erklärte mein Großvater als Erstes mir.
Und Erdäpfeln tun wir essen,
andere würden Kartoffeln fressen.
Du trinkst aus einem Heferl- nicht aus einer Tasse,
(Karotten sind ja nicht Möhren) -meint die Masse.
Immer wenn du sagst Tomate, meinst du eigentlich Paradeiser,
aber dieses falsch zu sagen, macht dich auch nicht weiser.

Ich zog nach Kärnten zu meinen Eltern Jahre später,
und, liebster aller Großväter,
was sagst du heute,
denn ich wäre leichte Beute.
In Kärnten sagens Stuhl und Kartoffel,
aber wenigstens nicht zu Patschn Pantoffel.
Für leiwaand habms gar kein Wort erfunden,
man muss den Satz mit lässig verwunden.
Aber kann ich dich vielleicht damit locken,
sie sagen auch nicht (deutsch) Windpocken,
dafür aber [Schoafplattan], dazu fällt mir nix ein,
Ein Tannenzapfen soll aber auch kein Bockerl sein,
Tschuatschn habens dafür als neues Wort,
Keine Angst, Opa, das Neuerlernte ist gleich wieder fort.