„Gott der Dichtkunst“ von Patricia Radda

Weiß. Nur weiß. Ich starre auf den Stift in meiner Hand. Dann wieder auf das Papier. Verdammtes weiß. Es schlägt mir noch die Augen ein. Vielleicht macht es mich blind. Ganz blind. Dann stehe ich im Dunkeln.
Einige sagen, sie können nur schreiben, wenn sie unglücklich verliebt sind, wenn sie vor Sehnsucht vergehen und alles tun würden, um bei der Person zu sein, die sie lieben. Wenn sie darauf warten, dass sie endlich wieder zusammen sind. Bei mir ist es anders…

„Fehlgeburt“ von Patricia Radda

Es kam ihm so vor, als würde er nun schon minutenlang dieselbe Stelle am Tellerrand schrubben. Ich hätte es gleich nach dem Mittagessen machen müssen, ärgerte er sich. Er hörte die Eingangstüre auf- und dann wieder zugehen. Sie war wieder da. Er lauschte kurz, ob sie zu ihm in die Küche kommen würde. Er stellte sich vor, dass sie einfach zu ihm kam, ihn von hinten umarmte, sich an ihn presste. Und dann würde er sich herumdrehen und sie würde ihn küssen. So wie früher….

„Es“ von Patricia Radda

2001. Er berührt mich mit der Hand. Ein heißer Schauer läuft mir über den Rücken. Ich habe eines meiner weiten Lieblings-T- Shirts an, eine Gänsehaut überzieht plötzlich meine Unterarme und meine Hände sind eiskalt. Meine Lippen sind ganz trocken und ich kann ihn nicht ansehen. Ich spüre seinen Atem nahe bei meinem Gesicht- so nahe mag ich ihn nicht bei mir haben….

„Arme Frau“ von Patricia Radda

Die Burg, in der Ihre Majestät jetzt wohnt, ist ein Rattenloch. Nicht schön, dafür kalt; wie ein Gefängnis. Ich stehe in einer kleinen, engen Gasse in der Nähe eines hinteren Einganges. Eine kleine Frau kommt auf mich zu. Mit Furcht in den Augen begrüßt sie mich. Sie nickt mir zu, also soll ich ihr wohl folgen. Die Dienerin ist nett anzusehen. Ihr Haar ist unter einer Haube ordentlich versteckt und ihr Kleid ist sehr fein. Als ich klein war, wollte ich immer solche Kleider tragen, der weite Rock schwingt bei jedem Schritt…

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