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„Die Wände“ von Patricia Radda

Die Wände kommen näher
sie sind kahl
ich habe keine Wahl
ich muss jetzt weinen
ich muss jetzt schreien
denn es gibt keinen (der kommen könnte)
also muss es sein

Ich nehme einen Stift und lege los
Ich schreibe auf die Wand:
„Nimm meine Hand!“
Damit wir endlich sehen
Es ist Zeit zu gehen

Die Wände wirken sauber
sie sind noch immer ziemlich kahl
ich habe keine Wahl
ich muss alleine sein
ich will nicht verstehen
denn ich sage „ja“ und meine „nein“
ich will durchdrehen

Ich nehme einen Stift und lege los
Ich schreibe auf die Wände
„Hey, ich brauch dich doch noch!
Ich kann es nicht fassen
Ich will dich nicht gehen lassen!“

Die Wände werden kleiner
sind jetzt nicht mehr nur kahl
jetzt habe ich die Wahl

ich muss weitergehen
ich muss weitersuchen
denn ich will sehen
und nicht nur fluchen

ich nehme einen Stift und lege los
ich schreibe auf die Wand:
Vergiss die Hand!
Ich will dich nicht mehr sehen
Und du sollst jetzt fort gehen

„Ohne Boden“ von Patricia Radda

Sie fühlt immer noch die Wärme
wenn sie an ihn denkt
wenn dann die Sehnsucht ihre Sinne lenkt
Sie sieht ihn vor sich
spürt seine Hände
merkt, er hat Angst
flüstert „ich liebe dich“
schreit es gegen die Wände
Sie hat die Gewissheit
dass er sie auffängt
wenn sie fällt.

Jetzt ist alles ganz anders
Sie will fallen
und fällt einfach nicht
sie will gehen
damit sie vergisst

Jetzt ist alles ganz anders
denn sie stößt ihn weg
er fällt nieder
spürt keinen Aufschlag
sie fällt nieder
spürt einfach nichts
Keinen Boden unter ihren Füssen
sie hängen in der Luft
sollten sich noch einmal küssen
wissen beide es ist viel zu spät
wissen beide dass es sich nicht ausgeht

Sie kommen nicht an
haben keinen Boden
unter ihren Füssen
unter sich
Haben niemanden mehr
der hinter ihnen steht
der mit ihnen geht
der die Angst vertreibt
sind nicht mehr zu zweit
ohne Boden

Keiner der beiden hat Angst
denn alleine hängen sie in der Luft.