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Die kleine Meerjungfrau von Trisha Radda + Video

Ich liebe Märchen. Die kleine Meerjungfrau mochte ich nicht. Also die Geschichte. Ich habe als Kind den Schluss nicht verstanden. Ich wollte wissen, was eine Seele ist und mein Papa ist fast verzweifelt als er versucht hat, es mir zu erklären. Ich habe es einfach nicht verstanden.

Jedenfalls kann man ja später aus Märchen machen, was auch immer man will. Man kann sich die Liebesgeschichte raussuchen, oder die Mädels verarschen, die einem Typen hinterherrennen, der sie nicht wiedererkennt, weil sie letztes Mal eine Maske aufhatte. Was auch immer. Ich liebe ja die Sidekicks in den Disneyverfilmungen. Nur deshalb schaue ich die. Als ich acht war, habe ich den Aufbau einer Disneygeschichte verstanden gehabt- Gut, Böse, lustiger Depp, Musik. Als ich das meiner Mutter erklärte, hat sie ertappt dreingeschaut. Naja.

Hier habt ihr also meine Interpretation der kleinen Meerjungfrau. Der Text wurde in der Ö-Slam 2018-Anthologie abgedruckt, die ihr bei mir kaufen könnt.

[Poetry Slam] Kaspar (nach Peter Handke)

Heute gibts mal ein Video.

Für die „Lange Handke Nacht“ am 18. Dezember 2017 durfte ich Peter Handkes Werk „Kaspar“ neu interpretieren.

Kaspar

K steht da. Verwundert. Verwirrt.

Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(beharrlich) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Frage) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(freudig)Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(erleichtert) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Roboter) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Wut) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Ungeduld) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Angst) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Gruß) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Antwort auf Frage) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Befehl) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Bitte) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(Singen) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

(poetry-rap-rythm-whatever) Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

Du hast einen Satz. Du hast einen Satz, mit dem du dir alles sagen kannst. Du kannst dir alles sagen, was du den anderen nicht sagen kannst. Die anderen wollen dich durch Sprechen zum Sprechen bringen. Doch du hast einen Satz. Einen Satz voller Leben. Voller Gefühl. Dein Satz kann alles .Die anderen spielen Sprechen. Doch sie haben kein Leben. Sie haben keine Gefühle. 

Dein Satz ist nützlich. Du kannst ihn zu Ende sprechen. Du kannst Pausen machen. Ein Wort gegen das andere ausspielen. Eine Geschichte erzählen. Du kannst mit dem Satz Verrücktwerden, Verrücktsein und Verrücktbleiben. Du kannst dir nichts mehr vorstellen ohne deinen Satz. Du besitzt diesen Satz und du bist so glücklich. Du hörst dich. Du bist aufmerksam. Du kannst dich hinter dem Satz verstecken. Der Satz tut dir nicht weg. Die Stimmen tun dir weh. Die Stimmen tun dir weh. Die Stimmen hörne nicht auf.

Die Stimmen wollen, dass du lernst. Du hast einen Satz.

Die Stimmen wollen, dass du sprichst. Du hast einen Satz.

Die Stimmen wollen dich. Du bist ein Satz.

Du hast einen Satz. Du kannst dich nicht wehren gegen noch mehr Sätze. Sie prasseln auf dich ein. Die Stimmen nehmen dir den Satz weg.

(verwundert)

Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

Ich möchte ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.

Ich möchte. Werden wie einmal. Ein anderer. Ein solcher andrer. Einer. Gewesen ich. Wie ich werden. ist ich.

Dein Satz ist weg. 

Dein Satz ist weg!

Du hörst zu.

Du bist verwirrt. Du gewöhnst dich schon an andere Sätze. Gleich haben wir dich! Worte bleiben. Leere Worte? Brauchst du noch was? Du hast jetzt Sprache. du hast jetzt alles. Du hast Kopfweh. Wörter. Überall. Qual. Überall. Du lernst, zu ordnen. Du beginnst zu ordnen. Du beginnst, zu vergleichen. Jeder ist für seinen Fortschritt verantwortlich.

(Hände auf Kopf)

Merken! Nicht vergessen!

Merken! Nicht vergessen!

Merken! Nicht vergessen!

Merken! Nicht vergessen!

Merken! Nicht vergessen!

Hör gut zu. Du hast Worte.

Manche Sätze sind Luxus. Manche Sätze sind so – perfekt. Manche Sätze sind Zuhause. Jeder zweite Satz ist unvollständig. Störend. Unschön. Du kämpfst um Ordnung.

(Luft schnappen)

Alle Wörter an ihre Plätze! Alles, was am richtigen Platz ist, ist friedlich, ist freundlich, ist schön. Was schön ist, tut gut. Ich bin am richtigen Platz. Ich bin da. Ich beruhige mich. Ich erkenne mich. Ich bin … (Mundbewegungen)