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Sprachprobleme.

Geschrieben am 15.Mai 2009.

Mein Opa ist ein kluger Mann,
den man alles fragen kann.
Von Anfang an brachte er mir bei,
das Sprache nicht gleich Sprache sei.
Ich solle lernen schön zu reden,
dann zöge ich bald alle Fäden.
Deutsch heißt das, was wir in Österreich sprechen,
doch hier richtig Deutsch zu reden, wäre ein Verbrechen.
Die österreichische Sprache böte viele Wörter dar,
Verwenden!, wenn auch noch so sonderbar.

Für manche ist dies ein Stuhl, doch wir sagen Sessel hier,
erklärte mein Großvater als Erstes mir.
Und Erdäpfeln tun wir essen,
andere würden Kartoffeln fressen.
Du trinkst aus einem Heferl- nicht aus einer Tasse,
(Karotten sind ja nicht Möhren) -meint die Masse.
Immer wenn du sagst Tomate, meinst du eigentlich Paradeiser,
aber dieses falsch zu sagen, macht dich auch nicht weiser.

Ich zog nach Kärnten zu meinen Eltern Jahre später,
und, liebster aller Großväter,
was sagst du heute,
denn ich wäre leichte Beute.
In Kärnten sagens Stuhl und Kartoffel,
aber wenigstens nicht zu Patschn Pantoffel.
Für leiwaand habms gar kein Wort erfunden,
man muss den Satz mit lässig verwunden.
Aber kann ich dich vielleicht damit locken,
sie sagen auch nicht (deutsch) Windpocken,
dafür aber [Schoafplattan], dazu fällt mir nix ein,
Ein Tannenzapfen soll aber auch kein Bockerl sein,
Tschuatschn habens dafür als neues Wort,
Keine Angst, Opa, das Neuerlernte ist gleich wieder fort.

Ich bei Axel Winkler, 13.3.2009

Axel Winkler, früher hieß er Holtz, ist ein Sprachheillehrer, der mit Jugendlichen und Kindern an einer Heimsonderschule für Erziehungshilfe arbeitet. Für uns, die ihn noch nie zuvor gesehen haben, war er einfach nur eine Überraschung, für die, die jetzt wissen, warum sie über ein Jahr auf ihn gewartet haben, ist er ein ziemliches Genie.
Wir, die wir ja lange auf Axel Winkler gewartet haben, und ihn am gestrigen Abend beim Vortrag schätzen gelernt haben, vertrauen ihm ja. Wir erwarten, nicht von ihm erschreckt, sondern höchstens zu Tatendrang und scharfem Nachdenken aufgefordert zu werden. Deshalb vermute ich, dass, als er auf dem Boden das Wort AAEFINST aufgelegt hatte und nachdem wir bald darauf kamen, dass es FANTASIE heißen musste, wir alle ziemlich dämlich drein geschaut haben, als er sagte: Zwanzig Wörter zu formen, geht, vierzig sind schon gut. Los.

Nehmt euch bitte so zehn Minuten Zeit und versucht, einige Worte zu formen. Die Regeln sind: Es dürfen alle Buchstaben verwendet werden, es dürfen auch welche weggelassen werden, aber außer dem „A“ (das ja zweimal vorhanden ist) darf jeder Buchstabe auch nur einmal im neuen Wort vorkommen.

Also gut, los. Es mag euch über meinen psychologischen Zustand vielleicht zu viel sagen, aber eines der ersten Worte, die ich gesehen habe, war SATAN.

Wie auch immer, wir machten weiter. Geniale Gedichte, die immer wieder Spaß machen, wenn man sie hört, sind die von Jandl. Ich habe gleich, als ich wieder zu Hause war, in dem Gedichtforum, in dem ich manchmal schreibe, ein Thema angelegt, Gedichte mit nur einem Vokal zu schreiben, ist nämlich nicht wirklich leicht. Versucht es doch einmal!

Mein „e“-Gedicht:

Der See
dem Hecht
sehr Recht
Reh steht
versteckt

Oje
Mensch her
Hecht geht
Reh geht

Reh rennt
Mensch rennt
Gewehr her
Reh weg
Wer fleht wegen Speck?

Zum Vergleich/ inspirieren lassen usw.:

ottos mops (von Ernst Jandl)

ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso

otto holt koks
otto holt obst
otto horcht
otto: mops mops
otto hofft

ottos mops klopft
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott