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[Hostel] Poltergeist vs. Räucherstäbchen

Okay. Jeden Tag eine neue Katastrophe. Bis jetzt wusste ich nicht, was es ist. Ein Fluch? Auf mir? Auf dem Haus? Auf den Gästen? Aber nach heute ist es mir endlich klar geworden.

Es muss ein Poltergeist sein!

Heute ist in einem Badezimmer ein Bild hinuntergefallen. Die Fenster waren geschlossen. Die Tür auch. Kein Luftzug. Und BAAAM! Das Bild fällt hinunter, tausende große und kleine Splitter, überall im Bad verteilt! Oh, wie ich es hasse. Glas ist furchtbar zum Aufräumen. Man kann sich schneiden. Es pickt überall: in den Fugen, auf den Schuhen, in der Badewanne. Glasstaub draußen am Teppich, einfach so weit weg von der Stelle, wo es tatsächlich passiert ist.

Ich habe eine Stunde gebraucht, um es wieder aufzuräumen. Und gerade als ich den Staubsauger wieder wegstellen wollte, blitzt mich ein weiteres Stück Glas an. AAARRRR!

Dieses Zeug ist einfach überall. Und es versteckt sich, um länger unbeachtet dahinzuvegetieren. Schlitzohriges kleines Scheißerchen.

So: Lieber Poltergeist, bitte fahr in den Urlaub! Ich will nicht dauernd von dir erschreckt werden! Es reicht mit den Katastrophen, ich habe keine Kraft mehr dafür! Bitte! Bitte, fahr in den Urlaub, irgendwohin, wo die Leute dich lustig finden.

Wie vertreibt man einen Poltergeist? Soll ich irgendwas anzünden? Hat wer von euch Räucherstäbchen? Oder sonst was? Weihrauchpflanzen hätte ich. Hilft das was? Hallo? Ist da jemand?

Oh mein Gott…..

Ist es seltsam, dass genau jetzt das WLAN ausfällt?

[Hostel] Das Schlüsselerlebnis

Jedes Zimmer hat einen Schlüssel. Ich habe mich schon länger gefragt, wieso es keine Zweitschlüssel gibt. Weil es ja leicht passieren kann, dass ein Schlüssel unter einem Kasten landet und ich ihn nicht wieder hervorbekomme. Oder dass ein Gast einen Schlüssel einsteckt und das wars dann. Oder dass ein Gast einen Schlüssel verliert. Und das ist gestern passiert.

Zimmer absperren und Schlüssel einstecken sind sehr automatische Vorgänge. Man schenkt ihnen keine Beachtung. Man hat keine Ahnung, wo genau man den Schlüssel eingesteckt hat und meistens ist es auch logisch: da, wo man ihn immer einsteckt. In dieses eine Seitenfach der Handtasche, in die Hosentasche oder wenn man keine Tasche hat, in den BH.

Aber als meine Gäste alles durchsucht hatten, war da eben noch immer kein Schlüssel. Sie sind nur unten im Garten gesessen, waren kurz in der Küche und im Bad. Das ist ein sehr begrenztes Territorium, in dem man den Schlüssel verlieren hätte können.

Aber leider war es schon dunkel als wir zu suchen begannen. Und leider wurde seit Wochen nicht mehr Rasen gemäht. Wir haben nichts gefunden.

Also Plan B! Plan B sah vor, dass wir die Zimmernachbarin anriefen. Denn der einzige Weg führte durch ihr Zimmer und über den Balkon. Gott sei Dank war sie eher amüsiert als sauer, dass wir sie vom gemütlichen Beisammensein mit Freunden nach Hause riefen.

Die Gäste holten ihre Sachen aus dem versperrten Zimmer und zogen in ein ungeputztes, aus dem gerade eine Familie ausgezogen war. Frische Bettwäsche. Passt. Wir beschlossen, morgen früh bei Tageslicht noch mal zu suchen.

Plan C wäre dann Rasenmähen gewesen, und D dann Schlüsseldienst. Aber gut, dass es dazu nicht kam. (Spätestens bei Plan M stirbt immer wer).

I am the master of the keys

Natürlich wurde am nächsten Morgen bei Tageslicht der verdammte Schlüssel innerhalb der ersten Minuten gefunden. Was denn sonst?

Ich habe bis jetzt übrigens ca 10 Schlüssel gefunden, die nichts auf- oder zusperren. Ich sammel die jetzt einfach.

[Hostel] Last-Minute-WHY?

Vermutlich warte ich auch immer bis zur letzten Minute, um ein Hotelzimmer zu buchen. Weil ich auch immer hoffe, dass ich dann nicht stornieren muss, sondern dass alles so passiert, wie ich es mir vornehme. Selten buche ich Frühbucherbonus, aber ich weiß eigentlich nicht warum. Denn eigentlich plane ich gerne voraus, also nur in groben Zügen. Ich bin keine große Planerin, aber ich bin gerne vorbereitet.

Gott sei Dank gibt es über Booking.com die Möglichkeit, am selben Tag zu buchen nicht. Aber über Telefon schon. Und auch wenn ich heute Abend eine Nachricht bekomme, dass morgen jemand ankommt, dann ist das trotzdem noch ziemlich knapp.

Natürlich sind im Normalfall alle Betten bereits überzogen. Aber diesmal gibts keinen Normalfall. Weil ich die ganze Woche schon damit verbracht habe, alle Zimmer fertig zu machen.

Das Schlimmste am Ausverkauft sein, ist das Putzen danach. Ich brauche eigentlich die ganze Woche, um alles herzurichten. Diesmal war es schwieriger, weil ich durch Büroarbeit schon Sonntag und Montag verloren habe. Und am Mittwoch durch Last-Minute schon wieder Gäste hatte. Ich schaffe es kaum, die verlangten Zimmer fertig zu bekommen und ersticke in Wäsche. Pffff.

Last-Minute macht meiner Vorbereitung einen Strich durch die Rechnung. und das erzeugt Stress und ich mag Stress nicht. Natürlich habe ich genug Zeit, um alles herzurichten, aber ich muss es immer vor mich her murmeln wie ein Mantra. Ich muss mich daran erinnern, Essenspausen zu machen und schlafen zu gehen. Gestern hab ich mich mit vollem Mittagessentablett auf die Couch gesetzt und bin eingeschlafen.

Es ist gerade so anstrengend alleine für alles zuständig zu sein. Aber in den nächsten Wochen gab es einige Stornierungen, das heißt wohl, dass es wieder besser wird und ich nicht immer den ganzen Tag die ganze Woche putzen muss.

Es ist einfach schwer, motiviert zu bleiben, wenn man jeden Tag mit dem Bewusstsein aufwacht, dass außer Putzen heute nichts mehr am Plan steht. Egal, wie schön die Aussicht ist, egal wie perfekt die Temperatur mit Sonne und Wind zusammenpasst. Wenn du nicht zum Durchatmen kommst, vergeht dir die Lust an allem.

wenn tagelang alles gut geht, …

… dann muss ja bald mal was schief gehen.

Schon passiert.

Dieses Wochenende waren alle Zimmer belegt. Und zwar auch doppelt- also eine Familie schlief von Donnerstag auf Freitag hier und Freitag bis Sonntag ist das Zimmer schon wieder belegt. Eigentlich zu viel Arbeit für so ein kleines Mäuschen wie mich. Aber ich habe die Kraft (haha) um zum Arbeitstier zu mutieren und dann schaff ich auch sowas Abnormales wie 8 Betten überziehen und Zimmer und Bad putzen in unter zwei Stunden. Pfffff.

(Das war die Luft, die gerade aus mir raus ist- jetzt bin ich platt)

Aber das war ja noch gar nicht das Schlimme. Ein Mensch hat im Vierbettzimmer das Sicherungsgeländer vom Hochbett gerissen. Ich weiß nicht, wie- es tut ihm sehr leid und tausendmal Entschuldigung und die Rechnung bitte an ihn. Und alles gut, weil ich bin froh, dass ich mich nicht mit wem streiten muss, der nicht Schuld zugibt oder zahlen will.

Jetzt zum Problem. Das Zimmer ist heute Nacht wieder vergeben! Ich kann ja nicht Leute in einem Hochbett ohne Gitter schlafen lassen – die fallen doch runter!

Lösungsansatz

Naja. Grundsätzlich habe ich zwei Vierbettzimmer. Sie kosten unterschiedlich viel, sind unterschiedlich groß und eines hat ein Privatbad und das andere nicht. Aber das Wichtigste ist doch, dass alle Leute, die ein Bett bei mir wollten auch ein Bett im Hostel haben. Oder?

Keep Papa close at all times

Ich und Dinge reparieren! Mein Papa macht immer alles selbst. Ich wusste nicht mal, wozu es Handwerker gibt, bevor letztes Jahr aus Zeitmangel ein Fremdfirmenmensch das Badezimmer in seinem Haus renoviert hat. Jedenfalls ist es eben so, dass Papa es lieber schnell selber macht, bevor er uns zeigt wie es geht. Dinge reparieren lernst du erst, wenn du alleine wohnst. Und es gibt ein paar Dinge, die ich ganz leicht selber kann. Und ein paar Dinge, von denen ich mich fernhalte. Im Grunde ist es leicht: Computer und Drucker kann ich selbst. Möbel aufbauen kann ich selbst. Wasserhahn tropft? Kein Problem! Klospülung geht nicht? Kein Problem! Sagen wir: Wasser ist kein Problem. Strom schon. Vor Strom hab ich nämlich Respekt. Viel Respekt und keine Ahnung! (Kein Respekt und keine Ahnung wäre viel blöder!)

Aber schauen wir mal, wie meine Woche bis jetzt war:

Sonntag und Montag hab ich 16 Stunden Büroarbeit gemacht, da ist viel Zeug ungeputzt und ungewaschen liegen geblieben.

Heute bin ich hinunter ins Dorf Essen kaufen gegangen, und wäre vor Hitze fast umgekippt. Ich sah schon Punkte, keine schöne Sache.

Jedenfalls habe ich mich zusätzlich geärgert, weil dauernd Schotter in meine Schuhe kam. Und natürlich: beide Sohlen haben Risse. Großartig! Natürlich habe ich nur diese Schuhe hier. Und natürlich besitze ich nur ein einziges Paar. (Stimmt nicht! Ich besitze mehrere Paar Schuhe, eines für Winter, eines für Sommer. Eines für Winter mit Absätzen, eines für Sommer mit Absätzen.) Wann braucht man mehr? Genau, wenn die alten kaputt gehen!

Papa? Papaaa!

Als ich den verflixten Berg endlich wieder hochgestiegen war, hat mein Handywecker geläutet. Erinnerung: Wäsche ist fertig. Ich gehe also zur Waschmaschine, denke mir nichts Böses, mache sie auf, kommt mir ein Schwall Wasser entgegen!

Drei Zimmer mit ungewaschener Bettwäsche! Oh mein Gott! Ich habe keine Ahnung von Waschmaschinen – also wie man sie einschaltet, schon. Aber sonst?

Mein erster Gedanke bei allen Fehlfunktionen ist immer Papa anrufen.

Papa (einmal Servicetechniker, immer Servicetechniker) : uh, blöd. … Ja, hat sie Strom?

Ich: die Anzeige zeigt nix an…

Papa : naja, und vorher hat sie funktioniert?

Ich : Ja

Papa: sonst hast überall Strom?

Ich: achso. Du meinst, es ist einfach nur der Strom ausgefallen?

Papa : na, schau halt mal.

Ich : oh, nein. Warte, das Licht funktioniert auch nicht!

Papa : weißt du wo der Sicherungskasten ist?

Ich : ja, ich schau grad… Aber alle Schalter sind oben….. Nicht mal der FI is weg.

Papa: hmmm

Ich: In allen Stockwerken.

Papa: Frag die Nachbarn, ob sie Strom haben. Wenn ja, ist das Problem bei dir, und dann wissen die auch wo du anrufen musst. Weil in einem fremden Haus kriegst das nicht hin.

Ich lege auf und gehe los. Meine Nachbarin ist nicht zu Hause. Als ich mich umdrehe, fährt ein Energie Steiermark-Auto an mir vorbei. Hmm. Entweder sie haben repariert oder sie reparieren gleich. Gut. Etwas, um das ich mich nicht kümmern muss. Zwei Minuten später piepst mein Handy – mein Internet funktioniert also wieder. Strom! Ich freue mich schon und gehe zur Waschmaschine zurück. Hm. Der FI im ersten Stock ist jetzt gefallen. Der Schalter lässt sich nicht nach oben drücken.

Mit Papa im Ohr geht alles leichter. Ohne würd ich mich nicht trauen.

Ich: Ich nehm mal an, ich muss alle anderen Schalter nach unten?

Papa: Ja, und dann alle Schalter einzeln umlegen, einen nach dem anderen.

Ich: der 6er ist es. der mag mich nicht.

Papa: Okay. Steht da was dabei?

Ich: Ja. Waschmaschine! Oh nein.

Papa: Schalt alle anderen schon mal ein. Steck die Waschmaschine ab.

Ich: Ok. Er hauts mir trotzdem noch raus.

Papa: Was hängt noch an der Waschmaschine?

Ich: Nichts. Es gibt in dem Badezimmer sonst nix. Das Licht hängt am 5er dran.

Und das wars dann ja auch. Wir sind nicht drauf gekommen, was es sein könnte. Ich habe die Waschmaschine mit Verlängerungskabel im Gang angesteckt und jetzt wäscht sie wieder munter rumpelnd vor sich hin.

Das ganze Hin und Her (Papa: Nimm lieber nicht die Kabelrolle, nimm lieber drei von den dreier Steckdosenleisten- Spuleneffekt!?!?!) hat mich über eine Stunde gekostet.

Im Grunde hat er gefragt, ich habe geantwortet und ich habe oft einfach vorgeschlagen, was ich als Nächstes machen würde und er hat zugestimmt. Aber die Sache ist die: Ohne Papa im Ohr hätte es viel länger gedauert! Das ist immer so, weil ich mich bei jedem Schritt erstmal überreden müsste, dass das jetzt was bringt. Und das ich es eh richtig mache. Und dass ich nicht versehentlich das Haus anzünde oder einen Kurzschluss verursache. Also: Danke, Papa.

Von der Welt abgeschnitten

Ich schreibe das jetzt, obwohl ich weiß, dass es nicht bei euch ankommt. Denn das Gewitter hat gerade mein Internet zum Erlöschen gebracht. Ich bin also mutterseelenallein. Ohne jeden Draht -hehe- zur Außenwelt. Ab und zu geht das Licht aus. Ab und zu knallts und kläääschts draußen.

WLAN am Oarsch

Der Verbindungsbutton zeigt volle Signalstärke. Aber kein Internet. Ich hab jedes Elektrokastl aus- und wieder eingeschaltet. Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun kann. In solchen Fällen warte ich immer einen Tag ab. Seltsam, denn das hat noch nie was gebracht. Ich musste am nächsten Tag immer wen anrufen – irgendeine Notfallnummer. Und dann kam am nächsten Tag wer von der Firma. Und dann kam am nächsten Tag wer von der Post. Und dann musste ich am nächsten Tag zum Geschäft von der Firma eine Stunde durch die Stadt latschen, damit ich ein Kastl gegen ein anderes Kastl umtauschen konnte.

In Kärnten ist das praktischer. Da bringen die Leute, die zu dir kommen, das neue Kastl gleich mit. Das ist Service!

Aber: Das Kastl hat nichts. Ich glaube es liegt diesmal echt nicht am Kastl. Aber woran es sonst liegen könnte, weiß ich leider nicht. Da kenn ich mich zu wenig aus. Leider hab ich auch mein Datenvolumen fürs Handy von dem Monat schon verbraucht. Deshalb muss ich jetzt ohne Internet auskommen. Ich hoffe wirklich, dass es nicht an meinem Haus liegt, sondern dass irgendwo der letzte Blitz ein bissl zu viel für den Anbieter war. Dass es eine Leitung getroffen hat, die nicht in meinen Zuständigkeitsbereich gehört. Dass ich morgen früh den Computer anschalte und alles funktioniert einfach wieder. Ist das nicht unser aller Traum?!

Am nächsten Morgen

Es war wirklich nur das Gewitter! Ist das nicht schön!?! Alles funktioniert einfach so wieder. All die Trauer und das Ärgern gestern voll für die Katz. Puh.

[Hostel] Volles Haus!

Okay, das war das erste Wochenende, wo mehrere Zimmer belegt waren. Sonst waren immer eine oder zwei Familien da, maximal neun Leute zur gleichen Zeit. Das Putzen am nächsten Tag hat trotzdem den ganzen Tag gedauert (Bettwäsche bügeln. Das dauert ewig).

Dieses Wochenende waren 20 Leute im Haus. Oy. Das Vorbereiten der Zimmer war leicht, weil ich mir Zeit lassen kann, wenn ich früh genug anfange. Ich hatte drei volle Tage, um die sechs Zimmer vorzubereiten. Aber jetzt! Jetzt sind alle wieder weg und ich muss alles wieder putzen. Und viele Menschen machen eben auch viel Dreck.

Wo zum Teufel ist eigentlich das magische Mary-Poppins-Fingerschnipsen, wenn man es mal braucht?

Ich habe fünf Maschinen Wäsche gewaschen. Gebügelt. Geputzt. Gesaugt. Und bin noch nicht mal zur Hälfte fertig.

Die gute Nachricht: Ich habe noch volle zwei Tage bis die nächsten Gäste kommen. Und alles wieder von vorne losgeht. Und nächstes Wochenende sind wirklich alle Zimmer komplett ausgebucht. Yeah. Das war also schon mal eine gute Übung für nächstes Wochenende.

[Hostel] Happy Birthday to meee!!!

Mein Geburtstag ist oft nichts Besonderes. Ich feiere selten. Meist fahre ich zu meinen Eltern und dann krieg ich Geburtstagstorte und Geschenke (ein Vorteil, wenn man viele Geschwister hat – viele Geschenke!) und abends gehe ich mit meinen Schwestern ins Kino. Oder auch nicht, wie wir gerade wollen (und was eben gerade läuft).

Dieses Jahr bin ich hier oben in Waldschach. Kein Kino. Keine Geburtstagstorte, außer ich backe sie mir selbst. Aber wer soll dann die ganze Torte aufessen? Besser nicht.

Und dann hab ich auch noch während der Woche Geburtstag, wo alle arbeiten müssen und nicht herkommen können. Als meine Großmutter angerufen hat, hab ich also gesagt, dass sie vorbeikommen können, weil ich nichts anderes vorhabe. Und dann haben sie sich ins Auto gesetzt und das getan, was sie hassen: Irgendwo mit dem Auto hinzufahren, wo es keine Hausnummern gibt und nur enge Straßen und wo sie vorher niemals waren und später garantiert nicht mehr hinfinden.

Und in dem Haus der Tausend Stiegen wird meinen Großeltern bewusst wie alt sie sind. Mein Großvater weiß nie in welchem Stock welches Zimmer ist und sie schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu, wenn es darum geht, wer mit dem Hund runtergehen muss.

Aber sie lieben die Aussicht und die Terrasse – na klar! – und sie freuen sich mich zu sehen. Wir waren mittags essen und dann einkaufen – und ich musste nicht nachdenken, was ich einkaufe und wie ich es den Berg raufschleppe und ob es eh nicht zu schwer für die ganze Strecke ist! Sondern einfach, schwupp- ins Auto damit! (Das Leben ist für Autofahrer so beschissen einfach! Das verdienen die meisten Leute nicht! Aber ich verdiene es – zumindest heute. Weil ich mich an meinem Geburtstag nicht zu Tode schwitzen will oder muss.)

Ach, schön hatten wir es heute! Und das Wetter war gut, und ich konnte so richtig mit der Umgebung prahlen und sie fühlten sich auch wohl.

[Hostel] Gäste

Ich hatte bis jetzt nur freundliche Gäste. Ist das nicht schön? Ich bereite mich immer gerne auf das Schlimmste vor – also gedanklich. Aber bis jetzt waren nur Familien da, die keine Probleme hatten und keine Probleme gemacht haben. Alle fanden das Haus toll (ist es auch) und die Küche übersichtlich (ist sie auch!) und die Aussicht traumhaft (ist sie auch!). Niemand hat Fragen gestellt, die ich nicht beantworten konnte, oder wenn doch war es nicht schlimm und eh alles verständnisvoll und so weiter.

Ich dachte ja, dass es mir unheimlich wird, wenn ich so ganz alleine in einem so großen Haus lebe. Ich dachte, sobald irgendetwas knarrt, erschrecke ich mich und sehe Geister. Aber es knarrt dauernd etwas und der Wind macht dauernd Türen und Fenster auf und zu, wie er gerade will. Das Haus ist so groß, dass ich es nicht mal bemerken würde, wenn sich jemand hier vor mir versteckt. Naja. Hoffentlich schon. Aber jetzt:

Nicht alleine im Haus zu sein ist seltsam. Immer, wenn Gäste da sind, spüre ich es. Ich bin leiser und unruhiger, wenn Leute da sind. Dabei habe ich zwei Stockwerke für mich alleine. Und das große Familienzimmer, das jedes Wochenende von mindestens sechs Menschen bewohnt wird, ist im Erdgeschoß – wenn sich da unten wer ein Duell liefert, merke ich es hier oben gar nicht.

Ganz ohne Gäste wäre ich ziemlich einsam. Die kleinen Unterhaltungen alle paar Tage bringen schon viel. Es ist ziemlich still hier.

Heute habe ich Besuch von einem Hund. Er setzt sich zu mir und wartet bis ich aufhöre zu tippen, um ihn zu streicheln. Ich habe noch nie verstanden, warum man sich Hund oder Katze zulegt, aber ich mag Hunde und Katzen. Man kann sie beobachten. Und wenn man ertappt wird beim Beobachten, dann gibt es keine Konsequenz. Ich verstehe, dass sie gegen das Allein-Gefühl helfen, auch wenn ich persönlich nicht will, dass sie immer um mich herum sind.

Ein bisschen wie Gäste.

Ich brauche keine anderen Menschen um glücklich zu sein, aber es ist gut, wenn ab und zu welche da sind.