Die Toleranzgespräche in Fresach enden seit Jahren mit einem Poetry Slam. Diesmal war das Thema: Das Ende des Wachstums. Was passiert, wenn wir nicht mehr weiterwachsen können und die Erde und die Wirtschaft Stopp schreien?
Daraus entstand dieser Text, der eine Weiterentwicklung eines früheren Textes von mir ist. Ich habe mich also selbst geklaut.
Der Text hat nach wie vor keinen Titel. Hm.
„AAAH, ich wünschte, es wäre schon die Zukunft!“, sagt meine Schwester und lehnt sich gemütlich in ihrem Liegestuhl zurück. „Die Zukunft wird sooo schön!“
„Wieso?“, frage ich. „Weil wir alle Ressourcen verbraucht haben und Menschen aussterben und die Erde endlich ihre Ruhe hat?“
„Nein!“, sagt sie. „Weil die Roboter kommen! Menschen werden in allen Bereichen von Robotern ersetzt, dass heißt, wir müssen nicht mehr arbeiten, sondern dürfen nur noch leben! Und wir schaffen es, der künstlichen Intelligenz Minderheitendiskriminierung wieder rauszulöschen und deshalb ist es das normalste auf der Welt, dass alles, was die Roboter produzieren, vollkommen gleich verteilt wird! Maschinen machen keine Ausnahmen, weil dein Vater dir ein Haus schenkt oder so ein Schwachsinn! Alle bekommen gleich viel und müssen abgeben, was sie zu viel haben!“
„Kommunistische Roboter? Aha!“, sage ich.
„Außerdem haben wir Lösungen für das Müllproblem der Welt gefunden. Zwei sogar! Zum einen haben wir plastikfressende Schnecken entwickelt, die alles echte Plastik wegfuttern. Dann haben wir unechtes Plastik entwickelt, dass 100x so stabil ist wie echtes Plastik, aber auch abbaubar, wenn man die richtigen Chemikalien hinzufügt und dann – wusch!- weg.“
„Aha!“, sage ich. „Und die zweite Lösung?“
„Die zweite Lösung sind Autos! Wir haben Autos erfunden, die mit dem restlichen Müll fahren können, also statt Benzin brauchst du einfach einen alten Akku in den Tank hauen und dann … wusch!“
„Also wie bei Zurück in die Zukunft?“
„Ja, aber ohne fliegen, das verwirrt nur die Vögel! Außerdem: Wenn du deinen Kaugummi nicht mehr kauen willst, steckst du ihn einfach in den Tank und fahrst damit bis nach München! Warum gerade München? Keine Ahnung, weil München weit weg ist, aber nicht zu weit weg, ich will ja nicht, dass es unrealistisch wird!“
„Wie wärs mit Salzburg?“
„Okay, Salzburg!“
„Warum überhaupt Autos? Warum nicht Züge oder Beamen?“
„Nein, das klappt nicht. Anton Zeilinger, ein österreichischer Nobelpreisträger in Physik, hat gesagt, dass es niemals möglich sein wird, Menschen zu beamen. Der ist Beam-Experte, dem glaub ich das.“
„Aber hat nicht der Patentamt-Mensch 1899 gesagt, dass alles, was erfunden werden kann, schon erfunden worden ist? Ich mein: Hoppala!?!“
„Es ist nicht bewiesen worden, dass er das jemals gesagt hat, das ist ein Fake-Zitat!“, sagt sie.
„Aber ein lustiges. Es kann ja auch nicht bewiesen werden, dass er es nicht gesagt hat.“
„Jedenfalls! Das ist noch nicht alles! Später wird es dann so: Menschen dürfen nur noch in bestimmten Städten leben, wie bei the Dome oder den Simpsons – wo so eine Glaskuppel drüber ist. Weil Menschen sich nicht an die Erde anpassen können, haben das die Roboter so gemacht. Und weil Menschen die Erde nicht respektieren können und den Umweltschutz dauernd verkacken – die Roboter so: einfach Deckel drauf. Und dann dürfen sich Menschen nur in einer vorbereiteten Umgebung bewegen, wo das Wetter gesteuert wird und so, damit sie überleben können. Wie Goldfische nur halt am Land. So wird die Artenvielfalt draußen einfach weiterentwickelt und wieder hergestellt und die Natur erholt sich. Und die Kuppeln wachsen immer weiter zu und dann vergisst man mit der ganzen neuen Natur einfach, dass da jemals Glaskuppeln über Städten waren und von außen sieht keiner mehr, dass die Erde mal so einen schweren Virus wie „Menschheit“ hatte.“
„Okay, kleine Frage! Vermehren sich die Menschen noch? Nur beschränkt und mit Einwilligung der Roboter, damit die Glaskuppeln nicht überbevölkert werden, natürlich. Ja, ja, okay, aber: Wenn du in einem Goldfischglas lebst, bist du ja früher oder später einfach mit allen Menschen da drinnen verwandt, oder? Ich mein: Igitt! Wie lösen sie das? Gentechnologie? Oder Fickurlaub in einer anderen Glaskuppel zum Genaustausch oder wie?“
[Sie überlegt kurz] „Ich habs! Ich habs! Ich habs! Beamen!“


