Ich weiß, ich sollte Bücher von unbekannten Autor:innen lesen, damit ich überall Rezensionen posten kann und die dann bekannter werden. Aber hier kommt es: Ich habe seit Ewigkeiten keine Bücher mehr gelesen. Also, so richtig. Ich habe während dem letzten Jahr immer nur Hörbücher gehört, weil ich so schlecht schlafen konnte, dass ich die halbe Nacht wach war, und dann eben immer ein Hörbuch aufgedreht habe und dann halb verschlafen und halb gehört habe. Und zwar quer durch. Am besten einschlafen konnte ich bei einer Doku über Putin. Wenn man dann mitten in der Nacht aber aufwacht und von Putin erzählt bekommt, kann man doch nur Alpträume haben, oder?
Jedenfalls habe ich jetzt ein richtiges, gedrucktes Buch gekauft und gelesen. Und es war natürlich der vierte Tintenwelt-Roman von Cornelia Funke. Die Trilogie habe ich damals geliebt. Es waren die letzten Bücher, die ich gelesen habe und vergessen habe, schlafen zu gehen, weil es so gut war in der Tintenwelt zu sein. Seit dem hatte ich solche Bücher nicht mehr.
„Die Farbe der Rache“ ist die Nummer vier. Der vierte Band einer Trilogie (haha) ist immer seltsam.
Es fehlt viel.
Fast alle wichtigen Figuren verschwinden in ein Buch. Und Staubfinger und der Schwarze Prinz heißen jetzt Nardo und Nyame. Es ist so vieles anders, und nicht weil sich die Figuren einfach weiterentwickeln, sondern weil ganz andere Figuren im Mittelpunkt stehen. Der Schwarze Prinz war ja ein Nebencharakter. Man wusste noch nichts über ihn, und plötzlich kommt er mit einer kompletten Backroundstory daher. Daran muss man sich erst mal gewöhnen.
Staubfinger und der Schwarze Prinz sind natürlich noch immer sehr geliebte Charaktere. Sie werden auch nicht unsympathisch (davor habe ich ja immer am meisten Angst), und die Geschichte ist weiterhin sehr liebevoll erzählt. Das letzte Kapitel deutet auch darauf hin, dass es eventuell weitergehen könnte. Auch die geöffneten Storylines wie das leerstehende Haus und die Verbindung zu Ayesha und Hyvin machen es leicht, die Geschichte weiterzuführen.
Die Sprache der Geschichte konnte mich diesmal nicht so fesseln wie damals. Das kann natürlich auch daran liegen, dass ich mich in den letzten zwanzig Jahren verändert habe. Aber meiner Meinung nach, sind einige Sätze einfach nicht ganz stimmig, als hätte die Lektorin was übersehen. Das finde ich schade, weil es gerade die Sprache war, die einen ja so in die Tintenwelt reingezogen hat.
Natürlich ist das Buch gut, die Geschichte ist super. Ich mag das Ende (obwohl es sehr schnell erzählt war) und es war auch nicht zu vorhersehbar. Ich liebe es, dass die Bösewichte besiegt werden (das spricht gegen die Weiterführung der Geschichte) und ich mag die neuen Held:innen.
Ich hätte mir mehr Infos zu Ayesha gewünscht (vielleicht ihre Sicht der Dinge) und ich bin ein Fan von Lilia.
Ich bin sehr froh darüber, dass ich das Buch gelesen habe, wenn ich es auch nicht wie früher verschlungen habe.


