Ich liebe die Kinderserie Bluey sehr. Und jetzt hab ich endlich ein Kind, mit dem ich das anschauen kann. (Natürlich wird Bluey erst für 3- bis 7jährige empfohlen.)
Es gibt hunderte schlechte Kinderserien da draußen. Entweder sind sie schlecht gemacht und gehen Erwachsenen nur auf die Nerven oder sie sind schlecht für die Entwicklung oder Gesundheit der Kinder. Da gibt es zum Beispiel Peppa Pig, wo Vater und Bruder andauernd als dumm und fett bezeichnet werden. Nicht so gut. Oder Paw Patrol, wo die Schnitte so schnell und die Szenen so laut sind, das kleine Kinder nur überfordert werden. Oder ganz viele schlecht gemachte Sachen, wo kein Wert auf irgendwas gelegt wird.
Und dann kam Bluey.
Bluey ist liebevoll gemacht, langsam und spannend zugleich. Ältere Kinder, die andere Sachen gewohnt sind, werden es fad finden. Aber für die Kleinen und die Erwachsenen ist es einfach nur Zucker.
Eltern sein ist nicht leicht
Bei vielen Kinderserien kommen die Eltern nicht oder nur am Rand vor, und sie sind nie gute, normale Eltern.
Blueys Eltern haben tatsächlich Spaß an ihren Kindern. Und wo sieht man das schon? Trotzdem wird nicht eine komplett unrealistische, heile Welt erfunden. Die Eltern haben Stärken und Schwächen, sie machen Fehler und die Fehler werden auch angesprochen. Das nimmt einem als Elternteil den Druck. Alle machen Fehler, alle brauchen mal eine Pause.
Gefühle regulieren und Grenzen setzen
Kinder müssen erst lernen, dass Gefühle oft etwas temporäres sind. Es wird nicht für immer weh tun, du bist nicht für immer wütend, da kannst traurig sein, dann rappelst du dich wieder auf. Du weinst, dann bist du wieder fröhlich. Diesen Ablauf lernen Kinder in den ersten sechs Jahren ihres Lebens. Und da kann man als Eltern schon dahinter sein, man kann erklären, was für ein Gefühl das jetzt ist und man kann Kindern mit Praktiken vertraut machen, die ihnen in schwierigen Situationen helfen.
Als Mutter muss ich mich oft daran erinnern, dass ich erstmal Durchatmen muss. Mein Kind weiß das noch nicht. Er beginnt gleich zu schreien. Dieses Hin und Her zwischen Erwachsenen und Kindern ist sehr realistisch dargestellt. Denn Kinder erinnern uns daran, wie schwierig es uns manchmal fällt, wieder aufzustehen und weiterzumachen.
Erwachsene tun oft so, als hätten sie alles unter Kontrolle. Ich habe so viele Menschen, denen ich oft einfach eine Bluey-Episode zeigen würde, um zu sagen: „Hey, das machst du gerade durch – reflektier bitte mal kurz!“
Wenn ihr versucht, etwas zu erklären, dann macht das doch in Zukunft mit Bluey:
- Mental Load, Staffel 1, Episode 22: Der Pool
- Mama braucht Pause, S3E11: Schafshund
- Papa spielt zu wild, S1E16: Riesen-Ball
- Regeln einhalten , S1E5: Das Schattenspiel
- Nie aufgeben, S1E11:Das Fahrrad
- weniger Medienkonsum, S1E12: Bob Beuteltier
- Geld, S1E20: Markt
- Recht haben, andere Meinungen, S1E28: Oma
- Dinge weggeben, wegwerfen, S1E34: Müll und S2E48: Ausmisten
- Schlafen, Nacht, eigenes Bett: S2E9: Schlaf gut und S3E1: Eigenes Zimmer
- Zusammenarbeit, S2E27: Die Wippe
- Mama sein, S2E47: Baby-Wettrennen
- Gewinnen/Verlieren, S3E2: Der Hindernisparcours
- Versprechen (brechen), S3E3: Versprechen
- Geduld für Mamas, S3E4: Omlette
- Unfruchtbarkeit, S3E32: Kostüme
Und es gibt noch so viele süße, kleine Situationen dazwischen.
Die erste Folge, die ich damals gesehen habe, war die Pizza-Schwestern. Bluey ruft ihren Dad an und er muss Pizza bei ihr bestellen. Er fragt: Brauchen Sie noch die Adresse? Sie antwortet: Nein, danke, ich kann Sie ja sehen.
Das ist einfach so echt. So reden Kinder. So denken Kinder.
Und einige Male musste ich eben einfach Weinen, zum Beispiel, wenn erklärt wird, dass Tante Brandy nicht oft zu Besuch kommt, weil sie keine Kinder haben kann (aber sich welche wünscht) und als Cocos Mum zu Chili sagt: Du machst das gut.
Die Serie sieht Mütter einfach. Väter sicher auch, aber ich bin kein Vater, deshalb kann ich dazu nichts sagen.
Bluey anzuschauen, macht einfach Spaß. Auch als Erwachsene. Und dann können deine Kinder das nachspielen. Und dann könnt ihr gemeinsam darüber reden. Und das finde ich wichtig, in dieser Zeit, wo nur noch konsumiert und weniger besprochen wird.


