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History Slam- Chiara „They didn’t mean it bad“

Diese Woche liefert die Grazer Slampoetin Chiara den Beitrag zum History Slam. In ihrem Beitrag geht es um Rassismus, Kolonialismus, White Privilege und die Black Lives Matter- Bewegung. Ich habe dem Video englische und österreichische Untertitel verpasst, damit ihr es möglichst barrierefrei genießen könnt.

Chiara hat, glaube ich, ähnliche Gefühle wie ich (aber ich spreche natürlich nicht für sie in diesem Artikel). Ich weiß oft nicht – soll ich was sagen, soll ich nichts sagen? Und dann warte ich eher mal ab, schau mir Dokumentationen und Interviews an, mit Leuten, die wirklich wissen wovon sie reden. Und das ist glaube ich auch das wichtigste: Dass man sich selbst weiterbildet.

Apropos: Das Factsheet zu Chiaras Text findet ihr hier.


Ich habe Gespräche mit Leuten im engen Familienkreis führen müssen – über Migration, über Ausdrücke, die man heutzutage einfach nicht mehr sagt, über Lebenswelten. Über Vorurteile und Erfahrungen. Ich habe mich verteidigen müssen, für Wahrnehmungen, die eigentlich normal sein müssten. Und ich bin keine Betroffene, ebensowenig weiß ich schon alles.

Ich ertappe mich selbst sehr oft bei Sachen, die ich noch nicht bedacht hatte. Zum Beispiel bei den Storys von @tanaka_graz, wo mir immer wieder Dinge bewusst werden, die ich mir noch nie überlegt hatte. Nicht, weil ich nicht daran glaube, sondern weil ich einfach bis dahin noch nie daran gedacht hatte. Meine eigene Unwissenheit und Ignoranz wird mir immer wieder vor die Nase gehalten und ich glaub, dass ist ganz wichtig für gegenseitiges Verständnis. Dass man sich eingesteht: Wow, das wusste ich noch gar nicht!

Vielen Leuten ist noch immer nicht bewusst, dass sie ganz viele Probleme nicht kennen, einfach weil sie keine Freunde haben, die von diesen Problemen betroffen sind. Das gilt natürlich nicht nur für People of color, das gilt für ganz viele Sachen. Es ist wichtig, euren Freunden Dinge ins Gesicht zu sagen, damit sie auch diesen Lerneffekt haben. Ganz oft habe ich gehört: „In Österreich gibt es zwar Rassismus, aber er ist ja kein großes Problem- er ist vielleicht lästig, aber nicht lebensbedrohlich.“ Und das ist eine echt arge Aussage.

Am meisten hasse ich den Satz „Von dem Problem hab ich noch nie was gehört!“ – Mit dem meist nicht lautgesagten Nebensatz: Also kann es das Problem nicht geben!

Nur weil du ein Problem an deinem eigenen Körper noch nicht erlebt hast, heißt das nicht, dass es nicht hunderte Leute gibt, die sehr wohl davon betroffen sind!

Mein Problem? Dein Problem?

Für den Anfang fragt euch doch einfach mal:

Wie viele Leute in eurem Freundeskreis …

  • haben die gleiche Hautfarbe wie ihr
  • sprechen die gleiche Sprache wie ihr
  • haben das gleiche Geburtsland wie ihr
  • haben die gleiche Ausbildung wie ihr
  • haben das gleiche Geschlecht wie ihr

Wenn die Antwort „alle“ oder „die meisten“ lautet, dann kennt ihr viele tiefgreifende, ur-österreichische Probleme nicht. Weil ihr und eure Freund:innen einfach nicht davon betroffen seid. Das ist nicht schlimm. Das freut mich für euch. Aber:

Wenn die Antwort „alle“ oder „die meisten“ lautet, dann solltet ihr euch dringend weiterbilden. Ich habe jedenfalls genug von Aussagen wie „In Österreich gibts keinen Rassismus“ oder „In Österreich ist ja schon Gleichberechtigung“ oder „in Österreich haben alle die gleichen Chancen“. Nein. Ist nicht so. Es betrifft eure Lebenswelt vielleicht nicht. Deshalb: Bildet euch weiter!

Ein paar Tipps „WIE???“ habe ich im Video versteckt.

Sich weiterzubilden ist keine Strafe, es ist wichtig und wir sollten es alle andauernd tun. Brecht mal aus eurer Bubble aus und schaut, was die „anderen“ so beschäftigt. Nur weil euch bestimmte Probleme und Möglichkeiten noch nie über den Weg gelaufen sind, heißt das nicht, dass es sie in Österreich nicht gibt. Es heißt nur, dass ihr bisher davon nicht betroffen wart und vielleicht – nur bis ihr eure Wissenslücke aufgefüllt habt – vielleicht besser den Mund dazu halten solltet. Das ist auch wichtig. Dann hört ihr mal, was andere Menschen zu sagen haben.

[Film] Ich schaue Aquaman

Superheldenfilme sind immer ein Risiko. Es kann ganz witzig laufen. Oder aber eben die größte Zeitverschwendung seit dem letzten schlechten Superheldenfilm sein. Das Problem ist, dass man meist die Geschichte des Helden schon kennt, und nur noch schauen will, was sie sich diesmal überlegt haben. Über Aquaman wusste ich im Prinzip gar nichts, das war ein Vorteil.

Das schauen von diesen Filmen, wo Action wichtiger als Story ist, beruhigt mich meistens. Deshalb schaue ich gerne Actionfilme. Das ist so, seit ich mit zwölf (?) El Mariachi und Desperado gesehen habe. Alles fliegt in die Luft, alle sterben, man bekommt nicht wirklich mit, worum es eigentlich geht. Das ist auch egal, weil es ja in erster Linie darum geht, dass alle auf seltsame Art sterben. Mission erfüllt.

Ich bin die Geschichtensammlerin. Ich muss Geschichten aufsaugen und rote Fäden verfolgen. Wenn es zu einfach ist, gefällt es mir nicht. Wenn es zu unlogisch wird, mag ich es auch nicht. Ein schmaler Grad.

Ich bin ein Mädchen. Oder war mal eines. Aber ich habe noch nie einen Superheldenfilm angeschaut, nur weil ich den Schauspieler sehen wollte. Natürlich könnte man das bei Aquaman machen. Jason Momoa dürfte einer der coolsten Typen der Welt sein, nebenbei schaut er auch noch gut aus. Es ist einer von den Typen, von denen man lieber Interviews youtubt, als die tatsächlichen Filme anzuschauen. Auch blöd. Aber was soll man denn machen, wenn alle Dialoge in den Filmen so nervig sind?

Gedanken, die ich während Aquaman hatte (Vorsicht, eventuell Spoiler)

  • Ist das Nicole Kidman?
  • Oh, da will ich wohnen
  • Stormtroopers?
  • Schießen die mit Wasser?
  • Ok, warum muss sie weg? Warum killt niemand ihren Sohn, wenn sie weg ist? Schon mal was von Erbfolgekriegen gehört?
  • Nicht gegen das Glas klopfen!
  • Warum sind die anderen so viel größer, wenn es ein Schulausflug ist?
  • Der Hai hats voll drauf
  • „Aquaman“ aus Fischen????? Wirklich?
  • Okay…. Wer sind die Guten und wer die Bösen?
  • Wie schauen UBoote eigentlich heutzutage aus?
  • UBootPiraten!
  • This was your grandfathers knife – oy, wenn du es deinem Sohn weitergibst, wirst du in den nächsten 5 Minuten sterben.
  • Warum hat er kein T-Shirt an? (Nicht, dass ich mich beschwere, aber eine Jeans ist doch unpraktischer als ein T-Shirt unter Wasser, oder?)
  • BAAAM! Ist er unsterblich oder wie genau sind seine Grenzen? (Ich weiß nichts über Aquaman, auch jetzt weiß ich nicht genau, wie viel er aushalten kann)
  • Bissi risky alles in die Luft zu jagen, bevor dein Sohn weg ist, oder?
  • Haha. (Ich hätte fast gelacht)
  • Okay, die Selfiesache war witzig…. aber dass sie es in den Film schafft, ist kein gutes Zeichen.
  • Seepferdchenarmee?
  • Haiarmee?
  • WHATTHEFUCK IST DAS ÜBERHAUPT?
  • Wo sind ihre Kiemen?
  • Willem Dafoe auf einem Hammerhai. Es ist Willem Dafoe. Da kann man doch nicht lachen.
  • Warum floaten Orms Haare nicht? (Es kommt halt doch auf die Frisur an)
  • Oh, die Statuen! Die wunderschönen Stauten! (Ich bin halt doch Historikerin)
  • Der schwimmt so nah an die Schiffsschraube, dass ich an hunderte Wal-Bilder denken muss, wo die Wale so aufgeschnitten waren von Schiffen…? Wäh
  • Simba-Nala-Moment: -Komm zurück und sei König. -Nein.
  • Wer ist sie überhaupt? Kennen die sich schon länger?
  • Meer ist schon sehr gruslig.
  • Heißt das jetzt, Orm kann nicht an der Luft atmen, wie sonst alle? Oh, war das nur eine Nachricht und er ist eigentlich gar nicht da? (Häää???)
  • ohoh große welle. das geht sich ja nie aus.
  • Wieso hat sie dermaßen rote Haare? Gibts Schwarzkopf auch unter Wasser?
  • Ah. Jetzt erklärt sich das mit dem Luftatmen. Willem Dafoe schmeißt einen Fisch aus dem Fenster. Das erste Mal, wo ich tatsächlich lache.
  • Wow. Die Frau hat echte Probleme den Text rüberzubringen. Ich meine, es ist schlechter Text, aber sie betont alles komisch. Das hätte man schon besser machen sollen.
  • ich mag Rückblenden
  • Seit ich die Flash-Serie gesehen habe, habe ich echt Angst davor, dass irgendwelche eifrigen Wissenschaftler ein Projekt starten, und die Hälfte der Stadt explodiert. Einfach so.
  • AAARGH! Sind die Dialoge einfach schlecht oder vielleicht doch die Schauspieler?
  • Ich vergesse andauernd, dass sie unter Wasser sein sollten
  • Wieso schaut das so komisch aus?
  • Würden die Studios tot umfallen, wenn sie einmal ein gscheites Drehbuch sehen würden?
  • Jaaa. natürlich. nimm doch Challenges an, bevor du weißt worum es geht…. so coool
  • Weglaufen? Wirklich? Vor allen Leuten, die deine Untertanen werden sollen? Das bringt dir keine Bonuspunkte. Echt nicht.
  • Das sind Wassermenschen. Warum geht es ihnen in der Wüste so gut? Ich muss mal wieder Ocean Girl anschauen (beste Kinderserie aus den 90ern – oh, da gibt es auch eine Princess Mera…..)
  • Oh! Sizilien!
  • Woher hat sie eigentlich die Kleidung? Und warum nimmt sie Schuhe mit Absätzen, wenn sie auf der Flucht ist?
  • Blumensnack! Wäh.
  • Warum heißen sie eigentlich immer Black Panther, Black Adam oder Black Manta, aber nie White Superman, White Flash oder White Batman?
  • Ist er tot?
  • oh, wirklich, wenn du wen sterben lasst, ist es deine Schuld, dass sein Sohn dich hasst? Emotional range of a teespoon
  • Bitte, lieber Gott(?), lass mich niemals so einen Sturm auf einem Boot erleben.
  • Kingdom of the Trench…. und jetzt ist seine Mutter die neue Königin der Trench? …. Ah nein. Nicht ganz. Noch unwahrscheinlicher. Sie kommen durch das gleiche Portal! Und vor ihr ist das noch niemandem gelungen?
  • Aha. Mit dem Dreizack kommt auch die Uniform. Klar.
  • Wie arg wäre es, wenn Unterwasser voll der Krieg abgeht und wir bemerken es einfach nicht? Aja, überall auf der Welt ist Krieg und wir bemerken es nicht wirklich. No difference
  • Leuchte, Dreizack, leuchte!
  • ihr seid FREI – ach, doch nicht! Mindcontrol – aber keine Angst, Aquaman ist eh der Gute. Da ist es doch egal, ob ihr frei seid, nicht wahr?
  • Leute! Ihr seid Brüder! Hört gefälligst auf zu streiten, sonst gibts kein Abendessen! Hausarrest! Nur noch euer Seepferdchen darf mit euch spielen, sonst keiner!
  • Hm
  • Wenigstens haben sie nicht auf das Happy End für den Vater vergessen
  • Hm
  • da hätte man schon ein schöneres Abspann-Lied finden können.
  • Natürlich ist er nicht tot! Es muss ja einen zweiten Teil geben.

Werde ich den Film nochmal anschauen? Vermutlich nicht. Absolute Zeitverschwendung war es jetzt aber auch nicht. Ich habe meine Erwartungen an Superheldenfilme so weit heruntergeschraubt, dass man mich eigentlich nur noch positiv überraschen kann.

Serie: Golden Girls

Ich habe vor einiger Zeit (vor einem Jahr vielleicht) auf YouTube zum ersten Mal die Golden Girls geschaut. Anscheinend war das eine Serie, die meine Mutter nicht geschaut hat, oder die im österreichischen Fernsehen nicht in Wiederholungen gezeigt wurde. Jedenfalls war das etwas ganz Neues für mich. Bis auf Betty White hatte ich keine Verbindung dazu.

Und ich mag es sehr. Klar, ganz viele Bemerkungen verstehe ich nicht – politische Anspielungen und diese popkulturellen Gossipsachen, die damals aktuell waren und heute nicht mehr. Aber die generellen Überthemen sind heute oft auch noch aktuell, und die Sprache finde ich witzig, der Humor ist oft gemein/sarkastisch, was ich auch sehr liebe.

Die ersten Folgen liefen 1985, das ist schon ziemlich lange her. Fast alle mitwirkenden Schauspieler*innen sind mittlerweile gestorben – außer Betty White natürlich. Die Serie brachte es auf 180 Episoden und dreht sich um vier ältere Damen, die in einer WG zusammenwohnen.

Ich weiß nicht, ob man sie gerade irgendwo streamen kann, aber auf YouTube findet ihr die wichtigsten Szenen oder sogar ganze Folgen. Auf jeden Fall solltet ihr es euch im Original-Englisch anschauen.

Trisha schaut Fußball-EM

Hirn: Ach, du weißt doch, dass ich das auch mag. Am Abend so auf der Couch sitzen. So halb nebeneinander, halb aufeinander. Fernseher läuft. Und alles, was du noch hören willst …

Herz: Oh, ich bin so aufgeregt. Sags! Sags!

Hirn: Halt di Pappn, heast, musst du mich immer unterbrechen! Also: wir sitzen auf der Couch und alles, was du sagen willst, ist: „Oida! Wenn der Fuchs danebensteht, spielt ma nicht zum Harnik. Lern zielen, du Wappla!

Herz: OCH! Du bist die unromantischste Frau, die ich je gesehen habe

Hirn: Danke. Ähm. Bin ich nicht die einzige Frau, die du je getroffen hast?

Herz: Nein. Ich sehe doch die anderen. Und die anderen würden viel besser zu mir passen als du!

Hirn: Beleidigen kann i mi sölba! Still jetzt.

Jurassic Park-Wochenende

Mein kleiner Bruder hat zu Weihnachten die „Jurassic-Park-Collection“ geschenkt bekommen. Also alle vier Filme. Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass ich die ersten Filme gesehen habe. Meine Mutter, die am liebsten Liebesfilme anschaut, ist begeisterter Jurassic Park -Fan und hat uns damals dazu verführt.

Auch wenn die Dinosaurier laut meinem Bruder nicht korrekt dargestellt werden (er muss es ja wissen), mag ich die Filme sehr. Wahrscheinlich weil ich die Bücher nicht gelesen habe, das ist ja meist so.

Den kapitalistischen Arschlochmenschen eines reinzuwürgen kommt aber immer gut. Also war ich in zwei Tagen mit zwanzig Jahren Filmgeschichte durch.

Im Grunde läuft ja ein Film viermal in verschiedenen Variationen.

Mensch spielt mit DNA und Gentechnik herum. Mensch erschafft Dinos, kann sie aber nicht kontrollieren. Gute Menschen kommen auf Insel um nachzuschauen, wie es läuft oder jemanden zu suchen oder jemanden zu retten. Böse Menschen kommen auf die Insel, um Dinos zu jagen oder einzufangen. Viele Menschen sterben. Mehr gute als böse Menschen schaffen es lebend von der Insel herunter.

Die Ausnahme ist natürlich der letzte Teil, in dem es einen funktionierend Park gibt, dann erst mit Genen herumgespielt wird und dann alles vor die Hunde geht, wobei der T-Rex diesmal der Retter ist. Auch irgendwie cool.

Naja. Das war also mein Wochenende.

Life will always find its way.

Drachenzähmen leicht gemacht (Film)

Ich liebe Animationsfilme. Die meisten jedenfalls. Einige gefallen mir besser, einige schlechter, natürlich. Ganz besonders gefallen hat mir in den letzten Jahren How to train your dragon.

Normalerweise bin ich ja nicht sooo begeistert von Drachen, aber ich liebe diese Szene, wo Hiccup zu Toothless mit einem Fisch kommt. Ich liebe es, wie sie sich annähern. Ich liebe die Mimik des Drachen und seine ganzen Bewegungen.

Es ist so herrlich detailliert. Das gilt natürlich auch für die anderen Charaktere. Die Geschichte selbst ist leicht erzählt, aber auch nicht so oberflächlich, dass einem langweilig wird.

Ein Dorf von Wikingern wird tagtäglich von Drachen angegriffen. Hiccup, der Sohn des Chefs, ist genau das Gegenteil von einem brauchbaren Kämpfer. Er baut verschiedene Geräte, damit er auch Drachen erledigen kann, bisher jedoch ohne Erfolg. Das ändert sich, als er den gefährlichsten Drachen überhaupt erwischt: einen Night Fury. Doch als Hiccup ihn im Wald töten will, bemerkt er, dass er Mitleid hat. Stattdessen wird das Monster befreit und freigelassen. Doch der Drache hat sich so schwer verletzt, dass er alleine nicht mehr fliegen kann. Hiccup baut ihm also eine Ersatzschwanzflosse, die allerdings nur mit einem Reiter auf dem Drachen funktioniert. Daraufhin freundet sich Hiccup mit dem Drachen an und lernt dabei so viel über Drachen, dass er schließlich in Drachentrainingsklasse unschlagbar wird. Seine „Belohnung“ ist es, einen Drachen vor dem ganzen Dorf zu töten. Und das kann natürlich nicht gut gehen.

Viel Teamwork, viel Verständnis für andere haben und natürlich mit Happy End.

Same Old Story: Alte Menschen und kleine Kinder

Heidi, Gulla, Anne of Green Gables, Annie – all diese Geschichten haben eines gemeinsam. Alte, einsame oder/und unzufriedene Menschen nehmen mehr oder weniger freiwillig ein kleines Mädchen bei sich auf. Und wehren sich gegen die Veränderung. Und verändern sich. Und werden glücklicher.

Ich weiß nicht, wieso, aber diese Geschichten mag ich.

Kleine Waisenkinder und alte Menschen bekommen eine zweite Chance. Es ist so schön, dass man es immer wieder lesen muss.

Über die Feiertage habe ich sowohl Anne of Green Gables angesehen, als auch die neue Heidi-Verfilmung. Anne ist so herrlich dramatisch, fast wie eine Parodie.

Und die neue Heidi ist einfach so wunderbar. Nämlich die Darstellerin. So klein, so süß, so kichernd. Sehr gut, wobei einige der Erwachsenen noch immer nicht verstanden haben, wie man mit so einem Kind spielt. Ein so ehrliches Kind muss von echten Erwachsenen umgeben sein. Schauspieler wirken da immer fehl am Platz. Aber soweit ich mich erinnern kann, treiben es nur der Herr Kardinal und Herr Sesemann an die Schmerzgrenze. In der letzten Heidi-Verfilmung, die ich gesehen hab, war Klara so eine gemeine Tussi und diese Klara ist einfach lieb. Und trotz der vielen Naturaufnahmen wird der Film nicht kitschig. Na ja, es ist Heidi. Aber halt nicht zu kitschig für Heidi.

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Heidi 2015 Bild hier geklaut http://www.kiwikinos.ch/film/heidi2014/media_scen_3.html

Poetry Slam

Unglaublich, dass ich jahrelang fast monatlich im Poetry-Slam-Publikum sitze und noch nie darüber geschrieben habe. Muss sich ändern. Jetzt.

Für alle, die nicht wissen, wovon ich rede:

Die Regeln sind klar: Poeten haben eine Bühne, ein Mikrofon, einen selbstgeschriebenen Text und fünf Minuten Zeit, diesen vorzutragen. Das Publikum klatscht und schreit – oder eben nicht, wenn der Text zu schlecht war. Zusätzlich gibt es bei manchen Salms auch noch Jurytafeln. Die werden vor der Show im Publikum verteilt und dann wird mit Zahlen gewertet. Dann gibt es Sieg nach Punkten- die drei oder vier besten kommen ins Finale. Gewinner*innen erhalten entweder einen Teil des Eintrittspreises, Gutscheine, Essen, eine Flasche wasauchimmer oder was die Veranstalter halt sonst noch so auftreiben konnten.

Für alle anderen:

Poetry Slam lässt mich als Wortmenschen immer wieder sprachlos zurück. Etwa für eine halbe Stunde kann ich gar nichts reden und dann stürzen Worte auf mich ein. Inspiration nennt man sowas glaube ich. Viele Leute gehen raus und reden darüber, wie viele Texte gut oder schlecht waren, ich sage manchmal „mhm“ oder „hm-m“, das war es dann. Ich mach das nicht, ich kann das nicht, denn wenn ich einen Text nicht mag, dann wird der vom Gedächtnis ignoriert. Zu viele Worte drängen sich in meinem Kopf. Habe ich die letzten Jahre kaum „Gedichte“ geschrieben, reimts unter meinen Haaren gerade ziemlich. Egal, was ich schreibe, es drängt sich in einen Sprechrhythmus, der für die Bühne vermutlich nicht schlecht wäre. Jahrelang schaue ich bei Poetry Slams zu und traue mich nicht auf die Bühne. Mein Feiglingsdasein wird sich vermutlich noch einige Zeit hinziehen, aber meine Texte werden auf Papier oder Bildschirm veröffentlicht. Da hat der Slam-Style nun wirklich nichts zu suchen, verdammt. Man nehme nur einmal die Bücher her, die einige Slammer veröffentlicht haben. Da liest man und denkt sich: Hey, eigentlich will ich das gar nicht lesen. ich will das hören und sehen und vorgelesen und performt bekommen. Das ist eher ungut, wenn es einem bei meinen Texten so geht, denn mein mut reicht gerade mal für eine Lesung alle heiligen Zeiten. Während ich mit mir selber kämpfe soll das niemanden davon abhalten, zu Poetry Slams zu gehen und sie zu genießen und zu lachen und zu schreien und zu jubeln und zu klatschen. Und es soll euch natürlich auch nicht davon abhalten, meine Texte zu lesen, obwohl ihr sie – altmodischerweise – noch immer selber lesen müsst.

Poetry Slams gibts übrigens in so ziemlich jeder Stadt, müsst ihr für eure Stadt eben selber suchen. Ich schau meistens dort (wenn auch nur im Publikum):

https://www.facebook.com/SteiermarkPLuS?fref=ts

Für mich zur Zeit (und es ändert sich normalerweise ständig) einer der tollsten Texte ist dieser hier, aber auch für YouTube gilt: einfach suchen.

Grand Budapest Hotel (Film)

Zwischen den Weltkriegen, zwischen den Bergen, zwischen Recht und Unrecht, lebte Monsieur Gustave, der legendäre Concierge des Grand Budapest Hotels. Der Page Zero folgt ihm und lernt alles von Gustave. Neben der verrückten Erzählweise, den vielen Wendungen und den skurrilen Abenteuern ist der Extrabonus für jeden Filmfan, dass jede kleine Nebenrolle mit großen Stars besetzt wurde.

Zu diesem Film ist so viel geschrieben worden, dass ich mich damit gar nicht aufhalten will. Ich habe ihn erst drei Mal gesehen, also habe ich noch nicht alles begriffen, was er zu bieten hat. Also schaut ihn euch an.

100 min., Abenteuer, Komödie, Drama, 2014, Englisch, ab 12 J.

Regie führte Wes Anderson (Die Royal Tenenbaums)

Tony Revolori als Zero

Ralph Fiennes (auch: Harry Potter 4-8, Die Herzogin, Brügge sehen … und sterben) als M. Gustave

F. Murray Abraham (Salieri in Amadeus) als Mr. Moustafa

Adrien Brody (Der Pianist, Darjeeling Limited) als Dmitri

Willem Dafoe (Once Upon A Time In Mexico, Spiderman) als Jopling

Jeff Goldblum (Jurassic Park, Will & Grace, Independence Day) als Kovacs

Harvey Keitel (Pulp Fiction, Sister Act, From Dusk Till Dawn) als Ludwig

Jude Law (Anna Karenina, Sherlock Holmes, Das Kabinett des Dr. Parnassus) als Schriftsteller (jung)

Bill Murray (…und täglich grüßt das Murmeltier, Lost in Translation, Ghostbusters) als M. Ivan

Edward Norton (Fight Club, Frida, Hulk) als Henckels

Saoirse Ronan (The Way Back, Wer ist Hanna?, Abbitte, In meinem Himmel) als Agatha

Jason Schwarzman (Saving Mr. Banks, Darjeeling Limited) als M. Jean

Léa Seydoux (Inglourious Basterds, Die Schöne und das Biest 2014) als Clotilde

Tilda Swinton (Narnia, The Beach) als Madame D.

Tom Wilkinson (Lone Ranger, Shakespeare in Love, Batman Begins) als Schriftsteller

Owen Wilson (Midnight in Paris, Nachts im Museum) als M. Chuck

Florian Lukas (Die Gänsemagd, Tatort) als Pinky

Karl Markovics (Die Fälscher, Die Vermessung der Welt, Franz Fuchs, Mein Nestroy) als Wolf

Volker Michalowski (Inglourious Basterds, Das Leben der Anderen) als Gunther

Bob Balaban (Monuments Men, Mexican) als M. Martin

Autumn Blood (Film)

Ich muss dauernd an Stieg Larssons „Verblendung“ denken: Wenn du ein Mädchen vergewaltigst, musst du es töten. Als logische Konsequenz, sonst landest du im Knast oder Schlimmeres.

Ich könnte die gesamte Handlung des Filmes hier beschreiben und ihr müsstet euch den Film trotzdem noch ansehen. Aber damit es für alle spannend bleibt, werde ich das Ende verschweigen.

Und darum geht es.  Der Bürgermeister kann die Mutter nicht in Ruhe lassen. Der Vater will ihn vertreiben, also erschießt der Bürgermeister den Vater. Jahre später hat der Bub noch immer nicht wieder angefangen zu sprechen. Die Mutter vegetiert vor sich hin. Das Mädchen und der Bub versorgen sich selbst und helfen der Mutter. Eines Morgens wacht die Mutter nicht mehr auf. Es ist der Tag, an dem das Mädchen von dem Jäger beim Baden entdeckt und vergewaltigt wird. Die Kinder beerdigen die Mutter. Das Mädchen fälscht die Schrift der Mutter und geht ins Dorf, das Sozialgeld abholen. Der Bürgermeister wird darauf aufmerksam gemacht, dass sie geschlagen wurde. Und der Bürgermeister stellt seinen Sohn zur Rede. Weil sie auch mal drankommen wollen, fahren der Metzger und ein Freund zusammen mit dem Jäger (der ja auch der Sohn des Bürgermeisters ist) hinauf auf die Almhütte und bedrohen den Bub bis das Mädchen das Gewehr hergibt und auch der Metzger seinen Spaß hatte. Danach ist das Mädchen apathisch und wird von dem kleinen Buben versorgt.

Die Sozialarbeiterin kommt ins Dorf und stellt Nachforschungen an. Sie stößt auf Schweigen. Die Kinder verstecken sich vor ihr.

Der Jäger, der Metzger und der Freund fahren noch einmal zur Hütte. Die Kinder laufen in den Wald. Die Männer verfolgen die Kinder. Denn sie können niemanden laufen lassen, den sie so zugerichtet haben.

Und hier breche ich ab. Happy End kann es nach all der Gewalt ja sowieso nicht mehr geben. Jedenfalls nicht für alle.

Nein, ich habe nicht Schreiben verlernt, ich habe nur versucht, die Stimmung einzufangen. Die Handlung ist wahnsinnig klar und einfach. Sie braucht keine Worte, nur Bilder. Es gibt keine Dialoge, nur ein paar gemurmelte Sätze. Handeln, nicht reden. Lustig, das aus meinen Tasten zu lesen, nehme ich an. Ich werde immer Worte brauchen. Naja, hier nicht.

Die Bilder sind toll, natürlich. Berge. Schön, kalt und traurig und hart. Und nass, aber das liegt wohl am Wasserfall.

Die Musik treibt, spannend, aber manchmal auch störend. Vielleicht war mir die Musik im Kino einfach zu laut, kann auch sein, aber manchmal hätte eine sanftere Musik gereicht.

Wunderbare junge Darsteller, was wieder beweist: wenn Kinder Dialoge aufsagen, wird das nichts. Du musst sie spielen lassen. Ohne Worte. Dann wird alles gut. Sehr beeindruckend gelungen. Wäre auch blöd, wenn die in den Tiroler Bergen Standarddeutsch sprechen würden.

Die Vergewaltigungsszene, falls ihr euch davor fürchtet, ist übrigens schön unscharf gehalten. Ihn sieht man, sie nicht und das macht das ganze leichter erträglich.

Der Film wird als Alpenwestern bezeichnet, eine seltsame Schublade in die vermutlich kein einziger Film hineinpasst und schon gar nicht dieser.

Als der kleine sich mit dem Gewehr vors Haus gesetzt hat, hat es mir nicht nur das Herz zusammengekrampft, nein, ich musste auch an Straw Dogs denken.

Obwohl die Erzählweise eher langsam und ruhig ist, was vermutlich daran liegt, dass ohne Worte erzählt wird, habe ich mich während der eineinhalb Stunden kein einziges Mal gelangweilt und dass, obwohl das UCI Graz beschlossen hat, den Film erst um 22.45h beginnen zu lassen; eine Zeit also, in der einem manchmal die Augen zufallen könnten. Ist aber nicht passiert. Nicht mal meiner Schwester und das unter der Woche.

Ich empfehle ja nie (selten) was weiter, aber das ist eine Empfehlung 😉

Regie: Markus Blunder

Schauspieler:

Sophie Lowe als das Mädchen (zB auch bekannt als Alice in Once Upon A Time In Wonderland)

Peter Stormare als der Bürgermeister (zB auch in 1000000 (oft kleinen) Rollen: Chocolat, Bad Boys, Minority Report, Leverage, Arrow, Hawaii Five-0, CSI, usw.usw.)

Maximilian Harnisch als der Bub

Annica McCrudden als die Sozialarbeiterin

Gustaf Skarsgård als der Metzger (zB Kon-Tiki, Vikings, Patrik 1.5, The Way Back)

Samuel Vauramo als der Jäger

Tim Morten Uhlenbrock als der Freund

George Lenz als der Angestellte

Nelly Gschwandtner als die Frau des Jägers

Jacqueline Le Saunier als die Mutter

Zum Schluss auch noch der Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=_u8oW8qrwCM

Drama, Thriller, 100 min., Englisch, 2013