Du willst versuchen, Mama zu werden? Mach das zuerst!
Wie würde ich mich vorbereiten, wenn ich wieder zum ersten Mal Mama würde? Was würde ich anders machen, wenn ich nochmal von vorne anfangen könnte?
Reden wir über Geld. Reden wir über Gesundheit. Reden wir über Komfort.
Bevor du schwanger bist:
Such dir eine Ärztin, bei der du dich wohl fühlst.
Ich hatte eine Ärztin, mit der ich ganz normal reden konnte. Es war eine Wahlärztin. Das war egal, es war wichtig. Man bekommt einige Untersuchungen fast voll zurückgezahlt, bei einigen sehr wenig. Das bringt uns zum nächsten Punkt:
Schließ eine Privatversicherung ab.
9 Monate bevor man schwanger wird, muss die Privatversicherung schon bestehen, sonst kannst du die Rückzahlung für schwangerschaftsspezifische Dinge nicht geltend machen. Also schließ sie am besten gleich ab. Wenn deine Ärztin oder deine Hebamme dir etwas empfiehlt, solltest du nicht zuerst: „Naja, aber es ist eigentlich zu teuer“ denken müssen.
Sobald das Kind auf der Welt ist: Schließ eine Privatversicherung für das Kind ab. In den ersten zwei-drei Jahren bist du dauernd bei Ärztinnen und du kannst deinen Stress reduzieren, wenn du dir eine Wahlärztin aussuchst, bei der du dich wohlfühlst – und das meiste von der Versicherung übernommen wird.
Leg (mindestens) 5.000,- Euro zur Seite.
Tatsächlich habe ich 4.000,- Euro zur Seite gelegt und die habe ich auch ziemlich aufgebraucht. Für die Schwangerschaft, für die Geburt, Zusatzuntersuchungen, die Hebamme während der Nachbetreuung und dann schließlich Essen und so Zeug, während ich in Karenz war. Als das Kinderbetreuungsgeld nicht gereicht hat (und wie um Gottes Willen soll es reichen??!!?!), habe ich alles aufgebraucht. Ganz ehrlich: Je höher deine Fixkosten sind, desto mehr solltest du zur Seite legen.
Geh zur Therapie.
Wenn du irgendwelche ungelösten Trauma hast (und wer hat die nicht?), wenn du irgendwelche depressiven Phasen oder irgendwas hattest – alles kommt während der Schwangerschaft oder der Babyphase wieder hervor. Spätestens, wenn du dich dabei ertappst, Sachen zu denken und zu sagen, die deine Eltern/Großeltern/Mobber zu dir gesagt haben, musst du aufpassen. Lies die Selbsthilfebücher. Geh zur Therapie. Lerne zu Reflektieren. Werde der beste Mensch, der du werden kannst, denn deine Kinder werden dir den Spiegel vorhalten, wenn du es am wenigsten willst. Und wenn du freiwillig Kinder bekommst, kannst du den Teufelskreis aus Generationentraumata unterbrechen – oder es zumindest versuchen.
Rede mit deinem/r Partner*in über Geld.
Ich nehme an, dass die meisten neuen Mamas einen Partner oder eine Partnerin haben. Schaut euch gemeinsam Kinderbetreuungsgeld und Familienbeihilfe an.
Rede darüber, was die andere Person alles machen muss, wenn du nicht mehr kannst. Wie bezahlt wer Kinderbetreuung und Krankenhausaufenthalte?
Wenn du dann Schwanger bist:
Such dir eine Hebamme, bei der du dich wohlfühlst.
Alle Kassen-Hebammen hatten zu meinem Geburtstermin keine Zeit. Also musste ich auch hier eine Wahlhebamme nehmen. Stell alle Fragen, die du hast, egal wie blöd sie sind.
Geldtipp: Meine Hebamme hat gesagt, man bekommt 80% vom Geld wieder von der Kasse zurück, das hat NICHT gestimmt. Ich habe über 1000,- bezahlt und habe 323 Euro zurück bekommen. Man muss nicht gut in Mathe sein, um zu checken, dass das nicht 80% sind. Also nochmal: Leg so viel Geld zur Seite wie möglich.
Nimm Geburtsvorbereitung Ernst.
Oft lernt man bei Geburtsvorbereitungskursen nur wie man sich bewegt oder hinhockt oder welche Massagen gegen den Schmerz helfen könnten. Alles egal.
Was du brauchst, ist mentale Vorbereitung. Dein Kopf muss mitmachen. Da gibt es Podcasts und Meditationen, such dir eine Stimme raus, die dir gefällt. Bereite dich vor.
Nimm Beckenbodentraining Ernst.
Es ist nervig, es ist fad. Man ist sich nie sicher, ob man das jetzt richtig macht. Aber: Wenn du Husten, Lachen oder Niesen musst, kann es passieren, dass dein Beckenboden aufgibt. Nicht nett.
Ernähre dich.
Das ist schon der ganze Satz. Du hast jetzt auf das „Gesund“ gewartet, nicht wahr? Aber ehrlich gesagt: Wenn du von Äpfeln kotzen musst, aber von Pizza oder Nutellabrot nicht – iss ungesund. Wichtig ist, dass du nicht aufhörst. Ich kenne Frauen, die denken, sie dürfen kein Gewicht zunehmen, sondern nur das Baby. Hört auf mit dem Scheiß. Iss das, was funktioniert. Du machst gerade ein Baby. Kümmere dich um dich.
Bewege dich.
Nach all dem Kotzen und dem Schwindlig sein und der Angst vor Fehlgeburten, solltest du dich ab der 13./14. Woche wieder bewegen können. Steh auf, geh hinaus, sei an der frischen Luft, auch wenn es nur ein kleiner Spaziergang ist. Wenn du dich während der Schwangerschaft gut fühlst, kannst du deinen ganz normalen Sport weitermachen – in den meisten Fällen (Paragliden oder so würd ich weglassen) Informiere dich.
Überleg dir gut, wer bei der Geburt dabei sein darf
Für die meisten ist es natürlich der Partner oder die Partnerin und sie verschwenden keinen Gedanken daran, ob es vielleicht wen gibt, die geeigneter wäre.
Geburtspersonen müssen dienen können. Und aus. Sie müssen da sein, sie müssen dich wichtiger nehmen als sich selbst. Sie müssen deine Wünsche weitergeben können, wenn du es gerade nicht kannst. Redet darüber. Wenn du flüsterst: Wasser bitte – muss sofort aufgesprungen werden.
Sie dürfen essen, sie dürfen Pause machen, aber sie dürfen nicht jammern. Natürlich musst du dir vorher überlegen, wen du in dieser komplett verletzlichen Phase um dich haben willst.
Besprecht das.
Lass dir alles Teure schenken.
Sag genau, was du willst. Mach eine Babyparty oder lass dir von Freunden Secondhand Kleidung und Wickeltisch und Kinderwagen schenken. Dein Baby braucht nichts neu, du Konsumopfer. Okay, vielleicht Windeln, wenn du Wegwerfwindeln nimmst. Aber sonst wachsen Babys wahnsinnig schnell, das heißt alle paar Monate braucht es neue Kleidung. Es ist okay, wenn sie gebraucht ist. Niemanden interessierts.
Kauf dir ein Tragetuch.
Säuglinge sind Traglinge. Die wenigsten Babys wollen vor dem vierten Monat in den Kinderwagen. Am Anfang ist ein Tragetuch (oder eine Trage aus Stoff) das beste, in das du dein Geld investieren kannst. Baby immer bei dir und zufrieden und trotzdem Hände frei! Yeah.
Scheiß auf den Haushalt, schlafe einfach.
Babys wissen nicht, dass man nachts schläft. Sie wissen es nicht und sie werden es auch nicht so schnell lernen. Die ersten paar Wochen werden sie noch viel schlafen, aber dann gefühlt gar nicht mehr. Und es ist völlig normal, dass Babys alle zwei Stunden aufwachen. Es ist aber nicht normal für uns, dazwischen wieder einzuschlafen, wenn wir sowieso gleich wieder geweckt werden. Und wenn du innerhalb von einer Woche 15 Stunden Schlaf zusammen hast, ist das eben einfach zu wenig. Zu wenig, um noch funktionieren zu können. Also suche dir jemanden, der mit dem Baby für ein paar Stunden spazieren geht oder wohin auch immer, weit weg, sodass du es nicht mehr hörst, damit du dich einfach hinlegen und schlafen kannst.
Sag rechtzeitig, dass es dir nicht gut geht.
Wir sind auf Einzelkämpferin getrimmt, aber wer rechtzeitig um Hilfe bittet und nicht erst einen Nervenzusammenbruch hat, wird Hilfe bekommen, bevor es zu spät ist. Wenn ein Mensch „Nein“ sagt, frag wen anderen. Du brauchst Menschen um dich, die dir das Baby abnehmen, bevor du durchdrehst und kein „Ähh, vielleicht später“. Wann später? Wenn ich mich selbst oder das Kind aus dem Fenster werfe?
Genieße es.
Während der Schwangerschaft ist die einzige Zeit in deinem Leben, wo Leute sich freuen, dass du einen großen Bauch hast. Genieße es.
Während dein Baby auf dir schläft, kannst du nichts erledigen. Kann nervig sein, aber auch schön. Entschleunigend. Nimm dir Zeit. Genieße es.
Dein Kind wächst nur einmal auf. Begleite es. Verpass es nicht. Genieße es.
PS: Die Fremdbestimmung wird weniger, je größer das Kind wird.


