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Der 9923445. Jahresrückblick und du liest ihn auch noch

Wie war dein 2021? Dieser Blogpost ist zwar über mein 2021, aber das heißt ja nicht, dass ich nicht auch dich fragen kann, wie dein Jahr war.

Alles in allem war das Gefühl des Jahres eher im negativen Bereich. Ganz viele Sachen haben nicht funktioniert wie geplant. Einige Sachen sind auf mich draufgefallen, ohne dass ich ausweichen konnte.

WG

Ich bin in eine WG gezogen. Ja. Ich. Ich, die es liebt, alleine zu sein, und Lieblingstage hat, an denen sie kein einziges Wort spricht. Ich bin in eine WG gezogen. Natürlich war es nicht immer schlecht oder nicht immer gut. Aber ich wohne am liebsten alleine. Das hat sich auch nicht geändert.

Grundsätzlich war ich von meinen Mitbewohnern aber positiv überrascht; die Leute, bei denen ich am meisten befürchtet habe, mit ihnen zusammenzucrashen, mit denen habe ich mich am besten verstanden, die waren meine größte Stütze in diesem Jahr. Es waren einige sehr anstrengende Mitbewohnerinnen und einige sehr angenehme Mitbewohner dabei.

Fazit: Ich mag es nicht mit anderen zusammenzuwohnen. Ich mag es nicht am Land zu wohnen. Ich mag es nicht, in der Früh aufstehen zu müssen, weil irgendwelche Tiere oder Menschen so laut schreien, dass ich davon aufwache. Aushaltbar. Na klar. Sollte sich aber ändern.

Hostel

Mein Sommer war wieder sehr stark an einen Ort gebunden. Durch die Tiere und Pflanzen konnte ich nicht weg, und habe ich mal jemand anderen gebeten, für ein-zwei Tage einzuspringen, ging bei denen immer alles schief. Ja, die Gäste waren manchmal lustig und manchmal blöd. Highlight war wahrscheinlich eine Junggesellenparty, wo ein Typ nach einer Stunde saufen im Garten den ganzen Gang und das Badezimmer vollgekotzt hat.

Schreiburlaub

Aber um seit Jahren mal wieder außerhalb von Österreich zu sein, bin ich dann nach Kroatien gefahren, nach Rijeka. Und obwohl es schon November war hatte ich ein paar warme Tage am Meer und habe in der Zeit mehr geschrieben, als ich es Zuhause kann. Und ich war zwei Wochen nur für mich in einer eigenen Wohnung (mit zwei Tagen Ausnahme) und das war superschön. Und das Meer! Ich liebe das Meer. Ich muss unbedingt öfter ans Meer.

Ö-Slam

Die Österreichischen Meisterschaften im Poetry Slam fanden dieses Jahr in Linz statt. Ich liebe die Linzer Veranstalter:innen. Aber dieses Mal war so viel Nebenzeug, das mein Hirn beschäftigt hat. Natürlich ist das meine eigene Schuld, ich muss ja nicht zuhören, wenn jemand Lügen erzählt und Shitstorms provoziert und Vergewaltiger auftreten dürfen und Nichtvergewaltigern die Bühne verboten wird. Es könnte mir ja auch einfach egal sein. Aber es ist mir halt nicht egal. Und ich habe begonnen, die Slamszene ein bisschen zu hassen. Wir sind Elite, wir sind arrogant und wir sind supernervig und manchmal bedeutet „wertvoll und speziell“ einfach nur „saudeppert und privilegiert“.

Aber: ich habe zum ersten Mal bei einer Meisterschaft etwas geschafft, was ich noch nie zuvor geschafft habe: Ich war mit meinem Auftritt zufrieden. Das ist doch gut, oder. Ja.

Familienzuwachs

Weitaus wichtiger als Zufriedenheit in Wohnung und Beruf ist doch die Familie. Und es gab im Juni ein neues Baby, meine Schwester hat Neffen 2 zur Welt gebracht und es war einfach so schön. Und es ist noch immer so schön ihn zu haben und zu beobachten, wie er wächst und lacht und schreit und mich vollkotzt. Ja. Hashtag Taufpatin.

Den ganzen Dezember habe ich bei meinen Eltern verbracht, weil meine Mutter auf Kur war und ich dann jeden zweiten Tag meine Neffen bei mir hatte (oder zumindest einen). Das ist schön, aber natürlich auch anstrengend.

Und bevor ich euch mit Operationen und Schmerzen und Trauer und Tod nerve, höre ich auf. Was dem ganzen Jahr doch einen sehr positiven Rückblick beschert. Seltsam.

Vier verrückte Hühner

Gerade um die Zeit, in der ich beschloss, immer mehr vegan zu werden, beschloss meine Mutter, dass es an der Zeit wäre, ein paar Hühner ins Haus zu holen. Also, natürlich nicht ins Haus, sondern in unseren überdimensionalen, ungenützten Gestrüppdschungelgarten. Da ich mich nur wegen der Scheißmassentierhaltung von Tierprodukten fernhalte, fand ich das eigentlich gut. Man kann jetzt natürlich darüber streiten. Wenn meine Familie nicht auf Eier verzichten kann, dann ist es doch schön, dass sie nicht Tierleid kauft, sondern bei unbefruchteten, glücklichen Hühner klaut, findet ihr nicht auch?

Also waren alle Beteiligten zufrieden.

Meine Schwester machte einen Hühnerhaltungskurs und mein Vater baute einen Hühnerstall (okay, möglicherweise war er doch nicht zufrieden, er hat ziemlich viel geflucht). Fehlten nur noch die Hühner. Die Mitarbeiterinnen meiner Mutter schenkten ihr Gutscheine für Hühner- mit der Bedingung, dass sie die Namensgeberinnen sein durften (okay, das war vermutlich auch nur ein Scherz, aber die drei sind so lieb, da tut man ihnen jeden Gefallen).

Papa mit Karton voll Hendln

Also fuhren meine Eltern zu einem großen Massentierhaltungskäfig in der Nähe und kamen mit vier Hühnern in einem Karton zurück.

Den ganzen Abend wurde dann noch an den Namen gefeilt. Jetzt stehen sie fest. Drei Namen wussten wir natürlich schon vorher: Kerstin, Manu und Sonja. Aber Hühner sind klein und brauchen deshalb große Namen, ist ja klar.

Wir haben also

Sonja van Beethoven

Kerstin Nöstlinger und

Manu da Vinci

daraus gemacht. Wir waren uns nicht sicher wegen der vierten Henne. Wir waren sehr gegen einen Politikernamen, denn Hühner sind ja an sich liebe Tiere und keine Arschlöcher. Deshalb haben wir uns für Friedensnobelpreisträgerinnen entschieden. Die vierte Henne (im wahren Leben übrigens ein ziemlicher Feigling) trägt den hoffnungsvollen Namen Malala von Suttner.

Sonja und Kerstin legen übrigens bereits Eier (die anderen sind noch zu jung) und trotz des ganzen Stress und der Umsiedlerei hatten wir bereits am ersten Tag zwei Eier.

Sonja, Kerstin und Manú in der Sonne.

Es hat ewig gedauert, bis sie wagten, aus dem Stall in den Auslauf hinaus zu stolzieren. Sie dann aber zum ersten Mal auf Gras und Erde und Unkraut herumstaksen zu sehen, war das Warten dann auf jeden Fall wert.