Archiv der Kategorie: auf der Bühne

Poetry Slam-Landesmeisterschaften Stmk-Ktn

Nur kurz: Seit 2015 mache ich Poetry Slam. Und jetzt wurde ich für die Landesmeisterschaften Steiermark und Kärnten nominiert. Yeah!

Wenn ihr zuschauen wollt, kommt in die Brücke. Die Vorrunden finden am 29.09.17 statt, das Finale ist am 30.09.17. Alle weiteren Infos findet ihr hier: https://www.facebook.com/events/237614830094595/?ti=as

Grazer FemSlam

Themen-Poetry-Slams mag ich nicht. Poetry Slam muss vielfältig sein. Und wenn jede/r die gleiche Themenvorgabe hat, kann das mit der Vielfalt nicht richtig hinhauen.

Zu sagen, dass es keine Vielfalt gibt, wenn nur Frauen auf der Bühne sind, wäre falsch. Aber bei den meisten FemSlams wird zu viel gejammert. Ja, ich bin auch dafür, dass sich mehr Frauen auf die Bühne trauen sollten. Ja, ich bin auch dafür, dass Frauen gleich viel Geld bekommen, gleich viel putzen müssen, gleich viel einkaufen gehen müssen wie Männer.

Wenn wir darüber jammern, ändert sich nichts. Wenn wir das vorleben, gehts uns gut.

Und gerade Frauen, die auf eine Bühne zu kommen, haben das meist nicht durch intensive Kämpfe mit riesenhaften Monstern geschafft. Nein, für uns ist das normal. Wir haben gesehen, was es gibt, wir haben beschlossen, dass wir es wollen und wir haben es uns genommen. Wir haben es getan. Es war recht einfach. Alles, was wir machen mussten, war fünf Minuten mutig sein. Und ja, natürlich ist das eine Leistung. Aber wir hatten keine Angst davor, für unsere Worte eingesperrt oder geköpft zu werden. Das ist uns nicht in den Sinn gekommen. Denn dass Frauen auf die Bühne können, ist für uns normal. Das ist schließlich Österreich.

Grundsätzlich gibt es zu wenige Frauen, die sich auf die Bühne trauen. Und grundsätzlich muss man was dagegen machen. Und grundsätzlich werden Männer von den VeranstalterInnen mehr gepusht als Frauen. Ist scheiße. Ja. Aber da darf man halt nicht den Kopf einziehen, sondern muss fordern. VeranstalterInnen sollten eben auch auf eine 50-50-Quote achten. Und Frauen sollten sich öfter als ein-, zweimal auf die Bühnen trauen, damit das möglich ist.

Aber wenn ich einen Spruch höre wie „…spiegelst die Welt aus dem weiblichen Schreiben heraus?“ dann vergeht mir doch alles. Nein. Ich spiegle gar nichts. Ich schreibe einfach nur. Weil das meine Luft zum Atmen ist. Das Auf-der-Bühne-Stehen ist eben ein Bonus. Zuerst eine Mutprobe, dann ein Bonus.

Es ist Platz genug für alle da.

Ihr wollt mehr Platz? Dann nehmt ihn euch!

Wir sind hier in Österreich. Wenn eure Eltern sagen: „Du bist nur eine Frau, du studierst nicht“, dann geht erst arbeiten und dann studieren. Nichts leichter als das. Wir sind privilegiert. Wir entscheiden das selbst. Der Platz ist da, wir müssen ihn uns nur nehmen. „Mein Mann/Vater/Bruder will das nicht!“ kann nur eine Ausrede sein, weil ihr selbst zu faul seid, um euren Arsch hochzukriegen.

Wir sind hier in Österreich. Frauen können studieren, wenn sie das wollen. Im Normalfall wird es erwartet. Nicht, weil wir Frauen sind, sondern weil niemand annimmt, dass eines Tages ein Prinz oder ein Ehemann oder ein Biest oder ein Monster vorbeikommt und sagt: „Du bleibst zuhause, du darfst nicht mehr arbeiten!“ (Ich habe gehört, dass einige Sänger/Politiker aus der mentalen Vergangenheit das vorgeschlagen haben, aber das nimmt doch wirklich niemand ernst)

Wir sind hier in Österreich. Da geht alles.

Aber selbst wenn alles geht, sollte es öfter gesagt werden. Schließlich gibt es bildungsresistente Arschlöcher, die es immer noch nicht wissen. Den neuesten Umfragen zufolge scheinen diese ungefähr fünfzig Prozent der ÖsterreicherInnen für sich einnehmen zu können. So viele! Also kann man gar nicht oft genug sagen, dass Frauen auch nur Menschen sind. Sie sind keine Kinderherauspresserinnen, Hintereuchherräumerinnen oder Arbeitsplatzwegnehmerinnen, sie haben genauso viel  zu bieten wie ihr –  und seien wir ehrlich- oft noch ein bisserl mehr. Und sie brauchen Platz. Platz, den Männer in den letzten paar hundert Jahren für sich selbst besetzt hatten.

Also nochmal für die Langsamen: Frauen sind Menschen. Frauen sind gleichviel wert wie Männer. Gewöhnt euch endlich dran. (Kaum zu glauben, dass ich das echt schreiben muss, oder?)

Aber das hier ist Österreich und was nicht passt, müssen wir uns passend machen.

Hier habt ihr dafür, dass ich euch so volljammere, noch ein kleines Geschenk. Es ist ein Bericht von Radio Helsinki über den ersten FemSlam in Graz. Das hier ist der Link:

„Braucht Literatur Performance?“ von Patricia Radda

Habt ihr es schon gehört? Ich habe meinen Namen in Estha Sackl ändern lassen. Die Zeitschrift „Die Brücke“ hat das anscheinend gedacht, denn sie hat unabsichtlich (hoffe ich doch) Esthas Namen und Bild und meinen Text abgedruckt.

Hier ist also der Text, den ich eingeschickt habe und der rechtlich gesehen vollkommen und vom ersten bis zum letzten Buchstaben mir gehört- und nicht der herzallerliebsten Estha. Folglich sollten auch alle Kommentare, Beschimpfungen, Anregungen oder Heiratsanträge an mich gerichtet werden und nicht an sie.

Braucht Literatur Performance? von Patricia Radda

Nein. Nein, natürlich braucht Literatur keine Performance. Die einzig wahre, echte, ästhetische Literatur ist schließlich jene, die alleine, tief versunken, an einem stillen Platz gelesen wird. Wörter, die vom Leser oder der Leserin genießend, die Fantasie anregend schnell verschlungen werden und sie dann niemals wieder loslassen, weil sie ein für allemal verzaubert haben.

Nein. Diese Literatur braucht natürlich keine Performance. Diese Literatur ist für eine Elite bestimmt. Diese Literatur ist für eine kleine Schar von Menschen, die, meist schon früh im Kleinkindalter von ihren Eltern, gezeigt bekommen haben, dass Bücher etwas Schönes sind. Eine Elite, die sich arrogant zu allen Fernsehern dieser Welt hinunterbeugt und sagt: „Ach, das Buch war so viel besser!“ Ich muss es ja wissen, ich gehöre zu dieser Elite.

Ich gebe mir nur Mühe, Brücken zu bauen. Ich verurteile Leute nicht, die mir gestehen: „Anna Karenina braucht soooo lange, bis sie drauf geht.“ Nein, ich verstehe euch. Ich will, dass auch diejenigen, die sich täglich nur zehn Minuten Zeit für Worte nehmen können (und dann ist es meistens ein Schundblattl wie die Krone) Literatur erleben. Ich will, dass Schüler*innen aus der Schule kommen und sagen: „Heute haben wir etwas Lustiges gemacht! Wir haben vorgelesen!“

Und eine dieser Brücken zwischen Literatur und Performance, zwischen zuhören und unterhalten werden, baut eben der Poetry Slam.

Was zum Teufel ist Poetry Slam? Du schreibst einen Text. Du stellst dich auf eine Bühne. Du liest den Text vor. Das Publikum entscheidet, ob der Text okay war oder gut oder super. Meistens gibt es ein Zeitlimit von fünf Minuten, gemäß dem guten, alten „Fünf Minuten überlebt man alles!“

Alle fünf Minuten hörst du einen neuen Text. Alle fünf Minuten hörst du eine neue Poetin. Alle fünf Minuten muss dein Hirn auf Null schalten, damit du dich drauf einlassen kannst. Also. Laut gelesene Texte sind immer Performance. Sobald sich Autorinnen hinstellen und aus ihrem Werk vorlesen, ist das schon eine Performance. Und jede Autorin wird mir zustimmen, wenn ich sage: „Bei Lesungen verkauft man mehr Bücher als sonst.“ Das liegt daran, dass Leute neugierig gemacht werden. Weil man sich als Schreiberin, nicht als anonyme Künstlerin, sondern als Mensch, hinstellt und sagt: „Hey, das zeige ich euch heute von mir!“ Und deshalb werden Slammerinnen auch intensiver gefeiert als Wasserglaslesungsautorinnen. Weil sie die Leute noch schockieren, mit allem was sie heute herzeigen können. Sogar die sensationsgeilen Boulevardblattlnleserinnen, auch die werden neugierig. Ganz besonders, wenn man die gesprochene Literatur und ihre fast unendlichen Möglichkeiten auskostet. Mit einem Blick, mit einem Augenbrauenzucken, mit einem Flüstern, mit einer Pause an der richtigen Stelle, mit einem Dialekt oder einem Schrei, wenn es keiner erwartet–! kann man Wörter verzaubern. Und dann werden sie noch mächtiger als sie eh schon sind.

Niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit wurde mehr gelesen als heute. Aber eben im Internet. Lächerlich. Bücher sind wie Filme im Kopf. Toll. Gibt’s es etwas Besseres? Ja. Es gibt eine neue Sprache. Es gibt Texte, die werden geschrieben, um sie laut vorzulesen. Warte mal, das ist doch nichts Neues. Das hat Walther von der Vogelweide auch schon getan. Und auch er reiste von Ort zu Ort, um seine Lieder vorzutragen. Ach ja. Wir gehen nicht vor, wir gehen ja zurück. Altes, Bewährtes darf bleiben. Jammere nicht über zu wenige Leser*innen, gehe raus und schrei sie an. Bring sie zum Lachen, bring sie zum Weinen, aber bring Literatur zu ihnen. Denn von alleine kommen sie nicht mehr vom Computer weg. Literatur verändert sich. Verändere dich mit.

Und hier noch der Text von Estha Sackl.

Ein ganzes echtes Jahr

Vor etwa einem Jahr habe ich mich zum ersten Mal auf die Bühne getraut. Gut, es war nicht so wirklich ein Trauen, eher ein Zittern. Das ist ja heute noch so, wenn ich einen neuen Text mache.

Die ersten paar Male waren wirklich reine Mutproben, dann begann es langsam Spaß zu machen.

Da ich dort sowieso rede, dachte ich, wir machen das hier mit ein paar Bildern:

Die Fotos wurden logischerweise nicht von mir selbst gemacht, Copyright: MinoritenKlagenfurt Daniel Bruckner, Lit.Picnic aber Roland Sagmeister, alle Fotos von den Toleranzgesprächen Gerhard Kampitsch. Falls ich Fehler gemacht oder jemanden übersehen habe: bitte melden, tut leid, wird ausgebessert.

Mein unechtes erstes Mal.

Jetzt ist das natürlich nicht mein erstes Mal. Nicht so ganz. Es war schon ein paar Mal. Aber es ist das erste Mal so freihändig. Gut, ganz freihändig wars auch nicht. Das hab ich mich noch nicht getraut. Aber es hätte glaube ich auch freihändig funktioniert.

Also wie wars im Detail:

Ich stand auf einer Bühne vor einem Mikrofon und habe meinen Text gemacht. Auswendig.

War aufregend. Nicht so aufregend wie mein echtes erstes Mal, aber fast.

Noch dazu kommt, dass ich die „12“ gezogen habe, also die letzte Startnummer. Alle waren vor mir dran und da muss man lange warten. Ewig. Und dann kommt man endlich dran und geht auf die Bühne und kann kaum atmen (wie immer) und ist geblendet von den Scheinwerfern (auch wie immer) und man hält einen Zettel in der Hand (eh wie immer), aber man schaut nicht drauf und dann blinzelt man doch mal hin und ist froh, dass man den Zettel hat, obwohl man eigentlich weiß, dass man den Text sowieso auswendig kann. Und dann ist es eh schon wieder vorbei, weil fünf Minuten sind so undankbar kurz und dann geht man wieder von der Bühne. Und man ist froh, dass man sich wieder getraut hat. Und alle anderen sitzen im Backstageraum und sind halbbetrunken und reden über alles andere nur nicht über Poetry und dann kommt Mieze und sagt, dass hat als auswendig gegolten und dann ist man stolz und froh, dass man es doch gemacht hat (weil eigentlich hätte man ja auch einen lustigen Text vom Zettel ablesen können). Und dann setzt man sich hin und trinkt Wasser und versucht, sich wieder zu beruhigen und Simon und Mario erzählen blöde Geschichten und dann hört man denen zu und vergisst, seine eigene Wertung anzuhören. Und dann ist Pause und man rennt zu seinen Schwestern und die sagen, dass es gut war und dass eine Sieben ausgebuht wurde und die Zehner bejubelt und sie schenken einem ein Fizzers, das sie sich höchst unverdient an den Kopf werfen haben lassen und aus Trotz behalten haben und jetzt mit dir teilen. Und alles ist gut und man kann das Finale genießen. So war mein Fake-Erstes-Mal.

Schaut euch doch mal den Mann an, der sogar von mir  😉 halbwegs anschaubare Fotos machen kann: Daniel Bruckner https://www.facebook.com/contraluxklagenfurt

Mein erstes Mal

Man hat mich überredet. Zu meinem ersten Mal überredet. Aber nur so halb. Weil ich wollte es ja eh schon lange tun. Aber ich hatte Angst. Und jeder, der mich kennt, weiß: ich bin eine feige Sau.

Aber ich hatte zwei Texte, die ganz passabel waren und ich wusste, dass vor dem Slam am Freitag immer ein gratis Workshop stattfindet. Also bin ich hin. Und da war ein chilliger Flo Cieslik, der gefragt hat: Was wollt ihr machen?

Und ich hab gesagt: Ich bin eigentlich zu nervös, um echt auf die Bühne zu gehen. Ich hab zuviel Angst.

Und er: Gut, dann lies mal vor, was du hast.

Ich (innerlich): Aaaah! Nein!

Ich (laut): Äh, na gut.

Deshalb auch das Foto von der Bühne.

Und dann Flo Cieslik, der mich hernimmt und sagt: Der Text ist gut, den machst du heute Abend auf der Bühne. Und dann Christine Teichmann, die mich zu den Moderatoren schiebt und sagt: Da ist jemand, der auch mitmachen möchte.

Und Leute, die dich umarmen, um dir Glück zu wünschen. Und Leute, die dich umarmen, um dich aufrecht zu halten.

Und dann ich auf der Bühne, weil ich Startnummer eins habe. Licht (sonst sieht man nichts). Manchmal lachen. Gut. Und dann ist es ja schon wieder vorbei. Applaus.

Umarmung.

„Geschafft!“

Umarmung.

„Gut gemacht!“

Umarmung.

„Super Text.“

Umarmung

„Du hast eine voll schöne Stimme!“

Umarmung.

Nächster Text und ich kann nicht zuhören. Macht nix, es klingt fad (ENTSCHULDIGUNG, ich weiß nicht mehr was es war). Ich bemühe mich nicht, zuzuhören. Zuviele Gedanken in meinem Kopf, und keinem kann ich zuhören. Eine laute Stimme: „Du hast dich getraut!“ und noch eine Stimme „Niemand, den du kennst, war heute hier. Niemand wird dir glauben!“

So war mein erstes Mal.

Und weil einmal ja keinmal ist, hab ich drei Tage später noch beim Kombüsenslam mitgemacht. Davon gibts keine Fotos, also hat es nie stattgefunden, aber meine Schwester war dabei. Die kanns bezeugen!