Salonfähig von Elias Hirschl

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Ich lese alle Bücher, die ich zu Hause habe, bevor ich neue kaufen kann.

-Library Challenge

Ich habe so oft versucht, dieses Buch zu lesen. Jedes Mal musste ich es nach einigen Seiten weglegen, weil es mich so wütend machte.

Es macht mich so wütend, dass es wirklich Menschen gibt, die so durch die Gegend laufen. Und tatsächlich glauben, sie sind die guten. Elias Hirschl kennt sich sehr gut mit der österreichischen Politik aus. Es wird Satire genannt, aber wir alle kennen Leute (die Leute kennen), die genau so sind. Und das ist erschreckend und einfach nur grausig.

Der namenlose Erzähler liebt die Partei. Alles, was der Parteichef sagt, ist Pflicht. Selfcare ist wichtig, über alles Bescheid zu wissen, ist wichtig. Sein Leben unter Kontrolle zu haben, ist wichtig. mit bestimmten Menschen bestimmte Dinge erleben ist wichtig. Alles ist berechnend und kalt.

„Wenn ich an dem Bettler vorbeigegangen bin, habe ich ihm deshalb immer zwanzig Cent zugesteckt und mich dann später dafür mit einem Stück Sachertorte im Hotel Sacher belohnt […]. Man muss sich das gute Handeln antrainieren, hat schon Aristoteles gewusst!“ -S.35. Allerdings gibt er dem Bettler jetzt kein Geld mehr, denn jeder Mensch übernimmt für sein eigenes Schicksal die Verantwortung. Manchmal schenkt er ihm noch eine Blume, damit man dem Kontakt zum einfachen Mann auf der Straße nicht verliert.

Ich könnte kotzen.

Es ist kein Leben und Lieben mehr, sondern nur noch ein Abhaken der To-Do-List, wie man am besten auf andere wirkt. Aber der Protagonist ist halt einfach zu grauslich, als das man wirklich Mitleid mit ihm hätte, auch wenn er immer instabiler wird.

Ich habe die ganze Zeit auf zwei Dinge gewartet: 1. Dass rauskommt, das der Ich-Erzähler eigentlich Julius selbst ist. oder 2. Dass er Julius umbringt. Weil wir wissen ja, was Stalker mit ihren Opfern machen, wenn sie abgelehnt werden.

Grundsätzlich widerspricht sich der Erzähler andauernd. Niemand weiß, was jetzt tatsächlich passiert und was nur ausgedacht ist.

„Wenn Sie während einer Beichte weinen wollen, dann schauen Sie bitte nicht alle fünf Sekunden zu mir auf, ob ich auch mitkriege, wie authentisch Sie weinen.[…] Wer authentisch wirken will, sollte nicht alle fünf Sekunden kontrollieren, ob er authentisch wirkt.“ S.222f.

Das Buch ist nicht anstrengend zu lesen. Auch wenn das jetzt so klingt. Man liest sich hinein und man liest gerne weiter. Und manche Sachen sind auch lustig. Zum Beispiel, wenn der Ich-Erzähler nicht weiß, was er sagen soll, und dann (nicht) dazupassende Fakten in den Raum wirft. Oder wenn er nicht weiß, wieso seine Freundinnen mit ihm Schluss machen und du es als Leserin sofort weißt.

Die Sprache ist echt gut. Aber der Inhalt macht wütend.

Wenn ihr stärkere Würgereflexe habt als ich, solltet ihr das Buch auf jeden Fall lesen! Elias Hirschl hat mir das Buch geschenkt und signiert, deshalb werde ich es natürlich nicht aussortieren. Aber lesen werde ich es vermutlich nicht nochmal. Vielleicht stellenweise, wenn ich mich erinnern will, warum toxische Beziehungen gefährlich sind. Und radikal sein immer schlecht ist. Aber es gibt einfach zu viele Dinge, die mich wütend machen.

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