Der Glöckner von Notre-Dame von Victor Hugo

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Alte Bücher sind sehr schwer zu lesen, wegen der Sprache und wegen des Hasses. Hass auf Juden, Hass auf Frauen, Hass auf alles. Und das nimmt einem die ganze Lust an alten Büchern. Falls sich wer fragt, warum die Leute keine Klassiker mehr lesen. Sie sind scheiße.

Ich lese alle Bücher, die ich zu Hause habe, bevor ich neue kaufen darf.

Library Challenge

Natürlich habe ich mir wieder das Hörbuch besorgt (war grade gratis), weil ich noch immer kein Französisch spreche, und mir sonst die Namen den Kopf explodieren lassen. Leider ist das fast nach hinten losgegangen. Der Sprecher konnte zwar die französischen Namen aussprechen, aber er konnte „Österreich“ nicht richtig sagen. Ich weiß nicht, was das für eine deutsche Krankheit ist, aber: da steht ein E in der Mitte des Wortes und wir sprechen es auch aus! „Östreich“ what the hell soll das sein?

Beim Hörbuch wird auch das Lateinische, Griechische und Spanische nicht übersetzt. Beim Spanischen komme ich meist noch mit, aber mein Latein war schon immer unter aller Sau. Also das klappt nicht und man hat immer wieder das Gefühl, etwas Wichtiges nicht mitbekommen zu haben.

Da ich Geschichte studiert habe und die meisten Leute, die in den ersten Kapiteln genannt werden, einordnen kann, war es nicht ganz so fad für mich. Aber ich bin überzeugt davon, das Leser:innen, die sich nicht für Geschichte interessieren, einschlafen beim Versuch, durch die ersten Kapiteln zu kommen. Architektur wird auch viel zu genau beschrieben. Und dann wird noch philosophisch darüber nachgedacht, dass der Buchdruck die neue Architektur sein soll. Interessante Idee, aber bitte nicht zwei Stunden lang!

Da hab ich wieder nur ein Wort: KÜRZEN!

Niemand braucht seitenlange Auflistungen von Namen. Niemand. Niemand braucht seitenlange Essays warum welches Gebäude wie ausschaut und dass der Buchdruck billigere Monumente schaffen kann als die Architektur. Niemand.

Wenn du bis jetzt nur die Disney-Version vom Glöckner kennst, gibt es auch einige böse Überraschungen. (Spoiler: Sie sterben.)

Das Buch wurde 1831 herausgebracht, spielt allerdings im Jahr 1482. Das heißt, wir haben hier ein Bild des Spätmittelalters (so wie man es sich 1830 vorstellte). Es gibt verschiedene Handlungsstränge, im Mittelpunkt steht Paris um die Kirche Notre-Dame.

Der Wunderhof oder Mirakelhof heißt übrigens so, weil alle kranken Bettler dort durch ein Wunder wieder heilen. Blinde können plötzlich wieder sehen (weil Bettler mehr Geld bekommen, wenn sie Gebrechen haben). Es steckt also System dahinter. Gauner und Verbrecher wohnen im Wunderhof, im Roman oft Ägypter und Zigeuner genannt (eigentlich vermutlich Roma gemeint).

Es beginnt mit dem Narrenfest, der Krönung des Narrenpapstes. Es soll ein Stück aufgeführt werden, dessen Autor der Dichter Pierre Gringoire ist. Das Stück wird unterbrochen durch die flämische Gesandtschaft (ganz viele Habsburger usw werden erwähnt). Der Glöckner Quasimodo wird zum Narrenpapst gewählt. Quasimodo ist ein missgestaltes Findelkind, der Diakon Claude Frollo hat es aufgezogen. Esmeralda lockt durch ihren Tanz Zuschauer hinaus, was dem Dichter Gringoire gar nicht gefällt. Als er sie verfolgt, beobachtet er, wie Quasimodo und noch eine Gestalt Esmeralda entführen wollen und Quasimodo vom Hauptmann Phöbus gefangen wird. Quasimodo wird an den Pranger gestellt. Esmeralda hat Mitleid und gibt ihm Wasser.

Währenddessen sucht Gringoire nach einem Schlafplatz, landet am Wunderhof und sie wollen ihn zuerst hängen. Er wird nur freigelassen, wenn ihn jemand heiraten will. Esmeralda entschließt sich, ihn zu heiraten und zu retten. Esmeralda hat ein Amulett um den Hals und sie sagt, dass sie dadurch ihre Eltern wiederfinden wird -aber wenn sie ihre Jungfräulichkeit verliert, hört es auf zu wirken. Deshalb wird die Ehe nicht vollzogen.

Allerdings hat sie sich in Hauptmann Phöbus verliebt. Auch der Erzdiakon Claude Frollo hat sich in Esmeralda verliebt. Als sich Phöbus und Esmeralda treffen, schleicht Frollo ihnen nach und sticht Phöbus nieder, der jedoch überlebt. Esmeralda wird angeklagt wegen Hexerei und Mordversuch, wird gefoltert, und gesteht schließlich. Claude Frollo kommt in ihr Verließ und versucht sie zur Flucht zu überreden. Esmeralda erinnert sich an ihn und weigert sich. Quasimodo kann sie retten und sie lebt in Notre-Dame. Claude Frollo stachelt aber den Dichter Gringoire an, sie zu befreien. Quasimodo denkt aber, sie wollen Esmeralda schaden. König Ludwig XI. erfährt vom Angriff auf Notre-Dame und befiehlt, die Bettler zu vertreiben und Esmeralda zu hängen. Gringoire rettet die Ziege Djali und Claude Frollo stellt Esmeralda vor die Wahl: Entweder sie bleibt bei ihm oder sie stirbt. Frollo lässt sie von einer Frau festhalten, um die Soldaten zu holen. Die Frau kommt drauf, dass Esmeralda ihre eigene Tochter ist, doch es ist zu spät und Esmeralda wird gehenkt.

Quasimodo kann Esmeralda nicht mehr finden, findet später Claude Frollo und stößt ihn in die Tiefe. Quasimodo verschwindet daraufhin. Jahre später werden in einer Gruft zwei Skelette gefunden, Esmeralda und Quasimodo.

Es ist also ziemlich grauslich. Wie immer, wenn man zuerst den Disneyfilm sieht und dann das Buch liest, sind die grauenhaften Sachen noch viel schlimmer. Alle sind grausam. Esmeralda ist oberflächlich. Phöbus hilft ihr nicht beim Mordprozess, außerdem ist er mit einer Adeligen verlobt, will Esmeralda aber entjungfern.

Sicher ein Buch, das ich nicht nochmal lesen werde. Also: Aussortiert!

Außerdem noch:

  • Esmeraldas Alter wird anfangs erwähnt: Sie ist sechzehn. Warum Männer immer von kleinen Teenagermädchen fantasieren müssen, ich verstehe es nicht und es ekelt mich ehrlich an.
  • Es gibt zwei Frollos. Einen Claude und einen Jean (Jehan oder Johann, je nach Übersetzung. Sie sind Brüder. Beide werden von Quasimodo getötet.
  • Claude Frollo nimmt Quasimodo freiwillig bei sich auf und kümmert sich zuerst gut um ihn, denkt jedoch, dass er alle seine Befehle ausführen muss, sieht ihn als willenlosen Diener.
  • Quasimodo ist durch die Glocken taub geworden.
  • Pierre und Esmeralda heiraten, aber sie haben keine gute Beziehung zueinander, Pierre liebt schließlich die Ziege Djali mehr als seine Frau und obwohl Esmeralda ihm das Leben rettete, lässt er sie bei Claude Frollo zurück.
  • Der Weiße Sonntag oder auch der Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, ist der Sonntag nach Ostern und heißt auch: Quasimodogeniti. (Wie die Neugeborenen)

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