Gegen Ende der Karenz stellen sich alle Eltern eine Frage: Wie soll ich denn zu meinem 24-Stunden-Vollzeit-Job auch noch Lohnarbeit verrichten? Wer hat sich den Scheiß ausgedacht? Wohin mit dem Kind? Welche Zeiten kann ich arbeiten? Will ich dorthin zurück, wo ich war? Geht sich das irgendwie aus oder brauche ich zusätzliche Unterstützung?
Wenn du vorher ganz normal gearbeitet hast und deine Firma dich wiederhaben will und du deine Firma wiederhaben willst, dann rufst du einfach zwei, drei Monate, bevor du wieder zu Arbeiten beginnst, deine Firma an und ihr einigt euch.
Bei mir war das ein bisschen blöder: Meine Firma ist in Konkurs gegangen, während ich in Karenz war. Ich bekam Resturlaub und Überstunden ausbezahlt und Ciao Ciao.
Also musste ich zunächst mal zum Arbeitsmarktservice (AMS)
Ich hatte fix eine Tagesmutter, und mein Kind war tageweise schon bei ihr, bzw von ca. 8.30-11.30h
Das hat alles gepasst, Kind war zufrieden und ich war richtig glücklich, ab und zu Dinge ohne mein Kind erledigen zu können. (Alleine aufs Klo gehen! Alleine Einkaufen! Putzen, ohne dass wer alles wieder ausräumt. Kochen, ohne das wer dazwischen weint, weil er ungekochte Erdäpfel jetzt sofort aufessen will. Ein Traum!)
Dem Arbeitsmarkt muss man mindestens 16h/Woche zur Verfügung stehen, drunter macht das AMS nichts. Das heißt, deine Kinderbetreuung muss ebenfalls funktionieren.
Was hat das AMS je für uns gemacht?
Also ehrlich gesagt, hört man sehr viel Schlechtes über das AMS. Immer wollen sie, dass man sich für idiotische Jobs bewirbt, die man eigentlich gar nicht machen kann. Dauernd muss man persönlich erscheinen, obwohl man keine Zeit hat. Und dauernd kürzen sie Geld, wenn man doch so dringend darauf angewiesen ist.
Das hab ich bei mir nicht erlebt. Ich war also positiv überrascht.
Ich bin am Ende meiner Karenz hingegangen, um zu schauen, ob sie mir Weiterbildungen zahlen. Ich habe während der Karenz mit einer Buchhaltungsausbildung online angefangen. Das lief ganz okay, sobald mein Sohn regelmäßig bei der Tagesmutter war. Ich wollte also wissen, ob das AMS mir bei Weiterbildungen finanziell helfen kann. Ich wollte nicht zurück in meinen alten Job. Und sie waren so: Nur wenn ich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehe.
Okay.
Vielleicht stellt sich bei Familien mit zwei Elternteilen noch die Frage, ob nicht ein Mensch länger zu Hause bleiben kann – auch unbezahlt, aber bei Alleinerziehenden stellt sich die Frage irgendwie nicht. Mama muss arbeiten, weil Mama will Warmwasser und Essen und so Zeug.
Also habe ich die Kinderbetreuung erhöht, auf täglich von 7.30-12.30h und bin zum AMS gegangen.
Und dann habe ich regelmäßig Geld von ihnen bekommen. Also Arbeitslosengeld. In etwa das, was ich bei meinem letzten Job bekommen habe.
Und dann musste ich mich immer wieder bewerben, aber es war schnell klar, dass Jobs, die meinem alten Job ähnlich waren, komplett andere Arbeitszeiten vorsahen als ich Kinderbetreuung hatte. Dementsprechend habe ich nur Absagen bekommen.
Was mir ganz recht war, ich konnte mich deshalb auf meine Weiterbildung konzentrieren, so wie ich das ursprünglich ja vorgehabt habe.
Meinen Online-Buchhaltungskurs bekam ich nicht bezahlt, aber zusätzliche Kurse beim Wifi. Das AMS arbeitet immer mit dem Wifi zusammen, das heißt, wenn du was beim Wifi findest, was du lernen willst, dann wird da zumindest ein Teilbetrag erstattet.
Und dann hat meine Betreuerin mich in einen Kurs gesteckt, der „Wiedereinstieg mit Zukunft“ heißt. Da sitzen dann zwanzig Frauen drin, die gerade anfangen oder Pause hatten (nach Karenz, nach Burnout, nach Umzug).
Da musste ich von 8-12h anwesend sein und die sind so streng mit der Anwesenheit, das ist ein Witz. Die Lerninhalte sind auch sehr in die Länge gezogen, denn der Kurs geht von Mai bis August. Aber du übst schon mal, dein Kind jeden Tag bei wem anderen zu lassen. (Du kannst natürlich bei kranken Kind Pflegefreistellung beantragen, aber das sind insgesamt halt nur 5 Tage.)
Du lernst über Kompetenzen, über den richtigen Lebenslauf und insgesamt sind es Übungen, die dich selbstbewusster machen, weil sie aufzeigen, was du alles kannst. Du lernst also, dich besser darzustellen und das habe ich nach zwei Jahren mit Kleinkind auch wieder gebraucht.
Dann bügelt man den Lebenslauf auf und das wichtigste: Man muss Praktika machen. Mindestens drei verschiedene bei drei verschiedenen Firmen.
Man kann bei jeder Firma reinschneien und sagen: Hey, ich will kennenlernen, was ihr macht, ich bin versichert und ihr müsst mich nicht zahlen! Ich darf 20 Stunden für euch arbeiten, und ich darf nicht 19,5 davon putzen.
Das ist super. So kannst du einen Job, den du immer interessant fandest, lernen. Und dann denkst du dir nach zwei Tagen: Oh, das ist ja langweiliger als ich dachte. Dann brauchst du dich gar nicht mehr bemühen und suchst nach anderen Jobs. Es geht auch nicht darum, dass du dann wirklich den Job angeboten bekommst – du kannst Praktikum auch bei Firmen machen, die niemanden suchen. Da geht es wirklich darum, Jobs kennenzulernen, ob sie für dich passen und auch dein Netzwerk aufzubauen. Denn was für ein Netzwerk hat eine Mama, die die letzten 2+ Jahre ihre eigenen Kinder betreut hat?
Bei der Firma, bei der ich schließlich einen Job gefunden habe, habe ich mich eigentlich für ein Praktikum beworben. Ich habe nämlich gesehen, dass sie eine Vollzeitangestellte wollen und ich wollte aber nur Teilzeit sein.
Auch das müsst ihr euch vorher überlegen: Wie viel Geld brauche ich, um klarzukommen? Wie viel kann ich arbeiten? Wie lange kann mein Kind betreut werden? Ich bin der Meinung, dass mein Zweijähriger noch keinen Vollzeitjob haben sollte und deshalb wollte ich ca 20 h pro Woche arbeiten. Jetzt habe ich einen Job gefunden, der gleich um die Ecke liegt- ich habe also ca. 5 Minuten Fahrzeit – und deshalb habe ich beschlossen 25h/Woche zu arbeiten. Weniger finanzieller Druck und absolut machbar, weil ja keine verlorene = unbezahlte Zeit entsteht.
Auf jeden Fall komme ich zum Kennenlernen dort hin und der Chef sagt: Nein, Teilzeit brauchen wir auch! Und schon hatte ich den Job. Es war wirklich ein bisschen zu einfach.
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