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30 Seconds To Mars am Frequency (St.Pölten)

Diesmal war es mein Bruder, der mir die Karten zum Geburtstag geschenkt hat. Mein Bruder ist ein guter Begleiter für Konzerte und besonders Festivals, weil er so groß ist. Mein Bodyguard.

 
 

Vorher:

Die Hinfahrt war schon einmal nervig. Wir sind am Westbahnhof in einen Regionalzug gestiegen, der außer in ein, zwei Stationen überall stehen blieb. Das war langweilig.

Im Shuttlebus vom Hauptbahnhof zum Festivalgelände haben einige Typen schon zum Grölen angefangen. Wir steigen aus und alle laufen in verschiedene Richtungen davon. Wir haben ein paar Minuten gebraucht, bis wir wussten woher wir Karte gegen Armband tauschen können.

Nebenbei bemerkt war es der heißeste Tag seit Wochen, 30 Grad (keine Klimaanlage im Zug, aber die Fenster konnte man öffnen).

Die erste Bühne, die wir von nahem sahen, war jedenfalls die Green Stage. Das erste, was wir taten, war etwas zum Trinken zu kaufen. Leider beim Coca-Cola-Stand direkt bei der Green Stage. Und die Becher von dort kann man nur wieder dort zurückgeben, wie wir im Laufe des Abends erfahren haben. Na ja, wir sind immer hin und her gegangen, weil nicht auf einem Fleck stehen wollten und uns die Musik auf beiden Bühnen nicht ganz zusagte. Nicht schlecht, aber eben auch nicht wirklich zum Mitmachen. Es spielten Bands, von denen ich noch nie etwas gehört hatte und durch das Hin- und Hergehen zwischen der Race und der Green Stage hörten wir von allen ein bisschen etwas.

Laut Plan waren das zum Beispiel Eternal Tango, Archive und Johnossi bis wir dann bei Zoot Woman schließlich einfach bei der Race Stage stehen blieben. Mit der Sonne im Gesicht. (Man dankt dem Erfinder der Sonnenbrille)

Vor uns die Absperrung, hinter mir ein Mädchen das sein Bier über meine Beine verteilt hat. Grrrr!

 
 

ENDLICH:

Aber endlich, endlich kam … der Schatten auch zu uns. Und es wurde Zeit für Thirty Seconds to Mars.

Ein paar Typen vor mir (vor der Absperrung) standen in letzter Minute auf und waren tatsächlich so groß, dass sie mir trotz den Metern zwischen uns die Sicht versperrten.

Ich konnte nur noch Shannon sehen (was mir eh am liebsten ist- wäre ich hysterisch genug um einen Favoriten zu haben, wäre Shannon mein Liebling 😉 ), aber wozu wird gefilmt und auf Leinwände projiziert?

 
 

Die Stimmung um mich herum war genial. Es waren die meisten der bekannteren Sachen dabei wie Night of the Hunter, A beautiful Lie, Search and Destroy, Closer to the Edge, Kings and Queens usw.

Aber: war viel zu kurz. Kein The Kill und nur 100 Suns akustisch. Viel zu wenig. Knappe Stunde, mehr nicht. Kings and Queens macht irgendwie traurig, weil man weiß: jetzt ists aus.

 
 

 
 

Für mich ein wirklich guter Tag, besser als erwartet.

Prince of Persia

Firmung meiner Schwester. In Wien geht/ging man früher immer nach der Firmung in den Prater. Was macht man in Kärnten? Das wäre echt mal eine wertvolle Information.

Wir waren bowlen. Was echt lustig war. Ich meine, ich habe verloren, aber mein kleiner Bruder ist jedes Mal in Kampfgeheul ausgebrochen, wenn er auch nur Etwas umgeworfen hat. Das zu sehen, ist die Sache schon mal wert.

Danach, und jetzt komme ich zum Punkt 😉 , waren wir (ohne kleinen Bruder) „Prince of Persia“ anschauen. Jedes normale Mädchen wäre vermutlich in „Plan B für die Liebe“ oder so einen Scheiß gegangen, aber nicht meine Schwester.

Wir beide haben noch nie das Computerspiel gespielt. Wir sind auch keine erklärten Fans von Jake Gyllenhaal (Donnie Darko, Brokeback Mountain … und wie zum Teufel schreibt man den?)- jedenfalls bis dahin nicht.

Dank den Stunts sieht man auf den ersten Blick, dass es zumindest einmal ein Computerspiel war. Die Dialoge waren, wie erwartet, ein Desaster, manche coolen Sprüche gingen im sinnlosen Rest einfach unter. Wer denkt, dass er ein paar Perser zu sehen bekommt, liegt auch falsch.

Aber so viele bekannte Gesichter! Ben Kingsley (Gandhi, Schindlers Liste) als Bösewicht, ein wunderbarer Alfred Molina (Chocolat, Frida) sorgt für lautes Auflachen. Garsiv musste ich übrigens googlen, der Typ heißt Toby Kebbell und spielte in Alexander (er bringt König Phillip um). Ich halt es nicht aus ein Gesicht zu kennen, ohne wissen, woher.

Regie führte Mike Newell (Harry Potter 4).

Also, insgesamt ist der Film schon sehenswert, aber man muss sich wirklich darauf einstellen, dass es eine Computerspielverfilmung ist. Hauptsache Sprünge, minimale Dialoge, aber alles in allem gut gemacht.

„Eyes Wide Shut“ oder Vorlagentreu

Eyes Wide Shut

Regie: Stanley Kubrick

Nach “Traumnovelle” von Arthur Schnitzler

Der Film fängt den Charakter des Buches gut ein. Schnitzlers Erzählweise ist langsam, und genauso verhält es sich mit dem Film. Viele Szenen, in denen einfach nur leere Straßen gezeigt werden, die er dann entlang geht. Aus Fridolin und Albertine werden Bill und Alice, Syphilis wird HIV, Veränderungen gibt es wenige, wenn, nur um zu Modernisieren. Die Sprache wird nicht verändert. Einzelne Passagen erkennt man fast wortwörtlich wieder. Doch auch das stört nicht. Die Dialoge wirken weder falsch noch unpassend. Die gesamte Stimmung des Films weist nicht auf New York 1998, sondern eher auf Wien 1898 hin.

Es wurde tatsächlich kein typisches New York gefilmt, wie es in nahezu allen Filmen zu sehen ist. Leere Straßen, alte Möbel, kleine Cafés. Altmodisch, aber doch stimmig.

Ein grober Eingriff in die Geschichte ist die Erklärung und Aufklärung zum Schluss. Während in „Traumnovelle“ das Ende ziemlich offen bleibt, kommt es in “Eyes Wide Shut“ zu einer Begegnung mit einem „Internen“. Dr. Bill erfährt, was inszeniert war, und wird noch einmal gewarnt, die Finger davon zu lassen.

Der Film beginnt mit einem Ball. Während Bill einem Model das Leben retten muss, tanzt Alice mit einem Gast. Sie wird verführt, lehnt aber ab. Später kommt zwischen den Eheleuten das Thema wieder auf. Bill ist überzeugt, dass Alice nicht fremdgehen würde, es ihrer Tochter zuliebe gar nicht könnte. Alice erzählt Bill daraufhin, dass sie in einem Urlaub jemanden kennengelernt hat, und sie auf den ersten Blick alles aufgegeben hätte, hätte sie den Mann wiedergesehen. Zum Glück sei er gleich wieder abgereist. Während dem ganzen Film stellt sich Bill nun immer wieder vor, wie der andere Mann mit seiner Frau schläft.

Gleich nach dem Streit über Treue und Untreue muss Bill den Tod eines Patienten feststellen, und wird von dessen Tochter mit einer Liebeserklärung konfrontiert und geküsst. Er besucht einen alten Freund in einem Café, indem dieser als Pianist arbeitet. So hört er auch das Telefongespräch mit an (Handy im Film) : der Pianist hat heute noch eine Veranstaltung zu spielen, für die er ein Passwort braucht. Kurzentschlossen lässt sich Bill die Adresse geben und kauft sich eine Verkleidung. Er schafft es tatsächlich, in die Veranstaltung, die Orgie, gelassen zu werden.

Von einigen Leuten wird er dort offenbar sofort erkannt. Anders als im Buch muss er sich demaskieren und wird bloßgestellt. Eine Frau sagt, dass sie seine Strafe auf sich nehmen würde.

Am nächsten Tag versucht er den Pianisten zu erreichen, doch der wurde schon weggeschickt. Kurz darauf erfährt er vom Selbstmord eines Models und ist sich sicher, dass es die Frau ist, die ihn „gerettet“ hat.

Der Veranstalter des Balls am Anfang lädt ihn zu sich ein, und klärt alles auf. Bill geht nach Hause zu Alice, weint und erzählt ihr alles.

Am Ende gehen Bill und Alice mit ihrer Tochter einkaufen und reden über die gemeinsame Zukunft.

Der Film ist, wie schon gesagt, sehr langsam und hat (wie das Buch auch) meinen Geschmack wirklich nicht getroffen. Auf jeden Fall etwas Besonderes, aber nicht für die Masse.

30 Seconds To Mars im Gasometer (Wien)

Besessen zu sein hat Vor- und Nachteile. Vorteil ist, dass man  immer rechtzeitig Konzertkarten kauft, weil man immer genau weiß, wer wo wann ist. Nachteil ist, dass man zwei Tage vorher schon Probleme beim Einschlafen hat und den ganzen Tag lang nicht mehr stillsitzen kann. Was besonders dann blöd ist, wenn man Vorlesungen besuchen muss. Und so furchtbar interessant Marshall McLuhan und Walter Benjamin auch sind, eineinhalb Stunden können sich ziehen…. Endlich Class Dismissed. Endlich hinaus. Endlich Sonne!

Etwa eine halbe Stunde sind wir draußen gestanden, mit Musik von Youno versorgt worden und ich werde nie verstehen, warum nur die Seiteneingänge geöffnet werden, wenn so viele Leute schon bei der Vorgruppe hineinwollen. Vorgruppen, übrigens. Mir persönlich hat Street Drum Corps besser gefallen als Carpark North, die allgemeine Stimmung war aber eher auf die Dänen gerichtet.  Wenn Füße schon vor dem Beginn wehtun, wird das im Laufe des Abends auch nicht mehr besser. Und warum stehen vor mir immer Riesentypen, die mir mit ihren gigantischen Latschen auf meine Winztreter hüpfen?

Nach drei Monaten warten begann es mit Night oft the hunter und endete mit Kings and Queens. Und nach drei Monaten Vorfreude ist es jetzt tatsächlich vorbei. 😦 Es war toll, falls es jemand anzweifelt.

Als Jared sagte: „Alle machen jetzt drei Schritte vor!“ wollte ich ihm am liebsten den Kopf abreißen. Wien hats ihm gedankt und ihm das T-Shirt weggerissen. Das hat er jetzt davon. Nur so am Rande: Ja, ich habe mich geschämt, als ein paar fussballverliebte Typen tatsächlichen „Immer wieder“ gegrölt haben. Gibt’s echt nichts Österreichischeres?

Gänsehautstimmung kam bei Revenge auf (echte Gänsehaut nicht, dazu war´s viel zu schwitzig). Wer so heiser ist, und dann noch immer so hoch singen kann, ist entweder verrückt oder richtig gut. (Natürlich war es hier etwas von beidem).

Enttäuschend war für mich irgendwie Tomo. So präsent er bei Interviews auch ist, so unscheinbar ist er am Rand gestanden. Schade.

Shannon wie immer in Trance- ihn zu beobachten ist alles Geld der Welt wert.

Gute Nacht.

http://thirtysecondstomars.thisisthehive.net/blog/

http://www.myspace.com/streetdrumcorps

http://www.myspace.com/carparknorth

Männer, die auf Ziegen starren

Nur man so eine kleine Frage am Rande: Gibt es irgendjemanden auf dieser schiachen Welt, der nicht an etwas Perverses gedacht hat, als er den Titel das erste Mal gelesen hat?

Tatsächlich ist dieser Film mit George Clooney, Kevin Spacey und meinen persönlichen Favoriten, Jeff Bridges und Ewan McGregor, eine sehr sehenswerte Komödie. Einverleibt habe ich mir diesen netten Zeitvertreib im Votivkino, auf Englisch mit deutschen Untertitel.

Er handelt von dem genervten Reporter Bob Wilton (herrlich: Ewan McGregor), der nach der Trennung von seiner Frau in den Osten geht, um über den abenteuerlichen Krieg zu schreiben. Bevor er über die Grenze darf, trifft er Lyn Cassady (George Clooney als Hippie!), der den Auftrag hat, seinen ehemaligen Vorgesetzten Bill Django (Jeff Bridges als der Ober-Guru) zu finden. Bob erfährt von Lyn die Geschichte, dass es in der US-Army eine Einheit gab, die darauf spezialisiert war, ihre Psychischen Kräfte zu trainieren. Spione, die also durch Wände gehen, Gedanken lesen, Traumreisen können und – daher auch der geniale Titel – eine Ziege durch bloßes Anstarren töten können. Lyn selbst war der beste der Einheit und durch seine herrvorragenden Kräfte wurde er schnell zum Feind von Hooper (Kevin Spacey). Nach einer von Hooper geplanten Intrige verschwand Bill Django spurlos – und Lyns geliebte Einheit wurde aufgelöst.

Der Film kann weder mit angenehmen Überraschungen bei Darstellern noch bei Umsetzung aufwarten- aber das witzige Drehbuch besticht total. Ironisch, sarkastisch und einfach zum Schreien- so verrückt, dass die Geschichte nur wahr sein kann.

Wirklich guter Abend. 

Sehr empfehlenswert:

http://www.ziegen.kinowelt.de

„Die Dreigroschenoper“ im Stadttheater Klagenfurt

Dreigroschenoper

Einige mögen schon mitbekommen haben, dass ich immer alles zweimal mache. Mindestens. Ich lese Bücher mindestens zweimal, auch wenn sie mir nicht gefallen. Ich sehe Filme immer mindestens zweimal, weil ich erst dann entscheide, ob ich sie mag. Und ich gehe mir Theaterstücke, Musicals usw. immer zweimal ansehen, weil die, die ich mir selbst ansehen wollte, mir bis jetzt immer gefallen haben.

In der Vorhalle ist er mir schon aufgefallen. Ein Mann, groß, lange Haare, grauer Schlapphut, schmutziger, ewiglanger Mantel, Plastiksackerln. Ich denk mir dabei ja nie etwas. Ich warte immer ab. Aber während man auf die „Dreigroschenoper“ wartet, also eine Form von „The Beggar´s Opera“, sagt man wohl nichts dazu.

Als wir dann auf unseren Plätzen warteten, schlenderte der Kerl über die Bühne. Mein Grinsen mag es verraten haben: ich freu mich immer, wenn ich richtig rate. Die Bühne. Die Bühne ist diesmal keine Bühne, die Bühne ist ein grellbeleuchteter Laufsteg, der meinen Augen noch Probleme machen wird, ich weiß es jetzt schon. Aber das konnte ja niemand im Theater wissen. Vorhang gibt es nicht. Putzfrauen wischen über den Laufsteg, hin und her gehetzt von einer geschäftigen Person mit Klemmbrett. Auf der Seite Musiker. Kellner servieren Getränke, Gäste kommen. Gäste setzen sich, alle warten. Wir auch.

Wir wissen es noch nicht, aber wir haben auf Otto Jaus gewartet, den Moritatensänger. Grüner Anzug, weißes Gesicht, schwarzer Hut, rrrrollendes Rrrr. So ein Typ halt. Total hineingesteigert wie er ist, und verrrrrückt wie er klingt, mag ich ihn sofort. Hinter ihm, Models mit Waffen, Mackie Messer, über den er singt und der jetzt plötzlich aufsteht, war im (Bühnen)Publikum. Und so beginnt‘s.

Die Bettlerfabrik von Jonathan Peachum (Maximilian Hilbrand) ist mit Handy und Laptop ausgestattet. Während er seine Leute verstümmeln lässt, übersieht er, dass seine Tochter Polly (herausragend: Nadine Zeintl) mit dem Verbrecher Macheath (Boris Pfeifer), genannt Mackie Messer, durchgebrannt ist. Die Hochzeit der beiden im Pferdestall wird stellenweise etwas lang.

Nun setzt Pollys Vater natürlich alles daran, um Mackie an den Galgen zu liefern. Pollys Mutter Celia (dargestellt von der unglaublichen Dagmar Hellberg) geht das Ziel ohne Rücksicht auf Verluste im Bordell an: Sie bietet den Huren, allen voran Jenny (Patricia Nessy), Geld, wenn sie Mackie ausliefern. Jenny verrät Macheath und er landet im Gefängnis. Sein langer Freund Tiger Brown (verschwindend wenig zu sehen: Erwin Windegger), der Polizeichef ist, will ihn befreien, wird aber zu sehr unter Druck gesetzt.

Obwohl ihn Lucy, Tiger Browns Tochter, aus dem Gefängnis entkommen lässt, verraten die Huren Mackie schon wieder. Da der Typ einfach nicht dazulernen kann, gibt’s diesmal übrigens ein anderes Ende. Mackie wird nicht begnadigt, sondern mit der Giftspritze ins Jenseits befördert.

„Die Dreigroschenoper“, Regie Henry Mason, hab ich zum ersten Mal mit meiner Klasse am 24.April 2009, zum zweiten Mal am 20. Mai mit meinem Vater (sein Geburtstagsgeschenk) gesehen.

Wie immer liebe ich es, zwei Vorstellungen zu vergleichen, was diesmal damit begann, dass Otto Jaus, oben genannter Moritatensänger, sich das Bein gebrochen hatte, und deshalb im Rollstuhl, bzw. mit Krücken auftauchte. Bei den Verehrern fiel er ganz weg, und alleine ein Klavier wegtragen funktioniert auch recht schlecht, ansonsten war alles bedacht.

(29.8.09)

Meine Lieblingstexte noch mal verlinkt: