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Mr. Nobody oder Once upon a time there was a daddy and a mommy, named the daddy and the mommy.

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis Jared Leto so alt aussieht, wie er ist?

Worauf es mir bei Filmen ankommt, ist der Überraschungseffekt. Ich muss auch noch, wenn ich den Inhalt kenne, von einem Film überrascht werden können. Vom Drehbuch (besonders gut oder besonders schlecht), von der Handlung (möglichst viele Wendungen, bitte) oder von Kamera oder Schnitt. Also, wenn ihr die Handlung nicht wissen wollt, hört auf zu lesen.

Diesen Film kann man nämlich unwahrscheinlich oft anschauen, ohne die Handlung „richtig“ zu verstehen. Wie Schreiber/Regisseur Jaco van Dormael sagt: „Der Film ist wie das Leben selbst, er wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet.“

Jetzt hat man vielleicht die lächerlichen paar Zeilen gelesen, die versuchen, wenigstens einen Teil des Films vorauszusehen, zu beschreiben, zusammenzufassen.

Es funktioniert nicht. Dann steht da so etwas wie: Der 118jährige Nemo Nobody erinnert sich an sein Leben. Er erzählt drei Geschichten, jedes Leben mit einer anderen Frau. Welche war das echte?

Oder so etwas: Der 9jährige Nemo muss sich entscheiden, ob er bei seinem Vater bleiben oder mit seiner Mutter nach Kanada ziehen will. Doch diese Entscheidung beeinflusst sein ganzes zukünftiges Leben. Wir folgen ihm bei jeder Entscheidung.

Der Film selbst ist ziemlich lang. Er enthält etliche Szenen, die man auch hätte weglassen können, allerdings finde ich persönlich, dass die Kinofassung an den falschen Stellen gekürzt wurde. In der Kinofassung bemerkt man nicht, dass er schon den Unfall vorhergesehen hat.

Aber die Szenen selbst sind meist wunderschön. Es gibt wunderschöne Close-ups, Augen, Tränen, Härchen, die sich aufstellen. Besonders gefallen mir auch die Übergänge. Ein Spielzeugflugzeug deutet die Reise von Europa nach Amerika an. Ein Haus wird von einem Schuh zertreten. Wirklich interessant gemacht.

Der ganze Film dreht sich eigentlich um den Butterfly-Effekt. Ein Regentropfen löscht Annas Telefonnummer? Tja, Nemo, dann hättest du besser nicht die billige Jeans kaufen sollen, denn dann hätte der arme Brasilianer nicht seinen Job verloren und hätte kein Ei kochen können. Die zusätzliche Hitze hat dann nämlich zu starken Regen im Norden des Kontinents geführt.

Oft wird Nemo die Entscheidung einfach abgenommen. Ein Blatt landet an der falschen Stelle, ein Vogel knallt gegen eine Scheibe, und das beste: Die Münze sagt ja und nein. Nemo will keine Entscheidungen treffen, er will nicht wissen, was das dann auslöst.

Wenn man sich den Film anschaut, dann so zum dritten oder vierten Mal, könnte man auf Details achten. Auf die Dinge, die in vielen Leben des Nemo Nobody eine Rolle spielen. Schienen, zum Beispiel. Oder Blätter, Wasser, Schmetterlinge, Fotos und Münzen, natürlich.

Was ich herausgeschnitten hätte, wären die meisten Karo-Szenen. Obwohl es natürlich lustige Szenen sind, tragen sie nur einmal wirklich etwas bei.

Es ist also wieder einmal ein Jared-Leto-Film, der mich zutiefst verwirrt, aber sehr beeindruckt zurücklässt. Über Jareds Spiel will ich nicht urteilen, ich glaube, ich bin nicht unparteiisch genug. Sehr super auch Sarah Polley als Elise und Juno Temple als junge Anna. Natürlich ist das Netzt, das im Hirn eines Zuschauers gesponnen wird, nicht mehr entwirrbar. Soll heißen, dass ich nach zweimal anschauen noch immer meine Schwester fragen musste, in welchem Leben Nemo jetzt eigentlich alt werden kann (sie wusste es: einmal bei Elise). So ein Film ist kein für normale Zuseher hollywoodmäßig perfekt zurechtgeschnittener Fetzen. Da muss man schon schauen und denken.

Übrigens ist dieses In-die-Zukunft-schauen sehr praktisch, wenn man eine Selbstmordgefährdete Ehefrau hat.

Jetzt einmal zum Inhalt. Oder zu dem, was ich gesehen habe.

Zuerst einmal: der Film beginnt mit dem Tod. Es sind nicht nur drei Leben, die Nemo da leben könnte, denn es sind tausende kleine Entscheidungen, die unser Leben bestimmen, und jede Entscheidung verändert die Zukunft. Zum Guten oder zum Schlechten.

Mit dem Auto ertrinken, in der Badewanne erschossen werden: immer wieder findet ein recht junger Nemo (Mitte 30) den Tod im Wasser und landet dann in der Leichenhalle.

Doch plötzlich befinden wir uns in der Zukunft: Der 118jährige Nemo lebt in den Erinnerungen und behauptet steif und fest, er wäre erst 34. Ein Arzt in einer sehr sterilen Zukunft stellt ihm Fragen. Die Menschen in der Zukunft werden nicht mehr an Altersschwäche sterben, Nemo wird der letzte sein und ist deshalb ins Interesse der Öffentlichkeit gerückt.  Doch der Arzt hypnotisiert ihn, um den Zugang zu seinen Erinnerungen zu öffnen, und wir kommen mit – schon ist Nemo wieder 34.

Er ist verheiratet mit Elise und hat drei Kinder. Doch anscheinend auch wieder nicht: Nemo nennt seinen Sohn beim falschen Namen und –schwupps- schon ist er mit Jeanne verheiratet, äußerst depressiv und uninteressiert an seinen Söhnen oder Geschäftspartnern. So uninteressiert, dass wir alles ganz verschwommen im Hintergrund sehen. Doch –durch einen Unfall im Fernsehen ausgelöst – befindet sich Nemo plötzlich mitten auf der Straße, im Auto, frisch verheiratet mit Elise, eine Explosion folgt.

Und dann gehen wir zurück, in die Zeit vor Nemos Geburt und Nemos zutrauliche Kinderstimme begleitet uns. Bevor Menschen geboren werden, wissen sie alles. Und dann kommen die Engel des Vergessens und das kleine Kind vergisst alles. Doch Nemo wurde ausgelassen. Er weiß alles.

„Once upon a time there was a daddy and a mommy, named the daddy and the mommy. They found a cute little baby, and called it the cute little baby…“

Und die wunderbare Leichtigkeit der Musik trägt uns fort und begleitet Nemo durch die seltsamen, aber doch meist unbeschwerten Tage seiner frühen Kindheit.

Ein Journalist kommt zum alten Nemo. Er will einen Artikel schreiben, über den letzten Sterblichen. Nemo soll aus seinem Leben erzählen, wie es war, als alle Menschen sterblich waren. Er erzählt aus allen Leben, und von allen Entscheidungen, die er treffen sollte.

Wissenschaftssendung (Jared Leto sollte das weiterhin machen, dann würde es mehr Leute interessieren): Was war vor BigBang? Es gab kein vorher. Zeit hat nicht existiert. Zeit ist nur entstanden, weil sich das Universum ausbreitete. Was passiert aber, wenn das Universum aufhört, sich auszudehnen? Was passiert dann mit der Zeit? Wir erleben Zeit nur in eine Richtung, oder? Und deswegen ist es so wichtig, die richtige Entscheidung zu treffen. Weil man keine zweite Chance hat.

Drei Mädchen fallen dem kleinen Nemo auf: Anna (rotes Kleid), Elise (blaues Kleid) und Jeanne (gelbes Kleid). Sie bleiben Nemo im Gedächtnis und uns auch, sehen wir doch, wie Nemo Anna, Elise und Jeanne heiratet.

Nemo weiß die Zukunft. Er sieht einen schrecklichen Unfall voraus. Nemo weiß die

Zukunft, was seine Eltern verwirrt und ihn zum Sonderling macht.

Nemo mag Anna, er beobachtet sie beim Schwimmen. Er springt vom Sprungbrett, doch er kommt nicht mehr nach oben.

Mommy geht fremd, mit Annas Vater, die Eltern streiten und Nemo steht am Bahnhof. Er steht da und wird sowohl vom Vater als auch von seiner Mutter aufmunternd angeschaut. Die Mutter steigt in den Zug und Nemo beginnt zu laufen.

Nemo läuft. Er erwischt den Zug und flüchtet in die Arme seiner Mutter.

Nemo läuft. Sein Vater ruft seinen Namen, er dreht sich um und stolpert.

Nemo läuft. Sein Schuh geht auf, er muss stehen bleiben.

Der Vater umarmt ihn.

Die Mutter umarmt ihn.

Der Reporter will vom alten Nemo wissen, was wirklich passiert ist. Ist Nemo jetzt bei seiner Mutter oder bei seinem Vater aufgewachsen?

„Du hättest ja auch bei deinem Vater bleiben können, oder?“

Nemo wird Teenager.

Wir hören es durch die verschiedenen Sandman-Versionen als Hintergrundmusik.

Annas Vater kommt zum Essen, Nemo sagt seinen Tod voraus und Nemos Mutter wird sauer. Doch Anna tritt wieder in sein Leben.

Nemo kann nicht schwimmen. Er beleidigt Anna und bedauert es Jahre später. Er sieht die Zukunft und macht es rückgängig.

Sie bleiben Freunde, lieben sich. Als er ihr erzählt, dass er die Zukunft sehen kann, reagiert sie nicht wie alle anderen und glaubt ihm. Immer wenn er eine Entscheidung trifft, sieht man kurz die Folgen.

Die Eltern ziehen zusammen. Nemo schleicht sich in Annas Bett, sie werden morgens fast erwischt.

„Alles ist in Ordnung“

Nemo lebt bei seinem Vater. Der Vater ist krank, sitzt im Rollstuhl. Nemo arbeitet nach der Schule, er sagt, es ginge ihm gut. Er kümmert sich gut um seinen Vater und immer, wenn der Vater will, dass Nemo sich amüsiert, sagt Nemo: „Es ist alles in Ordnung, mir geht es gut.“ Abends fährt er auf seinem Mofa über die Straßen und schreit alles heraus. In der Nacht setzt er sich an die Schreibmaschine und schreibt Geschichten über Raumschiffe und die Landung auf dem Mars.

Nemo beschreibt die Reise zum Mars und den Kolonien. Die Reise dauert Monate und die Passagiere sind dabei in einem Kälteschlaf.

Auch Nemo ist dort und er murmelt: „Elise.“

Nemo wirft eine Münze, geht auf Party, trifft Elise, die einen anderen liebt.

Nemo geht Elise nach, verspricht ihr ihre Asche auf dem Mars zu verstreuen, wenn sie stirbt. Elise sagt, sie sei kein guter Mensch, doch Nemo versteht nicht.

Wissenschaftssendung: Liebe. Warum Liebe? Woher kommt Liebe, was passiert im Körper? Oder geht es der Natur sowieso nur um Fortpflanzung? Nachdem alles abgedreht ist, ruft er Anna an, denn mit Anna ist Nemo glücklich verheiratet. Doch ein Vogel knallt gegen seine Windschutzscheibe und sein Auto landet im Wasser, Fische fressen ihn.

Nemos Mutter trennt sich von Annas Vater, doch Nemo und Annas Beziehung wird immer intensiver, überschäumender.

Nemo sieht Elise mit Stefano, er fährt sauer davon. Ein Blatt verursacht einen Mofaunfall und Nemo landet im Krankenhaus.

Da will Nemo hinaus und entscheidet sich anders.

Nemo bleibt und sagt Elise, dass er sie liebt. Sie liebt Stefano, doch Stefano sie nicht. Da trifft Nemo Entscheidungen oder Vorsätze:

  • Er will nichts mehr dem Zufall überlassen.
  • Er will das erste Mädchen heiraten, das heute Abend mit ihm tanzt. Und das ist Jeanne, die ihn liebt, aber niemals von ihm geliebt wird.
  • Er will reich werden.
  • Er will ein Haus haben, gelb angestrichen, mit Garten, ein Cabrio, ein rotes Cabrio
  • Er wird zwei Kinder haben, weiß auch schon die Namen
  • Und er wird einen Pool haben. Er wird schwimmen lernen.
  • Und er wird nicht aufhören, bis er all das erreicht hat.

Nächstes Bild: Nemo liegt im Pool, Gesicht nach unten treibt er an der Oberfläche. Jeanne holt ihn rechtzeitig heraus. „Elise?“, fragt er, doch es ist Jeanne, die sich besorgt über ihn beugt. In seinem Abschiedsbrief hat er geschrieben, dass er nicht mehr weiß, ob er noch lebt. Er verletzt sich, um es auszuprobieren.

„Wenn ich älter bin, habe ich einen Pool“

Nemo wacht auf und liegt als Teenager neben Anna. Die Eltern trennen sich, die Kinder weigern sich auseinander zu gehen, doch schließlich verschwindet Anna aus seinem Leben. Seine Mutter wirft Annas Brief weg. Mit seiner Mutter kommt Nemo gar nicht klar.

Als er erwachsen ist, reinigt er bei anderen Leuten den Pool.

In Gedanken ruft er ständig nach Anna.

Weil eine Obdachlose Hilfe braucht, bleibt Nemo länger am Bahnhof und sieht Anna wieder. Sie können nicht glauben, dass sie es wirklich sind, haben aber aufeinander gewartet. Anna will Zeit, sie will sich sicher sein, dass sie Nemo diesmal nicht verliert. Doch ein Regentropfen fällt auf die Telefonnummer- seine einzige Verbindung zu Anna.

Nemo wartet auf Anna beim Leuchtturm und träumt die Zukunft, in der sie zu ihm kommt. Er ruft sie in Gedanken wieder zu sich. Sie hört ihn.

Nemo drängt Elise in eine Beziehung und  heiratet sie.

Doch Elise ist später depressiv; weint, liegt im bett, möchte nichts, weiß aber nicht, was mit ihr los ist.

Nemo versucht alleine Arbeit, Haushalt und die drei Kinder am laufen (und bei Laune) zu halten, doch die Kinder spüren, dass es der Mutter schlecht geht. Am Geburtstag ihrer Tochter steht Elise auf und die Familie hat einen schönen Tag. Nemo lässt am nächsten Tag sein Auto waschen und als er nach Hause kommt, steht Elise im Regen auf der Straße und weint. Sie will ihn verlassen und schreit. Nemo trägt sie ins Haus und versucht, sie zu beruhigen.

Der kleine Nemo überlegt sich nun ein anderes Elise-Leben. Er sitzt im Theater und sieht die Hochzeit mit Elise. Dann fahren die beiden überglücklich im Auto. Der Lastwagen vor ihnen explodiert. Elise stirbt. Der Witwer redet mit der Urne, deckt immer für zwei. Er beobachtet Verfall und Zeit, in dem er Sachen (Obst) während dem Verfallen fotografiert und dann rückwärts abspielen lässt.  Dieser Rücklauf fasziniert ihn, er macht ihn beinahe glücklich.

Der Reporter ist verwirrt von den Erzählungen des Alten: Ist Elise nun gestorben, oder hatte er drei Kinder mit ihr?

„Nemo, tue ich eigentlich Zucker in meinen Kaffee?“

Während Nemo versucht, es der depressiven Elise recht zu machen, dreht er sich um, und plötzlich liegt Jeanne im Bett. Sie macht ihm klar, dass sie weiß, dass er sich umbringen will, und bittet ihn, es nicht zu tun.

Nemo ritzt „ja“ und “nein“ in eine Münze. Immer, wenn er eine Entscheidung treffen muss, wirft er nun die Münze. Das endet damit, dass er aufgrund einer Verwechslung in der Badewanne erschossen wird.

Die depressive Elise sagt Nemo, dass sie immer noch Stefano liebt. Obwohl er Elise umarmt und er ihr sagt, dass er sie liebt, versteht er nicht, was in Elise vorgeht. In der Nacht verlässt Elise Nemo und die Kinder. Nemo schreibt ihr daraufhin ein neues Leben. Er schreibt, dass sie ganz entfernt von der Realität ist, dass sie einen Beauty Shop hat und versunken in Stefanos Foto auf Kunden wartet. Als Stefano aber in ihren Laden kommt, erkennt sie ihn gar nicht.

Wissenschaftssendung: Diesmal steht der Witwer vor der Kamera. Er redet über Zeit. Was passiert, wenn das Universum aufhört, sich auszudehnen? Wird sich die Zeit dann umkehren?

Als alles abgedreht ist, fällt Nemo auf, dass Peter, ein Mitarbeiter, nicht da ist. Am Nachhauseweg sieht Nemo, wie Peters Auto im Wasser gelandet ist. In diesem Leben war Peter Annas Mann und fuhr den Wagen gegen den der Vogel knallte.

Später treffen sich Anna und Nemo wieder auf dem Mars. Anna studiert Zeit und Nemo löst sein Versprechen gegenüber Elise ein, dass er ihre Asche am Mars verstreut. Anna erzählt ihm, dass der Zerfall des Universums 2092 erwartet wird.

Es gibt eine Abstimmung, ob der alte Nemo getötet werden soll, oder am Alter sterben darf. Die Abstimmung fällt so aus, dass sie ihn töten wollen. Er meint zum Journalisten, dass er keine Angst vor dem Sterben habe, nur Angst, er hätte nicht genug gelebt. Er sagt, er müsse bis zum 12.2.2092, 5.50h am Leben bleiben.

Der Journalist will wissen, welches jetzt das richtige Leben war.

Jedes von diesen Leben ist das richtige Leben

Der alte Mann fragt den Journalisten, was ihn denn so sicher mache, dass er tatsächlich existiere. Er meint, eigentlich sei doch alles nur die Vorstellung eines armen 9jährigen Jungen, der eine riesige Entscheidung treffen muss.

Er konnte sich nicht entscheiden, weil er nicht wusste, was passieren würde. Jetzt weiß er es und kann sich erst recht nicht entscheiden

Zugzwang: der einzig mögliche Zug ist, nicht zu ziehen

Der kleine Nemo bläst ein Blatt in die Luft und es fliegt -zu der stelle wo Anna kommt, als Nemo am Leuchtturm auf sie wartet

Nemo stirbt alt und sein letztes Wort ist „Anna“. Es ist der 12.2.2092.

Dann zieht sich das Universum wieder zusammen, das heißt die Zeit dreht sich zurück. Nemo lacht.

Bilder:

http://bloodywidow69-jaredleto.buzznet.com/user/photos/list/

http://www.monstersandcritics.de/artikel/201105/article_187021.php/Mr-Nobody-Blu-ray

30 Seconds To Mars am Frequency (St.Pölten)

Diesmal war es mein Bruder, der mir die Karten zum Geburtstag geschenkt hat. Mein Bruder ist ein guter Begleiter für Konzerte und besonders Festivals, weil er so groß ist. Mein Bodyguard.

 
 

Vorher:

Die Hinfahrt war schon einmal nervig. Wir sind am Westbahnhof in einen Regionalzug gestiegen, der außer in ein, zwei Stationen überall stehen blieb. Das war langweilig.

Im Shuttlebus vom Hauptbahnhof zum Festivalgelände haben einige Typen schon zum Grölen angefangen. Wir steigen aus und alle laufen in verschiedene Richtungen davon. Wir haben ein paar Minuten gebraucht, bis wir wussten woher wir Karte gegen Armband tauschen können.

Nebenbei bemerkt war es der heißeste Tag seit Wochen, 30 Grad (keine Klimaanlage im Zug, aber die Fenster konnte man öffnen).

Die erste Bühne, die wir von nahem sahen, war jedenfalls die Green Stage. Das erste, was wir taten, war etwas zum Trinken zu kaufen. Leider beim Coca-Cola-Stand direkt bei der Green Stage. Und die Becher von dort kann man nur wieder dort zurückgeben, wie wir im Laufe des Abends erfahren haben. Na ja, wir sind immer hin und her gegangen, weil nicht auf einem Fleck stehen wollten und uns die Musik auf beiden Bühnen nicht ganz zusagte. Nicht schlecht, aber eben auch nicht wirklich zum Mitmachen. Es spielten Bands, von denen ich noch nie etwas gehört hatte und durch das Hin- und Hergehen zwischen der Race und der Green Stage hörten wir von allen ein bisschen etwas.

Laut Plan waren das zum Beispiel Eternal Tango, Archive und Johnossi bis wir dann bei Zoot Woman schließlich einfach bei der Race Stage stehen blieben. Mit der Sonne im Gesicht. (Man dankt dem Erfinder der Sonnenbrille)

Vor uns die Absperrung, hinter mir ein Mädchen das sein Bier über meine Beine verteilt hat. Grrrr!

 
 

ENDLICH:

Aber endlich, endlich kam … der Schatten auch zu uns. Und es wurde Zeit für Thirty Seconds to Mars.

Ein paar Typen vor mir (vor der Absperrung) standen in letzter Minute auf und waren tatsächlich so groß, dass sie mir trotz den Metern zwischen uns die Sicht versperrten.

Ich konnte nur noch Shannon sehen (was mir eh am liebsten ist- wäre ich hysterisch genug um einen Favoriten zu haben, wäre Shannon mein Liebling 😉 ), aber wozu wird gefilmt und auf Leinwände projiziert?

 
 

Die Stimmung um mich herum war genial. Es waren die meisten der bekannteren Sachen dabei wie Night of the Hunter, A beautiful Lie, Search and Destroy, Closer to the Edge, Kings and Queens usw.

Aber: war viel zu kurz. Kein The Kill und nur 100 Suns akustisch. Viel zu wenig. Knappe Stunde, mehr nicht. Kings and Queens macht irgendwie traurig, weil man weiß: jetzt ists aus.

 
 

 
 

Für mich ein wirklich guter Tag, besser als erwartet.

Prince of Persia

Firmung meiner Schwester. In Wien geht/ging man früher immer nach der Firmung in den Prater. Was macht man in Kärnten? Das wäre echt mal eine wertvolle Information.

Wir waren bowlen. Was echt lustig war. Ich meine, ich habe verloren, aber mein kleiner Bruder ist jedes Mal in Kampfgeheul ausgebrochen, wenn er auch nur Etwas umgeworfen hat. Das zu sehen, ist die Sache schon mal wert.

Danach, und jetzt komme ich zum Punkt 😉 , waren wir (ohne kleinen Bruder) „Prince of Persia“ anschauen. Jedes normale Mädchen wäre vermutlich in „Plan B für die Liebe“ oder so einen Scheiß gegangen, aber nicht meine Schwester.

Wir beide haben noch nie das Computerspiel gespielt. Wir sind auch keine erklärten Fans von Jake Gyllenhaal (Donnie Darko, Brokeback Mountain … und wie zum Teufel schreibt man den?)- jedenfalls bis dahin nicht.

Dank den Stunts sieht man auf den ersten Blick, dass es zumindest einmal ein Computerspiel war. Die Dialoge waren, wie erwartet, ein Desaster, manche coolen Sprüche gingen im sinnlosen Rest einfach unter. Wer denkt, dass er ein paar Perser zu sehen bekommt, liegt auch falsch.

Aber so viele bekannte Gesichter! Ben Kingsley (Gandhi, Schindlers Liste) als Bösewicht, ein wunderbarer Alfred Molina (Chocolat, Frida) sorgt für lautes Auflachen. Garsiv musste ich übrigens googlen, der Typ heißt Toby Kebbell und spielte in Alexander (er bringt König Phillip um). Ich halt es nicht aus ein Gesicht zu kennen, ohne wissen, woher.

Regie führte Mike Newell (Harry Potter 4).

Also, insgesamt ist der Film schon sehenswert, aber man muss sich wirklich darauf einstellen, dass es eine Computerspielverfilmung ist. Hauptsache Sprünge, minimale Dialoge, aber alles in allem gut gemacht.

„Eyes Wide Shut“ oder Vorlagentreu

Eyes Wide Shut

Regie: Stanley Kubrick

Nach “Traumnovelle” von Arthur Schnitzler

Der Film fängt den Charakter des Buches gut ein. Schnitzlers Erzählweise ist langsam, und genauso verhält es sich mit dem Film. Viele Szenen, in denen einfach nur leere Straßen gezeigt werden, die er dann entlang geht. Aus Fridolin und Albertine werden Bill und Alice, Syphilis wird HIV, Veränderungen gibt es wenige, wenn, nur um zu Modernisieren. Die Sprache wird nicht verändert. Einzelne Passagen erkennt man fast wortwörtlich wieder. Doch auch das stört nicht. Die Dialoge wirken weder falsch noch unpassend. Die gesamte Stimmung des Films weist nicht auf New York 1998, sondern eher auf Wien 1898 hin.

Es wurde tatsächlich kein typisches New York gefilmt, wie es in nahezu allen Filmen zu sehen ist. Leere Straßen, alte Möbel, kleine Cafés. Altmodisch, aber doch stimmig.

Ein grober Eingriff in die Geschichte ist die Erklärung und Aufklärung zum Schluss. Während in „Traumnovelle“ das Ende ziemlich offen bleibt, kommt es in “Eyes Wide Shut“ zu einer Begegnung mit einem „Internen“. Dr. Bill erfährt, was inszeniert war, und wird noch einmal gewarnt, die Finger davon zu lassen.

Der Film beginnt mit einem Ball. Während Bill einem Model das Leben retten muss, tanzt Alice mit einem Gast. Sie wird verführt, lehnt aber ab. Später kommt zwischen den Eheleuten das Thema wieder auf. Bill ist überzeugt, dass Alice nicht fremdgehen würde, es ihrer Tochter zuliebe gar nicht könnte. Alice erzählt Bill daraufhin, dass sie in einem Urlaub jemanden kennengelernt hat, und sie auf den ersten Blick alles aufgegeben hätte, hätte sie den Mann wiedergesehen. Zum Glück sei er gleich wieder abgereist. Während dem ganzen Film stellt sich Bill nun immer wieder vor, wie der andere Mann mit seiner Frau schläft.

Gleich nach dem Streit über Treue und Untreue muss Bill den Tod eines Patienten feststellen, und wird von dessen Tochter mit einer Liebeserklärung konfrontiert und geküsst. Er besucht einen alten Freund in einem Café, indem dieser als Pianist arbeitet. So hört er auch das Telefongespräch mit an (Handy im Film) : der Pianist hat heute noch eine Veranstaltung zu spielen, für die er ein Passwort braucht. Kurzentschlossen lässt sich Bill die Adresse geben und kauft sich eine Verkleidung. Er schafft es tatsächlich, in die Veranstaltung, die Orgie, gelassen zu werden.

Von einigen Leuten wird er dort offenbar sofort erkannt. Anders als im Buch muss er sich demaskieren und wird bloßgestellt. Eine Frau sagt, dass sie seine Strafe auf sich nehmen würde.

Am nächsten Tag versucht er den Pianisten zu erreichen, doch der wurde schon weggeschickt. Kurz darauf erfährt er vom Selbstmord eines Models und ist sich sicher, dass es die Frau ist, die ihn „gerettet“ hat.

Der Veranstalter des Balls am Anfang lädt ihn zu sich ein, und klärt alles auf. Bill geht nach Hause zu Alice, weint und erzählt ihr alles.

Am Ende gehen Bill und Alice mit ihrer Tochter einkaufen und reden über die gemeinsame Zukunft.

Der Film ist, wie schon gesagt, sehr langsam und hat (wie das Buch auch) meinen Geschmack wirklich nicht getroffen. Auf jeden Fall etwas Besonderes, aber nicht für die Masse.

30 Seconds To Mars im Gasometer (Wien)

Besessen zu sein hat Vor- und Nachteile. Vorteil ist, dass man  immer rechtzeitig Konzertkarten kauft, weil man immer genau weiß, wer wo wann ist. Nachteil ist, dass man zwei Tage vorher schon Probleme beim Einschlafen hat und den ganzen Tag lang nicht mehr stillsitzen kann. Was besonders dann blöd ist, wenn man Vorlesungen besuchen muss. Und so furchtbar interessant Marshall McLuhan und Walter Benjamin auch sind, eineinhalb Stunden können sich ziehen…. Endlich Class Dismissed. Endlich hinaus. Endlich Sonne!

Etwa eine halbe Stunde sind wir draußen gestanden, mit Musik von Youno versorgt worden und ich werde nie verstehen, warum nur die Seiteneingänge geöffnet werden, wenn so viele Leute schon bei der Vorgruppe hineinwollen. Vorgruppen, übrigens. Mir persönlich hat Street Drum Corps besser gefallen als Carpark North, die allgemeine Stimmung war aber eher auf die Dänen gerichtet.  Wenn Füße schon vor dem Beginn wehtun, wird das im Laufe des Abends auch nicht mehr besser. Und warum stehen vor mir immer Riesentypen, die mir mit ihren gigantischen Latschen auf meine Winztreter hüpfen?

Nach drei Monaten warten begann es mit Night oft the hunter und endete mit Kings and Queens. Und nach drei Monaten Vorfreude ist es jetzt tatsächlich vorbei. 😦 Es war toll, falls es jemand anzweifelt.

Als Jared sagte: „Alle machen jetzt drei Schritte vor!“ wollte ich ihm am liebsten den Kopf abreißen. Wien hats ihm gedankt und ihm das T-Shirt weggerissen. Das hat er jetzt davon. Nur so am Rande: Ja, ich habe mich geschämt, als ein paar fussballverliebte Typen tatsächlichen „Immer wieder“ gegrölt haben. Gibt’s echt nichts Österreichischeres?

Gänsehautstimmung kam bei Revenge auf (echte Gänsehaut nicht, dazu war´s viel zu schwitzig). Wer so heiser ist, und dann noch immer so hoch singen kann, ist entweder verrückt oder richtig gut. (Natürlich war es hier etwas von beidem).

Enttäuschend war für mich irgendwie Tomo. So präsent er bei Interviews auch ist, so unscheinbar ist er am Rand gestanden. Schade.

Shannon wie immer in Trance- ihn zu beobachten ist alles Geld der Welt wert.

Gute Nacht.

http://thirtysecondstomars.thisisthehive.net/blog/

http://www.myspace.com/streetdrumcorps

http://www.myspace.com/carparknorth

Männer, die auf Ziegen starren

Nur man so eine kleine Frage am Rande: Gibt es irgendjemanden auf dieser schiachen Welt, der nicht an etwas Perverses gedacht hat, als er den Titel das erste Mal gelesen hat?

Tatsächlich ist dieser Film mit George Clooney, Kevin Spacey und meinen persönlichen Favoriten, Jeff Bridges und Ewan McGregor, eine sehr sehenswerte Komödie. Einverleibt habe ich mir diesen netten Zeitvertreib im Votivkino, auf Englisch mit deutschen Untertitel.

Er handelt von dem genervten Reporter Bob Wilton (herrlich: Ewan McGregor), der nach der Trennung von seiner Frau in den Osten geht, um über den abenteuerlichen Krieg zu schreiben. Bevor er über die Grenze darf, trifft er Lyn Cassady (George Clooney als Hippie!), der den Auftrag hat, seinen ehemaligen Vorgesetzten Bill Django (Jeff Bridges als der Ober-Guru) zu finden. Bob erfährt von Lyn die Geschichte, dass es in der US-Army eine Einheit gab, die darauf spezialisiert war, ihre Psychischen Kräfte zu trainieren. Spione, die also durch Wände gehen, Gedanken lesen, Traumreisen können und – daher auch der geniale Titel – eine Ziege durch bloßes Anstarren töten können. Lyn selbst war der beste der Einheit und durch seine herrvorragenden Kräfte wurde er schnell zum Feind von Hooper (Kevin Spacey). Nach einer von Hooper geplanten Intrige verschwand Bill Django spurlos – und Lyns geliebte Einheit wurde aufgelöst.

Der Film kann weder mit angenehmen Überraschungen bei Darstellern noch bei Umsetzung aufwarten- aber das witzige Drehbuch besticht total. Ironisch, sarkastisch und einfach zum Schreien- so verrückt, dass die Geschichte nur wahr sein kann.

Wirklich guter Abend. 

Sehr empfehlenswert:

http://www.ziegen.kinowelt.de

„Die Dreigroschenoper“ im Stadttheater Klagenfurt

Dreigroschenoper

Einige mögen schon mitbekommen haben, dass ich immer alles zweimal mache. Mindestens. Ich lese Bücher mindestens zweimal, auch wenn sie mir nicht gefallen. Ich sehe Filme immer mindestens zweimal, weil ich erst dann entscheide, ob ich sie mag. Und ich gehe mir Theaterstücke, Musicals usw. immer zweimal ansehen, weil die, die ich mir selbst ansehen wollte, mir bis jetzt immer gefallen haben.

In der Vorhalle ist er mir schon aufgefallen. Ein Mann, groß, lange Haare, grauer Schlapphut, schmutziger, ewiglanger Mantel, Plastiksackerln. Ich denk mir dabei ja nie etwas. Ich warte immer ab. Aber während man auf die „Dreigroschenoper“ wartet, also eine Form von „The Beggar´s Opera“, sagt man wohl nichts dazu.

Als wir dann auf unseren Plätzen warteten, schlenderte der Kerl über die Bühne. Mein Grinsen mag es verraten haben: ich freu mich immer, wenn ich richtig rate. Die Bühne. Die Bühne ist diesmal keine Bühne, die Bühne ist ein grellbeleuchteter Laufsteg, der meinen Augen noch Probleme machen wird, ich weiß es jetzt schon. Aber das konnte ja niemand im Theater wissen. Vorhang gibt es nicht. Putzfrauen wischen über den Laufsteg, hin und her gehetzt von einer geschäftigen Person mit Klemmbrett. Auf der Seite Musiker. Kellner servieren Getränke, Gäste kommen. Gäste setzen sich, alle warten. Wir auch.

Wir wissen es noch nicht, aber wir haben auf Otto Jaus gewartet, den Moritatensänger. Grüner Anzug, weißes Gesicht, schwarzer Hut, rrrrollendes Rrrr. So ein Typ halt. Total hineingesteigert wie er ist, und verrrrrückt wie er klingt, mag ich ihn sofort. Hinter ihm, Models mit Waffen, Mackie Messer, über den er singt und der jetzt plötzlich aufsteht, war im (Bühnen)Publikum. Und so beginnt‘s.

Die Bettlerfabrik von Jonathan Peachum (Maximilian Hilbrand) ist mit Handy und Laptop ausgestattet. Während er seine Leute verstümmeln lässt, übersieht er, dass seine Tochter Polly (herausragend: Nadine Zeintl) mit dem Verbrecher Macheath (Boris Pfeifer), genannt Mackie Messer, durchgebrannt ist. Die Hochzeit der beiden im Pferdestall wird stellenweise etwas lang.

Nun setzt Pollys Vater natürlich alles daran, um Mackie an den Galgen zu liefern. Pollys Mutter Celia (dargestellt von der unglaublichen Dagmar Hellberg) geht das Ziel ohne Rücksicht auf Verluste im Bordell an: Sie bietet den Huren, allen voran Jenny (Patricia Nessy), Geld, wenn sie Mackie ausliefern. Jenny verrät Macheath und er landet im Gefängnis. Sein langer Freund Tiger Brown (verschwindend wenig zu sehen: Erwin Windegger), der Polizeichef ist, will ihn befreien, wird aber zu sehr unter Druck gesetzt.

Obwohl ihn Lucy, Tiger Browns Tochter, aus dem Gefängnis entkommen lässt, verraten die Huren Mackie schon wieder. Da der Typ einfach nicht dazulernen kann, gibt’s diesmal übrigens ein anderes Ende. Mackie wird nicht begnadigt, sondern mit der Giftspritze ins Jenseits befördert.

„Die Dreigroschenoper“, Regie Henry Mason, hab ich zum ersten Mal mit meiner Klasse am 24.April 2009, zum zweiten Mal am 20. Mai mit meinem Vater (sein Geburtstagsgeschenk) gesehen.

Wie immer liebe ich es, zwei Vorstellungen zu vergleichen, was diesmal damit begann, dass Otto Jaus, oben genannter Moritatensänger, sich das Bein gebrochen hatte, und deshalb im Rollstuhl, bzw. mit Krücken auftauchte. Bei den Verehrern fiel er ganz weg, und alleine ein Klavier wegtragen funktioniert auch recht schlecht, ansonsten war alles bedacht.

(29.8.09)

Meine Lieblingstexte noch mal verlinkt: