Archiv der Kategorie: hören und schauen

Grand Budapest Hotel (Film)

Zwischen den Weltkriegen, zwischen den Bergen, zwischen Recht und Unrecht, lebte Monsieur Gustave, der legendäre Concierge des Grand Budapest Hotels. Der Page Zero folgt ihm und lernt alles von Gustave. Neben der verrückten Erzählweise, den vielen Wendungen und den skurrilen Abenteuern ist der Extrabonus für jeden Filmfan, dass jede kleine Nebenrolle mit großen Stars besetzt wurde.

Zu diesem Film ist so viel geschrieben worden, dass ich mich damit gar nicht aufhalten will. Ich habe ihn erst drei Mal gesehen, also habe ich noch nicht alles begriffen, was er zu bieten hat. Also schaut ihn euch an.

100 min., Abenteuer, Komödie, Drama, 2014, Englisch, ab 12 J.

Regie führte Wes Anderson (Die Royal Tenenbaums)

Tony Revolori als Zero

Ralph Fiennes (auch: Harry Potter 4-8, Die Herzogin, Brügge sehen … und sterben) als M. Gustave

F. Murray Abraham (Salieri in Amadeus) als Mr. Moustafa

Adrien Brody (Der Pianist, Darjeeling Limited) als Dmitri

Willem Dafoe (Once Upon A Time In Mexico, Spiderman) als Jopling

Jeff Goldblum (Jurassic Park, Will & Grace, Independence Day) als Kovacs

Harvey Keitel (Pulp Fiction, Sister Act, From Dusk Till Dawn) als Ludwig

Jude Law (Anna Karenina, Sherlock Holmes, Das Kabinett des Dr. Parnassus) als Schriftsteller (jung)

Bill Murray (…und täglich grüßt das Murmeltier, Lost in Translation, Ghostbusters) als M. Ivan

Edward Norton (Fight Club, Frida, Hulk) als Henckels

Saoirse Ronan (The Way Back, Wer ist Hanna?, Abbitte, In meinem Himmel) als Agatha

Jason Schwarzman (Saving Mr. Banks, Darjeeling Limited) als M. Jean

Léa Seydoux (Inglourious Basterds, Die Schöne und das Biest 2014) als Clotilde

Tilda Swinton (Narnia, The Beach) als Madame D.

Tom Wilkinson (Lone Ranger, Shakespeare in Love, Batman Begins) als Schriftsteller

Owen Wilson (Midnight in Paris, Nachts im Museum) als M. Chuck

Florian Lukas (Die Gänsemagd, Tatort) als Pinky

Karl Markovics (Die Fälscher, Die Vermessung der Welt, Franz Fuchs, Mein Nestroy) als Wolf

Volker Michalowski (Inglourious Basterds, Das Leben der Anderen) als Gunther

Bob Balaban (Monuments Men, Mexican) als M. Martin

Autumn Blood (Film)

Ich muss dauernd an Stieg Larssons „Verblendung“ denken: Wenn du ein Mädchen vergewaltigst, musst du es töten. Als logische Konsequenz, sonst landest du im Knast oder Schlimmeres.

Ich könnte die gesamte Handlung des Filmes hier beschreiben und ihr müsstet euch den Film trotzdem noch ansehen. Aber damit es für alle spannend bleibt, werde ich das Ende verschweigen.

Und darum geht es.  Der Bürgermeister kann die Mutter nicht in Ruhe lassen. Der Vater will ihn vertreiben, also erschießt der Bürgermeister den Vater. Jahre später hat der Bub noch immer nicht wieder angefangen zu sprechen. Die Mutter vegetiert vor sich hin. Das Mädchen und der Bub versorgen sich selbst und helfen der Mutter. Eines Morgens wacht die Mutter nicht mehr auf. Es ist der Tag, an dem das Mädchen von dem Jäger beim Baden entdeckt und vergewaltigt wird. Die Kinder beerdigen die Mutter. Das Mädchen fälscht die Schrift der Mutter und geht ins Dorf, das Sozialgeld abholen. Der Bürgermeister wird darauf aufmerksam gemacht, dass sie geschlagen wurde. Und der Bürgermeister stellt seinen Sohn zur Rede. Weil sie auch mal drankommen wollen, fahren der Metzger und ein Freund zusammen mit dem Jäger (der ja auch der Sohn des Bürgermeisters ist) hinauf auf die Almhütte und bedrohen den Bub bis das Mädchen das Gewehr hergibt und auch der Metzger seinen Spaß hatte. Danach ist das Mädchen apathisch und wird von dem kleinen Buben versorgt.

Die Sozialarbeiterin kommt ins Dorf und stellt Nachforschungen an. Sie stößt auf Schweigen. Die Kinder verstecken sich vor ihr.

Der Jäger, der Metzger und der Freund fahren noch einmal zur Hütte. Die Kinder laufen in den Wald. Die Männer verfolgen die Kinder. Denn sie können niemanden laufen lassen, den sie so zugerichtet haben.

Und hier breche ich ab. Happy End kann es nach all der Gewalt ja sowieso nicht mehr geben. Jedenfalls nicht für alle.

Nein, ich habe nicht Schreiben verlernt, ich habe nur versucht, die Stimmung einzufangen. Die Handlung ist wahnsinnig klar und einfach. Sie braucht keine Worte, nur Bilder. Es gibt keine Dialoge, nur ein paar gemurmelte Sätze. Handeln, nicht reden. Lustig, das aus meinen Tasten zu lesen, nehme ich an. Ich werde immer Worte brauchen. Naja, hier nicht.

Die Bilder sind toll, natürlich. Berge. Schön, kalt und traurig und hart. Und nass, aber das liegt wohl am Wasserfall.

Die Musik treibt, spannend, aber manchmal auch störend. Vielleicht war mir die Musik im Kino einfach zu laut, kann auch sein, aber manchmal hätte eine sanftere Musik gereicht.

Wunderbare junge Darsteller, was wieder beweist: wenn Kinder Dialoge aufsagen, wird das nichts. Du musst sie spielen lassen. Ohne Worte. Dann wird alles gut. Sehr beeindruckend gelungen. Wäre auch blöd, wenn die in den Tiroler Bergen Standarddeutsch sprechen würden.

Die Vergewaltigungsszene, falls ihr euch davor fürchtet, ist übrigens schön unscharf gehalten. Ihn sieht man, sie nicht und das macht das ganze leichter erträglich.

Der Film wird als Alpenwestern bezeichnet, eine seltsame Schublade in die vermutlich kein einziger Film hineinpasst und schon gar nicht dieser.

Als der kleine sich mit dem Gewehr vors Haus gesetzt hat, hat es mir nicht nur das Herz zusammengekrampft, nein, ich musste auch an Straw Dogs denken.

Obwohl die Erzählweise eher langsam und ruhig ist, was vermutlich daran liegt, dass ohne Worte erzählt wird, habe ich mich während der eineinhalb Stunden kein einziges Mal gelangweilt und dass, obwohl das UCI Graz beschlossen hat, den Film erst um 22.45h beginnen zu lassen; eine Zeit also, in der einem manchmal die Augen zufallen könnten. Ist aber nicht passiert. Nicht mal meiner Schwester und das unter der Woche.

Ich empfehle ja nie (selten) was weiter, aber das ist eine Empfehlung 😉

Regie: Markus Blunder

Schauspieler:

Sophie Lowe als das Mädchen (zB auch bekannt als Alice in Once Upon A Time In Wonderland)

Peter Stormare als der Bürgermeister (zB auch in 1000000 (oft kleinen) Rollen: Chocolat, Bad Boys, Minority Report, Leverage, Arrow, Hawaii Five-0, CSI, usw.usw.)

Maximilian Harnisch als der Bub

Annica McCrudden als die Sozialarbeiterin

Gustaf Skarsgård als der Metzger (zB Kon-Tiki, Vikings, Patrik 1.5, The Way Back)

Samuel Vauramo als der Jäger

Tim Morten Uhlenbrock als der Freund

George Lenz als der Angestellte

Nelly Gschwandtner als die Frau des Jägers

Jacqueline Le Saunier als die Mutter

Zum Schluss auch noch der Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=_u8oW8qrwCM

Drama, Thriller, 100 min., Englisch, 2013

Hectors Tod (Alltag)

»Da! Jetzt kommt´s!« Vic liegt neben mir im Bett, und als ich meinen Kopf hebe und ihn zum Fernseher drehe, richtet sie sich ebenfalls auf.

»Gleich fangt er an zu schreien«, murmle ich und kuschle mich noch tiefer unter die Decke. Vic presst die Lippen aufeinander. Diese Stelle im Film ist jedes Mal eine Zerreißprobe für unsere Lachmuskeln.

Unbarmherzig kommt Brad Pitt ins Bild. Close-up. Und er schreit: »Hector!« Wir schauen ernst.

»Hector!« Vic schließt die Augen.

Hector verabschiedet sich von seiner Familie und geht nach unten, um mit Achilles zu kämpfen. Es ist der traurigste Moment im ganzen Film. Spannend. Man vermutet, dass Hector gleich stirbt. Traurig!

»Hector!« Die Spannung entlädt sich und ich habe keine Ahnung, wer zuerst damit angefangen hat, aber schließlich lachen wir beide.

»Furchtbar«, versuche ich mich zusammenzureißen.

»Wir verhauen die ganze Stimmung«, schüttelt Vic traurig den Kopf.

»Die Stimmung haben wir schon vorher verhaut«, versichere ich ihr und ich habe Recht.

»Nein, du. Als du Patroklos Klößchen genannt hast«, bestimmt sie.

Und natürlich hat sie Recht.

»Gut, dass er Hector schreit, und nicht Hektörli«, kichere ich, weil mir einfällt, dass wir »Troja« im Schweizer Fernsehen ansehen. Es wäre wirklich besser, wenn es eine schweizerische Übersetzung gäbe.

Jetzt lacht sie lauter als ich. Und Hector stirbt nicht sehr heldenhaft, weil wir einem Hektörli einfach keinen Respekt zollen können.

Patrik 1,5 (Film)

Kurzinhalt: Ein schwules Pärchen will ein Kind adoptieren, doch statt dem erwarteten Kleinkind, kommt ein 15jähriger krimineller Homophober.

„Das ist Sven, mein Mann!“

Wundervolle Kleinstadtidylle. Freundliche, fröhliche Nachbarn. Schöne „Oh,Gott-Gesichter“, als Göran Sven als seinen Mann vorstellt.        Kurz friert das Lächeln ein und dann wird brav die Fassade aufrecht erhalten. Göran will Familie, Sven will, dass Göran glücklich ist. Aber Sven passt nicht in die Idylle und er wirkt auch ziemlich erleichtert, als das Jugendamt meint, dass kein Amt Schwulen ein Kind geben wird.

„Fass mich nicht an, Scheißschwuchtel!“

Eines Tages kommt ein Brief ins Haus, der 1,5-jährige Patrik sucht eine Familie. Göran bereitet sich vor, steckt Sven mit seiner Vorfreude aber nicht wirklich an. Dann steht der 15jährige Patrik vor der Tür. Zuerst glauben alle an eine Verwechslung.

Göran will dazugehören. All die täglichen Kleinigkeiten, von „Schwuchtel“ schreienden Kindern bis zu Patienten, die von ihrem neuen Arzt nicht berührt werden wollen, verletzen ihn. Er will akzeptiert werden, so wie er auch alle akzeptiert. Svens Exfrau kommt recht gut mit der neuen Situation zurecht, besser als die Teenietochter.

Sven will Patrik so schnell wie möglich wieder los werden. Doch als Patrik sagt, er will nicht zurück ins Heim, will Göran ihn aufnehmen bis sich eine andere Familie findet und Sven geht.

„Der Hund wurde eingeschläfert. Den wollte keiner. Mich auch nicht.“

Patrik öffnet sich ein bisschen und ist kooperativer. Er erzählt über sich und freundet sich mit Svens Tochter an. Seine Fähigkeiten als Gärtner machen ihn bald zum Teil der ganzen Gemeinschaft. Göran beschließt, einen Antrag zu stellen, um Patrik allein adoptieren zu können, falls sich keine Familie findet.

Aber natürlich: Jetzt, wo sie sich aneinander gewöhnt haben, wird doch noch eine Familie gefunden. Patrik versucht, bevor er geht, Göran und Svens Ehe zu retten. Hier ist der Trailer:

So ein süßer Film. Aber nicht kitschig. Kinder verändern das Leben. Alle weiteren Familienmitglieder müssen dafür sein. Einer meiner immer wieder anschauen Lieblingsfilme.

Info:

Comedy, Drama, Schwedisch mit deutschen Untertiteln, 2008, 103 min.

Regie: Ella Lemhagen

Schauspieler:

Gustaf Skarsgård (Vikings, Kon-Tiki, The Way Back) als Göran

Torkel Petersson als Sven

Tom Ljungman als Patrik

Amanda Davin als Isabell

Annika Hallin (Verblendung, Vergebung, Verdammnis, Arn) als Eva

Anna Karenina (Film 2012)

Ich weiß nicht mehr, wie oft ich versucht habe, diesen verxxxelten Roman zu lesen. Es ist einfach so fad! Aber fade Buchvorlage oder nicht – Joe Wrights Filme fand ich bis jetzt immer recht gut und wenn Kelly MacDonald, Matthew MacFayden und Jude Law in einem Film spielen, so muss man sich ihn auch anschauen. Ja, Keira Knightley natürlich auch, was habt ihr alle nur mit ihr?  Übrigens: Aaron Taylor-Johnson ist auch erwachsen geworden, wenn wir schon mal bei Klatschgeschichten sind – ich kenne ihn ja noch als Prosper in „Herr der Diebe“, da war er noch süß (jetzt ist er sexy, aber nicht in diesem Film, das liegt an dem grausigen Oberlippenbart – igitt).

Es ist beinahe falsch, hier von einem Film zu sprechen. Diese Inszenierung ist ein Theaterstück, irrsinnig-komisch aneinander gereihte Szenen, die kleine Geschichten schaffen und zärtlich miteinander verweben, aber so viel besser, als das Buch es vermochte!

Die Geschichte ist inhaltlich ja bekannt: Anna, Ehefrau des Karenin, lässt sich auf eine Affäre mit Graf Vronski ein – nein, sie verlieben sich unwiderstehlich auf den ersten Blick. Annas Bruder nimmt es auch nicht so genau mit der ehelichen Treue und betrügt seine Ehefrau Dolly. Deren Schwester Kitty wiederum lehnt den Heiratsantrag von Levin ab, da sie sich ihrerseits auf Vronski Hoffnungen macht. Ojojoj. Schließlich heiratet sie Levin doch. Anna, die von Vronski schließlich eine Tochter bekommt, verliert sich in Schuldgefühlen und stürzt sich vor den Zug. Alles kleine und große Skandale in der Welt der St. Petersburger und Moskauer höheren Gesellschaft.

Und hier die Liste, die ihr überall sonst auch findet:

Regisseur war Joe Wright (Stolz und Vorurteil, Abbitte, Wer ist Hanna?)

Matthew MacFayden als Oblonsky (Stolz und Vorurteil, Drei Musketiere)

Kelly MacDonald als Dolly (Wer ist die Braut, Harry Potter 7, Eine zauberhafte Nanny)

Keira Knightley als Anna (Fluch der Karibik 1-3, London Boulevard, Abbite, Stolz und Vorurteil, Domino)

Jude Law als Karenin (Grand Budapest Hotel, Sherlock Holmes 1+2)

123 min, Drama, Romantik, 2012, Englisch

The Way Back – Der lange Weg

Der Film beginnt mit der Zeile, dass drei Männer die indische Grenze überqueren; die Filmbeschreibung beginnt mit der Zeile, dass sieben Gefangene aus einem sowjetischen Arbeitslager entkommen.

Man kann sich also schon mal auf Tod gefasst machen.

Es fliehen mehr oder weniger gefährliche Männer. Wegen der Scheißkälte und dem Schnee sind sie vermummt – man kann sie kaum von einander unterscheiden. Erst im Laufe der 6.000 km langen Flucht wird man sie besser kennen lernen – genau wie sie sich gegenseitig auch erst nach und nach kennen lernen.

Bereits anfangs wird klar gemacht, dass es den Sowjets eigentlich egal war, ob Gefangene entkommen. Im Dauerwinter dort oben erfriert oder verhungert man sowieso relativ schnell.

Nach dem Schnee, der Wüste, den Sandstürmen, den Bergen, dem Wald, der endlosen Weite als freier Mann zu sterben ist aber nicht das echte Ziel.

Und da fragt man sich als Zuseher schon: Welches Ziel könnte so unglaublich sehnsüchtig erwartet werden, dass man so viel Kraft und Durchhaltevermögen sammelt, dass man so eine „Reise“ tatsächlich schafft? Okay, zur Frau zurückkehren ist natürlich löblich, aber alle anderen haben keine Ziele und da weiß ich nicht, warum sie überhaupt weitergehen. Wieso haben es gerade diese drei Kerle geschafft? Was hat sie angetrieben?

Drauf bekommt man keine Antwort, auch wenn die letzten paar Männer sich wohl aus Freundschaft entschließen, noch bis nach Indien weiterzugehen. Großartige Bilder, besondere Natur, gute Geschichte.

Unbedingt anschauen, wenn man die DVD hat, sollte man sich das Making of, weil Peter Weir einfach lustig ist.

Regisseur: Peter Weir (meine Lieblingsfilme von ihm: Club der toten Dichter und Truman Show)

Schauspieler:

(in Klammer wieder meine Lieblingsfilme, hat nichts damit zu tun, ob es die Besten sind 😉 )

Jim Sturgess (Cloud Atlas, Die Schwester der Königin)

Colin Farrell (Brügge sehen … und sterben, Ein Zuhause am Ende der Welt, Nicht auflegen!, Ondine, 7Psychos und und und)

Ed Harris (Die Firma, Truman Show, Apollo 13)

Saoirse Ronan (In meinem Himmel, Abbitte, Hanna, Grand Budapest Hotel)

Gustaf Skarsgård (Vikings, Kon-Tiki, Patrik 1,5 usw.)

und viele andere, mit denen ich noch keine Filme gesehen habe.

133 min, 2010, Drama, Geschichte, Abenteuer, Englisch, Russisch, Polnisch

Das Glück der großen Dinge (What Maisie Knew)

Bild geklaut von: http://www.moviemail.com/film/dvd/What-Maisie-Knew/
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Man fragt sich ja immer, welche die beste Lösung wäre, wenn die total auf sich selbst fixierten Eltern völlig unfähig sind, ihr Kind als den wunderbaren Menschen wahrzunehmen, der das Kind seit der Geburt eben ist.

Das Schöne an dem Film ist, das man wirklich nur zu sehen bekommt, was die kleine Maisie (Onata Aprile) tatsächlich auch erlebt.

Ja, ihre Eltern streiten sich. Es ist nicht wichtig, den ganzen Dialog zu hören.

Ja, ihr Vater heiratet ihr Kindermädchen Margo (Joanna Vanderham), damit er geteiltes Sorgerecht bekommt. Also schlussfolgert Maisie richtig: Das Gericht wollte, dass ihre Mutter den jüngeren Barkeeper Lincoln (Alexander Skarsgård) heiratet.

Während der Vater Beale (Steve Coogan) als Kunsthändler durch die Welt reist und die Mutter (Julianne Moore) als Rocksängerin auf Tour ist, bleibt Maisie bei den neuen Partnern der Eltern zurück. Die sind sehr viel fähigere Zeitgenossen als die Erzeuger des Mädchens, auch wenn natürlich nicht alles reibungslos abläuft.

Diese Scheißegalikeit, mit der die Erwachsenen Maisie herumreichen, geht natürlich mitten ins Herz. Genauso wie die wundervolle Maisie selbst, eigentlich ein fröhliches, intelligentes Kind, das aber total still wird und nicht ein einziges Mal aufmuckt, wenn die Eltern wieder einmal idiotische Ideen auf sie loslassen. Daran erkennt man schon, dass so vieles nicht stimmt in Maisies Leben.

Bild geklaut von: http://www.shockya.com/news/2013/08/12/interview-what-maisie-knews-julianne-moore/
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Den Pluspunkt verdient sich Mutter Susanna dann am Schluss doch noch: als Maisie – zum ersten Mal überhaupt – meint, das sie lieber bei Lincoln und Margo bleiben würde, lenkt die Mutter ein. Natürlich wäre es sehr schwer, ein kleines Kind mit auf Tour zu nehmen – also kann man ihr kein völlig selbstloses Handeln anerkennen – aber sie berücksichtigt Maisies Wunsch sofort. Der erwachsene Zuseher weiß, wie schwer ihr das fallen muss, hat sie doch anfangs jede Freundschaft zwischen Lincoln und Maisie eifersüchtig im Keim ersticken wollen.

Der Film ist Maisies Film und die Erwachsenen sind dankbare Nebendarsteller am Rande, die der Kleinen kampflos den Mittelpunkt überlassen. Wunderschön einfühlsam und ruhig erzählt. Selbstverständlich ist Maisies Happy End nicht wirklich eines, aber die Hoffnung lebt.

What Maisie Knew, English, Drama, 2012, 99 min.

Tieftraurige Gedanken wegen Buffy

Tiefe philosophische Überlegungen schwirren heute durch meinen Kopf. Wie immer, wenn ich einen Nachmittag Zeit habe, keine Kraft zum Schreiben habe und deshalb Buffy-Folgen anschaue.

Mein hirnzermarterndes Thema während der ersten zehn Minuten von Buffy lautet: Warum um Gottes Willen kann ein über zweihundert Jahre alter Vampir eine verrückte, sechzehnjährige Trotzsuse von einem Teenager länger als zehn Minuten aushalten? Ich nehme an, nach einer gewissen Lebenszeit lernt man, alle Fehler der Menschen zu akzeptieren und zu belächeln.

Gegenfrage: Warum sind alte Menschen dann immer so unflexibel?

Weil sie noch nicht alt genug sind. Angel hat schließlich schon zwei Jahrhunderte Zeit, um Menschen zu beobachten und da er selbst kein Mensch ist, hat er auch den dazugehörigen Abstand.

Ach, lassen wir den Scheiß doch und widmen uns der wesentlichen Frage: Warum ist ein Pärchen das geschätzte 230 Jahre Altersunterschied hat okay? Was soll denn das? Der Typ ist eindeutig pädophil. Warum finden das alle gut und schön und dramatisch?

gestohlen von: http://welcometosunnydale.tumblr.com
gestohlen von: http://welcometosunnydale.tumblr.com

Auch egal. Fragen wir anders herum:

Warum will ein sechzehnjähriges Traumengerl einen so alten Typen?

Anscheinend ist es das Aussehen. Und klar, welches Mädchen will keinen Kerl, den sie mal so richtig vermöbeln kann, ohne das er dabei draufgeht? Aber die sonstigen Interessen müssten doch eigentlich sehr unterschiedlich sein. Und bitte: Er begleitet sie auf den Schulball? Echt jetzt? Ich weiß nicht, wie es normalerweise Leuten über zwanzig geht, aber mich müsstet ihr dafür bezahlen, wenn ich noch einmal schlechte Musik ignorieren und besoffene Barbiepuppen kotzen sehen soll.

Natürlich ist es keine normale Beziehung. Angel und Buffy – eindeutig etwas Besonderes. Slayer and Demon. Die Liste erweitert sich also: Aussehen und Verbotenes. Zwei Punkte, die eine Beziehung am laufen halten. Ist das nicht traurig?

Gernot & Niavarani in Klagenfurt (Messe, 14.5.11)

Gernot und Niavarani, 2 Musterknaben, Messhalle Klagenfurt am 14.Mai.2011

 

Geburtstagsgeschenke für meinen Vater finden sich im Normalfall leichter als welche für meine Mutter. Keine Ahnung warum. Dieses Jahr hatte ich wirklich keinen Schimmer und langsam wurde die Zeit knapp. Eine Freundin meiner Mutter postete dann auf Facebook, dass sie zwei Karten für Gernot und Niavarani hätte, allerdings könnte sie nicht hingehen. Die mussten natürlich sofort gekauft werden.

 

Abendveranstaltungen sind für meinen Vater immer problematisch, weil er schließlich um zwei Uhr morgens zur Arbeit muss. Trotzdem freute er sich sehr.

Die beiden Musterknaben sind einfach unglaublich gut. Sie schaffen es sogar in Klagenfurt die Leute zum Lachen zu bringen. Ich hätte nie gedacht, dass das funktioniert. Nichts ist einfacher, als sich über Kärntner lustig zu machen – aber in Kärnten geht das nicht so gut. Aber an dem Abend waren sogar die Urkärntner Nordslowenen und selbst wenn sie die Schmähs nicht so gut fanden, lachten sie wenigstens mit.

Ich hatte jedenfalls schon bei der Pause Bauchkrämpfe vom Lachen. Und meinem Vater ging es da nicht anders.

Die Szenen im Altersheim waren zwar nicht ganz so pointenreich, aber dafür erstaunlich gut gespielt. Jetzt hab ich Angst vor der Zukunft. Pech gehabt.

Ich freue mich schon auf die DVD.

30 Seconds To Mars in Innsbruck (Olympiahalle, 12.6.11)

Die langsame und qualvolle Fahrt von Klagenfurt nach Innsbruck will ich euch nicht weiter schildern. Nur so viel: Regen, enge Bundesstraßen, bergauf mit vollbesetztem, leistungsschwachem PKW. In Innsbruck schien die Sonne. Die Fahrt dauerte um die sieben Stunden! Als wir ankamen, waren meine Schwester und ich erschöpft und müde und sehr erstaunt. Vor der Olympiahalle saßen nämlich schon Leute herum. Und gar nicht mal so wenige.

Unser erster Gedanke: Gott, wie verrückt! Unser zweiter Gedanke: Setzen wir uns dazu! Während Sabrina und ich im Halbschlaf durch Babybaumschatten einen Sonnenbrand vermeiden wollten, erkundeten die anderen beiden die Gegend.

Nach einiger Zeit verschwanden sie durch eine Tür, was natürlich einige Unsicherheit bei uns draußen schlafenden auslöste, besonders, als sie nicht mehr zurückkamen. Nicht im mmindesten ausgeschlafen, aber schon ein bisschen aufgeregt, drängten wir uns also auch durch die Tür und wurden von Polizisten in Schach gehalten. Dabei waren wir eh so brav.

Dafür standen wir ziemlich weit vorne, als wir endlich hinein durften. Als „Vorband“ war ein hüpfender DJ, der mein Kopfweh verschlimmerte. Unglaublich wie sich die Zeit in die Länge ziehen kann, wenn man mit schlechter Musik (also known as Krach) gequält wird.

Noch kurz zur Show. Ich genieße es natürlich, von 2-Meter-Riesen zertrampelt, von kleinen Mädchen zerquetscht und zur Taubheit gequietscht zu werden. Wirklich. Aber ich sage euch was: Die Burschen lassen nach. Jahrelanges ständiges Touren ist halt doch etwas anstrengend und gesundheitsschädigend. Und das merkt man als Zuschauer. So sehr ich sie auch liebe, und so sehr ich es liebe, sie live zu sehen: Macht eine Pause!

Es ist noch immer eine wirklich gute Show und die Stimmung war auch Wahnsinn, nämlich durchgehend. Ich habe lieber mehr akustisch, lieber mehr persönlich, lieber mehr … kleiner. Na ja. Ein anderes Mal vielleicht.

Was ich immer vergesse: Die Hitze. Der Schweiß klebt, das Gewand klebt, Papierschnitzel kleben überall an der Haut und es wird erst besser, wenn man dann im Freien steht.

Vielen Dank an den Riesen, der vor mir gestanden hat. Nachdem er mir mit seinem Arm die Kehle eingedrückt hatte, konnte ich nach ein paar Sekunden wieder normal atmen und nach einer halben Stunde wieder reden. Kein Problem; schon verziehen.

Die Rückfahrt über die Autobahn hat übrigens nur fünf Stunden gedauert – genau gar kein Verkehr. Obwohl wir danach wirklich ausgepowert waren, habe ich mir nie gedacht: Bleiben wir stehen und schlafen erstmal. Wie gesagt, um vier Uhr morgens waren wir wieder zu Hause. Trotzdem: Ziemlich viel Autofahren für zwei Stunden Glück. Was macht man nicht alles …?