Archiv der Kategorie: hören und schauen

Autumn Blood (Film)

Ich muss dauernd an Stieg Larssons „Verblendung“ denken: Wenn du ein Mädchen vergewaltigst, musst du es töten. Als logische Konsequenz, sonst landest du im Knast oder Schlimmeres.

Ich könnte die gesamte Handlung des Filmes hier beschreiben und ihr müsstet euch den Film trotzdem noch ansehen. Aber damit es für alle spannend bleibt, werde ich das Ende verschweigen.

Und darum geht es.  Der Bürgermeister kann die Mutter nicht in Ruhe lassen. Der Vater will ihn vertreiben, also erschießt der Bürgermeister den Vater. Jahre später hat der Bub noch immer nicht wieder angefangen zu sprechen. Die Mutter vegetiert vor sich hin. Das Mädchen und der Bub versorgen sich selbst und helfen der Mutter. Eines Morgens wacht die Mutter nicht mehr auf. Es ist der Tag, an dem das Mädchen von dem Jäger beim Baden entdeckt und vergewaltigt wird. Die Kinder beerdigen die Mutter. Das Mädchen fälscht die Schrift der Mutter und geht ins Dorf, das Sozialgeld abholen. Der Bürgermeister wird darauf aufmerksam gemacht, dass sie geschlagen wurde. Und der Bürgermeister stellt seinen Sohn zur Rede. Weil sie auch mal drankommen wollen, fahren der Metzger und ein Freund zusammen mit dem Jäger (der ja auch der Sohn des Bürgermeisters ist) hinauf auf die Almhütte und bedrohen den Bub bis das Mädchen das Gewehr hergibt und auch der Metzger seinen Spaß hatte. Danach ist das Mädchen apathisch und wird von dem kleinen Buben versorgt.

Die Sozialarbeiterin kommt ins Dorf und stellt Nachforschungen an. Sie stößt auf Schweigen. Die Kinder verstecken sich vor ihr.

Der Jäger, der Metzger und der Freund fahren noch einmal zur Hütte. Die Kinder laufen in den Wald. Die Männer verfolgen die Kinder. Denn sie können niemanden laufen lassen, den sie so zugerichtet haben.

Und hier breche ich ab. Happy End kann es nach all der Gewalt ja sowieso nicht mehr geben. Jedenfalls nicht für alle.

Nein, ich habe nicht Schreiben verlernt, ich habe nur versucht, die Stimmung einzufangen. Die Handlung ist wahnsinnig klar und einfach. Sie braucht keine Worte, nur Bilder. Es gibt keine Dialoge, nur ein paar gemurmelte Sätze. Handeln, nicht reden. Lustig, das aus meinen Tasten zu lesen, nehme ich an. Ich werde immer Worte brauchen. Naja, hier nicht.

Die Bilder sind toll, natürlich. Berge. Schön, kalt und traurig und hart. Und nass, aber das liegt wohl am Wasserfall.

Die Musik treibt, spannend, aber manchmal auch störend. Vielleicht war mir die Musik im Kino einfach zu laut, kann auch sein, aber manchmal hätte eine sanftere Musik gereicht.

Wunderbare junge Darsteller, was wieder beweist: wenn Kinder Dialoge aufsagen, wird das nichts. Du musst sie spielen lassen. Ohne Worte. Dann wird alles gut. Sehr beeindruckend gelungen. Wäre auch blöd, wenn die in den Tiroler Bergen Standarddeutsch sprechen würden.

Die Vergewaltigungsszene, falls ihr euch davor fürchtet, ist übrigens schön unscharf gehalten. Ihn sieht man, sie nicht und das macht das ganze leichter erträglich.

Der Film wird als Alpenwestern bezeichnet, eine seltsame Schublade in die vermutlich kein einziger Film hineinpasst und schon gar nicht dieser.

Als der kleine sich mit dem Gewehr vors Haus gesetzt hat, hat es mir nicht nur das Herz zusammengekrampft, nein, ich musste auch an Straw Dogs denken.

Obwohl die Erzählweise eher langsam und ruhig ist, was vermutlich daran liegt, dass ohne Worte erzählt wird, habe ich mich während der eineinhalb Stunden kein einziges Mal gelangweilt und dass, obwohl das UCI Graz beschlossen hat, den Film erst um 22.45h beginnen zu lassen; eine Zeit also, in der einem manchmal die Augen zufallen könnten. Ist aber nicht passiert. Nicht mal meiner Schwester und das unter der Woche.

Ich empfehle ja nie (selten) was weiter, aber das ist eine Empfehlung 😉

Regie: Markus Blunder

Schauspieler:

Sophie Lowe als das Mädchen (zB auch bekannt als Alice in Once Upon A Time In Wonderland)

Peter Stormare als der Bürgermeister (zB auch in 1000000 (oft kleinen) Rollen: Chocolat, Bad Boys, Minority Report, Leverage, Arrow, Hawaii Five-0, CSI, usw.usw.)

Maximilian Harnisch als der Bub

Annica McCrudden als die Sozialarbeiterin

Gustaf Skarsgård als der Metzger (zB Kon-Tiki, Vikings, Patrik 1.5, The Way Back)

Samuel Vauramo als der Jäger

Tim Morten Uhlenbrock als der Freund

George Lenz als der Angestellte

Nelly Gschwandtner als die Frau des Jägers

Jacqueline Le Saunier als die Mutter

Zum Schluss auch noch der Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=_u8oW8qrwCM

Drama, Thriller, 100 min., Englisch, 2013

Hectors Tod (Alltag)

»Da! Jetzt kommt´s!« Vic liegt neben mir im Bett, und als ich meinen Kopf hebe und ihn zum Fernseher drehe, richtet sie sich ebenfalls auf.

»Gleich fangt er an zu schreien«, murmle ich und kuschle mich noch tiefer unter die Decke. Vic presst die Lippen aufeinander. Diese Stelle im Film ist jedes Mal eine Zerreißprobe für unsere Lachmuskeln.

Unbarmherzig kommt Brad Pitt ins Bild. Close-up. Und er schreit: »Hector!« Wir schauen ernst.

»Hector!« Vic schließt die Augen.

Hector verabschiedet sich von seiner Familie und geht nach unten, um mit Achilles zu kämpfen. Es ist der traurigste Moment im ganzen Film. Spannend. Man vermutet, dass Hector gleich stirbt. Traurig!

»Hector!« Die Spannung entlädt sich und ich habe keine Ahnung, wer zuerst damit angefangen hat, aber schließlich lachen wir beide.

»Furchtbar«, versuche ich mich zusammenzureißen.

»Wir verhauen die ganze Stimmung«, schüttelt Vic traurig den Kopf.

»Die Stimmung haben wir schon vorher verhaut«, versichere ich ihr und ich habe Recht.

»Nein, du. Als du Patroklos Klößchen genannt hast«, bestimmt sie.

Und natürlich hat sie Recht.

»Gut, dass er Hector schreit, und nicht Hektörli«, kichere ich, weil mir einfällt, dass wir »Troja« im Schweizer Fernsehen ansehen. Es wäre wirklich besser, wenn es eine schweizerische Übersetzung gäbe.

Jetzt lacht sie lauter als ich. Und Hector stirbt nicht sehr heldenhaft, weil wir einem Hektörli einfach keinen Respekt zollen können.

Patrik 1,5 (Film)

Kurzinhalt: Ein schwules Pärchen will ein Kind adoptieren, doch statt dem erwarteten Kleinkind, kommt ein 15jähriger krimineller Homophober.

„Das ist Sven, mein Mann!“

Wundervolle Kleinstadtidylle. Freundliche, fröhliche Nachbarn. Schöne „Oh,Gott-Gesichter“, als Göran Sven als seinen Mann vorstellt.        Kurz friert das Lächeln ein und dann wird brav die Fassade aufrecht erhalten. Göran will Familie, Sven will, dass Göran glücklich ist. Aber Sven passt nicht in die Idylle und er wirkt auch ziemlich erleichtert, als das Jugendamt meint, dass kein Amt Schwulen ein Kind geben wird.

„Fass mich nicht an, Scheißschwuchtel!“

Eines Tages kommt ein Brief ins Haus, der 1,5-jährige Patrik sucht eine Familie. Göran bereitet sich vor, steckt Sven mit seiner Vorfreude aber nicht wirklich an. Dann steht der 15jährige Patrik vor der Tür. Zuerst glauben alle an eine Verwechslung.

Göran will dazugehören. All die täglichen Kleinigkeiten, von „Schwuchtel“ schreienden Kindern bis zu Patienten, die von ihrem neuen Arzt nicht berührt werden wollen, verletzen ihn. Er will akzeptiert werden, so wie er auch alle akzeptiert. Svens Exfrau kommt recht gut mit der neuen Situation zurecht, besser als die Teenietochter.

Sven will Patrik so schnell wie möglich wieder los werden. Doch als Patrik sagt, er will nicht zurück ins Heim, will Göran ihn aufnehmen bis sich eine andere Familie findet und Sven geht.

„Der Hund wurde eingeschläfert. Den wollte keiner. Mich auch nicht.“

Patrik öffnet sich ein bisschen und ist kooperativer. Er erzählt über sich und freundet sich mit Svens Tochter an. Seine Fähigkeiten als Gärtner machen ihn bald zum Teil der ganzen Gemeinschaft. Göran beschließt, einen Antrag zu stellen, um Patrik allein adoptieren zu können, falls sich keine Familie findet.

Aber natürlich: Jetzt, wo sie sich aneinander gewöhnt haben, wird doch noch eine Familie gefunden. Patrik versucht, bevor er geht, Göran und Svens Ehe zu retten. Hier ist der Trailer:

So ein süßer Film. Aber nicht kitschig. Kinder verändern das Leben. Alle weiteren Familienmitglieder müssen dafür sein. Einer meiner immer wieder anschauen Lieblingsfilme.

Info:

Comedy, Drama, Schwedisch mit deutschen Untertiteln, 2008, 103 min.

Regie: Ella Lemhagen

Schauspieler:

Gustaf Skarsgård (Vikings, Kon-Tiki, The Way Back) als Göran

Torkel Petersson als Sven

Tom Ljungman als Patrik

Amanda Davin als Isabell

Annika Hallin (Verblendung, Vergebung, Verdammnis, Arn) als Eva

Anna Karenina (Film 2012)

Ich weiß nicht mehr, wie oft ich versucht habe, diesen verxxxelten Roman zu lesen. Es ist einfach so fad! Aber fade Buchvorlage oder nicht – Joe Wrights Filme fand ich bis jetzt immer recht gut und wenn Kelly MacDonald, Matthew MacFayden und Jude Law in einem Film spielen, so muss man sich ihn auch anschauen. Ja, Keira Knightley natürlich auch, was habt ihr alle nur mit ihr?  Übrigens: Aaron Taylor-Johnson ist auch erwachsen geworden, wenn wir schon mal bei Klatschgeschichten sind – ich kenne ihn ja noch als Prosper in „Herr der Diebe“, da war er noch süß (jetzt ist er sexy, aber nicht in diesem Film, das liegt an dem grausigen Oberlippenbart – igitt).

Es ist beinahe falsch, hier von einem Film zu sprechen. Diese Inszenierung ist ein Theaterstück, irrsinnig-komisch aneinander gereihte Szenen, die kleine Geschichten schaffen und zärtlich miteinander verweben, aber so viel besser, als das Buch es vermochte!

Die Geschichte ist inhaltlich ja bekannt: Anna, Ehefrau des Karenin, lässt sich auf eine Affäre mit Graf Vronski ein – nein, sie verlieben sich unwiderstehlich auf den ersten Blick. Annas Bruder nimmt es auch nicht so genau mit der ehelichen Treue und betrügt seine Ehefrau Dolly. Deren Schwester Kitty wiederum lehnt den Heiratsantrag von Levin ab, da sie sich ihrerseits auf Vronski Hoffnungen macht. Ojojoj. Schließlich heiratet sie Levin doch. Anna, die von Vronski schließlich eine Tochter bekommt, verliert sich in Schuldgefühlen und stürzt sich vor den Zug. Alles kleine und große Skandale in der Welt der St. Petersburger und Moskauer höheren Gesellschaft.

Und hier die Liste, die ihr überall sonst auch findet:

Regisseur war Joe Wright (Stolz und Vorurteil, Abbitte, Wer ist Hanna?)

Matthew MacFayden als Oblonsky (Stolz und Vorurteil, Drei Musketiere)

Kelly MacDonald als Dolly (Wer ist die Braut, Harry Potter 7, Eine zauberhafte Nanny)

Keira Knightley als Anna (Fluch der Karibik 1-3, London Boulevard, Abbite, Stolz und Vorurteil, Domino)

Jude Law als Karenin (Grand Budapest Hotel, Sherlock Holmes 1+2)

123 min, Drama, Romantik, 2012, Englisch

The Way Back – Der lange Weg

Der Film beginnt mit der Zeile, dass drei Männer die indische Grenze überqueren; die Filmbeschreibung beginnt mit der Zeile, dass sieben Gefangene aus einem sowjetischen Arbeitslager entkommen.

Man kann sich also schon mal auf Tod gefasst machen.

Es fliehen mehr oder weniger gefährliche Männer. Wegen der Scheißkälte und dem Schnee sind sie vermummt – man kann sie kaum von einander unterscheiden. Erst im Laufe der 6.000 km langen Flucht wird man sie besser kennen lernen – genau wie sie sich gegenseitig auch erst nach und nach kennen lernen.

Bereits anfangs wird klar gemacht, dass es den Sowjets eigentlich egal war, ob Gefangene entkommen. Im Dauerwinter dort oben erfriert oder verhungert man sowieso relativ schnell.

Nach dem Schnee, der Wüste, den Sandstürmen, den Bergen, dem Wald, der endlosen Weite als freier Mann zu sterben ist aber nicht das echte Ziel.

Und da fragt man sich als Zuseher schon: Welches Ziel könnte so unglaublich sehnsüchtig erwartet werden, dass man so viel Kraft und Durchhaltevermögen sammelt, dass man so eine „Reise“ tatsächlich schafft? Okay, zur Frau zurückkehren ist natürlich löblich, aber alle anderen haben keine Ziele und da weiß ich nicht, warum sie überhaupt weitergehen. Wieso haben es gerade diese drei Kerle geschafft? Was hat sie angetrieben?

Drauf bekommt man keine Antwort, auch wenn die letzten paar Männer sich wohl aus Freundschaft entschließen, noch bis nach Indien weiterzugehen. Großartige Bilder, besondere Natur, gute Geschichte.

Unbedingt anschauen, wenn man die DVD hat, sollte man sich das Making of, weil Peter Weir einfach lustig ist.

Regisseur: Peter Weir (meine Lieblingsfilme von ihm: Club der toten Dichter und Truman Show)

Schauspieler:

(in Klammer wieder meine Lieblingsfilme, hat nichts damit zu tun, ob es die Besten sind 😉 )

Jim Sturgess (Cloud Atlas, Die Schwester der Königin)

Colin Farrell (Brügge sehen … und sterben, Ein Zuhause am Ende der Welt, Nicht auflegen!, Ondine, 7Psychos und und und)

Ed Harris (Die Firma, Truman Show, Apollo 13)

Saoirse Ronan (In meinem Himmel, Abbitte, Hanna, Grand Budapest Hotel)

Gustaf Skarsgård (Vikings, Kon-Tiki, Patrik 1,5 usw.)

und viele andere, mit denen ich noch keine Filme gesehen habe.

133 min, 2010, Drama, Geschichte, Abenteuer, Englisch, Russisch, Polnisch

Das Glück der großen Dinge (What Maisie Knew)

Bild geklaut von: http://www.moviemail.com/film/dvd/What-Maisie-Knew/
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Man fragt sich ja immer, welche die beste Lösung wäre, wenn die total auf sich selbst fixierten Eltern völlig unfähig sind, ihr Kind als den wunderbaren Menschen wahrzunehmen, der das Kind seit der Geburt eben ist.

Das Schöne an dem Film ist, das man wirklich nur zu sehen bekommt, was die kleine Maisie (Onata Aprile) tatsächlich auch erlebt.

Ja, ihre Eltern streiten sich. Es ist nicht wichtig, den ganzen Dialog zu hören.

Ja, ihr Vater heiratet ihr Kindermädchen Margo (Joanna Vanderham), damit er geteiltes Sorgerecht bekommt. Also schlussfolgert Maisie richtig: Das Gericht wollte, dass ihre Mutter den jüngeren Barkeeper Lincoln (Alexander Skarsgård) heiratet.

Während der Vater Beale (Steve Coogan) als Kunsthändler durch die Welt reist und die Mutter (Julianne Moore) als Rocksängerin auf Tour ist, bleibt Maisie bei den neuen Partnern der Eltern zurück. Die sind sehr viel fähigere Zeitgenossen als die Erzeuger des Mädchens, auch wenn natürlich nicht alles reibungslos abläuft.

Diese Scheißegalikeit, mit der die Erwachsenen Maisie herumreichen, geht natürlich mitten ins Herz. Genauso wie die wundervolle Maisie selbst, eigentlich ein fröhliches, intelligentes Kind, das aber total still wird und nicht ein einziges Mal aufmuckt, wenn die Eltern wieder einmal idiotische Ideen auf sie loslassen. Daran erkennt man schon, dass so vieles nicht stimmt in Maisies Leben.

Bild geklaut von: http://www.shockya.com/news/2013/08/12/interview-what-maisie-knews-julianne-moore/
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Den Pluspunkt verdient sich Mutter Susanna dann am Schluss doch noch: als Maisie – zum ersten Mal überhaupt – meint, das sie lieber bei Lincoln und Margo bleiben würde, lenkt die Mutter ein. Natürlich wäre es sehr schwer, ein kleines Kind mit auf Tour zu nehmen – also kann man ihr kein völlig selbstloses Handeln anerkennen – aber sie berücksichtigt Maisies Wunsch sofort. Der erwachsene Zuseher weiß, wie schwer ihr das fallen muss, hat sie doch anfangs jede Freundschaft zwischen Lincoln und Maisie eifersüchtig im Keim ersticken wollen.

Der Film ist Maisies Film und die Erwachsenen sind dankbare Nebendarsteller am Rande, die der Kleinen kampflos den Mittelpunkt überlassen. Wunderschön einfühlsam und ruhig erzählt. Selbstverständlich ist Maisies Happy End nicht wirklich eines, aber die Hoffnung lebt.

What Maisie Knew, English, Drama, 2012, 99 min.

Tieftraurige Gedanken wegen Buffy

Tiefe philosophische Überlegungen schwirren heute durch meinen Kopf. Wie immer, wenn ich einen Nachmittag Zeit habe, keine Kraft zum Schreiben habe und deshalb Buffy-Folgen anschaue.

Mein hirnzermarterndes Thema während der ersten zehn Minuten von Buffy lautet: Warum um Gottes Willen kann ein über zweihundert Jahre alter Vampir eine verrückte, sechzehnjährige Trotzsuse von einem Teenager länger als zehn Minuten aushalten? Ich nehme an, nach einer gewissen Lebenszeit lernt man, alle Fehler der Menschen zu akzeptieren und zu belächeln.

Gegenfrage: Warum sind alte Menschen dann immer so unflexibel?

Weil sie noch nicht alt genug sind. Angel hat schließlich schon zwei Jahrhunderte Zeit, um Menschen zu beobachten und da er selbst kein Mensch ist, hat er auch den dazugehörigen Abstand.

Ach, lassen wir den Scheiß doch und widmen uns der wesentlichen Frage: Warum ist ein Pärchen das geschätzte 230 Jahre Altersunterschied hat okay? Was soll denn das? Der Typ ist eindeutig pädophil. Warum finden das alle gut und schön und dramatisch?

gestohlen von: http://welcometosunnydale.tumblr.com
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Auch egal. Fragen wir anders herum:

Warum will ein sechzehnjähriges Traumengerl einen so alten Typen?

Anscheinend ist es das Aussehen. Und klar, welches Mädchen will keinen Kerl, den sie mal so richtig vermöbeln kann, ohne das er dabei draufgeht? Aber die sonstigen Interessen müssten doch eigentlich sehr unterschiedlich sein. Und bitte: Er begleitet sie auf den Schulball? Echt jetzt? Ich weiß nicht, wie es normalerweise Leuten über zwanzig geht, aber mich müsstet ihr dafür bezahlen, wenn ich noch einmal schlechte Musik ignorieren und besoffene Barbiepuppen kotzen sehen soll.

Natürlich ist es keine normale Beziehung. Angel und Buffy – eindeutig etwas Besonderes. Slayer and Demon. Die Liste erweitert sich also: Aussehen und Verbotenes. Zwei Punkte, die eine Beziehung am laufen halten. Ist das nicht traurig?

Gernot & Niavarani in Klagenfurt (Messe, 14.5.11)

Gernot und Niavarani, 2 Musterknaben, Messhalle Klagenfurt am 14.Mai.2011

 

Geburtstagsgeschenke für meinen Vater finden sich im Normalfall leichter als welche für meine Mutter. Keine Ahnung warum. Dieses Jahr hatte ich wirklich keinen Schimmer und langsam wurde die Zeit knapp. Eine Freundin meiner Mutter postete dann auf Facebook, dass sie zwei Karten für Gernot und Niavarani hätte, allerdings könnte sie nicht hingehen. Die mussten natürlich sofort gekauft werden.

 

Abendveranstaltungen sind für meinen Vater immer problematisch, weil er schließlich um zwei Uhr morgens zur Arbeit muss. Trotzdem freute er sich sehr.

Die beiden Musterknaben sind einfach unglaublich gut. Sie schaffen es sogar in Klagenfurt die Leute zum Lachen zu bringen. Ich hätte nie gedacht, dass das funktioniert. Nichts ist einfacher, als sich über Kärntner lustig zu machen – aber in Kärnten geht das nicht so gut. Aber an dem Abend waren sogar die Urkärntner Nordslowenen und selbst wenn sie die Schmähs nicht so gut fanden, lachten sie wenigstens mit.

Ich hatte jedenfalls schon bei der Pause Bauchkrämpfe vom Lachen. Und meinem Vater ging es da nicht anders.

Die Szenen im Altersheim waren zwar nicht ganz so pointenreich, aber dafür erstaunlich gut gespielt. Jetzt hab ich Angst vor der Zukunft. Pech gehabt.

Ich freue mich schon auf die DVD.

30 Seconds To Mars in Innsbruck (Olympiahalle, 12.6.11)

Die langsame und qualvolle Fahrt von Klagenfurt nach Innsbruck will ich euch nicht weiter schildern. Nur so viel: Regen, enge Bundesstraßen, bergauf mit vollbesetztem, leistungsschwachem PKW. In Innsbruck schien die Sonne. Die Fahrt dauerte um die sieben Stunden! Als wir ankamen, waren meine Schwester und ich erschöpft und müde und sehr erstaunt. Vor der Olympiahalle saßen nämlich schon Leute herum. Und gar nicht mal so wenige.

Unser erster Gedanke: Gott, wie verrückt! Unser zweiter Gedanke: Setzen wir uns dazu! Während Sabrina und ich im Halbschlaf durch Babybaumschatten einen Sonnenbrand vermeiden wollten, erkundeten die anderen beiden die Gegend.

Nach einiger Zeit verschwanden sie durch eine Tür, was natürlich einige Unsicherheit bei uns draußen schlafenden auslöste, besonders, als sie nicht mehr zurückkamen. Nicht im mmindesten ausgeschlafen, aber schon ein bisschen aufgeregt, drängten wir uns also auch durch die Tür und wurden von Polizisten in Schach gehalten. Dabei waren wir eh so brav.

Dafür standen wir ziemlich weit vorne, als wir endlich hinein durften. Als „Vorband“ war ein hüpfender DJ, der mein Kopfweh verschlimmerte. Unglaublich wie sich die Zeit in die Länge ziehen kann, wenn man mit schlechter Musik (also known as Krach) gequält wird.

Noch kurz zur Show. Ich genieße es natürlich, von 2-Meter-Riesen zertrampelt, von kleinen Mädchen zerquetscht und zur Taubheit gequietscht zu werden. Wirklich. Aber ich sage euch was: Die Burschen lassen nach. Jahrelanges ständiges Touren ist halt doch etwas anstrengend und gesundheitsschädigend. Und das merkt man als Zuschauer. So sehr ich sie auch liebe, und so sehr ich es liebe, sie live zu sehen: Macht eine Pause!

Es ist noch immer eine wirklich gute Show und die Stimmung war auch Wahnsinn, nämlich durchgehend. Ich habe lieber mehr akustisch, lieber mehr persönlich, lieber mehr … kleiner. Na ja. Ein anderes Mal vielleicht.

Was ich immer vergesse: Die Hitze. Der Schweiß klebt, das Gewand klebt, Papierschnitzel kleben überall an der Haut und es wird erst besser, wenn man dann im Freien steht.

Vielen Dank an den Riesen, der vor mir gestanden hat. Nachdem er mir mit seinem Arm die Kehle eingedrückt hatte, konnte ich nach ein paar Sekunden wieder normal atmen und nach einer halben Stunde wieder reden. Kein Problem; schon verziehen.

Die Rückfahrt über die Autobahn hat übrigens nur fünf Stunden gedauert – genau gar kein Verkehr. Obwohl wir danach wirklich ausgepowert waren, habe ich mir nie gedacht: Bleiben wir stehen und schlafen erstmal. Wie gesagt, um vier Uhr morgens waren wir wieder zu Hause. Trotzdem: Ziemlich viel Autofahren für zwei Stunden Glück. Was macht man nicht alles …?

Mr. Nobody oder Once upon a time there was a daddy and a mommy, named the daddy and the mommy.

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis Jared Leto so alt aussieht, wie er ist?

Worauf es mir bei Filmen ankommt, ist der Überraschungseffekt. Ich muss auch noch, wenn ich den Inhalt kenne, von einem Film überrascht werden können. Vom Drehbuch (besonders gut oder besonders schlecht), von der Handlung (möglichst viele Wendungen, bitte) oder von Kamera oder Schnitt. Also, wenn ihr die Handlung nicht wissen wollt, hört auf zu lesen.

Diesen Film kann man nämlich unwahrscheinlich oft anschauen, ohne die Handlung „richtig“ zu verstehen. Wie Schreiber/Regisseur Jaco van Dormael sagt: „Der Film ist wie das Leben selbst, er wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet.“

Jetzt hat man vielleicht die lächerlichen paar Zeilen gelesen, die versuchen, wenigstens einen Teil des Films vorauszusehen, zu beschreiben, zusammenzufassen.

Es funktioniert nicht. Dann steht da so etwas wie: Der 118jährige Nemo Nobody erinnert sich an sein Leben. Er erzählt drei Geschichten, jedes Leben mit einer anderen Frau. Welche war das echte?

Oder so etwas: Der 9jährige Nemo muss sich entscheiden, ob er bei seinem Vater bleiben oder mit seiner Mutter nach Kanada ziehen will. Doch diese Entscheidung beeinflusst sein ganzes zukünftiges Leben. Wir folgen ihm bei jeder Entscheidung.

Der Film selbst ist ziemlich lang. Er enthält etliche Szenen, die man auch hätte weglassen können, allerdings finde ich persönlich, dass die Kinofassung an den falschen Stellen gekürzt wurde. In der Kinofassung bemerkt man nicht, dass er schon den Unfall vorhergesehen hat.

Aber die Szenen selbst sind meist wunderschön. Es gibt wunderschöne Close-ups, Augen, Tränen, Härchen, die sich aufstellen. Besonders gefallen mir auch die Übergänge. Ein Spielzeugflugzeug deutet die Reise von Europa nach Amerika an. Ein Haus wird von einem Schuh zertreten. Wirklich interessant gemacht.

Der ganze Film dreht sich eigentlich um den Butterfly-Effekt. Ein Regentropfen löscht Annas Telefonnummer? Tja, Nemo, dann hättest du besser nicht die billige Jeans kaufen sollen, denn dann hätte der arme Brasilianer nicht seinen Job verloren und hätte kein Ei kochen können. Die zusätzliche Hitze hat dann nämlich zu starken Regen im Norden des Kontinents geführt.

Oft wird Nemo die Entscheidung einfach abgenommen. Ein Blatt landet an der falschen Stelle, ein Vogel knallt gegen eine Scheibe, und das beste: Die Münze sagt ja und nein. Nemo will keine Entscheidungen treffen, er will nicht wissen, was das dann auslöst.

Wenn man sich den Film anschaut, dann so zum dritten oder vierten Mal, könnte man auf Details achten. Auf die Dinge, die in vielen Leben des Nemo Nobody eine Rolle spielen. Schienen, zum Beispiel. Oder Blätter, Wasser, Schmetterlinge, Fotos und Münzen, natürlich.

Was ich herausgeschnitten hätte, wären die meisten Karo-Szenen. Obwohl es natürlich lustige Szenen sind, tragen sie nur einmal wirklich etwas bei.

Es ist also wieder einmal ein Jared-Leto-Film, der mich zutiefst verwirrt, aber sehr beeindruckt zurücklässt. Über Jareds Spiel will ich nicht urteilen, ich glaube, ich bin nicht unparteiisch genug. Sehr super auch Sarah Polley als Elise und Juno Temple als junge Anna. Natürlich ist das Netzt, das im Hirn eines Zuschauers gesponnen wird, nicht mehr entwirrbar. Soll heißen, dass ich nach zweimal anschauen noch immer meine Schwester fragen musste, in welchem Leben Nemo jetzt eigentlich alt werden kann (sie wusste es: einmal bei Elise). So ein Film ist kein für normale Zuseher hollywoodmäßig perfekt zurechtgeschnittener Fetzen. Da muss man schon schauen und denken.

Übrigens ist dieses In-die-Zukunft-schauen sehr praktisch, wenn man eine Selbstmordgefährdete Ehefrau hat.

Jetzt einmal zum Inhalt. Oder zu dem, was ich gesehen habe.

Zuerst einmal: der Film beginnt mit dem Tod. Es sind nicht nur drei Leben, die Nemo da leben könnte, denn es sind tausende kleine Entscheidungen, die unser Leben bestimmen, und jede Entscheidung verändert die Zukunft. Zum Guten oder zum Schlechten.

Mit dem Auto ertrinken, in der Badewanne erschossen werden: immer wieder findet ein recht junger Nemo (Mitte 30) den Tod im Wasser und landet dann in der Leichenhalle.

Doch plötzlich befinden wir uns in der Zukunft: Der 118jährige Nemo lebt in den Erinnerungen und behauptet steif und fest, er wäre erst 34. Ein Arzt in einer sehr sterilen Zukunft stellt ihm Fragen. Die Menschen in der Zukunft werden nicht mehr an Altersschwäche sterben, Nemo wird der letzte sein und ist deshalb ins Interesse der Öffentlichkeit gerückt.  Doch der Arzt hypnotisiert ihn, um den Zugang zu seinen Erinnerungen zu öffnen, und wir kommen mit – schon ist Nemo wieder 34.

Er ist verheiratet mit Elise und hat drei Kinder. Doch anscheinend auch wieder nicht: Nemo nennt seinen Sohn beim falschen Namen und –schwupps- schon ist er mit Jeanne verheiratet, äußerst depressiv und uninteressiert an seinen Söhnen oder Geschäftspartnern. So uninteressiert, dass wir alles ganz verschwommen im Hintergrund sehen. Doch –durch einen Unfall im Fernsehen ausgelöst – befindet sich Nemo plötzlich mitten auf der Straße, im Auto, frisch verheiratet mit Elise, eine Explosion folgt.

Und dann gehen wir zurück, in die Zeit vor Nemos Geburt und Nemos zutrauliche Kinderstimme begleitet uns. Bevor Menschen geboren werden, wissen sie alles. Und dann kommen die Engel des Vergessens und das kleine Kind vergisst alles. Doch Nemo wurde ausgelassen. Er weiß alles.

„Once upon a time there was a daddy and a mommy, named the daddy and the mommy. They found a cute little baby, and called it the cute little baby…“

Und die wunderbare Leichtigkeit der Musik trägt uns fort und begleitet Nemo durch die seltsamen, aber doch meist unbeschwerten Tage seiner frühen Kindheit.

Ein Journalist kommt zum alten Nemo. Er will einen Artikel schreiben, über den letzten Sterblichen. Nemo soll aus seinem Leben erzählen, wie es war, als alle Menschen sterblich waren. Er erzählt aus allen Leben, und von allen Entscheidungen, die er treffen sollte.

Wissenschaftssendung (Jared Leto sollte das weiterhin machen, dann würde es mehr Leute interessieren): Was war vor BigBang? Es gab kein vorher. Zeit hat nicht existiert. Zeit ist nur entstanden, weil sich das Universum ausbreitete. Was passiert aber, wenn das Universum aufhört, sich auszudehnen? Was passiert dann mit der Zeit? Wir erleben Zeit nur in eine Richtung, oder? Und deswegen ist es so wichtig, die richtige Entscheidung zu treffen. Weil man keine zweite Chance hat.

Drei Mädchen fallen dem kleinen Nemo auf: Anna (rotes Kleid), Elise (blaues Kleid) und Jeanne (gelbes Kleid). Sie bleiben Nemo im Gedächtnis und uns auch, sehen wir doch, wie Nemo Anna, Elise und Jeanne heiratet.

Nemo weiß die Zukunft. Er sieht einen schrecklichen Unfall voraus. Nemo weiß die

Zukunft, was seine Eltern verwirrt und ihn zum Sonderling macht.

Nemo mag Anna, er beobachtet sie beim Schwimmen. Er springt vom Sprungbrett, doch er kommt nicht mehr nach oben.

Mommy geht fremd, mit Annas Vater, die Eltern streiten und Nemo steht am Bahnhof. Er steht da und wird sowohl vom Vater als auch von seiner Mutter aufmunternd angeschaut. Die Mutter steigt in den Zug und Nemo beginnt zu laufen.

Nemo läuft. Er erwischt den Zug und flüchtet in die Arme seiner Mutter.

Nemo läuft. Sein Vater ruft seinen Namen, er dreht sich um und stolpert.

Nemo läuft. Sein Schuh geht auf, er muss stehen bleiben.

Der Vater umarmt ihn.

Die Mutter umarmt ihn.

Der Reporter will vom alten Nemo wissen, was wirklich passiert ist. Ist Nemo jetzt bei seiner Mutter oder bei seinem Vater aufgewachsen?

„Du hättest ja auch bei deinem Vater bleiben können, oder?“

Nemo wird Teenager.

Wir hören es durch die verschiedenen Sandman-Versionen als Hintergrundmusik.

Annas Vater kommt zum Essen, Nemo sagt seinen Tod voraus und Nemos Mutter wird sauer. Doch Anna tritt wieder in sein Leben.

Nemo kann nicht schwimmen. Er beleidigt Anna und bedauert es Jahre später. Er sieht die Zukunft und macht es rückgängig.

Sie bleiben Freunde, lieben sich. Als er ihr erzählt, dass er die Zukunft sehen kann, reagiert sie nicht wie alle anderen und glaubt ihm. Immer wenn er eine Entscheidung trifft, sieht man kurz die Folgen.

Die Eltern ziehen zusammen. Nemo schleicht sich in Annas Bett, sie werden morgens fast erwischt.

„Alles ist in Ordnung“

Nemo lebt bei seinem Vater. Der Vater ist krank, sitzt im Rollstuhl. Nemo arbeitet nach der Schule, er sagt, es ginge ihm gut. Er kümmert sich gut um seinen Vater und immer, wenn der Vater will, dass Nemo sich amüsiert, sagt Nemo: „Es ist alles in Ordnung, mir geht es gut.“ Abends fährt er auf seinem Mofa über die Straßen und schreit alles heraus. In der Nacht setzt er sich an die Schreibmaschine und schreibt Geschichten über Raumschiffe und die Landung auf dem Mars.

Nemo beschreibt die Reise zum Mars und den Kolonien. Die Reise dauert Monate und die Passagiere sind dabei in einem Kälteschlaf.

Auch Nemo ist dort und er murmelt: „Elise.“

Nemo wirft eine Münze, geht auf Party, trifft Elise, die einen anderen liebt.

Nemo geht Elise nach, verspricht ihr ihre Asche auf dem Mars zu verstreuen, wenn sie stirbt. Elise sagt, sie sei kein guter Mensch, doch Nemo versteht nicht.

Wissenschaftssendung: Liebe. Warum Liebe? Woher kommt Liebe, was passiert im Körper? Oder geht es der Natur sowieso nur um Fortpflanzung? Nachdem alles abgedreht ist, ruft er Anna an, denn mit Anna ist Nemo glücklich verheiratet. Doch ein Vogel knallt gegen seine Windschutzscheibe und sein Auto landet im Wasser, Fische fressen ihn.

Nemos Mutter trennt sich von Annas Vater, doch Nemo und Annas Beziehung wird immer intensiver, überschäumender.

Nemo sieht Elise mit Stefano, er fährt sauer davon. Ein Blatt verursacht einen Mofaunfall und Nemo landet im Krankenhaus.

Da will Nemo hinaus und entscheidet sich anders.

Nemo bleibt und sagt Elise, dass er sie liebt. Sie liebt Stefano, doch Stefano sie nicht. Da trifft Nemo Entscheidungen oder Vorsätze:

  • Er will nichts mehr dem Zufall überlassen.
  • Er will das erste Mädchen heiraten, das heute Abend mit ihm tanzt. Und das ist Jeanne, die ihn liebt, aber niemals von ihm geliebt wird.
  • Er will reich werden.
  • Er will ein Haus haben, gelb angestrichen, mit Garten, ein Cabrio, ein rotes Cabrio
  • Er wird zwei Kinder haben, weiß auch schon die Namen
  • Und er wird einen Pool haben. Er wird schwimmen lernen.
  • Und er wird nicht aufhören, bis er all das erreicht hat.

Nächstes Bild: Nemo liegt im Pool, Gesicht nach unten treibt er an der Oberfläche. Jeanne holt ihn rechtzeitig heraus. „Elise?“, fragt er, doch es ist Jeanne, die sich besorgt über ihn beugt. In seinem Abschiedsbrief hat er geschrieben, dass er nicht mehr weiß, ob er noch lebt. Er verletzt sich, um es auszuprobieren.

„Wenn ich älter bin, habe ich einen Pool“

Nemo wacht auf und liegt als Teenager neben Anna. Die Eltern trennen sich, die Kinder weigern sich auseinander zu gehen, doch schließlich verschwindet Anna aus seinem Leben. Seine Mutter wirft Annas Brief weg. Mit seiner Mutter kommt Nemo gar nicht klar.

Als er erwachsen ist, reinigt er bei anderen Leuten den Pool.

In Gedanken ruft er ständig nach Anna.

Weil eine Obdachlose Hilfe braucht, bleibt Nemo länger am Bahnhof und sieht Anna wieder. Sie können nicht glauben, dass sie es wirklich sind, haben aber aufeinander gewartet. Anna will Zeit, sie will sich sicher sein, dass sie Nemo diesmal nicht verliert. Doch ein Regentropfen fällt auf die Telefonnummer- seine einzige Verbindung zu Anna.

Nemo wartet auf Anna beim Leuchtturm und träumt die Zukunft, in der sie zu ihm kommt. Er ruft sie in Gedanken wieder zu sich. Sie hört ihn.

Nemo drängt Elise in eine Beziehung und  heiratet sie.

Doch Elise ist später depressiv; weint, liegt im bett, möchte nichts, weiß aber nicht, was mit ihr los ist.

Nemo versucht alleine Arbeit, Haushalt und die drei Kinder am laufen (und bei Laune) zu halten, doch die Kinder spüren, dass es der Mutter schlecht geht. Am Geburtstag ihrer Tochter steht Elise auf und die Familie hat einen schönen Tag. Nemo lässt am nächsten Tag sein Auto waschen und als er nach Hause kommt, steht Elise im Regen auf der Straße und weint. Sie will ihn verlassen und schreit. Nemo trägt sie ins Haus und versucht, sie zu beruhigen.

Der kleine Nemo überlegt sich nun ein anderes Elise-Leben. Er sitzt im Theater und sieht die Hochzeit mit Elise. Dann fahren die beiden überglücklich im Auto. Der Lastwagen vor ihnen explodiert. Elise stirbt. Der Witwer redet mit der Urne, deckt immer für zwei. Er beobachtet Verfall und Zeit, in dem er Sachen (Obst) während dem Verfallen fotografiert und dann rückwärts abspielen lässt.  Dieser Rücklauf fasziniert ihn, er macht ihn beinahe glücklich.

Der Reporter ist verwirrt von den Erzählungen des Alten: Ist Elise nun gestorben, oder hatte er drei Kinder mit ihr?

„Nemo, tue ich eigentlich Zucker in meinen Kaffee?“

Während Nemo versucht, es der depressiven Elise recht zu machen, dreht er sich um, und plötzlich liegt Jeanne im Bett. Sie macht ihm klar, dass sie weiß, dass er sich umbringen will, und bittet ihn, es nicht zu tun.

Nemo ritzt „ja“ und “nein“ in eine Münze. Immer, wenn er eine Entscheidung treffen muss, wirft er nun die Münze. Das endet damit, dass er aufgrund einer Verwechslung in der Badewanne erschossen wird.

Die depressive Elise sagt Nemo, dass sie immer noch Stefano liebt. Obwohl er Elise umarmt und er ihr sagt, dass er sie liebt, versteht er nicht, was in Elise vorgeht. In der Nacht verlässt Elise Nemo und die Kinder. Nemo schreibt ihr daraufhin ein neues Leben. Er schreibt, dass sie ganz entfernt von der Realität ist, dass sie einen Beauty Shop hat und versunken in Stefanos Foto auf Kunden wartet. Als Stefano aber in ihren Laden kommt, erkennt sie ihn gar nicht.

Wissenschaftssendung: Diesmal steht der Witwer vor der Kamera. Er redet über Zeit. Was passiert, wenn das Universum aufhört, sich auszudehnen? Wird sich die Zeit dann umkehren?

Als alles abgedreht ist, fällt Nemo auf, dass Peter, ein Mitarbeiter, nicht da ist. Am Nachhauseweg sieht Nemo, wie Peters Auto im Wasser gelandet ist. In diesem Leben war Peter Annas Mann und fuhr den Wagen gegen den der Vogel knallte.

Später treffen sich Anna und Nemo wieder auf dem Mars. Anna studiert Zeit und Nemo löst sein Versprechen gegenüber Elise ein, dass er ihre Asche am Mars verstreut. Anna erzählt ihm, dass der Zerfall des Universums 2092 erwartet wird.

Es gibt eine Abstimmung, ob der alte Nemo getötet werden soll, oder am Alter sterben darf. Die Abstimmung fällt so aus, dass sie ihn töten wollen. Er meint zum Journalisten, dass er keine Angst vor dem Sterben habe, nur Angst, er hätte nicht genug gelebt. Er sagt, er müsse bis zum 12.2.2092, 5.50h am Leben bleiben.

Der Journalist will wissen, welches jetzt das richtige Leben war.

Jedes von diesen Leben ist das richtige Leben

Der alte Mann fragt den Journalisten, was ihn denn so sicher mache, dass er tatsächlich existiere. Er meint, eigentlich sei doch alles nur die Vorstellung eines armen 9jährigen Jungen, der eine riesige Entscheidung treffen muss.

Er konnte sich nicht entscheiden, weil er nicht wusste, was passieren würde. Jetzt weiß er es und kann sich erst recht nicht entscheiden

Zugzwang: der einzig mögliche Zug ist, nicht zu ziehen

Der kleine Nemo bläst ein Blatt in die Luft und es fliegt -zu der stelle wo Anna kommt, als Nemo am Leuchtturm auf sie wartet

Nemo stirbt alt und sein letztes Wort ist „Anna“. Es ist der 12.2.2092.

Dann zieht sich das Universum wieder zusammen, das heißt die Zeit dreht sich zurück. Nemo lacht.

Bilder:

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