Archiv der Kategorie: Trisha und der Alltag

Die Einzigartigkeit der Beamten und die überflüssige Bürokratie

Vorgeschichte:

Mein Bruder macht seit 1. April Zivildienst beim Roten Kreuz. Er wurde zum Rettungssanitäter ausgebildet, war also ein Monat lang in Velden zur Theorie. Die Praxis dann tatsächlich im Krankenwagen mitzufahren und von seinen Fahrern beurteilt zu werden, gefiel ihm dann weniger. Irgendetwas muss da noch passiert sein, etwas, das ich wohl nicht erfahren werde, ihn aber zur Weißglut getrieben hat. Jedenfalls redet er ja nie mit uns über seine Probleme. Er wird krank. Nachdem er dann zweimal zusammengebrochen ist, hat unser Hausarzt gesagt, er muss was ändern, und er musste dann zu einem Psychologen. Er war genau zwei Wochen krank geschrieben, dann hat er sich Gesund gemeldet und weitergearbeitet.

  1. Ich dachte, Psychologen haben eine Schweigepflicht.

Der Psychologe hätte dem Chef ja nur sagen müssen, ob mein Bruder für den Dienst geeignet ist oder nicht. Wenn nicht, hätte er woanders hin müssen. Der Psychologe hat meinen Bruder aber dazu gebracht, es noch einmal versuchen zu wollen. Nach dem Gespräch mit meinem Bruder hätte der Psychologe ja einfach dem Chef sagen können, das er geeignet ist und aus. Das wäre es gewesen. Wie jetzt aus einem Gespräch zwischen meinem Bruder und seinem Vorgesetzten hervor ging hat der Psychologe dem Chef auch erzählt, dass mein Bruder schon mal eine Lehre abgebrochen hat. Woraufhin der Chef ohne Rücksprache mit irgendwem angenommen hat, dass mein Bruder das sowieso nicht hinbekommt. Nur mal so am Rande: Mein Bruder hatte am Anfang seiner Lehre einen tollen Chef, der hat ihn jeden Tag zur Seite genommen und etwas Neues gelehrt. Dann kam ein neuer Chef und mein Bruder durfte Essen einpacken, während der Chef im Hinterzimmer geraucht und gesoffen hat. Das war nicht die Vorstellung einer sowieso schlecht bezahlten Kochlehre, und da hat er gekündigt.

Aber das weiß sein jetziger Chef nicht, das hat der plaudernde Psycho ja vergessen zu erwähnen. Es lebe die ärztliche Schweigepflicht.

2. Ich dachte, wenn sich jemand Gesund meldet, dann ist er nicht mehr im Krankenstand.

Jedenfalls hat mein Bruder eben weitergearbeitet. Und nach zwei Wochen sagt seine Theorielehrerin zu ihm, sie habe gehört, dass gegen ihn ein Rückstellungsverfahren eingeleitet wurde, ob eh alles okay sei. Es dauerte ein paar Tage, bis mein Bruder einen Termin bei seinem Oberchef bekam. Er kam ins Büro und wurde mit den Worten: „Sie sind ja im Krankenstand.“ begrüßt.

Ich mein, wie blöd muss man sein?!?!?

Der untere Chef hat anscheinend vergessen, die Gesundmeldung weiterzugeben. Anders kann ich mir das nicht erklären. Jedenfalls dachte der obere Chef, mein Bruder kann/will/wasauchimmer nicht mehr und hat dieses Verfahren beantragt. Als mein Bruder sagte, er hatte gedacht, es sei alles in Ordnung und er arbeite seit zwei Wochen sowieso wieder normal, sagte der obere Chef man könne das Verfahren ganz leicht stoppen.

3. Ich dachte, wenn ein Verfahren gestoppt wird, dann ist alles okay.

Am Mittwoch, 10.6. (jetzt wäre es gut einen Kalender bei der Hand zu haben), hat mein Bruder einen Brief bekommen, dass er, eben wegen diesem Verfahren, am Montag, 15.6., bei der Polizei erscheinen muss, da das seine neue Arbeitsstelle wäre. Er könne zwei Wochen lang Berufung einlegen.

Checkt ihr die Zeit? Am Mittwoch vor einem Donnerstagsfeiertag kommt ein Wisch, das er am Montag irgendwo sein müsse. Wo bleiben da zwei Wochen?!?

Jedenfalls müssen Chefs im Gegensatz zu meinem Bruder am Feiertag anscheinend nicht arbeiten. Am Freitag hat er dann einen Stellvertreter erreicht, der sagte, er dürfe nun nicht mehr für sie arbeiten, er solle aber dort und dort anrufen. Was er am Freitag auch noch versuchte. Aber die Einzigartigkeit der Beamten zeigte sich mal wieder daran, dass sie entweder a) vom Telefon klingeln nicht aufwachen oder b) jemanden rangehen lassen, der sich nicht auskennt oder c) der Verantwortliche immer auf Urlaub ist.

Wie wird das ausgehen? Ich weiß es nicht.

Wäre nett, wenn es dazu von Beamten Reaktionen geben würde. Aber… ach ja. Geht ja nicht.

Oli und Pai allein zu Hause, Teil 2

Natürlich ging es am nächsten Tag super weiter. Als ich beim Toyota den Ölstand messen wollte (zuerst konnte ich ewig lange den Messstab nicht finden, dann bekam ich den Deckel nicht auf) und Öl nachfüllen, meinten wir: okay: fahren wir halt zur Tankstelle und dann einkaufen. Gut, ich hole meine Tasche, werf die Tür zu. O-Ton Oli: “Mit den Schuhen?” Ah, ja, wir hatten nur Gartenschlapfen an. Ich versuche, die Tür aufzusperren, funktioniert aber nicht. Klar, der Schlüssel steckt innen. HimmelHerrGottJosefMariaBeiAllenGöttern! Das einzige Fenster, das offen ist, ist das Badezimmerfenster, über dem Graben, der zur Kellertür führt. Oli holt Leiter, die sehr gefährlich wackelt. (soll heißen: keiner traut sich höher als zwei Meter hinauf) Wir rufen Nachbarn an, niemand hebt ab. Was macht man da? Einen Schlosser rufen, irgendjemand…? Wir versuchen es bei den anderen Nachbarn, niemand da. Super! Dann, Geistesblitz: Der Hausschlüssel müsste doch ins Schloss von der Kellertür passen, oder? Ja, aber an der Tür steckt doch auch immer ein Schlüssel innen…… Aber nicht ganz drinnen, Gott sei Dank, Oli kann ins Haus. Ungeachtet der schlechten Vorzeichen, ziehen wir uns um, fahren wir zur Tankstelle. Blödes, großes Auto! Ich nehme eine Kurve zu knapp und streife einen flachen, kleinen Wasauchimmeresist. Blech eingedellt, Tankwarttyp kommt raus, sagt: “Du bist doch die Tochter von dem Zeitungsausträger?”, ruft den Chef an, sagt: “Gut, dass dein Papa immer da ist, kannst ihm danken, ich muss es nicht melden.” Ich hätte diesem blöden, überdimensional herablassenden hormongesteuerten Wesen am liebsten die bescheuerte, überdurchschnittlich hässliche Kappe vom Kopf gerissen, Benzin drüber geträufelt und verbrannt! Klar, werde ich meinem Vater danken, dass er mich mit zwei halb kaputten Autos alleine lässt und nach Paris fährt, aber logo, und wenn ich fertig bin mit bedanken, dann ist er nur noch sooo klein!!!

Oli und Pai allein zu Hause

Da meine Schwestern den Wunsch äußerten, einmal nach Paris zu fliegen, und meine Eltern das vermutlich auch schon lange tun wollten, da sie ziemlich bald zugestimmt haben, sind mein Bruder Oli und ich jetzt zufällig allein.
Das ist eigentlich okay: er hat das obere Stockwerk, ich das untere, unser Zusammenleben beschränkt sich auf ein: Essen? oder Hast du die Hasen gefüttert? und ist nicht wirklich aufregend.
Gestern am Abend, soll heißen: Donnerstag, 3.4.08, ca. halb elf am Abend, hätte ich unglaublich gerne meinen Vater zur Seite gehabt:
Ich fahre von der Schule nach Hause, ein oranges Licht zeigt mir an, dass der Tank leer ist…na gut. Ich fahre also zur Tankstelle, tanke, zahle (34,56 EUR), fahre weiter. Höre ein komisches Geräusch, bleibe stehen, das Geräusch verstummt, ich fahre um die Kurve: rotes Öllämpchen leuchtet auf. Wie war das noch mal? Dieses Teil sollte nicht leuchten!!!
Ich fahre wieder zur Tankstelle zurück, rotes Lämpchen erlischt wieder. Ich rufe bei Opa an, vielleicht kann er ja eine Ferndiagnose stellen, die besser ist, als ich glaube. Ich öffne die Motorhaube, suche nach dem Ölmessstab. Gibts das? Ich schau mir jeden Zentimeter dieses idiotischen, dreckigen Teiles an, bin aber blind. Okay. Ich geh zu dem Mann, der an der Zapfsäule vor mir gerade seinen BMW volltankt. Er sucht ewig lange herum (klar, BMW!), findet schließlich aber den verdammten Stab und stellt fest, dass überhaupt kein Ölstand mehr da ist- perfekt! Wir gehen in den hinein und fragen den Kassierer nach Öl. Der sagt, dass eh auf dem Pickerl auf dem Wasserbehälter steht, was für ein Öl ich brauche (10W40, steht da drauf, gut zu wissen, auf was sich das bezieht, hm?), dann kommt ein Mechanikertyp dazu, der füllt das Öl eigenhändig nach. Schüttelt den Kopf und sagt: “Dos is oba eh schon durchbronnt.” Ich bin nicht in Panik geraten, er fragt mich Dinge, die ich nicht weiß: Wie lange ich schon mit dem Ölstand fahre, wie lange wir das Auto schon haben, wann wir das letzte Mal beim Service waren. Mein Vater kümmert sich immer um die Autos, blöderweise hatte er gerade eine Operation und darf den rechten Arm nicht bewegen. Tanken kann ich. Alles andere nicht. Ein Arbeitskollege hat mich vorige Woche freundlich drauf aufmerksam gemacht, dass mein rechter, hinterer Reifen fast keine Luft mehr hat.  Gut, dass ich das jetzt auch kann. Aber auf die Idee, dass man den Ölstand manchmal kontrollieren sollte, bin ich noch nie gekommen. Auch Wasser hat gefehlt. Das hat der nette, herablassende Herr an der Tankstelle nachgefüllt: 2 Liter Öl (21,45 EUR), 3 Liter Wasser(0,-EUR!).

Fazit: ich konnte noch bis nach Hause fahren, sollte aber sonst nur noch zur Werkstatt, denn das Auto verliert so oder so Öl, zu viel Öl, als es sollte. Ich bin heute mit unserem tollen, 12 Jahre alten, verbeulten Toyota-Kleinbus zur Arbeit gefahren. Das war echt super! Ratet mal, was bei der Heimfahrt zu leuchten begonnen hat. Die Ölstandkontrollleuchte.