Archiv der Kategorie: Trisha und der Alltag

Oli und Pai allein zu Hause, Teil 2

Natürlich ging es am nächsten Tag super weiter. Als ich beim Toyota den Ölstand messen wollte (zuerst konnte ich ewig lange den Messstab nicht finden, dann bekam ich den Deckel nicht auf) und Öl nachfüllen, meinten wir: okay: fahren wir halt zur Tankstelle und dann einkaufen. Gut, ich hole meine Tasche, werf die Tür zu. O-Ton Oli: “Mit den Schuhen?” Ah, ja, wir hatten nur Gartenschlapfen an. Ich versuche, die Tür aufzusperren, funktioniert aber nicht. Klar, der Schlüssel steckt innen. HimmelHerrGottJosefMariaBeiAllenGöttern! Das einzige Fenster, das offen ist, ist das Badezimmerfenster, über dem Graben, der zur Kellertür führt. Oli holt Leiter, die sehr gefährlich wackelt. (soll heißen: keiner traut sich höher als zwei Meter hinauf) Wir rufen Nachbarn an, niemand hebt ab. Was macht man da? Einen Schlosser rufen, irgendjemand…? Wir versuchen es bei den anderen Nachbarn, niemand da. Super! Dann, Geistesblitz: Der Hausschlüssel müsste doch ins Schloss von der Kellertür passen, oder? Ja, aber an der Tür steckt doch auch immer ein Schlüssel innen…… Aber nicht ganz drinnen, Gott sei Dank, Oli kann ins Haus. Ungeachtet der schlechten Vorzeichen, ziehen wir uns um, fahren wir zur Tankstelle. Blödes, großes Auto! Ich nehme eine Kurve zu knapp und streife einen flachen, kleinen Wasauchimmeresist. Blech eingedellt, Tankwarttyp kommt raus, sagt: “Du bist doch die Tochter von dem Zeitungsausträger?”, ruft den Chef an, sagt: “Gut, dass dein Papa immer da ist, kannst ihm danken, ich muss es nicht melden.” Ich hätte diesem blöden, überdimensional herablassenden hormongesteuerten Wesen am liebsten die bescheuerte, überdurchschnittlich hässliche Kappe vom Kopf gerissen, Benzin drüber geträufelt und verbrannt! Klar, werde ich meinem Vater danken, dass er mich mit zwei halb kaputten Autos alleine lässt und nach Paris fährt, aber logo, und wenn ich fertig bin mit bedanken, dann ist er nur noch sooo klein!!!

Oli und Pai allein zu Hause

Da meine Schwestern den Wunsch äußerten, einmal nach Paris zu fliegen, und meine Eltern das vermutlich auch schon lange tun wollten, da sie ziemlich bald zugestimmt haben, sind mein Bruder Oli und ich jetzt zufällig allein.
Das ist eigentlich okay: er hat das obere Stockwerk, ich das untere, unser Zusammenleben beschränkt sich auf ein: Essen? oder Hast du die Hasen gefüttert? und ist nicht wirklich aufregend.
Gestern am Abend, soll heißen: Donnerstag, 3.4.08, ca. halb elf am Abend, hätte ich unglaublich gerne meinen Vater zur Seite gehabt:
Ich fahre von der Schule nach Hause, ein oranges Licht zeigt mir an, dass der Tank leer ist…na gut. Ich fahre also zur Tankstelle, tanke, zahle (34,56 EUR), fahre weiter. Höre ein komisches Geräusch, bleibe stehen, das Geräusch verstummt, ich fahre um die Kurve: rotes Öllämpchen leuchtet auf. Wie war das noch mal? Dieses Teil sollte nicht leuchten!!!
Ich fahre wieder zur Tankstelle zurück, rotes Lämpchen erlischt wieder. Ich rufe bei Opa an, vielleicht kann er ja eine Ferndiagnose stellen, die besser ist, als ich glaube. Ich öffne die Motorhaube, suche nach dem Ölmessstab. Gibts das? Ich schau mir jeden Zentimeter dieses idiotischen, dreckigen Teiles an, bin aber blind. Okay. Ich geh zu dem Mann, der an der Zapfsäule vor mir gerade seinen BMW volltankt. Er sucht ewig lange herum (klar, BMW!), findet schließlich aber den verdammten Stab und stellt fest, dass überhaupt kein Ölstand mehr da ist- perfekt! Wir gehen in den hinein und fragen den Kassierer nach Öl. Der sagt, dass eh auf dem Pickerl auf dem Wasserbehälter steht, was für ein Öl ich brauche (10W40, steht da drauf, gut zu wissen, auf was sich das bezieht, hm?), dann kommt ein Mechanikertyp dazu, der füllt das Öl eigenhändig nach. Schüttelt den Kopf und sagt: “Dos is oba eh schon durchbronnt.” Ich bin nicht in Panik geraten, er fragt mich Dinge, die ich nicht weiß: Wie lange ich schon mit dem Ölstand fahre, wie lange wir das Auto schon haben, wann wir das letzte Mal beim Service waren. Mein Vater kümmert sich immer um die Autos, blöderweise hatte er gerade eine Operation und darf den rechten Arm nicht bewegen. Tanken kann ich. Alles andere nicht. Ein Arbeitskollege hat mich vorige Woche freundlich drauf aufmerksam gemacht, dass mein rechter, hinterer Reifen fast keine Luft mehr hat.  Gut, dass ich das jetzt auch kann. Aber auf die Idee, dass man den Ölstand manchmal kontrollieren sollte, bin ich noch nie gekommen. Auch Wasser hat gefehlt. Das hat der nette, herablassende Herr an der Tankstelle nachgefüllt: 2 Liter Öl (21,45 EUR), 3 Liter Wasser(0,-EUR!).

Fazit: ich konnte noch bis nach Hause fahren, sollte aber sonst nur noch zur Werkstatt, denn das Auto verliert so oder so Öl, zu viel Öl, als es sollte. Ich bin heute mit unserem tollen, 12 Jahre alten, verbeulten Toyota-Kleinbus zur Arbeit gefahren. Das war echt super! Ratet mal, was bei der Heimfahrt zu leuchten begonnen hat. Die Ölstandkontrollleuchte.