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Savannah. Buchstabenfrei

Tante Miriams Kater Mowgli hatte genug. Kleine, verschwitzte Mädchenhände, die viel zu grob über sein frisch geputztes Fell strichen! Er floh aus dem Haus und erschreckte die Hühner. Sie flatterten panisch auf und machten hässliche Geräusche. Kater Mowgli war das heute egal. Er huschte über die gestapelten Strohballen auf den Dachboden über dem Kuhstall. Dorthin, so hoffte er, würde ihm der Wirbelsturm von einem Menschenkind doch nicht folgen. Aber da kam die Stimme schon näher: „Mowgli!“ Nervös tappte Mowgli auf und ab. Würde sie ihn hier finden können? Er duckte sich hinter eine Kiste. Schon hörte er vorsichtige Schritte die grob gezimmerten Stufen hinauf tappen. Doch dann verstummten die Schritte im Halbstock. Mowgli ließ sich in den Schatten gleiten und entspannte sich.

Savannah hatte zehn Minuten gebraucht, um auf Mowglis Spur zu kommen. Jetzt war sie sich sicher, dass sie ihn gleich wieder finden würde. Der fette, miesepetrige Kater verkroch sich immer in den gleichen Verstecken; man musste sie nur der Reihe nach abgehen. Savannah kletterte vorsichtig de Stufen hinauf; ihr Vater hatte ihr eigentlich verboten, allein auf den Dachboden zu klettern.

Obwohl der Karton schon ihr Leben lang an der Stelle gestanden hatte, bemerkte Savannah ihn erst jetzt. Eine seltsame Ruhe überkam sie und sie vergaß den langweiligen Kater. Während sie sich damit abmühte, das Klebeband abzureißen, schnitt sie sich in den Finger. Normalerweise hätte sie daraus ein Gebrüll gemacht, das alle Erwachsenen in der Näheren Umgebung anlockte. Heute nicht. Heute fluchte Savannah kurz und machte weiter. Endlich konnte sie die beiden Hälften des Deckels auseinanderbiegen. Drinnen lagen alte Bücher. Kinderbücher. Savannah konnte noch nicht lesen, aber sie hatte schon tausendmal Schriftzeichen gesehen. Auf Büchern, Verbotsschildern, Kleidung, wenn ihr jemand ein Buch vorlas. Es war nichts Neues. Und doch war es etwas ganz anderes als jedes Mal zuvor. Mit dem Finger malte sie die einzelnen Buchstaben nach. Ein Lächeln stahl sich auf ihren Mund. Minuten vergingen, bevor Savannah das Kinderbuch wieder weglegen konnte. Sie hatte ihr Erbe gefunden, ihr Schicksal. Natürlich wusste sie das noch nicht, aber seit dem Moment, klangen Wörter für sie anders. Automatisch wurden die Wörter in verschiedene Boxen unterteilt. Wörter, die gut waren, etwas Schönes bedeuteten oder einfach nur schön klangen. Und Wörter, die sich seltsam auf der Zunge und in den Ohren anfühlten. Wörter, die böses bedeuteten und Schrecken verbreiteten.

Als Savannah lange genug dagesessen und auf die Buchstaben, ihr zukünftiges Werkzeug, gestarrt hatte, klappte sie den Deckel wieder zu und vergaß die Kiste.

Während Savannah erschöpft die Treppen hinunter stieg, um zu sehen, ob es in der Küche etwas zu essen gab, hielt vor dem Haupthaus ein Polizeiwagen.

Nein, Savannahs erste Erinnerung war nicht, wie ihr ihre Mutter abends Geschichten erzählte oder dass sie sehr lange still sitzen musste, wenn ihr Vater sie malte. Es war auch nicht die Entdeckung der Kiste.

Es war lautes Weinen, Telefonklingeln und zittrige Hände, die ihr den Kopf tätschelten. Und Polizisten, die auf der Suche nach ihrem Vater, das ganze Haus auf den Kopf stellten. Und Tante Paula, die nach Dublin zog und von jetzt an mit Savannah zusammenwohnte.

aus: Selbstmordtheorie einer kindischen Verrückten

Ratlos.

Wäre ich dein Spiegelbild?

Oder wär ich noch allein?

Warst du ganz wild?

Oder eher still und klein?

Wer warst du? Wer bist du?

Was soll ich jetzt mit dir machen?

Woher komme ich? Wohin gehst du?

Wirst du über mich wachen?

Ich war immer ohne dich

Jetzt hast du einen Namen

Kanntest du mich

Als die Dämonen kamen?

„Überbrücken“ ist da!

Nach zwei endlosen Tagen, hat es das Paket auch endlich zu mir nach Hause geschafft! Ich freue mich ja, dass es bei allen andern so gut geklappt hat, aber es ist schon nervig, zu hören wie schön und toll das Buch ist, wenn man es selbst noch nicht gesehen hat!

Aber jetzt habe ich es ja, bin glücklich und zufrieden und kann losziehen und echte Werbung machen.

Die Rezensionsexemplare gehen heute noch raus, dann habt ihr sie spätestens nächste Woche.

Ich wünsche euch allen einen schönen Tag!

neue Welt.

Gott, wieso liebst du?

Wir können es echter als du.

Gift, wieso tötest du?

Wir können es schneller als du.

Luft, warum hasst du?

Wir können es brutaler als du.

Sonne, warum strahlst du?

Wir können es besser als du.

Welt, wieso bestrafst du?

Wir können das ganz allein.

zukunft.

Im Wasser sieht sie die Zukunft der Welt

Sie trägt sie in den Händen

Sieht, wie sie auf den Kopf gestellt

Und will sie einschließen zwischen Wänden

Sie sieht die Tode, sieht das Leid

Und denkt an die Menschen, gierig,

die sich dem Tod geweiht,

göttlichen Aufgaben , viel zu schwierig,

stellen müssen. Sie sind nicht bereit

für Entscheidungen: Wer soll sterben?

Die Mächtigen führen sie direkt in die Dunkelheit

Nicht vergessen: in diesem Werben

Geht es niemals um den Glauben oder Gott

Es geht um Geld und Macht

Und der Weg zum Schafott

Führt, durch Hass entfacht,

genau vorbei an Vertrauen.

 

Sie sieht die Botschaft, sieht den Sinn:

Wenn die Menschen sich ergeben,

hat die Welt die Chance auf Leben.

 

Nichtstun, Versuch 1 oder Das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken

Nichts tun oder das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken…

Nichts ist schwerer als Nichtstun. Aber gut, ich versuche es jetzt.

Nichts ist schwerer als nichts zu tun. Für manche Leute jedenfalls. Einige Leute scheinen es ja gerne zu ihrem Hauptberuf zu machen, aber für die Normalsterblichen, konsumliebend erzogenen Durchschnittsmenschen ist es eine mehr oder minder große Herausforderung. Für mich zum Beispiel.

Ich tue neben den nicht so leicht abschaltbaren Nebentätigkeiten wie Atmen, Denken, Essen, Schlafen immer noch irgendetwas.

Vielen Leuten, auch in meinem (entfernten) Umfeld, wäre die Tätigkeit des Denkens schon zu viel. Aber das Denken meiner Gedanken ist eher ein- oft sehr lästiges- Nebengeräusch. Denken passiert bei mir oft so nebenher, dass ich öfters darüber nachdenken muss, was ich gerade gedacht habe. Wie auch immer, lassen wir das.

Wichtig ist doch dann immer nur, was man dann mit den herausgefilterten, halbwegs sinnvollen Gedanken anfangen soll. Bei mir entpuppen sich die so vor sich hin rieselnden Dialoge dann meistens als neue Geschichten. Was von Außenstehen oft als Telefongespräch (kein Sichtkontakt- ich rede gern laut) oder als Schizophrenie (Sichtkontakt- ich fuchtle gern mit den Händen) missverstanden wird. Diese Gedanken kann man aufschreiben- dann sind sie wenigstens aus meinem Kopf raus, was eine irrsinnig erleichternde Wirkung auf meine übrigen Gedanken, so wie meine äußerliche Erscheinung auf Mitmenschen hat.

Ich bin sehr – und ich meine wirklich extrem – froh, dass niemand meine Gedanken lesen kann. Das wäre schrecklich für mich (weil ich erklären müsste) und schrecklich für denjenigen, der Gedanken lesen kann (denn sein Kopf könnte das ohne spezielles Training nicht aushalten). Es wäre in der Tat ungefähr so:

Soll ich die restlichen Nudeln noch essen?

Was soll ich jetzt schreiben?

Und ein Schiff mit acht Segeln und 50 Kanonen

Warum greift James nicht einfach an, während Bellas Gespräch mit Charlie und wo zum Teufel hat die Regisseurin Edward zu dem Zeitpunkt hingepackt?

Mit Basilikum hätte es sicher besser geschmeckt.

Wie viele Kilometer sind eigentlich 3000 Meilen?

Was soll ich jetzt schreiben?

Warum haben Panther gelbe Augen, da sieht man sie doch gleich?

Wenn der liebe Gott den Menschen erschaffen hat, dann ganz bestimmt nicht, um über die Welt zu herrschen- da hätte er die Welt ja umsonst erschaffen.

Hab ich das Gas beim Herd vorhin abgedreht?

Hörst du, wie das Volk erklingt? Von uns’rer Wut erzählt der Wind Das ist die Symphonie von Menschen, die nicht länger Sklaven sind Jedes Herz schlägt, wie es kann, unsere Herzen trommeln laut Alles fängt ganz von neuem an, wenn der Morgen graut

Wenn man fragt, wer wohl sterben muss. Und da werden Sie mich sagen hören: Alle! Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!

Warum hat Neo plötzlich wieder Haare, wenn er nicht in der Matrix ist?

Oh oh the power is out

Warum gehört in Palatschinkenteig Salz, auch wenn man ihn gar nicht als Frittatenteig verwenden will?

Was soll ich jetzt schreiben?

Sieben Kinder und ein Greis

Wie lange der Kugelschreiber wohl noch schreibt?

Ich wusste gar nicht, dass Bananen auch zum Schimmeln anfangen.

Cosas del amor, cosas de la vida

Wenn ich jetzt Kochen lerne, hab ich noch Zeit bis 1500 um Mechanik zu lernen- das geht sich aus.

Und außerdem: ich muss mal wieder meine Pflanze gießen, sonst geht sie ein.

Aber unlogischerweise denke ich das nicht so schön aufgegliedert, wie ich es euch jetzt präsentiere. Eigentlich ist das so: Nudeln, Essen, Schreiben, Singen, Computer, Matrix, Dreigroschenoper, Sims spielen, Zutatenmengen von Palatschinken endlich aufschreiben, „Priester und Punk“ weiterschreiben à wie zum Teufel soll es ausgehen?!?!?!?, Haifisch- Mackie Messer, Licht im Bad, Lied vorspulen, Twilight nochmal, Schreiben, Blackfire hören, Schreiben, Les Misérable-Lieder auswendig lernen, Bananen wegwerfen, neuen Kuli kaufen, morgen.

Und dann müsste ich dem stinknormalen Menschen, der zufällig Gedanken lesen kann, auch noch erklären:

Ich habe gerade Nudeln gegessen, wollte den ganzen Tag schon Schreiben, aber immer wenn ich zum Computer gegangen bin habe ich nur die Musik aufgedreht und mitgesungen. Gestern hab ich mit meiner Schwester die beiden ersten Teile von Matrix angeschaut- aber wir waren schon müde. Am Abend hab ich versucht Sims 3 zu spielen, aber der Computer hat sich aufgehängt. Als ich Palatschinken gemacht hab, musste ich extra meine Eltern anrufen, weil wir zu Hause immer mit 1 ½ l Milch Palatschinken machen, und das für zwei Leute natürlich zu viel ist und ich nicht wusste wie viel Mich ich am Gscheidesten nehmen soll. Ja, ich weiß, dass das eigentlich kein Wort ist. „Priester und Punk“ ist eine Geschichte, die ich vor einiger Zeit begonnen habe und vorgestern waren zwei Frauen bei mir die mich gefragt haben, welche Religion gut ist. Das ist mal ein total neuer Denkanstoß- ha. Das Lied Cosas del amor mag ich nicht hören, also musste ich es vorspulen. Les Misérable-Lieder sind wunderschön, aber bei manchen kann ich noch immer nicht mitsingen. Die Dreigroschenoper hab ich im Mai zum letzten Mal in Klagenfurt gesehen. War schön, aber man kriegt einfach keine gute Version auf CD. Da hilft nur eins: Selber singen. Und zum ersten Mal habe ich die Bananen nicht rechtzeitig aufgegessen, also sind sie verschimmelt. Ich wusste gar nicht, das Bananen das auch können. Außerdem könnte ich mir Twilight noch mal anschauen, aber heute ist Hidalgo im Fernsehen.

Himmel, das ist doch nicht so schwer!!

Gedanken sind als das Schönste, was der Mensch ganz für sich hat. Und das Schrecklichste.

Und wegen meiner Gedanken fällt mir Nichtstun eben schwer. Dann muss ich den Fernseher aufdrehen und schauen, wer mich ablenken kann. Aber: Wer kann bei so einem Salat im Kopf schon ruhig sitzen? Wohin damit, wenn nicht raus?

Verdammt, jetzt hab ich schon wieder nicht nichts getan.