Lesen im Studium – Warum es nicht funktioniert

Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne. (Jean Paul)Ich bin ein Mensch, der immer schon gerne gelesen hat. Meine Eltern haben mir zu allen möglichen (Tages)Zeiten vorgelesen, ganz besonders erinnere ich mich an die Zeit, in der wir alle in einem Zimmer auf Matratzen geschlafen haben und Papa uns vor dem Schlafengehen alle möglichen Bücher vorgelesen hat. Es waren nicht nur Kinderbücher, auch zum Beispiel ein Buch, das er in seinem alten Zimmer gefunden hatte: Flipper. Oder die Bücher, die ich selbst mit meinen acht Jahren innerhalb weniger Stunden las: Knickerbockerbande, Sieben Pfoten für Penny, Hanni und Nanni, Pferdebücher – damals gab es noch keinen Harry Potter, wir mussten noch improvisieren! Bilderbücher waren natürlich auch dabei.

Im Laufe der Jahre wurde mir immer weniger vorgelesen und ich musste immer mehr selber lesen – was der Liebe zum Wort keinen Abbruch tat. Mit Harry Potter kamen dann auch die englischen Bücher dazu – eine ganz neue, unendliche Reihe von Geschichten tat sich auf.

Und wenn man Vielleser ist, dann gibt es nichts Naheliegenderes als geisteswissenschaftliche Fächer zu studieren. Da muss man die ganze Zeit nur lesen. Und da war es dann mit der Liebe vorbei. Es gibt nichts Langweiligeres als seitenlange, wissenschaftliche Artikel über ein Thema zu lesen, dass man genausogut in drei Absätzen abhandeln hätte können. vor allem: Bei dem ganzen Blödsinn bleibt keine Zeit mehr, etwas anderes zu lesen! Wem ist das eingefallen (runter mit seinem Kopf!)? Ein Verbrechen!

Wenn man Deutsch studiert (an der Uni heißt das ja eigentlich Germanistik, was natürlich viel besser klingt), liest man natürlich nicht nur über Literatur, man liest auch die klassische Literatur, den Kanon, alles, was irgendwem mal lobenswert erschien.

Zitat-Zwang-Epikur

Dabei muss man schlechte Sachen lesen (wie zum Beispiel Goethes Wahlverwandtschaften) und gute Sachen (wie zum Beispiel Nestroy, Arno Geiger und alles dazwischen). Und trotzdem:

Selbst wenn ich mir nach drei Seiten denke: „Wow, das ist ja cool!“, schaffe ich es nicht, meine Konzentration und Begeisterung lange zu behalten. Und das liegt am Zwang. Jahrelang durfte ich mir frei aussuchen, was ich lese. Sogar am Gymnasium mussten wir nur ein Buch aus einer Liste auswählen, über das wir dann die Semesterarbeit schrieben. Aber jetzt im Studium muss ich die ganze Liste lesen. Und selbst wenn ich mich für einige der Bücher begeistern könnte – ich lese grundsätzlich nicht mit einem Ablaufdatum! Dieses Datum ist natürlich der Prüfungstermin, der unweigerlich näher rückt und bis dahin muss man alle Bücher gelesen haben. Und natürlich schafft man das auch, aber nur mit Disziplin und nicht, weil man will.

Lesen ist immer ein Wollen und niemals ein Sollen.

Warum kapiert das keiner?

Helene Kottannerin

Schon mal was von Helene Kottannerin gehört? Ich auch nicht. Jetzt studiere ich schon so lange Geschichte, beschäftige mich über zehn Jahre mit den Habsburgern und trotzdem tauchen immer wieder Geschichten auf, von denen ich noch nie etwas gehört habe. So auch der Raub der Stephanskrone durch Helene Kottanner.

„Die Denkwürdigkeiten der Helene Kottannerin (1439-1440)“

Die Handschrift „Die Denkwürdigkeiten der Helene Kottannerin“ sind die ältesten deutsch-sprachigen Frauenmemoiren. Der Inhalt beschäftigt sich mit Geschehnissen aus dem Jahr 1439/40, man nimmt an, dass die Handschrift etwa 1450 entstand. Mit der Geschichte des Diebstahls der Stephanskrone beschäftigten sich die unmittelbaren Zeitgenossen (die Humanisten Aeneas Sylvius Piccolomini (1405 – 1464), Johann Dlugosz (1415 – 1480) und der Kaufmann Eberhard Windecke), sowie die Nachwelt. Die „Denkwürdigkeiten“ sind jedoch der einzige Augenzeugenbericht. Wie bei allen Quellen muss man vorsichtig sein, denn die Handschrift gibt die Perspektive der Helene Kottannerin in Ich-Form wieder.

Die Handschrift und die Überlieferung

Die Handschrift ist in der Nationalbibliothek in Wien. Sie besteht aus 16 auf beiden Seiten beschriebenen Blättern. Blatt 1 ist stark beschädigt. Der Bericht bricht mitten im Satz ab, das heißt, die Handschrift ist ein Fragment. 1834 wurde die Handschrift kopiert und so wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Erst 1846 wurde von einem unbekannten Herausgeber (vielleicht der Wiener Universitätsprofessor Stefan L. Endlicher) der Text der Handschrift publiziert. Dazu gab es Anmerkungen, andere Quellen, eine chronologische Übersicht der Geschehnisse, ein Namensregister und ein Glossar, aber keine textkritischen Bemerkungen.

Der Text wurde nicht buchstabengetreu, sondern modernisiert herausgegeben. Die ersten beiden schadhaften Seiten wurden nicht ergänzt. Im allgemeinen Interesse stand der Kronenraub und die Auswirkungen. Die historischen, volkskundlichen und sprachgeschichtlichen Angaben, die heute als so wertvoll angesehen werden, wurden vernachlässigt. Der Quellenwert der „Denkwürdigkeiten“ wurde von mehreren Historikern bestätigt. Es gibt eine Urkunde vom 17. März 1452, in der Johann Kottanner und seiner Frau Helene für ihre Dienste für König Ladislaus V. ein zur Pressburger Burg gehörender Besitz (Kisfalud) geschenkt wird. Diese Schenkung wurde erst 1470 von König Matthias von Ungarn bestätigt. Als Gustav Freytag die „Denkwürdigkeiten“ in seiner „Frau am Fürstenhofe“ 1866 verarbeitete, wurde das Werk weiteren Kreisen bekannt. Emmerich Henszelmann versuchte anhand der „Denkwürdigkeiten“ eine Identifizierung der einzelnen Räume der Plintenburger Ruinen.
Der Archivar und Historiker Karl Uhlirz stellte fest, dass die „Denkwürdigkeiten“ zwischen dem Tod der Königin Elisabeth (also nach dem 19. Dezember 1442) und vor dem Tod von König Ladislaus V. (also vor dem 23. November 1457) verfasst wurden. Uhlirz machte die ersten textkritischen Bemerkungen. Zum Beispiel stellte er fest, dass die erste Hand die Namen Helenes und ihrer Mithelfer leer ließ – aber dass der Name ihres Mannes schon hingeschrieben wurde, übersah er.
Karl Mollay weist immer wieder daraufhin, dass Helene Kottannerin ihre Rolle betont, etwas, das im Mittelalter ganz unüblich war. Deshalb geht er davon aus, dass die ganze Geschichte nur erzählt wurde, um Ladislaus zu zeigen, wie wichtig Helene selbst für die Aktion war. Die Belohnung erfolgte 1452, also nimmt man die Zeit um 1450 als Entstehungszeit der Handschrift an.
Außerdem bezweifelt Karl Mollay, dass die erhaltene Handschrift das Original ist. Er weist auf die vielen Fehler hin, besonders auf die ausgelassenen Wörter und die Fälle, „wo die erste Hand ein Wort beginnt, dann jedoch bemerkt, daß vorher ein Wort, zwei Wörter oder gar ein ganzer Satz ausgeblieben sind, und diesen Fehler verbessert.“ Er meint, dass solche Fehler nicht entstehen, wenn jemandem diktiert wird, sondern wenn ein Schreiber eine Abschrift anfertigt. Natürlich kann man nicht wissen, ob die Originalhandschrift oder auch diese Abschrift von Helene Kottannerin selbst geschrieben wurde; Mollay geht davon aus, dass eine Frau im 15. Jahrhundert einfach nicht dazu in der Lage war.

Inhalt der Handschrift

Da der Inhalt der Handschrift zu umfangreich für diese Arbeit ist, beschränke ich mich auf den Kronraub und die Rolle, die sich Helene Kottannerin darin zuschreibt.

Helene Kottannerin trifft mit der Königstochter Elisabeth zwischen Ostern und Pfingsten 1439 von Wien kommend in Pressburg ein.
Albrecht lässt wegen des Aufstandes der Ofner Ungarn die Krone und die Krönungsinsignien in Sicherheit bringen. Wegen der drohenden Kriegsgefahr reist er zwischen verschiedenen Lagern Südungarns herum. Er ließ die zwei Kronen und die Krönungsinsignien auf die Plin-tenburg, den traditionellen Aufbewahrungsort, überführen. Die Plintenburg gehört der Köni-gin. Helene Kottannerin ist dabei, als die Krone im zweiten gewölbten Raum (Schatzkammer) im Erdgeschoß des sogenannten fünfeckigen Turmes der Plintenbrug, im Beisein der Landes-herren dem neuen Kronhüter, Graf Georg (III.) von St. Georgen und Bösing, zur Aufbewahrung übergeben wird.
Der König erkrankt an der Ruhr, wird nach Plintenburg gebracht, dann weiter nach Wien, wobei er bereits in Langendorf stirbt. Mit Albrechts Tod rückt die Königskrone in den Brennpunkt der Ereignisse und damit in den Mittelpunkt der Erzählung, sodass wir nichts über die Bestattung des Königs hören.

Die Krone gilt bis heute als die wichtigste Reliquie Ungarns.
Das Volk glaubte daran, dass diese Krone nur dem rechtmäßigen Herrscher zustand, denn sie symbolisiert Kontinuität. Die Herrschaft des Königs musste immer neu realisiert werden, da die Krone für den bodypolitic steht, also als Zweitkörper des derzeitigen Königs (body natural) dient. Body politic und body natural müssen bei jeder Krönung, bei jedem neuen König neu zusammengefügt werden.
Elisabeth will die Krone als Versicherung. Wenn ihr Sohn der neue König ist, muss sie nicht den jungen polnischen Herrscher heiraten, sie kann ihre Herrschaft fortsetzen.

Die Königin bestellte die Grafen Nikolaus (II.) und Georg (II.) von St. Georgen und Bösing zu sich und überzeugte sich persönlich, ob die zwei Kronen auf der Plintenburg geblieben waren. Die Kottannerin war Augenzeugin, als die zwei Kronen aus der Schatzkammer in das Gemach der Königin getragen wurden, als nachts in diesem Gemach ein Feuer entstand, als am nächsten Tag die Kronen wieder in die Schatzkammer getragen, der Kronhüter Graf Georg seines Amtes enthoben und der Vetter der Königin, Ladislaus von Gara, zum neuen Kronhüter eingesetzt wurden.

Die wichtige Rolle der Helene Kottannerin

Auffallend ist, wie die Kottannerin ihre eigene Rolle hervorhebt, was sonst in dieser Zeit unüblich ist. Königin Elisabeth bespricht sich mit ihrem engsten Berater, Grafen Ulrich von Cilli. Dann bittet sie Helene Kottannerin die Krone aus der Plintenburg zu ihr zu schaffen. Helene Kottannerin fühlt sich mit dieser Bitte überfordert. Sie kann sich niemandem anvert-rauen, fragt Gott um Rat. Und schließlich meint sie, dass sie die größere „Schuld vor Gott und der Welt“ hat und diese Aufgabe unbedingt übernehmen muss. Dieser Diebstahl ist für sie ein Kampf für die gerechte Sache, eine Auseinandersetzung zwischen dem Guten und dem Bösen. Gott wird nicht um Hilfe angerufen, er wird zum Hauptakteur gemacht – also er macht sein wunderwerch und es ist sein Wille.
Tatsächlich ist es ein gut vorbereiteter Einbruch. Der ungarische Adelige, der bereit ist zu helfen, hat zwei Feilen und neue Schlösser in seinen Stiefeln versteckt. Helene trägt das Siegel der Königin bei sich, damit der aufgebrochene Raum wieder verschlossen werden kann. In der Nacht des 20. Februar 1440 geht dieser Einbruch über die Bühne.
Während die Männer feilen, liegt die Kottannerin auf den Knien und betet – sie sorgt so dafür, dass alles gut geht. Als sie Geräusche hört, ist sie überzeugt davon, dass der Teufel kommt und reagiert mit mehr Beten und mit dem Gelübde, barfuss eine Wallfahrt zu machen. In der eigenen Darstellung ist sie daher genauso wichtig, wie die Leute, die die Tür aufbrachen.
Die Krone wird von der Plintenburg nach Kormon überführt. Knapp eine Stunde später wird dort dann der Thronfolger geboren.
Nach der Geburt von Ladislaus dreht sich alles um den Kleinen. Freudenfest, Taufe. Die Kot-tannerin näht in der Kormoner Burgkapelle die Krönungsgewänder für den kleinen Königs-sohn. Auf der Reise von Kormon in die Krönungsstadt Stuhlweißenburg spielen die zwei Frauen die wichtigste Rolle: die Königin verhandelt mit den mitziehenden Adelsherren, die Kottannerin reitet neben dem kleinen Thronerben oder trägt ihn zu Fuß. Am Krönungstag kleidet sie ihn zur Krönung an, sie trägt ihn in die Kirche, sie hält ihn während der Schwert-leite, der Salbung und der Krönung am Arm.
Dann folgt der Versuch, die Rechtmäßigkeit der Krönung des Ladislaus Postumus zu beweisen. Bei der Beschreibung des Krönungszuges behauptet sie, dass neben der Stephanskrone auch der Reichsapfel, Zepter und Legatsstab verwendet wurden, obwohl diese Krönungsinsignien auf der Plintenburg geblieben waren.
Das ist die einzige Stelle in den Denkwürdigkeiten, die sich als (nachweisbar) unwahr erwies.
Durch dieses Herausheben, dass Helene Kottannerin selbst so wichtig für das ganze Unter-nehmen war, geht man eben davon aus, dass alles zu dem Zweck niedergeschrieben wurde, dass die Kottannerin Ladislaus klar machen wollte, wie wichtig sie war und das sie eine Belohnung verdiente, die sie dann ja auch bekam.

Wichtige Anhaltspunkte für die Forschung

Man kann herauslesen, dass Helene Kottannerin eine tatkräftige, schlagfertige, praktische Frau ist, mit einer feinen Beobachtungsgabe und gute Menschenkenntnis. Sie sprach kein Ungarisch, verstand es aber, und konnte sich in den ungarischen Hofintrigen zurechtfinden. Der literarische Wert der „Denkwürdigkeiten“ wird stets betont, auch über Volksglauben und Volksmedizin und natürlich die Sprache kann man viel erfahren. Außerdem werden dank Helene die agierenden Personen unter einem sehr seltenen Blickwinkel dargestellt. Zu dem öffentlichen und „privaten“ Auftreten der Adeligen und deren Beziehungen zu ihrem Umfeld wurden schon mehrere Aufsätze verfasst.

Literatur

Mollay, Karl (Hrsg.): Die Denkwürdigkeiten der Helene Kottannerin (1439 – 1440). Wien 1971.
Wenzel, Horst: Zwei Frauen rauben eine Krone. Die denkwürdigen Erfahrungen der Helene Kottannerin (1439-1440) am Hof der Königin Elisabeth von Ungarn (1409-1442). In: Schulte, Regina (Hrsg.): Der Körper der Königin. Geschlecht und Herrschaft in der höfischen Welt seit 1500. Frankfurt am Main 2002.

Dieser Aufsatz wurde von mir im Sommersemester 2015 für einen Kurs an der Universität Graz verfasst. Details, Recherche, Abbildungen und Vollversion können bei mir auf Anfrage eingesehen werden. Wie immer: Falls euch Fehler auffallen, bitte bei mir melden! – Patricia Radda

Vier verrückte Hühner

Gerade um die Zeit, in der ich beschloss, immer mehr vegan zu werden, beschloss meine Mutter, dass es an der Zeit wäre, ein paar Hühner ins Haus zu holen. Also, natürlich nicht ins Haus, sondern in unseren überdimensionalen, ungenützten Gestrüppdschungelgarten. Da ich mich nur wegen der Scheißmassentierhaltung von Tierprodukten fernhalte, fand ich das eigentlich gut. Man kann jetzt natürlich darüber streiten. Wenn meine Familie nicht auf Eier verzichten kann, dann ist es doch schön, dass sie nicht Tierleid kauft, sondern bei unbefruchteten, glücklichen Hühner klaut, findet ihr nicht auch?

Also waren alle Beteiligten zufrieden.

Meine Schwester machte einen Hühnerhaltungskurs und mein Vater baute einen Hühnerstall (okay, möglicherweise war er doch nicht zufrieden, er hat ziemlich viel geflucht). Fehlten nur noch die Hühner. Die Mitarbeiterinnen meiner Mutter schenkten ihr Gutscheine für Hühner- mit der Bedingung, dass sie die Namensgeberinnen sein durften (okay, das war vermutlich auch nur ein Scherz, aber die drei sind so lieb, da tut man ihnen jeden Gefallen).

Papa mit Karton voll Hendln

Also fuhren meine Eltern zu einem großen Massentierhaltungskäfig in der Nähe und kamen mit vier Hühnern in einem Karton zurück.

Den ganzen Abend wurde dann noch an den Namen gefeilt. Jetzt stehen sie fest. Drei Namen wussten wir natürlich schon vorher: Kerstin, Manu und Sonja. Aber Hühner sind klein und brauchen deshalb große Namen, ist ja klar.

Wir haben also

Sonja van Beethoven

Kerstin Nöstlinger und

Manu da Vinci

daraus gemacht. Wir waren uns nicht sicher wegen der vierten Henne. Wir waren sehr gegen einen Politikernamen, denn Hühner sind ja an sich liebe Tiere und keine Arschlöcher. Deshalb haben wir uns für Friedensnobelpreisträgerinnen entschieden. Die vierte Henne (im wahren Leben übrigens ein ziemlicher Feigling) trägt den hoffnungsvollen Namen Malala von Suttner.

Sonja und Kerstin legen übrigens bereits Eier (die anderen sind noch zu jung) und trotz des ganzen Stress und der Umsiedlerei hatten wir bereits am ersten Tag zwei Eier.

Sonja, Kerstin und Manú in der Sonne.

Es hat ewig gedauert, bis sie wagten, aus dem Stall in den Auslauf hinaus zu stolzieren. Sie dann aber zum ersten Mal auf Gras und Erde und Unkraut herumstaksen zu sehen, war das Warten dann auf jeden Fall wert.

Den Dingen einen Namen geben

2015-07-11 17.19.46Dinge, die ein Gesicht haben, brauchen Namen. Davon sind meine Schwester und ich überzeugt. Es macht zwar nicht besonders viel Sinn, leblose Dinge zu benennen, aber wenigstens macht es Spaß!

Beliebte Opfer dieses Spiels sind Schlüsselanhänger (ihrer heißt zum Beispiel Hagen von Tronje), Handytaschen, die wie Monster aussehen (meine heißt Rzzlfruzz), oder auch Teilzeitmitbewohner, wie das Trockengerät, das volle Arbeit geleistet hat, um mein Zimmer auf 40°C zu heizen (mehr Details zu Kunibert!) und die Wand zu trocknen.

Wir bemühen uns sehr, den Dingen und ihrem Charakter gerecht zu werden. Die Dame, hier rechts im Bild, wurde von meiner Schwester im ersten Jahr HTL angefertigt. Sie wurde mit dem Namen Hildegard bedacht und hat sich darüber noch nie beschwert.

Letzten Februar bekamen wir wieder dauerhaften Zuwachs: Meine Schwester machte ein Praktikum in Wien und befasste sich nicht nur mit dem Befüllen von Säcken für ein Theaterstück – nein, sie durfte auch den Totenkopf einer jungen Frau duplizieren. Oh, wie waren wir entzückt als die Dame beschloss, uns von unserer Garderobe aus auf ewig zu bewachen. Da ich zu der Zeit gerade eine Proseminararbeit übver Karl den Großen schrieb, schien der Name Himiltrud genau zu passen.

Himiltrud
Himiltrud

Da hockt sie nun und wacht mit stets offenen Augen über uns.

Jetzt, wo ich das Foto betrachte, fällt mir auf, das die Maus, die danebenhockt, völlig namenlos ist. Hat jemand Vorschläge??