Nichtstun, Versuch 1 oder Das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken

Nichts tun oder das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken…

Nichts ist schwerer als Nichtstun. Aber gut, ich versuche es jetzt.

Nichts ist schwerer als nichts zu tun. Für manche Leute jedenfalls. Einige Leute scheinen es ja gerne zu ihrem Hauptberuf zu machen, aber für die Normalsterblichen, konsumliebend erzogenen Durchschnittsmenschen ist es eine mehr oder minder große Herausforderung. Für mich zum Beispiel.

Ich tue neben den nicht so leicht abschaltbaren Nebentätigkeiten wie Atmen, Denken, Essen, Schlafen immer noch irgendetwas.

Vielen Leuten, auch in meinem (entfernten) Umfeld, wäre die Tätigkeit des Denkens schon zu viel. Aber das Denken meiner Gedanken ist eher ein- oft sehr lästiges- Nebengeräusch. Denken passiert bei mir oft so nebenher, dass ich öfters darüber nachdenken muss, was ich gerade gedacht habe. Wie auch immer, lassen wir das.

Wichtig ist doch dann immer nur, was man dann mit den herausgefilterten, halbwegs sinnvollen Gedanken anfangen soll. Bei mir entpuppen sich die so vor sich hin rieselnden Dialoge dann meistens als neue Geschichten. Was von Außenstehen oft als Telefongespräch (kein Sichtkontakt- ich rede gern laut) oder als Schizophrenie (Sichtkontakt- ich fuchtle gern mit den Händen) missverstanden wird. Diese Gedanken kann man aufschreiben- dann sind sie wenigstens aus meinem Kopf raus, was eine irrsinnig erleichternde Wirkung auf meine übrigen Gedanken, so wie meine äußerliche Erscheinung auf Mitmenschen hat.

Ich bin sehr – und ich meine wirklich extrem – froh, dass niemand meine Gedanken lesen kann. Das wäre schrecklich für mich (weil ich erklären müsste) und schrecklich für denjenigen, der Gedanken lesen kann (denn sein Kopf könnte das ohne spezielles Training nicht aushalten). Es wäre in der Tat ungefähr so:

Soll ich die restlichen Nudeln noch essen?

Was soll ich jetzt schreiben?

Und ein Schiff mit acht Segeln und 50 Kanonen

Warum greift James nicht einfach an, während Bellas Gespräch mit Charlie und wo zum Teufel hat die Regisseurin Edward zu dem Zeitpunkt hingepackt?

Mit Basilikum hätte es sicher besser geschmeckt.

Wie viele Kilometer sind eigentlich 3000 Meilen?

Was soll ich jetzt schreiben?

Warum haben Panther gelbe Augen, da sieht man sie doch gleich?

Wenn der liebe Gott den Menschen erschaffen hat, dann ganz bestimmt nicht, um über die Welt zu herrschen- da hätte er die Welt ja umsonst erschaffen.

Hab ich das Gas beim Herd vorhin abgedreht?

Hörst du, wie das Volk erklingt? Von uns’rer Wut erzählt der Wind Das ist die Symphonie von Menschen, die nicht länger Sklaven sind Jedes Herz schlägt, wie es kann, unsere Herzen trommeln laut Alles fängt ganz von neuem an, wenn der Morgen graut

Wenn man fragt, wer wohl sterben muss. Und da werden Sie mich sagen hören: Alle! Und wenn dann der Kopf fällt, sag ich: Hoppla!

Warum hat Neo plötzlich wieder Haare, wenn er nicht in der Matrix ist?

Oh oh the power is out

Warum gehört in Palatschinkenteig Salz, auch wenn man ihn gar nicht als Frittatenteig verwenden will?

Was soll ich jetzt schreiben?

Sieben Kinder und ein Greis

Wie lange der Kugelschreiber wohl noch schreibt?

Ich wusste gar nicht, dass Bananen auch zum Schimmeln anfangen.

Cosas del amor, cosas de la vida

Wenn ich jetzt Kochen lerne, hab ich noch Zeit bis 1500 um Mechanik zu lernen- das geht sich aus.

Und außerdem: ich muss mal wieder meine Pflanze gießen, sonst geht sie ein.

Aber unlogischerweise denke ich das nicht so schön aufgegliedert, wie ich es euch jetzt präsentiere. Eigentlich ist das so: Nudeln, Essen, Schreiben, Singen, Computer, Matrix, Dreigroschenoper, Sims spielen, Zutatenmengen von Palatschinken endlich aufschreiben, „Priester und Punk“ weiterschreiben à wie zum Teufel soll es ausgehen?!?!?!?, Haifisch- Mackie Messer, Licht im Bad, Lied vorspulen, Twilight nochmal, Schreiben, Blackfire hören, Schreiben, Les Misérable-Lieder auswendig lernen, Bananen wegwerfen, neuen Kuli kaufen, morgen.

Und dann müsste ich dem stinknormalen Menschen, der zufällig Gedanken lesen kann, auch noch erklären:

Ich habe gerade Nudeln gegessen, wollte den ganzen Tag schon Schreiben, aber immer wenn ich zum Computer gegangen bin habe ich nur die Musik aufgedreht und mitgesungen. Gestern hab ich mit meiner Schwester die beiden ersten Teile von Matrix angeschaut- aber wir waren schon müde. Am Abend hab ich versucht Sims 3 zu spielen, aber der Computer hat sich aufgehängt. Als ich Palatschinken gemacht hab, musste ich extra meine Eltern anrufen, weil wir zu Hause immer mit 1 ½ l Milch Palatschinken machen, und das für zwei Leute natürlich zu viel ist und ich nicht wusste wie viel Mich ich am Gscheidesten nehmen soll. Ja, ich weiß, dass das eigentlich kein Wort ist. „Priester und Punk“ ist eine Geschichte, die ich vor einiger Zeit begonnen habe und vorgestern waren zwei Frauen bei mir die mich gefragt haben, welche Religion gut ist. Das ist mal ein total neuer Denkanstoß- ha. Das Lied Cosas del amor mag ich nicht hören, also musste ich es vorspulen. Les Misérable-Lieder sind wunderschön, aber bei manchen kann ich noch immer nicht mitsingen. Die Dreigroschenoper hab ich im Mai zum letzten Mal in Klagenfurt gesehen. War schön, aber man kriegt einfach keine gute Version auf CD. Da hilft nur eins: Selber singen. Und zum ersten Mal habe ich die Bananen nicht rechtzeitig aufgegessen, also sind sie verschimmelt. Ich wusste gar nicht, das Bananen das auch können. Außerdem könnte ich mir Twilight noch mal anschauen, aber heute ist Hidalgo im Fernsehen.

Himmel, das ist doch nicht so schwer!!

Gedanken sind als das Schönste, was der Mensch ganz für sich hat. Und das Schrecklichste.

Und wegen meiner Gedanken fällt mir Nichtstun eben schwer. Dann muss ich den Fernseher aufdrehen und schauen, wer mich ablenken kann. Aber: Wer kann bei so einem Salat im Kopf schon ruhig sitzen? Wohin damit, wenn nicht raus?

Verdammt, jetzt hab ich schon wieder nicht nichts getan.

Klagenfurt ist eine Provinz, Schularbeit

Hallo,

eine Schularbeit, die wir letzte Woche schreiben mussten, lief eigentlich darauf hinaus: Ist Klagenfurt eine Provinz oder nicht? Für Gerd Jonke in seinem “Geometrischem Heimatroman” (veröffentl. 1969) ist Klagenfurt eine Provinz.

Bin ich in einer Provinz, wenn ich zwei Stunden, oder samstags auch mal drei, auf einen Bus warten muss? Vielleicht gilt das Wort “Provinz” ja auch erst, wenn ich in einer Hütte in den Bergen oder im Wald in einem Funkloch sitze- selbstverständlich ohne Strom oder fließendes Wasser. In der heutigen Zeit, mit allen verfügbaren Medien und Fortbewegungsmöglichkeiten ausgestattet zu sein, ist ganz einfach normal. Wir haben uns daran gewöhnt, dass jede Viertelstunde ein Zug an unserer Nase vorbeifährt und alle drei Minuten die U-Bahn. Am Beispiel Klagenfurt wird laut Politikern deutlich, dass noch mehr öffentliche Verkehrsmittel nicht gebraucht werden: Jeder hat ein Auto zur Verfügung und deshalb sind die Busse leer. Das eigentliche Problem ist aber, dass es in einer kleinen Stadt wie Klagenfurt einfach verrückt ist, die Busse nur alle zwanzig Minuten fahren zu lassen; in dieser Wartezeit erreicht man den Zielort ja schon zu Fuß! Dazu kommt, dass es vor allem Schulkindern immer wieder passiert, dass der Busfahrer an ihrer Haltestelle einfach nicht stehen bleibt! Er sieht sie an (anscheinend doch durch sie durch) und fährt einfach weiter. Allerdings muss man auch sagen, dass zwar sonst alle Busse leer sind, aber zu Stoßzeiten wie zu Schulende mittags die Busse oft so sehr überfüllt sind, dass einige Kinder gar nicht mehr mitfahren können, einfach aus Platzmangel. Und das, obwohl die Schüler im Bus übereinander und aneinander picken. Warum schickt man nicht mehrere Busse, wenige Minuten hintereinander los? Naja, ich bin bei Wien aufgewachsen, wahrscheinlich bin ich einfach verwöhnt. Im Grunde stimmt es: Meine Freundin, sie wohnt etwa fünf Minuten vom Bahnhof in Liesing entfernt, beschwert sich schon, dass sie auf den Bus, der sie zu ihrem Vater bringt dreißig Minuten warten muss. Eine Zeit von der wir träumen! (Zu uns hinaus geht alle zwei Stunden ein Bus. Und dann muss man eine Viertelstunde zu Fuß gehen.) Diese Freundin ist aber auch immer diejenige, die mich ärgert, wenn ich ein Konzert verpasse. Das Internet liefert uns mittlerweile alle Informationen, die wir haben wollen. Wenn man die richtigen Seiten kennt, kann man alles erfahren. Allerdings ist es finanziell und zeitlich unmöglich, immer wieder nach Graz oder Wien zu fahren, nur um ein Konzert zu besuchen oder ins Theater zu gehen. Wie habe ich mich gefreut, als “Mein Nestroy” auch im Stadttheater Klagenfurt gespielt wurde! Das sind alles nur Kleinigkeiten, ein sehr großes Problem dagegen ist die Umwelt. Lärm und Dreck von den Menschen und Autos werden auch in Klagenfurt immer schlimmer. Als ruhiges Plätzchen zum Zurückziehen kann man es nicht mehr benutzen. Dafür wäre noch mehr Abgeschiedenheit nötig. Man kann natürlich hinausfahren: an den See, in die Berge. Schön. Zum Urlaubmachen. Und unpraktisch zu leben. In Wien ist es lauter und hektischer, so wie das Leben des durchschnittlichen Menschen heutzutage eben ist. Nach einem Tag in der inneren Stadt, brauchen viele Leute erst einmal Ruhe. Aber man kann diese Erholung ganz leicht bekommen. Keine halbe Stunde und man steht auf einer riesigen Wiese, in einem Feld oder mitten im Wald. Denn so sehr Stadt ist Wien auch nicht. Das ist die Balance, die uns Menschen im “Heute” eigentlich schon reicht. Oder reichen muss? Es wird immer weiter gebaut werden, immer mehr. Die Stadt wird sich verändern, die Provinz auch. Aber Klagenfurt ja vielleicht nicht. Klagenfurt ist ja oft altmodisch. Was Ausländer angeht sogar sehr. In Wien steigt man in eine Straßenbahn und hört zehn verschiedene Sprachen zugleich, was schön ist, finde ich. Jeder, der in Klagenfurt anders spricht oder anders aussieht als die Mehrheit wird angestarrt und begutachtet wie ein seltsames Insekt; diejenigen, die hierbleiben wollen, sogar wie ein giftiges. Das würde in Wien nicht mehr so oft passieren. Schon allein deshalb nicht, weil niemand so viel Zeit hat, hinter jedem zweiten Menschen her zu starren.

Sehr persönlich, nicht Klagenfurt- freundlich, sehr lang, ist mir klar. Die Message ist aber: Mehr Kultur nach Klagenfurt! Mehr Bewegungsfreiheit durch öffentliche Verkehrsmittel!

Vergleich: Bürokratie in „Buchbinder Wanninger“ und Kafkas „Prozess“

Ein Vergleich: „Der Prozess“ (Kafka) und „Buchbinder Wanninger“ (Valentin)
Überlegungen zu den Themen: Bürokratie, Freiheit und Systemzwang

Da der „Buchbinder Wanninger“ von Karl Valentin als Dialog leichter und witziger zu lesen ist, macht man sich zu Franz Kafkas „Der Prozess“ mehr Gedanken. „Der Prozess“ ist leider auch verwirrender, und so drehen sich die Gedanken bald im Kreis.

Josef K., der verhaftet wurde ohne sich schuldig zu fühlen, trifft in einem Dom einen Geistlichen, den „Gefängniskaplan“. Dieser erzählt ihm eine Geschichte, in der der Türhüter einen Mann nicht zum Gesetz lassen will. Zwar stellt der Türhüter am Ende klar, dass dieser Ein-gang nur für den Mann bestimmt war, aber da ist es für den Mann schon zu spät: Er stirbt. Josef K. stellt nach der Geschichte sofort fest, dass der Türhüter den Mann also getäuscht hat. Der Geistliche widerspricht und erzählt, warum eigentlich der Türhüter getäuscht wur-de. Das leuchtet K. dann auch ein, aber der Gefängniskaplan meint, man könne nach dieser Geschichte den Türhüter gar nicht schuldig sprechen, da der Mann ja freiwillig blieb. Sie überlegen etwas weiter, gehen die ganze Zeit im Dunklen, ohne dass K. weiß, wohin. Schließ-lich sagt er, dass er zurück zur Arbeit müsse. Der Geistliche meint, dann solle er gehen. K. befürchtet, dass er den Weg nicht fände, und fragt, warum der Geistliche ihn jetzt alleine lassen wolle. Der Geistliche spielt auf die Geschichte an und erwidert, dass das Gericht je-manden aufnähme, wenn er käme und entließe, wenn er gehe.
So verhalten sich der Türsteher aus der Geschichte und der Geistliche recht ähnlich. Ebenso der Mann aus der Geschichte und Josef K. Beide hätten die Freiheit zu gehen, vielleicht fehlt ihnen der Mut, es auch tatsächlich zu tun. Wenn man sich auf die Überlegungen des Geistli-chen einlässt, dass der Türsteher selbst auch Angst vor dem Gesetz hat, weil er seinen „Ar-beitgeber“ respektiert, stellt man sich vielleicht den Arbeitsvertrag des Türstehers vor. Der Türsteher war selbst noch nie im Inneren, er wurde nur draußen eingestellt, möglicherweise über einen Boten. Er selbst hält nicht einmal den Anblick der anderen Türsteher aus, bis ganz ins Innere ist er also noch nicht gekommen. Es scheint, dass auch festgelegt ist, was der Tür-steher zu dem Mann sagen darf, und was nicht. Sonst könnte der Türsteher doch einfach sagen: „Geh rein, ist ja eh nur für dich da, der Eingang.“ Vielleicht will er aber den Mann auch nur selbst draufkommen lassen. Oder er versucht, ihn dazu zu bringen, seine Angst zu überwinden, und von sich aus hineinzugehen. Beide, der Mann und Josef K., wählen sozusa-gen freiwillig die Abhängigkeit, was sich eigentlich als unklug erweist. Der Mann vertraut auf die Warnung des Türhüters und stirbt. Und wer weiß, wo der Geistliche Josef K. hinbringt. Sie entscheiden sich, Vertrauen zu ihrem Führer zu haben, wo sie sich halbwegs sicher fühlen.

Der Buchbinder Wanninger ruft bei der Firma Meisel & Co. an, um zu erfahren, wann er die zwölf Bücher, die er binden sollte, liefern darf und wie er es mit der Rechnung handhaben soll. Er wird von einer Stelle zur anderen weiterverbunden, muss immer von vorne erklären, was er will. Schließlich landet er endlich, wo er hinmusste, bei der Buchhaltung, wo er darauf aufmerksam gemacht wird, dass jetzt Büroschluss sei, und er morgen noch einmal anrufen möge. Verständlicherweise ärgert sich Wanninger darüber.
Man erwartet schon, dass die Leute die Bücher wirklich brauchen, also am nächsten Tag auf Wanningers Anruf warten werden. Doch durch die ganze Bürokratie bezweifelt man am Ende, dass Wanninger am nächsten Tag noch weiß, wo er sich jetzt wirklich hin verbinden lassen muss. Wanninger ist von der Firma und ihrem Telefonsystem abhängig, er will ja schließlich die Ware loswerden, und das Geld dafür kassieren. Natürlich hat Wanninger die Freiheit einfach den Hörer aufzulegen, aber das würde ihn nicht weiterbringen, im Gegenteil, er müsste von vorne anfangen. Wanninger wählt also auch die Abhängigkeit, allerdings nicht weil er Angst hat, sondern weil er weiß, dass es gar nicht anders geht, beziehungsweise nur komplizierter und ärgerlicher für alle Beteiligten.

Während also im „Prozess“ der Mann und Josef K. die Freiheit haben, einfach von sich aus wegzugehen, sich allerdings entschließen zu bleiben, hat der „Buchbinder Wanninger“ diese Freiheit nicht. Oder zumindest scheint es ihm klüger, nicht darauf zu bestehen, unabhängig zu sein, da ihm das vermutlich mehr Ärger einbringt. Während der Mann und Josef K. bis zum Schluss ziemlich zufrieden mit ihrer Abhängigkeit scheinen, ist Wanninger sehr unglück-lich mit seiner Entscheidung. Man wünscht sich direkt, dass alle in der Firma auch einmal im Telefonsystem irgendwo hängen bleiben. Es ist natürlich unwahrscheinlich, aber wer sagt denn, das sich Sekretariat, Direktion, Verwaltung und so weiter nicht den ganzen Tag gefragt haben, was denn aus den Büchern geworden ist?

Bemerkung von meinem Deutschlehrer: Hätte Wanninger nicht einfach die Rechnung beilegen können, ohne groß zu fragen? 

Ja, natürlich hätte er, aber ich gehe jetzt einfach nicht mehr darauf ein!

Marie von Ebner-Eschenbachs Menschenbild

Marie von Ebner- Eschenbachs Menschbild

In „Das Gemeindekind“ wird deutlich, dass Marie von Ebner- Eschenbach an den einzelnen Menschen glaubt. Mit einigen „guten“ Menschen um einen „schlechten“ Menschen herum, kann sich dieser in einen „guten“ Menschen verwandeln. Der Mensch braucht dazu zwar eigene Kraft, es ist aber wichtig, nicht allein dazustehen. Die Geschichte wird realistisch, weil nicht eine einzige Handlung, oder ein einzelner Mensch, sofort einen wunderbaren Menschen aus Pavel macht. Es braucht Zeit, viele Rückschläge und immer den nächsten Versuch. Erkennbar ist auch, dass Pavel auch auf die Menschen, die ihm nichts Gutes wollen, reagiert. Er hört darauf, was sie sagen, auch wenn er vielleicht nicht viel Wert darauf legt. Er merkt, wie sie ihn anstarren, wie sie ihn hassen. Und er starrt und hasst zurück. Das ist nur menschlich. Im Großen und Ganzen ist es ein Menschenbild einer Optimistin, einer Hoffenden.

Natürlich wollen wir alle daran glauben, dass ein Mensch gut wird, weil er gut werden will oder auch weil er erkennt, dass „gut sein“ bessere Aussichten bringt. Aber wie oft sieht man, dass sich seine Freunde verändern, nur weil sie lieber auf andere Menschen hören? So oft wird man enttäuscht, wie soll man da noch hoffen können? Aber ja, dieses Menschenbild stimmt. Nur leider passiert es während der Entwicklung vom Kind zu einem Teenager beziehungsweise zu einem Erwachsenen, viel zu oft, dass das Gegenteil eintritt. Man trifft auf die Menschen, um die man als Kind einen großen Bogen gemacht hat und schließt sich ihnen an. Oft weiß man sogar, dass es falsch ist, bei ihnen zu stehen, anstatt den großen Bogen zu gehen. Die Frage, die mich eher beschäftigt, ist, kann man selbst diese Menschen verändern, in dem man den Bogen immer kleiner werden lässt? Kann man sie dazu bringen, über sich nach zu denken, und sie wieder auf die richtige Bahn bringen? Und vor allem: Wie kann man sie von dem „Bösen“ weglocken, und gleichzeitig ihr Selbstbewusstsein aufbauen, wenn man ihnen seine eigene Entscheidung- nichts mit dem „Bösen“ am Hut zu haben- im Grunde aufzwingen will? Denn im eigentlichen Sinn tut man genau das: Ihnen etwas anderes einreden. Natürlich, man will etwas Gutes. Aber wäre es nicht natürlicher, wenn sie von selbst darauf kommen würden? Man muss also viel Zeit vergehen lassen, um auf eine bessere Zukunft hoffen zu dürfen.

Ich denke, selbst wenn man eine gute, erstrebenswerte Zukunft vor sich sieht, ist es schwer auf sie zuzugehen. Es gibt so viele kleine Rückschläge, so viele Abweichungen, dass es nicht leicht ist, das Gute und Erstrebenswerte zu erkennen. Außerdem wird man von allen Menschen beeinflusst, nicht nur von den „guten“. So viele Leute, die einen überreden wollen, doch etwas anderes zuerst zu machen, obwohl man selbst genau weiß, was man zu tun hat. Diesen ständigen Druck hält man meist nicht lange aus. Deshalb vergisst man seine Ziele immer wieder. Wenn man dann drauf kommt, dass man eigentlich ja etwas ganz anderes vorgehabt hat, muss man wieder von vorne beginnen und sich seine Ziele ganz neu stecken- wenn man dann noch den Mut dazu hat. Man muss an sich selbst glauben, aber man vergisst es oft. Vor allem, wenn alle anderen an einem selbst zweifeln. Wenn der Glaube fehlt, verschwindet auch das Selbstvertrauen, auf etwas Neues zuzugehen. Dabei ist es oft so leicht, etwas Besseres zu finden.